Archiv für Mai 2010

Sie nannten ihn Männe…

Wer mit wachen Augen von der U-Bahn-Station Eberswalder Straße kommend, die Schönhauser Allee in Richtung Pankow entlang geht, der wird, kurz bevor er den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark erreicht, eine schmale Straße entdecken – die Topsstraße. Zusammen mit der Eberswalder Straße bildet sie die südliche Begrenzung des Sportparks. Benannt wurde sie nach dem antifaschistischen Widerstandskämpfer Hermann Tops.

Der mit der Benennung einer Straße Geehrte wurde am 18. Juli 1897 in Prenzlauer Berg geboren. Nach der Volksschule erlernte er den Beruf eines Werkzeugmachers. 1919 schloss er sich dem Metallarbeiterverband und der Sozialistischen Arbeiterjugend an. 1923 wurde er Mitglied der KPD und Betriebsratsvorsitzender. Von früher Jugend an war er aktiv im Arbeitersportverein „Fichte“ tätig. Er trainierte in der an der Ystader Straße gelegenen Sporthalle des ehemaligen Luisenstädtischen Gymnasiums und betreute dort auch Turnernachwuchs. Ende der 1920er Jahre wurde „Männe“ – wie seine Sportfreunde Hermann Tops gern nannten – für seine Partei in die Bezirksverordnetenversammlung Prenzlauer Berg gewählt.

Als Arbeitersportler übte er seit Ende 1931 die Funktion des Turnwarts von Berlin-Brandenburg im Vorstand der „Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit“ (1) aus. Als nach dem 30. Januar 1933 die NS-Machthaber die kommunistischen und sozialdemokratischen Sportorganisationen verboten (siehe Video), gelang es ganzen Gruppen von Arbeitersportlern aus Prenzlauer Berg, in politisch unverdächtigen Sportvereinigungen, vor allem im „Berliner Turnverein 1862“, unterzukommen. Bald tauchten dort auch illegale Flugblätter gegen das NS-Regime auf. Der Gestapo konnte die politischen Aktivitäten der ehemaligen Roten Sportler nicht verborgen bleiben. Als am 12. Oktober 1933 Mitglieder der zentralen wie der örtlichen Leitung der Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit verhaftet wurden, befand sich unter ihnen auch Hermann Tops.

Wegen seiner antifaschistischen Tätigkeit wurde er zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Kaum entlassen, nahm er wieder am illegalen Kampf gegen die NS-Diktatur teil. Als Mitarbeiter einer Maschinenbaufirma in Berlin-Wittenau begann er mit dem Aufbau illegaler Widerstandsgruppen in Berliner Rüstungsbetrieben. 1939 schloss er sich wie viele andere frühere Arbeitersportler der von Robert Uhrig geleiteten Widerstandsgruppe an und wurde zum Verbindungsmann der Uhrig-Gruppe zu der großen Widerstandsorganisation um den Kommunisten von Anton Saefkow, die im Berliner Nordosten mehrere Stützpunkte im betrieblichen Bereich besaß.

Am 4. Februar 1942 wurde Hermann Tops erneut verhaftet, nach qualvoller Kerkerhaft im Juni 1944 zusammen mit Ernst Knaack, Heinrich Preuß, Wilhelm Rietze, Artur Sodtke und anderen Arbeiterfunktionären aus Prenzlauer Berg zum Tode verurteilt und am 14. August 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Im Gedenken an Hermann Tops

Seit 31. Januar 1952 trägt die Topsstraße seinen Namen. 25 Jahre später erhielt die nur wenige hundert Meter vom letzten Wohnsitz von Hermann Tops entfernt liegende 8. Polytechnische Oberschule (POS) Prenzlauer Berg in der Kopenhagener Straße 50 den Namen „Hermann-Tops-Oberschule“. Dieser Name war für die Traditionspflege an der Schule geschickt gewählt worden. Hatte doch der vom NS-Regime hingerichtete Arbeitersportler seine Übungsstunden in der Turnhalle der Schule abgehalten und keine fünf Minuten entfernt in der Kopenhagener Straße 46 gewohnt.

