Archiv für August 2010

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Die Kampfansage. Von GetOne: bei Rapidshare

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Keiner geht solange einer steht!

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Stadion Buschallee

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From Berlin with Love!

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Ultras Roter Stern

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Fanzine der Ultras Roter Stern (B)

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Erhalt der Fankultur

Demonstration am 09. Oktober 2010 in Berlin

Treffpunkt 13.00 Weltzeituhr am Alexanderplatz
>>>>>>>>>> Eröffnungskundgebung 14.00 Uhr

Organisatoren: Fan- und Ultraszenen aus Deutschland; ProFans; BAFF; Unsere Kurve

Warum jetzt eine Demo für Fankultur?

Jeder, der sich etwas regelmäßiger mit Fußball in Deutschland auseinandersetzt, wird in der letzten Saison zahlreiche Horrormeldungen aus den Medien vernommen haben, die von einer Eskalation in den Fanszenen berichteten. Zeitweilig schienen sich die Schlagzeilen zu überschlagen. Und während die halbe Nation über die Vorfälle von Bochum (Nürnbergfans durch Pyrotechnik verletzt), Berlin (Platzsturm) oder anderswo debattierte, meldeten viele Fanszenen Stadionverbotswellen: Nürnberg, Hertha, München, Hamburg, Köln, Hannover, Bielefeld und einige mehr. Es gab Strafen, die bislang im deutschen Profifußball ein Novum darstellten: Verbote von Auswärtsfahrten (Nürnberg, Köln, Rostock, Dresden) oder die Schließung einer Heimkurve (Hertha, Bochum). Für das Vergehen einiger weniger wurden ganze Fanszenen bestraft. Vermehrt wurden Einschränkungen für Fans diskutiert und teilweise umgesetzt: personalisierte Tickets, Verbote von Fanutensilien und Choreographien, Verbote eigener Fanzines und so weiter. Dies alles sind Strafen, die kein Konzept der Prävention für künftige Zwischenfälle vorweisen und die in der großen Mehrheit völlig unbeteiligte, friedliche Fußballfans treffen.

Wie sahen die Reaktionen der Fangruppen aus? Wenn überhaupt, dann gab es kleinere Aktionen (z.B. in Form von Spruchbändern) in den einzelnen Kurven selbst. Aber passierte irgendetwas von mehreren Kurven zusammen? Eine tatsächliche Fangruppenübergreifende Aktion, die öffentlich antwortet, Vorwürfe kommentiert und evtl. richtig stellt, die zeigt was Fankultur neben einigen Negativschlagzeilen in der Regel Positives ausmacht, so etwas hat es schon seit Jahren nicht mehr gegeben. Daher ist nun, nach dem Chaos der letzten Saison und dem abgeklungenen Fußballboom der WM, die Zeit gekommen am Anfang der neuen Saison 2010/2011 auf die Straße zu gehen und zu zeigen, was uns Fankultur bedeutet und wert ist.

Jetzt ist die Zeit, ein Zeichen zu setzen!

Wir wollen uns nicht nur beschweren, einklagen und fordern. Wir wollen für die Fankultur, die wir leben, werben. Wir wollen auf die Straße gehen und kundtun wie bunt, kreativ und vielseitig faszinierend Fankultur ist. Wie viele Fangruppen engagieren sich neben dem Fußball für gesellschaftliche Belange? Wie viele zeichnen sich durch soziales Engagement in ihrer Szene, ihrem Verein oder ihrer Stadt aus? Ist das der Öffentlichkeit überhaupt bekannt?

Die Demo soll ein Zeichen an alle Funktionäre und Fußballbosse sein, das ihnen klar macht, dass der Fußball nur mit uns das ist, was alle fasziniert. Sie sollen merken, was sie riskieren, wenn sie weiter den Kurs der Verdrängung unserer Fankultur fahren. Es soll aber auch ein Zeichen sein an alle Fanszenen. Uns allen muss klar werden, dass wir gemeinsam für unsere Fankultur einstehen müssen, wenn wir sie auch in der Zukunft noch leben wollen. Es soll ein Zeichen für die Fanszenen sein, mehr über ihr Dasein, ihr Tun und ihr Lassen zu reflektieren. So viele Steine legen sich die Fanszenen oftmals selbst in den Weg. Es wird Zeit zu diskutieren, aus Fehlern zu lernen und selbst zu handeln, wenn wir unsere Fankultur erhalten wollen.

Warum eine Demo in Berlin?

Unter dem Motto „Zum Erhalt der Fankultur“ fand bereits im Jahr 2002 in Berlin eine gemeinsame Demonstration von Fans verschiedenster Vereine statt und auch 2005 setzten die Fans mit einer farbenfrohen Demonstration in Frankfurt ein ausdrucksstarkes Zeichen für den Erhalt der Fankultur. Auch wenn sich seither viel in den Fankurven verändert hat und sich einige Problemfelder verlagert haben, sind die Themen und grundlegenden Probleme bis heute die gleichen geblieben. In manchen Bereichen konnten kleinere Fortschritte erreicht werden (z.B. teilweise lokale Anhörungsmöglichkeiten bei Stadionverbotsfällen), in anderen hat sich die Lage verschlimmert. Als Beispiel seien die Anstoßzeiten und späte Terminierung genannt. Wir wollen mit dieser Demo den Bogen zur Demo 2002 schlagen und das damals begonnene Engagement endlich zusammen weiterführen.

Was sind heute im Jahre 2010 konkrete Probleme von Fußballfans? Was sind Gefahren für unsere Fankultur?

Mit der folgenden Auflistung geben wir Euch einen kleinen Überblick:

Einschränkung von Fanutensilien

Fahnen, Trommeln, Megaphone, Choreographien, Banner, unabhängige Fanzines und viele andere Dinge sind Elemente von Fankultur, die ihre Kreativität und Farbe ausmachen. Leider sind viele Fans, vor allem bei Auswärtsspielen, in diesen essentiellen Punkten großen Restriktionen, Einschränkungen und Verboten ausgesetzt. Diese beruhen aber so gut wie nie auf realen Sachzwängen, sondern sind oftmals reine Schikane und Machtdemonstration. Eine unabhängige und zu Eigenverantwortung befähigte Fankultur braucht aber Luft zum Atmen. So gab es in jüngerer Vergangenheit auch schon Geldstrafen für Fans, die innerhalb ihrer eigenen Fankurve Fahnen schwenkten, deren Stocklängen geringfügig größer als die restriktiven Vorgaben der Stadionordnung waren. Oder es wurden im Vorwege schriftlich erlaubte Fanutensilien am Eingang zum Auswärtsblock spontan verboten.

Anstoßzeiten

Die Terminierung der Spieltage ist das beste Beispiel dafür, dass alle anderen Interessen denen der Geldgeber, hier also der TV-Konzerne untergeordnet werden. Für die Fans wird es dadurch immer schwieriger ihrer Mannschaft zu den Spielen zu folgen. Auch die späte Terminierung der Spieltage führt immer wieder zu großen Problemen. Dass es nicht sinnlos ist, für Belange wie Anstoßzeiten zu kämpfen, zeigt ein Beispiel der jüngeren Vergangenheit: Motiviert durch die internationale Aktion für fangerechte Anstoßzeiten „Our game – our time“, verkündete der schwedische Fußballverband eine Änderungsbereitschaft bei den Anstoßzeiten!

Wir haben aktuell eine Vielzahl an unterschiedlichen Anstoßzeiten am Spieltag. An Regelspieltagen beginnen die Spiele allein in den ersten beiden Bundesligen an folgenden Zeiten:

- Freitag um 18 Uhr und 20:30 Uhr
- Samstag um 13 Uhr, 15:30 Uhr und 18:30 Uhr
- Sonntag um 13:30 Uhr, 15:30 Uhr und 17:30 Uhr
- Montag um 20:15 Uhr.

