Archiv für Juli 2010

Das Spiel dauert länger…

Der Berliner Fußball-Verband (BFV) hat sich in den letzten Jahren vermehrt der Bekämpfung von Diskriminierung im Amateurfußball angenommen. In einer vor kurzem veröffentlichten Informationsbroschüre wird umfänglich über getroffene Maßnahmen berichtet.

Dem Berliner Amateurfußball kommt eine ebenso schlichte wie gewaltige Aufgabe zu: Jedes Wochenende spielen Zehntausende Berliner und Berlinerinnen gemeinsam Fußball. Sie kommen aus ganz Berlin und aus allen Altersklassen zusammen und bringen dabei unterschiedliche soziale, religiöse und ethnische Herkünfte mit, um gegeneinander und doch gemeinsam Fußball zu spielen.

Gleichwohl bleiben auch in der Freizeit und im Sport die Probleme des Alltags nicht außen vor. Das betrifft den Fußball sogar besonders, da er als der Breitensport schlechthin wie keine andere Sportart Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft versammelt. Kurzum, auch in den Fußball werden die alltäglichen Probleme unserer Gesellschaft wie Rassismus, Antisemitismus und Homophobie hineingetragen.

So kommt es, dass der Berliner Amateurfußball jedes Wochenende eine gewaltige, aber kaum beachtete Integrationsleistung vollbringen muss: Hunderte Trainer/innen, Schiedsrichter/innen und andere Aktive der Berliner Vereine und ihres Verbandes müssen dafür sorgen, dass der Spielbetrieb reibungslos funktioniert – auch und gerade wenn Probleme auftreten.

Aus diesem Grund besteht seit dem Jahr 2008 zwischen dem Verein für Demokratische Kultur in Berlin e.V. (VDK e.V.) und dem Berliner Fußball-Verband eine Kooperationsvereinbarung. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit sollen mithilfe des Projekts »Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin« Antidiskriminierungsmaßnahmen im Berliner Amateurfußball aufgezeigt und installiert werden. Dafür wurden gezielt verschiedene Fortbildungsveranstaltungen für Schiedsrichter/innen, Sportrichter/innen und ehrenamtliche Helfer in den Vereinen des Berliner Fußball-Verbandes (BFV) durchgeführt.

Über die Erfolge der Antidiskriminierungsmaßnahmen informiert die durch den VDK und dem BFV produzierte Broschüre. Diese ist kostenlos in der BFV-Geschäftsstelle (Humboldtstraße 8a, 14193 Berlin) oder hier online erhältlich.

Schwul ist cool.

Es ist immer wieder die selbe Leier, fragt man einen so genannten Experten, König Fußball und Homosexualität das geht irgendwie nicht klar. Allen Ortes hört man, hauptsächlich die männlichen Wertvorstellungen seien dafür verantwortlich. Ob nun als Spieler oder Fan, das Klischee über Homosexuelle schwebt über die betroffenen Protagonisten wie das Fallbeil über dem Todeskandidaten.

So geht der Sportsoziologe Gunter A. Pilz im Falle des Outings davon aus, „dass derjenige es selbst in der eigenen Mannschaft und im Verein schwer haben würde“. Er hat natürlich Recht, „wir leben in einer Beschimpfungskultur“, aber im Sport ist der Gegner derjenige mit dem anderen Trikot! So sieht es nach einer neuen Studie wohl auch die Mehrheit der englischen Fußballfans.

Bei einer Umfrage unter 2000 Anhängern, berichtet der sid, gaben 93 Prozent der Befragten an, dass sie kein Problem damit hätten, würden sich Spieler der Premier League als homosexuell outen. „Das Ergebnis ist überraschend und widerspricht unseren Erwartungen. Die Fans meinen, dass Homophobie eine Schande für den Fußball ist“, sagte Professor Ellis Cashmore, der das Projekt wissenschaftlich begleitete. Die Fans hätten sich laut Ellis für mehr Transparenz eingesetzt. „Viele Leute würden es begrüßen, wenn sich schwule Fußballer dazu bekennen würden.