In der Aula der 8. POS hing bis zur Auflösung der Schule im Sommer 1991 und der Neueröffnung der 11. Grundschule ein überlebensgroßes Porträt des einstigen Namengebers. Ebenfalls nicht mehr vorhanden ist eine am 6. November 1987 im Eingangsbereich von Haus 6 des heutigen Bezirksamtes in der Fröbelstraße 17 enthüllte Gedenktafel für die beiden von der NS-Justiz zum Tode verurteilten Bezirksverordneten der KPD Gustav Schiefelbein und Hermann Tops. Wie aus dem Text hervorging, sollte mit der Tafel zugleich an alle kommunistischen und sozialdemokratischen Stadtbezirksverordneten von Prenzlauer Berg erinnert werden, die im Kampf gegen das NS-Regime ihr Leben gelassen hatten. Diese Gedenktafel wurde im Februar 1992 entfernt. Und schließlich hat auch die am 16. Januar 1976 am Wohnhaus von Hermann Tops in der Kopenhagener Straße enthüllte Gedenktafel die Zeit nicht überdauert. Die kleine Straße am Jahn-Sportpark aber erinnert bis heute an den Arbeitersportler und Kämpfer gegen das NS-Regime.

K. Grosinski /// gleimkiez.de

(1) Die Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit (KG) wurde auf Initiative und unter Führung der KPD im Dezember 1930 gegründet. Leiter der KG war Ernst Grube, Mitglied des Zentralkomitees der KPD. Ziel der unter dem Eindruck des Aufschwungs der NS-Bewegung in Deutschland gebildeten Organisation war, die antifaschistisch gesinnten Arbeitersportler in kommunistisch geführtem Sportvereinigungen zusammenzufassen.

Sie richtete sich somit insbesondere gegen die sozialdemokratisch geführten Sportvereine, in denen in der Weimarer Republik nach wie vor die Mehrheit der Arbeitersportler organisiert war. Den Führern der SPD gab die KG ganz im Sinne der KPD die alleinige Schuld an der Spaltung der Arbeiter-Turn- und Sportbewegung und warf ihnen Unredlichkeit und Versagen im Kampf gegen die Nazi-Bewegung vor.

Nach inoffiziellen Angaben umfasste die KG Ende 1932 rund 4000 Vereine mit etwa 250 000 Mitgliedern. Nach der Errichtung der NS-Diktatur gingen die Reichsleitung und die Landesleitungen der KG in die Illegalität und leiteten den Widerstand gegen das NS-Regime in den Vereinen. Aufgrund von Verhaftungen musste die illegale Reichsleitung der KG dreimal ersetzt werden, bis sie 1935 aufhörte zu bestehen.

Zuerst veröffentlicht im Falkblatt Nr. 15, Februar 2004, S. 11

Aufstieg 2010 perfekt gemacht!

Gratulation an die erste Mannschaft des Roten Stern Nordost Berlin! Der nächste Schritt in Richtung Himmel ist gemeistert. Mit dem glücklichen Unentschieden heute gegen den Fußballfan Club Berlin, wurde der letzte notwendige Punkt für den Aufstieg eingefahren.

Obwohl man schon recht früh mit 1:0 in Führung ging, geriet man noch in der ersten Halbzeit unglücklich in Rückstand. Erst in der zweiten Hälfte sicherten sich unsere Goldfüße mit einem fulminanten Kopfball den notwendigen Punkt. Mit dem Abschlußpfiff fiel dann die Anspannung bei Fans und Spielern…

Erste Saison im BFV, erster Aufstieg, so muss das laufen!

Roter Platzverweis.