An Spieltagen unter der Woche werden die Spiele ebenfalls frühzeitig angepfiffen, sodass selbst den Heimfans aufgrund der Arbeitsverpflichtungen der Stadionbesuch erschwert bis unmöglich gemacht wird. Und dieses setzt sich natürlich bis in die unteren Ligen fort.

Gegen diese Spieltagszerstückelung gab es im Vorfeld natürlich große Proteste. Natürlich wurde auf die Wünsche und Bedenken oder Argumente der Fans seitens der DFL bei der Erstellung des neuen Anstoßzeitenkonzepts keine Rücksicht genommen und stattdessen die Anstoßzeiten so gelegt, dass diese unter dem Motto „Exklusivität steigert den Preis“ optimal vermarktet werden konnten.

Kommerzialisierung

Wenn wir uns als Fans gegen die Kommerzialisierung des Fußballs oder „Gegen den modernen Fußball“ aussprechen, dann heißt das nicht, dass wir uns vor Notwendigkeiten verschließen oder das Rad der Zeit zurück drehen wollen. Wir wehren uns aber gegen eine maßlose Entwicklung, die alle anderen Interessen der Profitmaximierung unterordnet. Wir Fans sind auch ein wichtiger Teil des Fußballs, nicht mehr und nicht weniger! Und ein Teil, den man nicht in ein paar Jahren durch Geld kompensieren kann.

Es kann nicht sein, dass z. B. traditionsreiche Stadionnamen wie das Westfalenstadion Dortmund oder das Waldstadion in Frankfurt an Unternehmen verkauft werden oder die eigenen Vereinsfarben aufgrund von Marketingstrategien beliebig variiert werden. Wir, die Fans der Vereine, verlieren dadurch wichtige Identifikationsmerkmale. Aber auch die Vereine selbst und die Liga verlieren Alleinstellungs- und Identifikationsmerkmale, die den eigenen Wiedererkennungswert mindern. Im Augenblick des Verkaufs mag der Wert scheinbar gesteigert werden. Auf die Dauer werden aus wertvollen, in weiten Teilen der Öffentlichkeit mit dem jeweiligen Verein assoziierten Namen beliebig austauschbare Begriffe, die keinerlei emotionale Bindung zulassen. Es kann nicht sein, dass Vereine und Liga ihre Identitäten für Jahre aufgeben wollen, nur um einen weiteren überteuerten Spieler für zwei Jahre finanzieren zu können. Die finanziellen Löcher werden stetig weiter geschoben, die Fanwarnungen vor den Folgen sollten endlich ernst genommen werden statt stetig neue Vermarktungsoffensiven zu starten und damit den Identitätsverlust auf die Spitze zu treiben.

Weiterhin sprechen wir uns konsequent für die Beibehaltung der „50+1″-Regel aus, welche besagt, dass die Mehrheit der Vereinsanteile beim Verein selbst bleiben müssen und somit keine Investoren oder Unternehmen die komplette Kontrolle über die Fußballvereine übernehmen können. Negative Beispiele kennen wir bereits aus Österreich, wo das Unternehmen „Red Bull“ die kompletten Rechte am Verein Austria Salzburg erworben und anschließend die komplette Identität geändert hat. So wurde der Name in Red Bull Salzburg und die Vereinsfarben von lila-weiß in rot-blau geändert, um einen optimalen Markenauftritt sicherzustellen. Auch in Deutschland ist Red Bull inzwischen tätig geworden. Der Oberligaverein SSV Makranstädt wurde aufgekauft und umbenannt in „RasenBallsport Leipzig“. Mithilfe der Millionen des Getränkekonzerns ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit bis die selbsternannten Roten Bullen aus der „Red-Bull-Arena“ (vormals Zentralstadion) in Leipzig im deutschen Profifußball zu finden sein werden, wodurch dann eine traditionelle Mannschaft samt ihrer Fans von der Bildfläche verschwindet.

In England sind viele Vereine nach der Übernahme durch einen Investor nun hoch verschuldet. Und das ist leider nicht die einzige Folge einer wahnwitzigen Kommerzialisierung, wenn man sich z.B. die Ticketpreise anschaut (billigste Karte bei einigen Partien: 80 Euro).

Stadionverbote

Stadionverbote werden meist schon bei Aufnahme eines Verfahrens, also VOR dem Beweis der Schuld des Betroffenen, vergeben. Offiziell sind sie eine Präventivmaßnahme, die verhindern soll, dass jemand im Stadion gewalttätig wird, de facto stellen sie eine Strafe dar. Auf der einen Seite existieren Betroffene, die beweisen müssen, dass sie unschuldig sind, was während eines Ermittlungsverfahrens durch die Polizei sehr schwer ist. Denn Informationen an Betroffene gibt diese selten und ungern Preis. Ganz im Gegensatz zu ihrer Freizügigkeit bei der Weitergabe von Halbwahrheiten an die Vereine oder den DFB. Auf der anderen Seite sind vermehrt jugendliche Fans betroffen, die wegen Lappalien aus dem Stadion und von ihren Freunden ausgesperrt werden. Obwohl es theoretisch in den Richtlinien die Möglichkeit zu Bewährungsauflagen gibt, wird leider nur selten davon Gebrauch gemacht. Somit sind diese oftmals mit einer überzogenen und unverhältnismäßigen Strafe konfrontiert. Dadurch wird das Vertrauen in den Rechtsstaat und auch die Gerechtigkeit allgemein erschüttert und die Betroffenen werden in nicht unerheblichen Maß kriminalisiert. Sie finden sich vor den Stadiontoren wieder, wo ein von Fans und Polizei gleichermaßen gepflegter gewalttätiger oder pseudo-gewalttätiger Habitus existent ist und eine Alternative zur grauen Tristesse darstellt. Dass Gewalt schon lange nicht mehr in den übermäßig überwachten Stadien stattfindet, widerspricht ebenfalls der Mär vom präventiven Charakter der Stadionverbote. Stadionverbote vermindern nicht die Gewalt, sie schüren sie. Außerdem widersprechen Stadionverbote rechtsstaatlichen Grundsätzen und sind keine Lösung für die Probleme des Fußballs. Sie sind selbst ein Problem.

Datei Gewalttäter Sport

Die Datei Gewalttäter Sport ist eine riesige Datensammlung von Fans, unabhängig davon, ob sich diese etwas zu Schulden haben kommen lassen oder nicht. So reicht es zum Beispiel eine einfache Personalienfeststellung aus, um in die Datei aufgenommen zu werden. Der eintragende Beamte muss nur annehmen, dass derjenige vielleicht irgendwann auffällig werden könnte. Diese Eintragung hat dann allerdings einen ganzen Rattenschwanz an negativen Auswirkungen. So kann sie im Extremfall Grundlage für Ausreiseverbote, Meldeauflagen, Stadtverbote oder für so genannte Gefährderansprachen sein, bei denen Fans durch Besuche durch Polizeibeamte zu Hause oder bei der Arbeit bewusst in ihrem sozialen Umfeld bloßgestellt werden sollen. Wenn die Bundesrepublik ein Sozialstaat sein will, widerspricht sie sich mit diesem Verhalten. Anstatt die Verantwortung für scheinbare „Problemfälle“ zu übernehmen, wird diese weiter geschoben und mehr noch, es wird durch solches Vorgehen dafür gesorgt, dass betroffene Personen nahezu gänzlich aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Vor allem stellt die Eintragung eine Stigmatisierung bei beispielsweise Grenz- oder gewöhnlichen Verkehrskontrollen dar. Dabei muss man sich vor Augen führen, dass sie meist auf vagen Verdachtsmomenten und subjektiven Einschätzungen beruht und man selber über eine Eintragung nicht informiert wird. Die Datei wurde auf dem Rechtsweg über mehrere Instanzen als unzulässig eingestuft und erst durch eine nachträgliche Rechtsverordnung des Bundesrates am Tag der Urteilsverkündung vor dem Bundesverwaltungsgericht legitimiert. Dabei spricht es Bände, dass eine Debatte im Bundestag vermieden worden ist, um diese Änderung vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Mittlerweile sind über 11.000 Personen in der Datei gespeichert.