Mal sehen, was die Experten dazu sagen…

Aufwachen DFB!

Langsam rollt sie an, die Kampagne Pro-Regionalligareform 2012. Diese Bilder stammen vom 3. Ligaspiel Eintracht Braunschweig gegen Dynamo Dresden vom vergangenen Sonnabend:

Unterstützt wird die Kampagne von so bekannten Vereinen, wie dem SSV Ulm 46, SC Fortuna Köln, den Stuttgarter Kickers und dem Halleschen FC. Da konnte sich wohl die politische Prominenz auch nicht mehr auf den Stühlen halten und so ist nun auch eine ehemalige Bundesministerin in die illustre Reihe der Unterstützer aufgenommen worden. Was man auch tut, Politik und Fußball können einfach nicht die Hände von einander lassen…

I read some Marx, and I liked it

Ly­rics:

I thought I just wan­ted to pass;
Good gra­des were all I cared for.
My col­le­ge made me take the class
More stuff for me to igno­re!
But then I found out that
His theo­ries weren‘t so bad:
Labor and class com­bat,
What a very cle­ver man!

CHO­RUS
I read some Marx, and I liked it;
The fri­end of the pro­le­ta­ri­at.
I read some Marx, just to try it;
Hope Adam Smith don‘t mind it!
It felt so wrong,
It felt so right;
Men of the wor­king class, unite!
I read some Marx, and I liked it;
I liked it!

There is a spect­re han­ging o‘er
The face of Eu­ro­pe!
‚Tis com­mu­nism, and it’s more
Than just a so­ci­al hic­cup.
A time will come soon when
The mas­ses rise as one
To carve out their place in
The brand new poe­try to come!

CHO­RUS

Marx is the man, he’s wor­king for you;
The bour­geoi­sie, they just ain‘t your crew.
Ali­e­na­ti­on of labor is bad,
Com­mo­di­fi­ca­ti­on is not a good fad.
The ca­pi­ta­lists are gree­dy you see;
A shor­ter work­day, now that’s what we need!
I‘m rea­ding some Marx, and I‘m li­k­ing it;
Rise up now, pro­le­ta­ri­at!

CHO­RUS

via: mag.blogsport.de

Coole Kids tragen kein St. Pauli-Merchandise!

Okay, Du bist etwas verwundert. Du trägst ein St. Pauli T-Shirt, oder ein Totenkopf auf dem Basecap. Du bist jung, Du nennst Dich linksradikal, oder auch nicht. Du nennst Dich antifaschistisch, oder auch nicht. Jedenfalls trägst Du St. Pauli Merchandise. Vielleicht hast Du Dir das gerade gekauft, vielleicht ist es schon eine Weile her. Um auf den Punkt zu kommen. Jedes Kleidungsstück ist eine Aussage. Jedes Kleidungsstück, jedes Symbol hat eine Geschichte. Und diese gilt es zu beachten…

Mitte der 80er Jahre begann eine kleine Revolution auf St. Pauli. In den heruntergekommenen Stadtvierteln Hamburgs wuchs eine neue Punk-Generation heran. In den alten Häusern am Hafenrand etablierte sich eine militante Hausbesetzer-Szene und auf der Gegengeraden im Stadion des kleinbürgerlichen Fußballklubs St. Pauli von 1910 wurde der Schwarze Block installiert. Und über all dem thronte die Totenkopf-Fahne.

25 Jahre später ist aus einem stinkbürgerlichen Kiezklub ohne Wurzeln in der Abeitersportbewegung der bekannteste linksalternative Fußballklub in ganz Europa geworden. Wie war so etwas möglich?