Folgende Nachricht erreicht uns aus Leipzig: Das erste Saisonspiel der Saison in Oschatz war zugleich auch das erste Skandal-Spiel mit Beteiligung des Roten Sterns. Neonazis skandierten ihre Parolen und zeigten den Hitlergruß. Der Anfang einer von rechtsextremen Vorfällen überschatteten Reihe von Auswärtsspielen von Roter Stern Leipzig. Es folgten Brandis, Mügeln und Schildau. Heute nun, beim Nachholspiel Roter Stern gegen Oschatz handelt der Verein selbst: Er kündigt bereits im Vorfeld an, dass bekannten Nazis der Zutritt zum Sportplatz verwehrt wird. Aus gutem Grund. Beim FSV Oschatz kickt ein Rechter, der in Mügeln unter den gröhlenden Nazis stand, welche antisemitisches Liedgut von sich gaben. Abgesehen davon, dass zahlreiche Gastmannschaften bei Spielen in Leipzig-Dölitz auf einige ihrer Spieler verzichten müssten, hat man hier couragiert gehandelt. Der Verein hat Hausrecht. Der Sächsische Fußballverband wie auch der Deutsche Fußballbund haben in ihren Satzungen und Statuten eindeutige Regelungen, dass radikales, extremistisches und ähnliches Gedankengut nichts verloren hat.

Die Erklärung des Vereins:

Das für heute angesetzte Spiel Roter Stern Leipzig gegen FSV Oschatz fand nicht statt. Die Mannschaft des FSV Oschatz hat sich vor Ort entschieden nicht anzutreten und reiste wieder ab. Hintergrund ist, dass wir einem Spieler des FSV Oschatz auf Grundlage unseres Hausrechtes und der Ausschlußklausel für Veranstaltungen den Zutritt zu unserem Sportgelände verweigert haben.

Diese Klausel besagt, dass wir uns als Veranstalter vorbehalten, von unserem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechten / neonazistischen Parteien oder anderen rechten / neonazistischen Organisationen angehören, der rechten / neonazistischen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung verwehren oder von dieser ausschließen.

Bei einem Spieler des FSV Oschatz liegen uns Erkenntnisse vor, dass dieser zum beschriebenen Personenkreis zählt. Wir haben bereits in der vergangenen Woche den Gastverein sowie den Fussballverband auf diesen Sachverhalt hingewiesen und den FSV Oschatz aufgefordert, uns zu unterstützen und besagten Spieler für das heutige Spiel nicht zu nominieren. Leider ist der Verein dieser Bitte nicht nachgekommen und mit dem Spieler angereist. Wir bedauern, dass auf Grund dessen das Spiel heute nicht stattfinden konnte.

Mehr dazu bei Tatort Brandis.

Ton, Steine, Scherben…

Unter dem Pflaster liegt der Strand, jedendfalls vor vierzig Jahren. Hunderttausende suchte ihn damals mehr oder weniger vergeblich. Auch der weltbekannte Fußballer Paul Breitner war Teil dieser Bewegung. Wie er einstmals dem Hausbesetzerquintett Ton, Steine, Scherben unter die revolutionären Arme griff, erzählte der ehemalige Flötist der Band, Jörg Schlottterer, den 11 Freunden:

Rio Reiser hatte nie ein besonderes Bewegungstalent. Schon als Kind war er lieber drinnen als draußen, ein Stubenhocker, eine Leseratte. Er war damit die Ausnahme in unserer fußballbegeisterten Band Ton Steine Scherben. Fußball bestimmte unseren Lebenstakt. Lanrue, Kai, Nikel und ich gingen jeden Tag kicken. In unserer Wohngemeinschaft in Berlin wurde so gekocht, dass genau zum Anpfiff der Fernsehübertragung das Essen auf dem Tisch stand. Rio nervte das natürlich.