Polizeiliche Einsatztaktik

Die Art und Weise, wie einzelne Beamte sich gegenüber Fans verhalten, führt in der Regel zu Frustration, Aggression und Eskalation auf Seiten der Fans. Diese Eskalation wird teilweise bewusst in Kauf genommen. Auch die Einsatztaktik spiegelt oftmals den „Fußballfan als Feindbild“ wieder. Die Polizei schafft sich ihre Problemfans selber. Der Alltag der Fans besteht besonders auf Auswärtsfahrten aber auch bei Heimspielen aus engen Polizeikesseln, ständigen Kontrollen und Schikanen sowie Aggressionen und Provokationen. Der Corpsgeist der Polizei schützt dabei nicht nur dieses Vorgehen sondern auch Gewalttätigkeiten und Übergriffe gegen Fans. Dass dies nicht nur unbegründete Vorwürfe von Fußballfans selbst sind, kann man z.B. aus Berichten der Menschrechtsorganisation Amnesty International entnehmen, die im Rahmen der Untersuchung von unaufgeklärten Misshandlungen durch die Polizei in Deutschland, auch Ausführungen über rechtswidrige Gewalt von Polizisten bei Fußballspielen machen.

Wie wurde bislang mit diesen Themen umgegangen?

Es gab Demos, lokale oder bundesweite Aktionen und vieles mehr. Und seit einigen Jahren auch grundsätzlich Gespräche mit dem DFB und der DFL. Viele dieser Probleme wurden auf dem so genannten „Leipziger Fankongress“ im Jahr 2007 thematisiert, der vom DFB ausgerichtet wurde. Die Ergebnisse dieses Kongresses, die in den verschiedenen Arbeitsgruppen entstanden sind, sollten in der darauf eingerichteten so genannten „AG Fandialog“ thematisiert werden. In dieser AG Fandialog saßen neben DFB und DFL ebenso Fanvertreter von ProFans, BAFF und Unsere Kurve. Der Charakter dieser Veranstaltung spricht Bände über die Art und Weise, wie mit den Faninteressen umgegangen wird. Zwar gab es viele Lippenbekenntnisse, eine wirkliche Verbesserung trat in keinem der genannten Problemfelder auf. Ein wirklicher Dialog zwischen gleichberechtigten Gesprächspartnern fand nicht statt. Vielmehr diente die Veranstaltung anscheinend dazu, dass sich DFB und DFL als gesprächsbereit und fannah hinstellen konnten.

Aber auch wir Fans müssen auf unserer Seite Versäumnisse und Fehler einräumen. Eine jetzt einsetzende selbstkritische Diskussion über die eigenen Handlungsweisen hätte schon viel früher einsetzen müssen. Dies müssen wir ganz klar eingestehen. Parallel zu einer Diskussion über die erwähnten Probleme, denen wir Fans ausgesetzt sind, muss jetzt innerhalb der verschiedenen Fanszenen eine selbstkritische Reflexion der eigenen Handlungsweisen stattfinden und Konsequenzen haben. Wir sind uns bewusst, dass Freiheit auch Verantwortung mit sich bringt. Noch einmal: Diese Demo soll auch ein Zeichen an uns Fanszenen sein! Wir möchten betonen, dass wir weiter auf Dialog setzen wollen. Wir sind ein Teil des Fußballs und wollen, dass man uns zuhört und uns ernst nimmt.

Die Demo ist erst der Anfang

Unser Vorhaben ist es, den Einsatz „Zum Erhalt der Fankultur“ gemeinsam fortzusetzen. Unter diesem Motto soll mit der Demo eine Kampagne ins Leben gerufen werden, bei der jede Fan eingeladen ist mitzuwirken. Es wird eine Internetseite eingerichtet auf der künftig über sämtliche Beiträge und Aktionen für diese Kampagne berichtet wird, auf der ihr Neuigkeiten im Einsatz für Fanrechte erfahren – und Euch als Unterstützter eintragen lassen könnt. Informiert Euch auf: www.erhalt-der-fankultur.de. Macht mit bei künftigen Aktionen. Beteiligt euch an Diskussionen. Berichtet in euren Fankurven davon. Erzählt davon in euren Familien und bei euren Freunden. Lasst uns gemeinsam die Sache voranbringen.

KEIN KICK OHNE FANS! ZUM ERHALT DER FANKULTUR!

Kommt zur Demo am 09. Oktober 2010 um 13.00 Uhr auf den Alexanderplatz in Berlin!
Die Demonstration wird von Fans für Fans organisiert. Wir bitten Euch um eine friedliche Teilnahme. Es sollte klar sein, dass übertriebene Feierei sowie sinnfreies oder beleidigendes Skandieren bei dieser Veranstaltung fehl am Platz ist und unserem Anliegen schadet! Weiterhin möchten wir auf den antirassistischen Grundkonsens der Fanorganisationen hinweisen, der natürlich auch für die Teilnahme an der Demo gilt. Wer sich daneben benimmt, wird von der Demo ausgeschlossen.

Quelle.

Hinfort, Rasenballsport!

Die Ereignisse überschlagen sich! Zuerst war da eine völlig berechtigte Forderung, nämlich die Regionalliga zu reformieren. Nichtsdestotrotz waren zwei Transparente mit genau jener Forderung ein Dorn im Auge der Rasenballsport Leipzig Security. Woraufhin ein offener Brief geschrieben wurde, der jetzt endlich von einem verantwortlichen Mitarbeiter für Organisation & Spielbetrieb beantwortet wurde:

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre Kritik an organisatorischen Punkten bei der Austragung des DFB Pokalspieles von dem HFC und Union Berlin. Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass wir bei diesem Spiel keinerlei Einfluss in Bezug auf die Organisation und auf den Ablauf hatten, da wir, wie Sie wissen, kein teilnehmender Verein waren. Der Umstand, dass dieses Spiel in der Red Bull Arena ausgetragen wurde steht in diesem Fall nicht mit unserem Verein in Zusammenhang, sondern ist an den HFC zu richten, der austragender Verein war.

Bezüglich Ihrer angeführten Kritikpunkte kann ich Ihnen aus den oben beschriebenen Gründen leider nicht behilflich sein und kann Ihrer Forderung nach Aufklärung nicht dienlich sein. Wir haben uns Ihre Kritik aber zu Herzen genommen und werden dies bei unseren Spielen mit einbeziehen. Sofern es sich um Spiele des RB Leipzig handelt stehen wir absolut hinter Ihrer Ansicht der freien Meinungsäußerung und werden ein derartiges Banner, sofern es bei uns rechtzeitig angemeldet wird, auch ohne Probleme präsentieren lassen.