Hauptsächlich war das dem Torhüter Volker Ippig, sowie der Fußballbegeisterung der damaligen Punkbewegung in Hamburg zu verdanken. Ippig, der von 1986 bis 1992 das Tor von St. Pauli hütete, war bekennender Linker. Er hat als Aufbauhelfer in Nicaragua gearbeitet und zeitweilig in einem besetzten Haus an der Hafenstraße gewohnt. Alte Paulianer erinnern sich gerne daran, wie Ippig damals „mit langen Haaren auf dem Platz steht und der Gegengerade die erhobene Faust, den Gruß der Arbeiterbewegung, entgegenreckt“.

Doch diese Zeiten scheinen schon lange vorbei zu sein. Statt dem Gruß der Arbeiterbewegung sieht man von den Spielern des St. Pauli wie sie gegnerischen Fans mittels Finger das Durchschneiden einer Kehle andeuten und der Sportdirektor, Helmut Schulte, erklärt der Deutschen Presse-Agentur seine Philosophie des Vereins: „Auch im Fußball-Oberhaus bleiben wir ein Stadtteil-Club, der regional aufgestellt ist, nicht etwa international“.

Der Gegensatz regional statt international wird an gleicher Stelle noch etwas weiter präzisiert: „Der FC St. Pauli braucht weder Dolmetscher noch Sprachkurse. Beim Aufsteiger in die Fußball-Bundesliga wird akzentfrei deutsch gesprochen. Was in jeder anderen Profi-Mannschaft nahezu unmöglich wäre, ist bei den Hamburgern normal: Alle Spieler sind momentan Deutsche.

Ist es das was man will? Aus dem Kiez wird in einem Atemzug regional, und schwups, kurz darauf wird die nationale Karte gezogen. Das kuschelige linke Kollektiv mutiert zu einem deutschen Wehrdorf, und über all dem thront die Totenkopf-Fahne.

Kapital gegen Arbeit?!

Als Ende der 80er Jahre der Branchenprimus FC Bayern München mehrfach zu Gast am Millerntor war, schlug ihm der geballte Haß der Paulianer entgegen. Helmut Schulte, damals Trainer von St. Pauli, halluzinierte öffentlich einen Kampf „Kapital gegen Arbeit“ herbei. Wobei natürlich „der Malocherklub ausm Hafen“ die ‚gute Seite‘, sprich die Arbeit vertrat. Das Millerntor-Magazin machte daraus einen Klassenkampf, ausgerechnet gegen einen Verein mit jüdischen Wurzeln, wie dem FC Bayern München. Ausgerechnet in diesem Land!

Hauptärgernis der Verantwortlichen vom FC Bayern war damals die schlechte Verfassung der Umkleidekabinen, sowie des Rasens. Doch das gehört der Zukunft an. Genauso die Tatsache, dass das Kapital auf dem Millerntor verpönt wäre: „Wir müssen auch die Besserverdienenden für den Fußball begeistern“, so der derzeitige Trainer Holger Stanislawski. Deshalb werden die Business Seats auf der neuen Südtribüne von 1000 auf 1200 erhöht.

Der dafür verantwortliche ehemalige Vereinspräsident von St. Pauli, Corny Littmann, ist dabei mit dem Bayern-Boss Uli Hoeneß komplett auf einer Linie: Der hatte vor einigen Jahren den eigenen Ultras lauthals die Mär angedreht, dass ihre günstigen Stehplatztickets, von den Besucher auf den teuren Plätzen finanziert werden. Immer die gleiche Leier. Erst mit holzschnittartigen Klassenkampfphrasen gegen die Bonzen wettern, und am Ende im Schoß der deutschen Wertegemeinschaft landen. Und über all dem thront die Totenkopf-Fahne.

Apropos Totenkopf-Fahne: Anfang der 90er Jahre einigte sich die FC St. Pauli Marketing GmbH mit dem Fan-Laden darauf, daß das komplette Sortiment mit dem Totenkopfsymbol ausschließlich von den organisierten Fans veräußert wird. Doch dann kaufte sich die Marketing GmbH erst die Rechte an dem historischen Symbol einer auf dem ‚Kiez‘ beheimateten Textildruckerei ab, um sie dann 2002 für ein Darlehen an eine Hamburger Sportagentur zu veräußern. Und diese verkaufte die Rechte weiter an den französischen Mischkonzern Lagardère, der früher unter dem Namen des Matra seine Rüstungsgeschäfte betrieb. Schon komisch, wie sich die Verhältnisse so schnell, und so grundlegend verändern konnten.