Als 1972 endlich unser neues Album »Keine Macht für Niemand« fertig war, schickten wir die Langspielplatte voller Euphorie und aus purer Sympathie berühmten Menschen, die uns etwas bedeuteten. Heinrich Böll bedankte sich für unser Geschenk postwendend mit seinen gesammelten Werken. Und eines Morgens, wir hatten keine Klingel, klopfte es an unserer Tür: Paul Breitner! Im Trainingsanzug des FC Bayern! »Ja, Servus. Ihr habt mir hier diese Platte geschickt, gell? Und jetzt wollte ich mal wissen, was ihr für Leute seid.« – »Ja, Paul, komm doch rein.«

Ich setzte einen Tee auf, und wir machten es uns auf dem Fußboden bequem. Ich weiß nicht, ob ich einen Joint baute, wahrscheinlich schon, Paul Breitner zündete sich zumindest gleich ein Zigarillo an. Ich erzählte ihm alles über die Band, die WG, unser Leben in Berlin. Paul berichtete aus der bunten Welt des Fußballs.


Die Scherben schnorren Breitner an, Reiser schläft weiter

Wir diskutierten über Mao Zedong, dann sagte er: «Wäre ich kein Fußballer geworden, ich würde heute nichts Besonderes sein.« Dieser Satz stand damals sinnbildlich für Paul Breitner: ein kluger, junger Mann, keine Schablone, die Mao liest, sondern ein sympathischer Freak, so wie wir, mit seinen langen Haaren und wilden Koteletten – und ein phantastischer Fußballer. Einige Wochen später, wir waren mal wieder völlig abgebrannt und hatten nichts mehr zu essen, sah ich Paul Breitner in München wieder. Von Zeit zu Zeit mussten wir bei Leuten, die zu viel Geld hatten, schnorren, um über die Runden zu kommen. Ich fragte ihn also, ob er uns 10.000 D-Mark leihen könne. Breitner war einverstanden. Doch dann verlief die Sache im Sande. Wir waren ihm ein wenig unheimlich geworden, forderten wir doch politische Aktionen von ihm als medienwirksame Person in Zeiten des Vietnam-Kriegs. Und so behielt er sein Geld, das er von uns wahrscheinlich eh nie wiedergesehen hätte.

Rio bekam übrigens von dem prominenten Besuch in unserer Wohnung nichts mit. Als der Fußballstar bei uns an der Tür klopfte, träumte er noch von einer besseren Welt. Ich ließ ihn schlafen.

Das hat mit Fuß, das hat mit Ball…

Gefunden bei Stompin‘ Johnny

„TeBe-Fans auf Karneval der Kulturen von Hertha-Fans angegriffen“

Am gestrigen Sonntag wurde auf dem Karneval der Kulturen der Wagen der Tennis Borussia-Faninitiative „We save TeBe“ von etwa 40 Erna-Anhängern angegriffen. Diese hielten sich zuvor überwiegend in der Gastronomie „Kreuzkeller“ auf und bewarfen den Wagen zunächst mit Gläsern. Anschließend wurden die 20 am Umzug teilnehmende TeBe-Fans bedroht, homophob beleidigt und ein am Wagen befindliches Transparent wurde entwendet. Zur Dokumentation des Vorfalls durch die Polizei musste die Gruppe die Teilnahme am Umzug daraufhin unfreiwillig beenden.

Hierbei handelte es sich offenkundig um einen vorbereiteten und koordinierten Angriff, der nur aufgrund des deeskalierenden Verhaltens der TeBe-Fans ohne Verletzte beendet werden konnte.

Als TeBe-Fanabteilung verurteilen wir diesen feigen Überfall auf die friedliche Wagenbesatzung, unter der sich auch Frauen und Kinder befanden, auf das Schärfste. Wir fordern Erna BSC auf, sich klar und deutlich von den entsprechenden Personen zu distanzieren und Konsequenzen zu ziehen. Hierfür stellen wir gerne das während des Angriffs entstandene Bildmaterial zur Verfügung.

Tennis Borussia ist als Verein mit jüdisch geprägter Geschichte und einer friedlichen Fanszene, die sich öffentlich deutlich gegen Rassismus, Homophobie und Antisemitismus positioniert, immer wieder Opfer von Übergriffen.