Mit freundlichen Grüßen
Horst Eckstein
RB Leipzig
Organisation & Spielbetrieb

DFB-Pokalspiel? HFC gegen Union Berlin? War da was? Also wir waren auf jeden Fall nicht da! Die Transparente auch nicht, Herr Eckstein. Wir besuchten das ersten Regionalligaspiel zwischen ihrem Karnevalsverein Rasenballsport Leipzig und Türkiyemspor Berlin. Können Sie nicht lesen? In der Hoffnung, dass sie es vielleicht doch können, hier die Antwort der Faninitiative Pro-Regionalliga-Reform:

Sehr geehrter Herr Eckstein,

wie Sie bei erneutem Lesen unseres Schreibens mit Sicherheit feststellen werden, sprechen wir NICHT vom DFB-Pokal, sondern vom Spiel RB Leipzig – Türkiyemspor Berlin.

Daher bleiben unsere Aufklärungsforderungen weiterhin bestehen. Erstrecht, nachdem Sie nun eingeräumt haben, dass Sie diese Banner bei Ihren eigenen Spielen zulassen würden.

Mit freundlichen Grüßen
Alex Lehné
Faninitiative Pro Regionalliga Reform 2012

Nun heißt es wohl warten. Wobei es ziemlich unwahrscheinlich ist, dass Herr Eckstein seinen Fauxpas noch irgendwie weiter kommentieren wird. Wer die Wartezeit sinnvoll überbrücken will, der stimmt hier für die Reform, und kann sich dann noch zum Abschluss einen kleinen Beitrag mit bewegten Bildern zu Gemüte führen.

Erwin Schulz: Ein Kind seiner Klasse.

Bis 1933 war die deutsche Sportlandschaft aufgesplittert in bürgerliche, konfessionelle und proletarische Verbände. Diese gehörten zunächst dem 1893 in Gera gegründeten Arbeiter-Turnerbund (ab 1919 Arbeiter-Turn- und Sportbund) an. 1929 fand die Spaltung der Arbeiterbewegung auch im Sport ihren Widerhall, indem der ATSB mit dem Ausschluss von kommunistischen Vereinen und Mitgliedern begann. Diese gründeten dann die Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit. Über dieses Kapitel deutscher Sportgeschichte unterhielten wir uns mit dem 97jährigen Erwin Schulz, einem früheren Mitglied des Arbeiter-Sportverein Fichte Tempelhof. Anmerkungen in Klammern sind von der Redaktion.

Proletarische Kindheit

Mein Vater war Schlosser, die Mutter Blumenbinderin. Seit 1913 bewohnten wir eine 2-Zimmer-Wohnung in der Kaiser-Wilhelm-Straße in Tempelhof. 1915, also schon während des Krieges, kam meine Schwester auf die Welt. Der Vater war als Soldat in Rumänien, so dass die Mutter uns allein über die Runden bringen musste. Die Lebensmittel waren rationiert, es gab Lebensmittelkarten und Läden, wo man sie einlösen konnte.

Ich erinnere mich noch an den so genannten Kohlrübenwinter 1916/17. Es hatte eine Kartoffelmissernte gegeben, so dass Kohl- und Steckrüben zur wichtigsten Nahrungsgrundlage wurden. Sogar Marmelade wurde aus Rüben hergestellt. Hunderttausende deutsche Zivilisten verhungerten damals, und der Hunger begleitete weite Bevölkerungskreise auch in den nächsten Jahren.

1919 kam ich zur Volksschule. Damals wurden Jungs und Mädels noch getrennt unterrichtet, die Klassen waren größer als heute. Einige Lehrer kamen aus der kaiserlichen Armee, oft als regelrechte Prügelhelden. Manche begannen den Unterricht, indem sie immer erst mal ein, zwei Schülern Dresche gaben. Als unterernährtes Kind bekam ich in der Schule so genannte Quäkerspeise. Das war eine Suppe aus Pulver aus den USA, von der Hilfsorganisation der Quäker, einer christlichen Sekte. Wie es schmeckte, kann ich heute nicht mehr sagen. Man war hungrig, da war der Geschmack auch nicht so wichtig.

In der Hochzeit der Inflation 1923 wurde den Arbeitern und Angestellten ihr Lohn wegen der raschen Geldentwertung jeden Werktag ausgezahlt. Wir Kinder mussten uns dann mit nach Lebensmitteln anstellen. So bezog meine Schwester Posten beim Bäcker und ich zur gleichen Zeit beim Schlachter, bis mein Vater dann mit seinem Rucksack voller Geld kam und uns dick gebündelte Scheine gab. Milliarden und später Billionen, die wir schnellstens ausgeben mussten, denn schon am Mittag war die Mark weiter verfallen, und man erhielt dann für die gleichen Irrsinnssummen noch weniger Kalorien.

Wenn es am Sonntag Fleisch gab, bekam es der Vater als Ernährer der Familie, wir Kinder vielleicht noch ein bissel, und die Mutter musste sich mit der Soße begnügen. Das war bei vielen Arbeitern so. Die wichtigste und schönste Freizeitbeschäftigung war für mich das Turnen. 1922 war ich in die Turnabteilung des Arbeiter-Sportvereins Tempelhof eingetreten. Der gehörte damals dem Arbeiter-Turn- und Sportbund an. Der Mitgliedsbeitrag war erschwinglich, auch wenn ich den genauen Betrag nicht mehr weiß, obwohl ich einige Zeit lang auch Kassierer war. Manchmal bezahlten auch andere für die Arbeitslosen und deren Kinder, die Solidarität ist einem dort in Fleisch und Blut übergegangen. Ohne gegenseitige Hilfe wäre es auch nicht gegangen.

Der Sportplatz lag in Mariendorf nahe der Rennbahn. Ein Platz mit einfacher Laufbahn, nur 300 Meter lang. Unsere Knabenriege turnte jeden Dienstag und Freitag. Eine Tradition in all den Jahren war das „Ansporteln“ im Frühjahr und im Herbst zum Ende der Freiluftsaison das „Abgesporteln“. Da waren dann immer viele dabei und alle Sportarten vertreten. Später spielte ich auch Handball und betrieb Leichtathletik. Viele von uns waren Allroundsportler, denn die Körperertüchtigung diente uns zur Erholung von der Arbeit oder auch dem erzwungenen Nichtstun. Überspezialisierung und das bürgerliche Profitum waren in unserer Sportbewegung sehr verpönt.

Prägende Lektüre

Als ich die Schule mit 14 verließ, wollte ich Schriftsetzer werden, aber es fand sich keine Lehrstelle, eine Ausbildung zum Maurer oder Schlosser auch nicht. Ich kam dann im Warenhaus Jonas & Co. in der Belle-Alliance-Straße als ein besserer Laufbursche unter, mit Schlips und Kragen, und trat auch in der Gewerkschaft ein. Zeitweise leitete ich die Jugendgruppe. Im Kaufhaus protestierten wir Jugendlichen, weil wir eine fachliche Ausbildung als Verkäufer haben wollten, und dagegen, dass Ansagen nach der Arbeitszeit gemacht wurden. Aber wir erreichten mit dem Protest nichts und wurden dann einer nach dem anderen entlassen.

Unser ASV Tempelhof wurde 1928 aus dem ATSB ausgeschlossen, weil wir mit der Politik der rechten [hier: der SPD-nahen] Bundesführung nicht einverstanden waren. Zum Beispiel hatte sich die SPD 1928 im Wahlkampf noch gegen den Panzerkreuzerbau positioniert, aber schon im August des gleichen Jahres stimmten ihre Minister dafür. Auch in den Gewerkschaften, im ATSB und den anderen Organisationen versuchte die SPD ihre reformistische Politik immer stärker durchzusetzen. Ähnliches wie die Ausschlüsse aus dem ATSB spielte sich auch in den SPD-Gewerkschaften ab. Daraufhin entstand die kommunistische Gewerkschaftsbewegung (1,2) und im Sport die Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit.