Schafft ein, zwei, drei, vier… viele Rote Sterne!

Ein eingefleischter Fan von St. Pauli wird dieses Pamphlet wohl recht schnell in die Ecke werfen. Das ist ja auch völlig logisch: Er ist eben ein Fan und läßt sich durch nichts davon abbringen. Dafür haben wir, so komisch es klingen mag, sogar etwas Verständnis. Aber es gibt auch verdammt gute Alternativen als weiterhin stumpf jeden zweiten Samstag zum Millerntor zu pilgern. Viele lokale Vereine haben ihre Wurzeln in der sozialistischen Arbeiterbewegung. Diese werden heutzutage zwar in den seltensten Fällen gepflegt, aber das sollte für uns ja kein Grund sein, solch einen wertvollen Schatz weiterhin unter der Erde liegen zu lassen! In Hamburg wäre da zum Beispiel die Freie Turn- und Sportvereinigung Lorbeer Rothenburgsort von 1896 e.V.

Oder man geht noch ein Stück weiter beim Abschied vom modernen Fußball und beschreitet komplett seinen eigenen Weg: Und unterstützt einen in der Region verankerten Roter-Stern-Verein! Falls diese zu weit entfernt liegen sollten, dann ist es an Dir die Initiative zu ergreifen, in deiner Region mit Deinen Freunden, endlich einen zu gründen! Also worauf wartest Du?

Das St.Pauli-Dilemma ist die Geschichte einer linken Verirrung beziehungsweise eines Irrtums. Es ist Zeit, diesen Irrtum zu erkennen und in Zukunft einen Schal von z.B. Roter Stern Leipzig, Flensburg, Halle, Lübeck, oder Nordost Berlin zu tragen.

Coole Kids tragen kein St.Pauli-Merchandise!

Ultras Roter Stern (B) *AG Hooligans und Philosophen

/// Der Artikel ist aus der zweiten Ausgabe des Fanzines ‚Zur Sonne.Zur Freiheit‘ entnommen. Wir wollen ihn hier zur Debatte stellen, da im Netz schon von einigen missmütigen Aktivisten viele böse Worte in den Mund genommen werden, nur um diesen Text als äußerst garstige Verleumdung zu diffamieren. Wir wünschen viel Spaß beim Diskutieren und bitten um Etikette.

Die Polizei zur Rechenschaft ziehen!

Alles weitere zur Kampagne von Amnesty International findet Ihr auf: taeter-unbekannt.de

Mars Attacks

Im Sozialismus an den ich glaube, arbeitet jeder für den anderen, jeder teilt seine Belohnung, so sehe ich den Fußball, so sehe ich das Leben.

Der legendäre Trainer Bill Shankly pflegte eine Art an den Tag zu legen, die vielen seiner Zeitgenossen auf den Sack ging. Nur Fans des FC Liverpool und Anhänger einer gewissen sozialistischen Arbeitertradition im Fußball konnten damals etwas mit ihm anfangen. Seine rigorose Auslegung des Sportes ohne dabei die Fans zu vergessen, lies ihn aber den heutzutage berühmtesten Satz des englischen Fußball aussprechen:

Es gibt Leute, die denken Fußball ist eine Frage von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann ihnen versichern, dass es noch sehr viel ernster ist.

Beide Zitate sind unser Leitstern für den kommendem Sonnabend. Wer sie nicht auswendig rezitieren kann, sollte lieber schon einmal vorsorglich im roten Büchlein über die Kulturrevolution nachlesen. Denn ohne Kultur, keine Revolution! Und zum Abschluß hier noch ein Original Shankly:

I want to build a team that´s invincible, so they have to send a team from bloody Mars to beat us!

Noch Fragen?