Mit freundlichen Grüßen,

Tennis Borussia, Abteilung Aktive Fans (TBAF)“

Siehe auch: Lila Kanal, RBB und BZ.

Edit: Auf einem der wenigen guten Hertha-Blogs gibt es eine Menge Kommentare zum Thema, u.a. pöbelt ein ’sog. Fußballfan‘, „dass man sich natürlich als blau-weißer Fan dort versammelt und nichts besseres zu tun hat, den Zug von den Juden anzugreifen“.

Aber es gibt zum Glück auch andere Stimmen: „Als schwuler Fan von Hertha kann ich nur sagen, dass genau solche Leute wie ihr der Grund dafür seid, warum wir bundesweit diesen negativen Ruf haben. Es geht bei diesem Vorfall nicht um die angebliche Lila-Weisse Lügner und Anschwärzer. Ich war da und die Tebe’ler haben nichts getan, ausser friedlich mit einem Wagen am KDK teilzunehmen. Ich hatte aus der Ferne ihr schwulenfreundliches Transparent gesehen und wollte mir das dann aus der Nähe anschauen, als es zu dem Angriff kam. Das waren eindeutig einige “unserer” Harlekins, die die Tebe’ler überfallen haben. Und vor dem Kreuzkeller standen noch ne Menge anderer rum, die das bejubelt haben. Die homophoben Sprüchen waren auch deutlich zu hören und es ist zum kotzen, dass sowas von einigen mal wieder verharmlost wird!!! In diesem Fall haben die Tebe’ler meine Solidarität und auch ich sage darum: Wir sind Herthaner und die nicht!!

Stompin‘ Johnny hat ebenfalls einen Nachtrag: Karneval der Kulturen — Überfall auf TeBe-Wagen.

Ban Ki-moon, bitte übernehmen Sie!

Ein Spieler vom Roten Stern Leipzig berichtet: „Schon während der Anfahrt zum Spiel hatte ich ein ziemlich mulmiges Gefühl. Mügeln war ja seit 2007, seit der Hetzjagd auf acht Inder, bekannt als ein Ort, der auch für uns nicht gerade angenehme Stunden verspricht. Als wir vor dem Spiel in die Kabine gingen, standen da schon Menschen, die klar als Neonazis auszumachen waren – mit Thor Steinar und diversen anderen szenetypischen Kleidungsmarken oder NPD- und anderem nazistischem Merchandise. Das mulmige Gefühl hat sich dann vor allem durch Kleinigkeiten verstärkt, zum Beispiel, dass wir noch nicht einmal allein aufs Klo gehen konnten, weil eben auch Neonazis in kleineren Grüppchen dort herumstanden. Mit dem Anpfiff begannen dann etwa 50 Leute homophobe, rassistische und antisemitische Sprechchöre zu skandieren. Das ging das ganze Spiel über so.

Schon 2007 fragten man sich zum wiederholten Male, ob nicht UNO-Blauhelmtruppen für einige Teile Ostdeutschlands das beste Mittel zur Einführung von humanistischen Grundwerten wären. Nach weiteren drei Jahren steht eindeutig fest: Es wäre wohl besser so! Die deutsche Polizei ist auf jedenfall nicht mehr Herr der Lage, ob sie es nun versucht, oder nicht:

Die Polizei ist nicht eingeschritten, auch nicht beim Singen des Liedes (»Wir bauen eine U-Bahn, von Jerusalem nach Auschwitz«). Nach dem Abbruch kam dann eine Polizistin in die Kabine, die meinte, dass die Polizei uns nicht rauslassen kann, weil sie nicht für unsere Sicherheit garantieren könne. Wir mussten dann 20 Minuten auf eine Hundertschaft der Polizei warten, um den Sportplatz unter Polizeischutz verlassen zu können.

Während die Blauhelmtruppe noch auf sich warten läßt, müssen also andere Massnahmen ergriffen werden. Aber welche?