1929 erschien „Im Westen nichts Neues“ von Remarque. Der berühmte Antikriegsroman verkaufte sich in Deutschland schnell mehr als eine Million mal. Das Buch prägte viele aus der Arbeiter- und Sportjugend, so auch mich. Über den Krieg hatten wir zuvor wenig erfahren. Nach der Lektüre forderten wir unsere älteren Sportgenossen auf, von ihren Erlebnissen zu berichten. Ein Jahr später gab es auch schon einen Hollywood-Film, der auch bald in Deutschland zu sehen war, aber zensiert. Und die Nazis machten in den Kinos auf Befehl des Berliner Nazi-Gauleiters Goebbels Randale, indem sie Eier gegen die Leinwand schmissen oder sie kaputt schnitten und auch Besucher bedrohten. Wir waren schon vorher gegen die Nazis, aber dadurch verstärkte sich das noch, denn dass die gegen einen Antikriegsfilm waren, zeigte uns, dass sie für den Krieg waren.

[Dem Beitritt des ASV Tempelhof zur Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit folgte ca. 1931 der Beitritt zum Zentralverein Fichte Berlin. Fichte hatte sich 1890 als erster Arbeiter-Turnverein überhaupt gegründet und nach und nach in allen Stadtbezirken und vielen Provinzstädten und Dörfern Abteilungen aufgebaut. Darin wurden viele populäre Sportarten angeboten. Mit rund 11.000 Mitgliedern galt Fichte Anfang der 30er Jahre als größter Sportverein der Welt!]

Auf unserem Sportplatz spielte sich in den Jahren der Arbeitslosigkeit viel ab. Wir waren da wie zuhause. Wenn wir auf Wanderung gingen, brachen wir hier auf und kehrten abends immer zum Sportplatz zurück, um dort den Abschluss zu machen. Und so war es auch bei den anderen Arbeiter-Sportvereinen. Ich war außerdem noch in der Gewerkschaft, aber in keiner Partei, und so hielten es auch die meisten meiner Sportkameraden. Manche von uns waren in der KPD, einige aber auch in der SPD.

Aber wir alle beteiligten uns an den Antikriegsdemos am 1. August [Der Erste Weltkrieg hatte für Deutschland am 1. August 1914 begonnen.] und am 1. Mai, dem damals noch nicht gesetzlichen Feiertag der Arbeiter. Wir haben viel gelesen und gehört über die Arbeiterbewegung, eine lange Entwicklung, in die man als Proletenkind reinwuchs, da man von Armut und Arbeitslosigkeit selbst betroffen war. Ab 1930 war ich lange Zeit arbeitslos, hatte außer durch Gelegenheitsarbeiten kein Geld und lag den Eltern auf der Tasche. Von einem Genossen hatte ich einen alten Fahrradrahmen bekommen, alles andere besorgte ich mir nach und nach dazu, bis es ein Fahrrad war und ich schneller zum Sportplatz nach Mariendorf kam. Wenn ich hörte, dass ein Betrieb einstellte, fuhr ich auch da schnell mit meinem Rad hin, aber meist hing dann draußen schon das Schild „Wir stellen nicht ein“.

Am 1. Mai 1933 waren schon die Nazis an der Macht. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund existierte noch und forderte seine Mitglieder auf, zur Maifeier mit Adolf Hitler auf dem Tempelhofer Feld zu gehen. Mehr als anderthalb Millionen folgten dem, aber wir Arbeitersportler empfanden das als Verrat und fuhren ins Grüne hinaus, wo ein Sportgenosse über die Geschichte des 1. Mai sprach. Am 2. Mai wurden die Gewerkschaften dann verboten, viele führende Gewerkschaftsfunktionäre eingesperrt, einige sofort umgebracht.

Verrat und Haft

Unser Platz lag neben einer Laubenkolonie. Vor der absehbaren Zerschlagung der Arbeiterbewegung rissen wir die Garderobe, das Sanitätshaus und den Schuppen ab. Wir verkauften alles an die Laubenpiper und spendeten das Geld für den Widerstand. Das war wohl im Februar, im März war die Gefahr schon größer, die SA hatte in vielen Stadtbezirken schon das Heft in der Hand. Wenn die Nazis uns dabei erwischt hätten, hätten sie uns vielleicht zu Tode geprügelt.

Wir wurden im März 1933 verboten und traten zum großen Teil in den MTV Tempelhof ein, der zur Deutschen Turnerschaft gehörte und darum erlaubt blieb. Dort konnten wir uns ganz legal treffen. Noch wussten wir ja nicht, wie sich der Faschismus in Deutschland entwickeln und welche Brutalität er später zeigen würde. Den freien Gedankenaustausch pflegten wir in der Wohnung meiner Eltern, wo wir auch Musik machten. Meine Schwester spielte Geige, wir anderen Mandoline, damals ein populäres Instrument in der Arbeiterbewegung, weil preiswert und schnell erlernbar.

Einige hielten Verbindung zur illegalen Landesleitung der Kampfgemeinschaft. Bei Verhaftungen brachen die Kontakte ab und wurden nach Freilassungen neu geknüpft. Als ich mich zum illegalen Widerstand entschloss, verbrannte ich aus Vorsicht alle Fotos, die im Zusammenhang mit meinem Sportverein standen. Ich hatte einen Treffpunkt in Kreuzberg, wo mir Sportgenosse Erich Rochler, ein ehemaliger Arbeiter-Fußballer und Mitglied der KG-Landesleitung, Material zum Verteilen gab. Einmal merkten wir, dass man uns beobachtete, ich konnte mit meinem Rad entkommen, er aber wurde verhaftet. Davon erzählte er mir, als ich ihn später im Zuchthaus Luckau traf.

Er meinte, sie hätten ihn damals halbtot geschlagen, weil sie meinen Namen und meine Adresse haben wollten, er wusste aber beides nicht. Das war so üblich im Widerstand, damit man auch unter Folter nur wenig preisgeben konnte.

Später lernte ich den Quade kennen, einen Leipziger Jugendlichen, der vor 1933 bei einem Lehrgang in der Sowjetunion war und nun in Berlin eingesetzt war. Er kannte meinen Treffpunkt zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort in Tempelhof, und ich denke, der hatte mich damals verpetzt. Als ich ihn eines Tages wieder treffen wollte, klopfte mir plötzlich jemand auf die Schulter und sagte: „Sie sind verhaftet.“ Ich wurde in ein Auto gestoßen, man nahm mir die Schlüssel ab und durchsuchte die Wohnung. Meine Mutter lag krank im Bett und bekam einen schlimmen Schreck. Meine Büchersammlung wurde mitgenommen, sogar meine rot eingebundenen Goethe-Bände.

Es folgten mehrere Vernehmungen, Einzel- und Massenzellen wechselten sich ab. Die Misshandlungen im Polizeigefängnis am Alex verliefen für mich ziemlich glimpflich. Dann kam ich nach Moabit, dahin schickte mir meine Schwester jede Woche 5 Mark, welche die Genossen für mich gesammelt hatten. Im September 1935 hatte ich meinen Prozess wegen Vorbereitung zum Hochverrat. Von den Zusammenkünften in der Wohnung wusste Quade nichts, deshalb kam das auch nicht bei Gericht zur Sprache. Ob er ein Spitzel war oder mich unter der Folter verraten hatte, weiß ich nicht.

Der Staatsanwalt beantragte 10 Jahre Zuchthaus, aber ich kam mit fünf Jahren und fünf weiteren unter Polizeiaufsicht davon. Damit hatte ich noch Glück. Zwei Jahre später gab es dafür schon viel höhere Strafen, und das steigerte sich dann immer weiter.