Ich denke, dass wir auswärts mit einem klaren Konzept antreten müssen. Wir müssen mit den anderen Vereinen kommunizieren, wir müssen uns überlegen, wie wir dort auftreten. Das betrifft auch unsere Fans. Denn die Spiele haben durch die Anfeindungen gegen uns immer häufiger Demonstrationscharakter – und nichts mehr mit Fußballschauen zu tun. Entsprechend müssen wir auch mit der Polizei kommunizieren, die dazu da ist, uns und unsere Fans zu schützen. Wir müssen aber auch in der Mannschaft darüber reden, wie wir in Zukunft bei ähnlichen Vorkommnissen handeln: Gehen wir konsequent vom Feld, oder versuchen wir weiterzuspielen?

Von der Provinz in die Städte. So lautet die langfristige Strategie der braunen Schergen, wie man derzeit auch in den Berliner Außenbezirken immer wieder beobachten kann. Derzeit ist vor allem Neukölln, jener Ort wo die Roten Sterne aus Berlin am Donnerstag ihr Auswärtsspiel austrugen, im Visier der Berliner Neonazis. Einen lesenswerten Spielbericht zum Auswärtssieg unserer Goldfüße findet ihr hier…

Zur Sonne. Zur Freiheit! Nummer Eins

EDITORIAL.

Damals, als Luke Skywalker auf den Todesstern zuraste, hatte er die gleichen Gefühle, wie wir jedes Wochenende im Stadion, Adrenalin pur! Das Tempo, Speed, wie im Rausch, immer nur das Ziel im Auge. Alle abrufbaren Emotionen spielen verrückt. Trotzdem. Keine Kompromisse, den Gegner fest im Visier und konzentriert bei der Sache. Zusammen können wir es schaffen! 90 Minuten Unterhaltung auf höchstem Niveau, mit Unterbrechungen, aber ohne Werbung. Und am Ende ist die dunkle Seite der Macht besiegt. Haushoch, wenigstens fürs Erste. Unser Todesstern des Monats heißt weiterhin FSV Brandis. Darth Vader ist der Sächsische Fußballverband. Und jetzt alle: Wir sind die Guten!

Sehr schön, darauf ein kühles Becks. Mund vom Schaum, und schnell die Fakten checken. Nachdem Rückspiel gegen den FSV Brandis stellte sich heraus, dass die verantwortlichen Vereinsheinis Teil des Great Eintrittsgeld Swindle sind. Dazu aber mehr auf Seite 16. Weitere Neuigkeiten zum Thema findet Ihr immer auf: Tatort Brandis.

Der Umstand, dass es vor Ablauf unserer Lebenszeit wohl kein Ende der intergalaktischen Geschichte geben wird, verleitet uns gerne dazu, die Flügel hängen zu lassen, aber ist erst einmal der Todesstern ausgeschaltet, sind die nächsten Schritte nur noch halb so schwer. Darth Vader kann sich zwar seiner gerechten Strafe entziehen, aber uns wird er mit diesem billigen Animationstrick bestimmt nicht los! Und unzählige Bedenkenträger können gerne über eine Friedensbewegung im Fußball schwafeln, am Ende ist nur entscheidend was aufm Platz ist. Aber dazu mehr auf Seite 8.

Womit wir auch beim vorläufigen Ende sind. Wie bei einem richtigen Film entscheidet ihr Konsumenten, über das Wohl der Produzenten. Oder, wie sagte schon Marx: Die Kinokasse ist der Karl Faktor unserer Schubkraft.

More than an attitude: Ultras Roter Stern (B)

INHALTSVERZEICHNIS

Seite 3
One Ground. One Love.
Stadion Hansastraße – Homeground von Roter Stern Nordost Berlin.

Seite 8
Auf einem Auge blöd…
Warum Ronny Blaschke keine Hooligans mag.

Seite 12
Die Farbe Lila.
Vor 77 Jahren ging Nelly Neppach in den Freitod.