Ich kam nach Luckau und saß mit den im selben Prozess verurteilten Genossen Gardei und Reihmann in einer Zelle, die 2 mal 4 Meter maß. Wegen Fluchtgefahr mussten wir jeden Abend die Zuchthauskleidung und die Schuhe abgeben. Gardei und Reihmann waren auch Arbeitersportler, rote Radfahrer, und als solche bis zu ihrer Verhaftung auch als Kuriere unterwegs gewesen. In der engen Zelle mussten wir arbeiten, essen und schlafen. Einer im Metallbett unter dem Fenster, einer auf dem Klappbett und einer auf dem Fußboden. Jede Woche wechselten wir reihum.

Meine Schwester schrieb oft, in ihren Briefen schilderte sie meist wissenschaftliche Entwicklungen. Das passierte die Zensur, und wir hatten geistige Anregungen, um über was reden zu können. Manchmal besuchte mich Kurt Krapalies, mein ehemaliger Turnwart von Fichte Tempelhof. Wir kannten uns schon seit 1922, hatten uns später angefreundet und auch in der Illegalität zusammengearbeitet. Seine Besuche waren nur möglich, weil er sich als Verlobter meiner Schwester ausgab.

Für den Hofgang durften wir die Zelle jeden Tag eine Stunde verlassen. Sprechen war draußen verboten, also flüsterten wir nur, damals konnte ich ja noch besser hören als heute. Später mussten wir im Freien Wehrsport üben, Exerzieren zum Beispiel.

Die schlimmste Zeit in Luckau begann, als unsere Zellengemeinschaft aufgelöst und ich mit einem Kriminellen zusammengesteckt wurde, einem richtig asozialen Dieb, der immer nur von seinen krummen Touren sprach. Danach kam ich in die Moorlager Birgermoor, Esterwege und Aschendorf, alles bei Papenburg nahe den Niederlanden. Dort hieß es Torf stechen und Drainagen legen, bis mich die Gestapo zurück nach Berlin holte und dort in ‚Schutzhaft‘ steckte. Nur dank meiner Schwester, die jeden Tag im Polizeigefängnis am Alex nach meiner Entlassung fragte, lebe ich heute noch. Sonst wäre ich nach Sachsenhausen gekommen, wo meine Überlebenschancen nach fünf Jahren Zuchthaus wohl schlecht gewesen wären. So kam ich frei, musste mich aber jede Woche ein oder zweimal bei der Polizei melden, bekam Ehrverlust und all diese Dinge.

Hiermit wollen wir für heute schließen und bedanken uns auf diesem Wege noch einmal bei Erwin Schulz für die Gespräche und wünschen ihm alles Gute. In der nächsten Ausgabe berichten wir über den Berliner Arbeiterfußball, der seit 1909 abseits vom DFB existierte und bis zu seiner Auflösung im Frühjahr 1933 eigene Meisterschaften und Länderspiele ausrichtete.

Zur Sonne.Zur Freiheit! Ausgabe 3

Europapokal, Europapokal!

Souverän. Ganz souverän haben unsere Goldfüße die zweite Runde des Holger Blichmann Pokals erreicht. Nach einer anfänglichen Abtastphase verwechselte ein Spieler von Pulmon Negro die Sportart:

Doch dann flog der Ball Richtung Tor und fast auch ins Tor, hätte da nicht ein Feldspieler der Freizeit-Landesligisten die Hand in Richtung Himmel gestreckt. Die Folge war klar: Platzverweis und Elfmeter. Heiner S. verwandelte sicher und so stand es in der 22. Minute 1:0 für die Freizeit-Bezirksligisten des Roten Sterns.Roter Stern Spielbericht.

Am Spielfeldrand konterten die Fans das erste Tor mit der allbekannten Berliner Bratwurstlaune. Der Gerstensaft floss in Strömen und die pyrotechnischen Erzeugnisse flogen gen Himmel. Anfängliche Koordinierungsschwierigkeiten in der Abwehr brachte aber die Laune neben dem Platz wieder etwas auf den Boden der Tatsachen. Trotz Überzahl gelang es den Gästen ab und zu gefährlich vor dem Tor der Roten Sterne aufzutauchen. Glücklicherweise war unser Torwart wie immer auf der Hut und vereitelte einige gute Chancen von Pulmon Negro. Und dann schlug der Ball wieder im Tor der Gegner ein:

Durch ein schönes Zusammenspiel von Heiner S. und Manuel S. kam Emmanuel M. an der Strafraumgrenze frei zum Torschuss. Der Torwart konnte zwar parieren doch den Ball nicht festhalten. So war es ein leichtes für Sascha L. den Abpraller ins Tor zu schieben. 2:0 zur Halbzeit. Ein solides Halbzeitergebnis.

Woraufhin die Fans solide aus dem Häuschen waren. „Europapokal, Europapokal“-Sprechchöre verfolgten die Mannschaft in die Umkleideräume, pyrotechnische Erzeugnisse flogen – natürlich nicht auf den Platz – und – jawohl – Gerstensaftkaltschale pur!

Die 2. Halbzeit war geprägt von vielen kleinen Fouls und Fehlern auf beiden Seiten. Unglücklich war ein taktisches Foul des Stern-Liberos. Den folgenden Freistoß führten die Gäste schnell aus, womit die Abwehr in Unterzahl geriert und einfach „überrannt“ wurde. Der herauseilende Stern-Keeper konnte den vorangegangenen Fehler leider nicht mehr gut machen und so stand es 2:1.

Danach war irgendwie Pumpe. Auf beiden Seiten. Die mit einem Mann weniger spielenden Pulmons kamen kaum noch aus der eigenen Hälfte. Die Sterne trugen einen Angriff nach dem anderen vor, die leider durch unnötige Fehlpässe meistens am 16-Meter-Raum ihr Ende fanden. Doch dann war da noch ein Highlight:

Gerade in der Schlussphase kam es so immer wieder zu gefährlichen Aktionen im gegnerischen Strafraum. Es folgte ein Lattenknaller, mehrere typische Strafraumszenen, angenehm wenige Alleingänge, ordentliche Distanzschüsse und zu guter letzt ein zauberhaftes Freistoßtor zum Endstand 3:1.

Im letzten Jahr schied der Rote Stern Nordost noch unglücklich gegen Bluechips Berlin in der 1. Runde aus. Diesmal haben unsere Goldfüße das erste Mal in der Vereinsgeschichte die zweite Runde Pokals erreicht. Gratulation, Mädels und Jungs!

Offener Brief an Rasenballsport Leipzig

Bezüglich verhinderten Aktionen der Initiative Pro Regionalliga Reform

Sehr geehrte Vereinsverantwortliche von Rasenballsport Leipzig,

mit Befremdung erlangten wir Kenntnis davon, dass beim Heimspiel Ihres Vereins gegen Türkiyemspor Berlin einigen Anhängern aus Berlin das Aufhängen und Zeigen zweier Transparente unserer Initiative verboten wurde.

Auf den Bannern stand „Aufwachen DFB! Pro Regionalliga Reform 2012!“ geschrieben. Eine Forderung, die nachweislich bei Betrachtung unserer Webseite nicht nur an diesem Wochenende in zahlreichen Stadien der Bundesrepublik zu lesen war. Oftmals beteiligten sich sogar Vereine, die ihre Spieler in T-Shirts mit dieser Forderung oder mit entsprechenden Bannern einlaufen ließen.

Auch wenn ihr Verein die Probleme in der aktuellen Regionalliga noch nicht wahrnehmen konnte, oder aufgrund einer außergewöhnlichen Stellung im finanziellen Bereich keine Probleme sieht, so erklärt das dennoch nicht das – mit diesem Verbot an den Tag gelegte – mangelnde Demokratieverständnis.