Seite 16
Neues von den Schildbürgern.
The Great Eintrittsgeld Swindle

Seite 17
Der James Bond des Ostens.
Über ganz Spanien wolkenloser Himmel

Seite 19
Termine
Spieltermine der Roten Sterne Halle, Leipzig, Flensburg und Berlin

URL:

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Feld – Wald – Wiese

Ultras, Suptras, Hooltras, Hooligans, es ist beinahe so wie in der modernen Musik, aller drei Jahre muß eine Stilrichtung ihren Namen ändern, damit das zu verkaufende Produkt auf dem Markt weiterhin bestehen kann. Der Schweizer Journalist Daniel Ryser hat sich anderthalb Jahre im Millieu der Zürcher Hooligans aufgehalten. In seinem Buch „Feld – Wald – Wiese“ beschreibt er mit klaren und trockenen Sätzen das Bild einer Subkultur, die jenseits von Politik, Raison und Gesetz steht.

Im Interview mit dem Ballesterer Fußballmagazin zeigt er darüberhinaus eine außergewöhnliche Auffassungsgabe, die weit über jene Bonmots die wir von den Wittichs, Blaschkes & Co. hier in diesem Land gewohnt sind, hinaus gehen:

Eine Differenzierung ist schwierig. Hooligans, Ultras, wer macht was? Die Kriminalisierung von Pyrotechnik hat zu diesem Chaos beigetragen. Aufgrund des Durcheinanders ist es verständlich, dass die Medien den Durchblick verloren haben. Nicht verständlich ist, dass jede Pyro-Aktion zu einer Gewalttat aufgebauscht wird. In der Diskussion ist auch viel Heuchelei im Spiel. Die Empörung gegenüber Pyro hängt mit den Sponsoren zusammen, die ihr Geld nicht für Strafen ausgeben wollen. Es geht um Image und Geld und nicht um die Gefahr, die von Fackeln ausgeht. Vor zehn Jahren hat Pyro niemanden gestört, und ich persönlich finde es nicht schlimm. Aber das ist im heutigen Kontext fast nicht mehr erlaubt zu sagen, weil die öffentliche Meinung derart beeinflusst ist, dass die Leute das Gefühl haben, das seien alles Terroristen. Womit sich die Mehrheit der Journalisten noch nicht abgefunden hat, ist, dass die klassische Hooligan-Szene eine aussterbende Art ist. Ich habe das Gefühl, die Ultra-Szene ist viel attraktiver, was die Anziehungskraft auf Jugendliche angeht …

Das gesamte Interview findet ihr in der aktuellen Ausgabe des Ballesterer. Aber Achtung! Hauptsächlich geht es im Heft um das Jubiläum der Braun-Weißen aus Hamburg. Umsonst, und damit auch kostenlos, kann man im Netz ein Interview mit den Jungs von USP lesen…

Braune Zonenzombies

Zuerst die gute Nachricht: Der Rote Stern Leipzig hat sein Spiel in Schildau mit 1:0 gewonnen. Doch schon auf dem Hinweg zeigte sich an allen Ecken und Enden die Provinz von ihrer besten, nämlich braunen Seite. Nach dem Schlusspfiff kam es dann, wie es kommen musste…

Die Stimmung bei den RSL Fans war nach dem Elfmetertor nun ausgelassener denn je und auch bei den Nazis war die (aggressive) Stimmung auf dem Hochpunkt angekommen. Das Spiel war zu Ende und die Polizeikräfte hatten sich schon am Spielfeldrand in Position gebracht, als ein paar wenige Nazis den Sprung über das Eisenrohr, welches sich um den Platz zog, wagten. Die Polizei stürmte daraufhin auf die Nazis zu, die wohl Richtung RSL Fanblock unterwegs waren, umstellte den Rest der Nazigruppe, die wohl hinterher wollte. Es kam dann zu einer kurzen Auseinandersetzung, bei der die Nazis mit Fäusten und Tritten auf die Beamt_innen und umgekehrt losgingen. Doch gegen Pfefferspray aus den Kanistern der Polizei und deren Kampfausrüstung hatten die Nazis kaum etwas auszurichten. Ein paar Nazis lagen am Boden und wurden von mehreren darauf sitzenden Cops bearbeitet und einige (im Polizeigriff) quer über das Feld abtransportiert.

Auf dem Blog Tatort Brandis wird neben dem ausführlichen Spielbericht auch über die braune Flüsterpropaganda Auskunft gegeben: „Wie wir später von den Spielern des Roten Sterns erfuhren kamen die Nazis auch nicht umhin, jedem RSL Spieler der ihnen in Hörweite (aber außerhalb der Hörweite der Linienrichter) kam, mit “(Du) Jude” zu beschimpfen.

PS: Auch die ersten Mannschaften der Roten Sterne in Altenburg, Berlin, Halle und Hofheim haben ihre Spiele am Wochenende gewonnen. Dagegen steckten Wehringhausen gegen den FC Kurdistan und Sudenburg gegen den BSV 79 jeweils herbe Niederlage ein.

Journalisten – suspekt!

Elke Wittich, ihres Zeichen Journalistin u.a. für Jungle World und Jüdische Allgemeine, durfte mal wieder über ihr Lieblingsthema Fußball schreiben. Diesmal in der konkret.

In den ersten Zeilen geht es um Randale, Rechte und Tokio Hotel. Doch nur einige Absätze später kommt Wittich auf das Thema, welches ihr am Herzen liegt: die Fans von St. Pauli, die Wittich gerne als eine Art verfolgte Unschuld ihrem Publikum andient. Während die Gegner der Hamburger, speziell jene aus Rostock, als böse, gewalttätig und rechtsradikal denunziert werden.

Die Rostocker Fans sind schließlich nicht unbedingt das, was man selbst als nur leidlich denken könnender Fußballvereins-Boss gern im eigenen Stadion haben möchte, schließlich gelten sie als rechtsradikal und gewaltbereit – und haben St. Pauli schon seit vielen Jahren zu ihrem Hauptfeind erklärt, immer wieder wurden die Hamburger Fans nicht nur verbal übelst attackiert, sondern auch körperlich angegriffen.

Frau Wittich verliert natürlich kein Wort darüber, dass erst Ende Dezember 60 Ultras von St. Pauli während eines Hallenturniers auf 40 Fans von Altona 93 eindroschen, nur weil sie den gleichen Platz in der Halle für sich beanspruchten. Guntram Uhlig, ehemaliger Vizepräsident von St. Pauli, nahm die vor seinen Augen stattfindende Keilerei derart mit, dass der 65-Jährige eine Herzattacke erlitt und ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Frau Wittich sagt dazu nichts, weil es so etwas in ihrem schrägen Weltbild nicht gegen darf. Halb so wild, wäre sie bloß keine Journalistin…

Wenigstens hat es die junge Dame geschafft in ihrem langweiligen Artikel auf eine Kampagne hinzuweisen, die es verdient hat ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt zu werden:

Die deutschen Roter Stern-Vereine wollen nun mit einer bislang einzigartigen Initiative namens „Love Sports, hate Neonazism“ dafür sorgen, dass Rassismus und Diskriminierung auch im Amateurfußball eingedämmt werden. Ihr Haupt-Ansatzpunkt ist unter anderem eine Neuregelung der Platzvergabe, bei der in den meisten Städten und Gemeinden die großen, finanziell besser gestellten Clubs bevorzugt werden. Für Freizeit-Vereine wie die Roten Sterne oder andere politisch aktive Mannschaften ist es besonders schwer, Trainingsmöglichkeiten zu erhalten. Das Konzept der Roten Sterne sieht nun vor, „die Platzordnungen und Sportanlagennutzungsverordnungen um einen Passus zur Förderung von Sportvereinen erweitert wird, die zivilgesellschaftliche Standards umsetzen und sich dem Engagement gegen Diskriminierung widmen.