Die Banner enthielten keinerlei Beleidigungen oder Diskriminierungen, weshalb wir eine Aufklärung der Vorgänge von Ihrer Seite fordern. Weiter fordern wir Sie auf, in Zukunft freie Meinungsäußerungen im von Ihnen genutzten Stadion zuzulassen, solange diese nicht gegen oben genannte Grundsätze verstoßen. Schließlich ist die Meinungsfreiheit eine äußerst schützenswerte Säule in unserer Staatsform.

Mit freundlichen Grüßen

Faninitiative Pro Regionalliga Reform 2012

Neulich auf St. Pauli

Fußballmafia DFB!

Im Gefolge des DFB-Fankongresses 2007 in Leipzig wurde eine Arbeitsgemeinschaft Fandialog gegründet. Die AG sollte eine kontinuierliche Verbindung zwischen dem DFB, der DFL und den organisierten Fans darstellen, wo man die Anliegen der Fans nach Möglichkeit zur Sprache bringen kann. Nach drei Jahren ist davon nicht viel übrig geblieben. Verschiedene Fanvertreter ziehen eine ernüchternde Bilanz und beklagen „leere Versprechungen statt Ergebnissen“.

Fanorganisationen ProFans, Unsere Kurve, BAFF und F_in reagieren auf die Entwicklung und erwägen Ausstieg zur Winterpause

Hamburg, 18. August 2010 – Nach fast drei Jahren kann seitens der Fanorganisationen über die bisherige Arbeit innerhalb der AG Fandialog, zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) auf der einen Seite und den Fanorganisationen auf der anderen, kein positives Resümee gezogen werden. Ursprünglich wurde die Arbeitsgruppe Fandialog ins Leben gerufen, um die gemeinsam erarbeiteten Themen des DFB-Fankongress 2007 in Leipzig im Nachgang zu diskutieren und umzusetzen sowie den Dialog zwischen Fans und Offiziellen zu verbessern und zeitnah sowie aktuell zu halten. Die Realität sieht leider ganz anders aus.

„Unsere Kurve“-Teilnehmer Mathias Scheurer äußert sich aufgrund seiner Erfahrungen wie folgt: „Diskussionen bei für uns wichtigen Themen verlaufen ergebnislos. Entweder werden Zuständigkeiten von offizieller Seite munter hin und her geschoben oder es mangelt schlicht an der Entscheidungsbefugnis der beteiligten Personen. Dies dokumentiert den Stellenwert dieser Arbeitsgruppe bei DFB und DFL. Ich vermisse bei den beteiligten Verbänden die notwendige Ernsthaftigkeit, sich wirklich mit brennenden Themen zu beschäftigen und die Bereitschaft, wirklich etwas im Sinne der Fans verändern zu wollen. Das Marketinginstrument ‚Fanclub Nationalmannschaft sponsored by…‘ genießt offenbar eine höhere Priorität als die Lösung dringender Probleme im Fußball-Tagesgeschäft. Solange dies so bleibt, stellt sich die Frage, ob die Teilnahme an der AG überhaupt einen Sinn ergibt.

Bei dem kleinsten Fehlverhalten von Fanseite wird nicht mit, sondern meist über uns geredet. Wird dies kritisiert, verweist man auf den „Fanvertreter“ von der KOS oder auf Fanbeauftragte. Noch einmal in aller Deutlichkeit: Wir wissen deren Arbeit wirklich zu schätzen, aber es sind KEINE Fanvertreter sondern bezahlte Fanbetreuer! Es werden drastische Strafen an komplette Fanszenen für individuelle Fehler Einzelner verhängt. Verringerung der Kartenkontingente für Gästefans, Sitzplatzzwang, Ausweiszwang, Polizeikessel, schikanöse und entwürdigende Behandlung von Gästefans, all das ist eine pauschale Kriminalisierung aller Fans des entsprechenden Vereins. Eine Vorgehensweise, die dem entgegensteht, was der gesunde Menschenverstand fordert, nämlich Differenzierung und Einzelfallprüfung. Warum all dies stattfindet, obwohl mit der AG Fandialog eigentlich ein Medium geschaffen wurde, in dem über aktuelle Entwicklungen gemeinsam diskutiert werden sollte, können wir in keinster Weise nachvollziehen.

Nicole Selmer, konstante Teilnehmerin für F_in, sieht das ebenfalls kritisch: „Viele Themen, die wir versucht haben anzusprechen, scheinen den ‚Raum AG Fandialog‘ niemals zu verlassen. Und auch sonst scheint niemand ernsthaft an einem Dialog interessiert zu sein. Wie sonst ist es zu erklären, dass wir vier oder fünf Mal dieselbe Anfrage stellen und jedes Mal die Reaktion lautet ‚Interessante Idee, wir werden das prüfen‘“.

Weiterhin muss klar gestellt werden, dass die offenen Themen des Fankongress 2007 bislang nicht abgearbeitet wurden (siehe hier). Wir haben hier vehement darauf gedrängt und hingewiesen, leider ohne Erfolg. Skurril wurde es, als vom DFB ohne weitere Begründung verkündet wurde, die offenen Punkte seien alle erledigt. Wir wissen natürlich, dass nicht alle unsere Wünsche und Forderungen umgesetzt werden können, aber mehr als ein „erledigt“ auf unsere Fragen erwarten wir als Antwort definitiv.

Grundsätzlich gehen wir auch davon aus, dass alle Themenfelder vorab ergebnisoffen in der AG Fandialog diskutiert werden. Bezeichnend in der aktuellen Situation ist, dass feste Zusagen von offizieller Seite nicht eingehalten werden. Seit knapp 1,5 Jahren wird uns versprochen an einer offiziellen Spieltagsterminierung der DFL teilnehmen zu können. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als die Anstoßzeiten reformiert werden sollten und neue Fernsehverträge zur Verhandlung anstanden. Nachdem wir monatelang versuchten einen Termin zu bekommen, wurde uns jetzt doch eine Absage erteilt – aus Datenschutzgründen. Dieses und die ausbleibende Unterbreitung von Lösungs- oder Alternativvorschlägen führt dazu, dass sich der Verdacht erhärtet, dass die Zusage nur getätigt wurde, um den damaligen groß angelegten Fanprotesten den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Festzuhalten bleibt, dass die Anstoßzeiten weiter zerstückelt undfanunfreundlicher wurden und die TV-Verträge in trockenen Tüchern sind. Die Hinhalte- und Einlullungstaktik der DFL hat somit funktioniert!

In der AG Fandialog wurde von unserer Seite auch das Thema Musterstadionordnung angesprochen. Diese stellt ein Grundgerüst des DFB für die Vereine dar, an der viele sich orientieren, z.B. welche Fanutensilien (Fahnen, Doppelhalter) erlaubt werden. Hierzu wurde gemeinsam in der AG Fandialog festgestellt, dass diese nicht fan- und zeitgemäß sei und wir wurden aufgefordert unsere Vorschläge auf offiziellem Wege einzureichen, was wir auch getan haben. Nach mehreren Monaten des Wartens wurde uns dann kurz und knapp mitgeteilt, dass keine Änderungen an der Musterstadionordnung geplant sind. Bemerkenswert, wo doch die einhellige Meinung war, dass Änderungen erforderlich sind.

Die Stadionverbotsrichtlinien des DFB wurden im November 2009 ohne jegliche Information der Fanorganisationen geändert. Auch wenn die Stadionverbotsrichtlinien beständig Thema bei den AG Fandialog Sitzungen sowie anderen Gesprächsrunden waren, hat der DFB anscheinend nicht realisiert, wie wichtig und sensibel dieses Thema ist. Auf Nachfrage, warum hier keine Information erfolgte, wurde uns nur mitgeteilt, dass nicht alle Änderungen der Richtlinien offiziell beworben würden.

Diese drei Beispiele sind bedauerlicherweise nur die Spitze des Eisbergs. Diese gesamten Geschehnisse rund um die AG Fandialog können wir nicht länger hinnehmen!

Sandra Schwedler von ProFans bestätigt: „Angesichts des Stillstandes in der AG Fandialog muss ProFans auch einen Ausstieg aus selbiger in Erwägung ziehen. Eine Runde, die keine Ergebnisse beinhaltet, in der wir ganz offensichtlich durch die Verantwortlichen lediglich als Bittsteller, nicht aber als Gesprächspartner auf Augenhöhe wahrgenommen werden, hat keinen Sinn.

Wir sind an einem konstruktiven Dialog auf Augenhöhe natürlich weiterhin interessiert und auch bereit mitzuarbeiten. So wie es momentan abläuft, kann es jedoch definitiv nicht weitergehen! Wir erwarten von DFB und DFL, dass der Terminvorschlag für die kommende Sitzung im September zurückgezogen und innerhalb der beiden Verbände ernsthafte Diskussionen über eine Veränderung bei der AG Fandialog geführt werden. Änderungen an der momentanen Struktur und Arbeitsweise der AG Fandialog werden nun bereits seit fast zwei Jahren versprochen. Sollte sich daher bis zur Winterpause der aktuellen Saison 2010/2011 nichts ändern, werden die oben genannten Fanorganisationen die AG Fandialog verlassen und keine Vertreterinnen und Vertreter mehr zu den Sitzungen schicken.

Dieses Mal erwarten die Fanorganisationen Ergebnisse und keine leeren Versprechungen!

Rote Bullen? Braune Bullen?

Wo bitte geht es hier eigentlich zum Türkiyemspor-Block?“ Eine Frage mit Selbstbezichtigungscharakter. Vorallem wenn man im Osten der Republik unterwegs ist.

Freitagabend, Regionalliga Nord, erster Spieltag. Türkiyemspor Berlin ist zu Gast bei Rasenballsport Leipzig (RBL), dem rot-weißen Brauseclub ohne Sexappeal. Über 4000 Menschen drängen in das ehemalige Zentralstadion. Warum eigentlich? Weil sie ein erst kürzlich gegründetes Kunstprodukt bestaunen wollen? Weil es gegen Türkiyemspor geht, oder weil man in der Messestadt endlich wieder höherklassigen Fußball konsumieren möchte?

So genau will man es als Gästefan gar nicht wissen. Fiese Visagen liefen im Mob mit, denen man es sofort ansah, dass sie sonst zu ganz anderen Mannschaften in Leipzig gehen. Ansonsten strömten hauptsächlich Väter mit ihren Kindern, Arbeitskollegen und einige Nachwuchsultras ins Stadion. So wie überall sonst auch üblich.

Doch dann die Überraschung, einen Gästeblock für die angereisten Türkiyemspor-Fans gab es nicht, und der angeblich neutrale Block war gut gefüllt mit Fans von RBL. Also verkrümelte sich das dreckige Dutzend aus der Hauptstadt auf den Unterrang. Da der Zweck der Reise unter anderem die Durchführung einer Aktion im Rahmen der ‚Pro Regionalliga Reform 2012′ Kampagne war, entrollte man die dafür vorgesehenen Banner. Die ersten zwanzig Minuten waren somit die am Mittwoch zuvor erstmals präsentierten Transparente im ehemaligen Zentralstadion zu sehen.


Bildquelle: L.E. Bulls

Dann kamen die Ordner von Rasenballsport Leipzig. Nach einigem Hin und Her, musste eines der beiden Transparente eingerollt werden, weil Türkiyemspor angeblich nur eins angemeldet hatte. Nach weiteren 10 Minuten kam der Chef der Ordnungskräfte wieder zu uns, und erklärte das auch das letzte Banner verschwinden müsste, da auf diesem der DFB kritisiert wird. Das Motto „Aufwachen DFB“ konnte man an diesem Wochenende in dutzenden Stadion der Republik lesen. Niemand störte sich daran, außer die Verantwortlichen von RBL.

Nachdem der Chef der Ordnungskräfte sah, wie wir die Transparente einpackten, fragte er einen der Unseren ob er Fan des HFC sei. Dieser hatte ein T-Shirt an, auf dem nur der Schriftzug „Good Night“ zu lesen war, der Rest war verdeckt. Der Securitymann hoffte wohl, dass es mit den Worten „Blue-White“ endete. Doch als er erkannte, dass es sich um den Schriftzug „White Pride“ handelte, schüttelte er nur noch verständnislos mit dem Kopf.

Nach der Enttäuschung mit den Bannern wollte sich unser kleiner Mob das Grauen nicht weiter zu Gemüte führen. Vorher musste man aber noch schnell auf die Toiletten. Dort bekam man bei früheren Besuchen schon Textzeilen des Landserliedes „Wieder einmal kein Tor für Türkiyemspor“ zu hören. Und nun nutzten wir die verbliebene Zeit wenigstens noch den einen oder anderen Neonaziaufkleber „gegen die Islamisierung“ abzukratzen…

Auf dem Weg aus dem Stadion heraus stürmte noch ein Ordner auf unsere Gruppe los: Ganz freundlich wollte er uns darauf hinweisen, dass das T-Shirt-Motiv „Good Night White Pride“ hier wohl nicht soviel positive Resonanz hervorrufen würde. Als hätten wir es nicht schon zur Genüge mitbekommen…

Ach so, Fußball wurde auch noch gespielt. Der Endstand zwischen beiden Teams war 1:1. Somit hat Türkiyemspor in Leipzig wenigstens einen Punkt gegen den Abstieg geholt.

Neulich im Nordosten

Türkiyemspor Berlin berichtet:

Hier ist ja richtig Stimmung. So etwas sieht man selten, vor allem in den unteren Ligen.“ zeigte sich Levent Selim, Trainer unserer A-Jugend, begeistert über die Anhänger des Roten Sterns. Diese waren zahlreich und gut vorbereitet zum ersten Aufeinandertreffen von Türkiyemspor und ihrem Verein erschienen.

Mit Transparenten und Sprechchören unterstützten sie lautstark ihr Team, dass vor Spielbeginn, gemeinsam mit den Spielern aus Kreuzberg samt zweier Transparente aufgelaufen war. Unter den Aufschriften „Pro Regionalligareform 2012″ und „DFB aufwachen“ wurde unter anderem gefordert, den Zweitvertretungen der Profikklubs eine eigene Liga zuzuweisen, damit deren mit Profis aufgefüllte Teams nicht vor regelmäßig leeren Rängen den Spielbetrieb im Amateurbereich verzerren.


Aufwachen DFB! Pro-Regionalliga Reform 2012!

Aufwachen DFB! Unser Kiez…

Fußballmafia Kreuzberg & Nordost

Das Spiel begann flott und der Rote Stern bemühte sich nach Kräften gegen unsere höherklassig spielenden Youngsters. So viel das erste Tor des Abends auch erst in der 20. Spielminute. Unsere Jugend spielte gradlinigen Offensivfussball und führte zur Halbzeit verdient mit 5:0. Beide Teams wechselten mehrmals im Verlauf der zweiten Halbzeit, wobei die konditionellen Vorteile unsererseits stetig deutlicher wurden. Trotz dessen gelang den Roten Sternen kurz vor Schluss noch der Ehrentreffer nach einer schönen Konterkombination. Das Spiel endete 10:1 für Türkiyemspor.

Beide Teams versammelten sich nach dem Spiel noch einmal zum gemeinsamen Foto und ließen den Abend beim Grillen ausklingen.