Archiv für Oktober 2010

Aldi statt Arne. Das Interview!

Zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zum 30ten Geburtstag, Aldi, wir wünschen Dir alles Gute für die Zukunft und vor allem natürlich Gesundheit. Auf das Du noch in zwanzig Jahren beim Roten Stern erfolgreich Fußball spielst!

Vielen Dank, Jungs. Ich habe mit einer solch herzlichen Anteilnahme überhaupt nicht gerechnet. Ich muss zugeben, ich war sprachlos als ihr beim letzten Heimspiel das Transparent präsentiert habt. Sogar ein Gegenspieler gratulierte mir während des Spiels…

Das freut uns natürlich. Du weist jedes Interview mit Dir, muss mit der Frage beginnen, die uns wahrlich alle brennend interessiert: Wie bist Du eigentlich zu deinem Spitznamen ‚Aldi‘ gekommen?

Das ist eine äußerst lustige Geschichte: Damals habe ich auf einem Dorf in der C-Jugend gespielt, da aber in der Gegend nicht genügend Jugendliche für die jeweiligen Altersklassen zur Verfügung standen, spielte ich unter gefälschtem Namen bei den Jüngeren mit.

Und da mein Nachname mit Alt anfängt, wurde daraus schnell Aldi, weil mich meine Mitspieler nicht mit richtigem Namen rufen konnten….

Hast du deine ganze Jugend unter falschen Namen gespielt?

Ja, erst seitdem ich beim Roten Stern spiele, laufe ich wirklich unter meinem richtigem Namen auf.

Als Abwehrspieler zum Publikumsliebling zu avancieren, dass muss man ja erst einmal schaffen. Wie denkst Du selber darüber…?

Ich bin mir bewusst, dass ich technisch nicht der anspruchsvollste Spieler bin, aber ich denke die Fans honorieren meine Einsatzbereitschaft sowie das ich auch nach dem Spiel mal mit ihnen quatsche und ein Bier trinke…

Wer ist für Dich denn ein wichtiger Spieler auf dem Feld?

Es hat sich über die Jahre eine feste Struktur herausgebildet, die im Tor anfängt und im Sturm endet. Ich möchte niemanden extra herausheben, alle sind dufte Kollegen und Sportler…

Am letzten Wochenende hat die Mannschaft souverän das erste Duell gegen einen anderen Aufstiegskandidaten gewonnen. Wie siehst Du die Chancen in diesem Jahr den nächsten Durchmarsch hinzu legen?

Die Chancen stehen gut, sehr gut sogar. Wenn wir weiter so stabil spielen und uns vielleicht noch konditionell verbessern, dann kann uns niemand mehr die Butter vom Brot nehmen…

Das ist ja auch unser Saisonziel. Und nachdem sich die neuen Spieler nahtlos in die Mannschaft einreihen, sehe ich wirklich keine größeren Schwierigkeiten in diesem Jahr die nächste Stufe nach oben zu erklimmen.


Die Abwehr hatte bisher noch das eine oder andere Problem. Am Wochenende gelang es erstmals zu Null zu spielen. Wo liegen deiner Meinung nach noch weitere Potenziale die bisher nicht genügend ausgeschöpft wurden?

Halt! Das erste Spiel haben wir 1:0 gegen die VSG Weberwiese gewonnen. Es war also das zweite Spiel zu Null.

Aber die Abstimmungsprobleme haben einen nachvollziehbaren Grund. Unser Abwehrchef hat in diesem Sommer den Verein verlassen, zum Glück findet sich die neue Konstellation langsam. In den letzten Spielen konnte man sehen, dass sich in der Abwehr zusammenfügt, was zusammen gehört.

Seit über vier Jahren bist du als Spieler im Verein aktiv. Was denkst Du ist deine Perspektive nach der aktiven Laufbahn? Willst du z.B. mal Jugendtrainer werden?

Vielleicht werde ich Schiedsrichter, da diese ja händeringend gesucht werden. Und der kleine Traum vom Altherrenteam ist ja auch noch nicht ausgeträumt.

Letztendlich ist selbstverständlich klar, dass ich zu den Spielen der ersten Mannschaft als Fan zugegen sein werde. Immer, bei Regen oder Sonnenschein!

Neben der sportlichen Begabung, hast du auch eine musikalische. Seit wann spielst du Bass in einer Band?


Seit fünf Jahren. Angefangen Gitarre zu spielen habe ich mit 15. Das war ein guter Ausgleich zum Sport.

Welche Musikrichtung spielst Du?

Ich nenne es Rockmusik. Mit der neumodischen Art, jeder Schublade einen neuen Titel zu geben, komme ich nicht mehr mit…

Geht uns auch so. Willst Du zum Abschluß noch etwas den Fans sagen?

Ich möchte mich bei allen Fans für das zahlreiche Erscheinen in der letzten Saison bedanken, ob auswärts oder zu Hause. Danke für euren Enthusiasmus!

Vielen Dank!

Das Interview mit Aldi wurde vor dem Spiel gegen Real Reinickendorf aufgenommen. Aus der 5. Ausgabe unseres Zines Zur Sonne. Zur Freiheit!

Spiel, Satz, Sieg!

Hartplatzhelden siegen vor dem Bundesgerichtshof

Der Amateurfußball gehört den Sportlern und seinen Fans! Die Rechte an Filmen von Amateurfußballspielen gehören den Sportbegeisterten, die diese Aufnahmen fertigen. Der BGH stellt mit seinem aktuellen Urteil zu der Internetplattform hartplatzhelden.de klar, dass es kein grundsätzliches Leistungsschutzrecht für Sportveranstalter gibt.

Dazu mehr auf Legal Tribune Online. Die 11Freunde haben ein Interview mit dem Betreiber veröffentlicht. Und ein Videobeitrag aus der WDR-Serie sport inside findet Ihr hier…

Der Sport ist der große Verlierer.

Wolfgang Hettfleisch (FR) kritisiert die Reform der Regionalliga vernichtend: „Der 22. Oktober 2010 könnte als Schwarzer Freitag in die Annalen der Traditionsklubs eingehen, die in der Viertklassigkeit gegen viele Widrigkeiten ums Überleben und eine Zukunft im Profigeschäft kämpfen. Sie sind die potenziellen Leidtragenden einer Reform, die außer dem vernünftigen Willen, die regionalen Grenzen des Wettbewerbs enger zu ziehen, nicht mal in Ansätzen erkennen lässt, wohin die Reise eigentlich in den vielen wichtigen Detailfragen gehen soll. Die Rhetorik von Rauball und Zwanziger lässt wenig Raum für Zweifel, was mittelfristig am unteren Ende der Hackordnung im deutschen Lizenzfußball erwünscht ist: Amateursport. Das widerspricht dem Selbstverständnis vieler Viertligisten und erst recht dem ihrer Fans. Und es blendet aus, was doch Realität ist und von den Verantwortlichen der Klubs bestätigt wird: Die meisten Regionalliga-Kicker sind nicht neben-, sondern hauptberuflich Fußballer. Man muss nun wohl hinzusetzen: noch. Es ist beschämend, dass sich kein einziger Funktionär zur Gegenrede aufraffte. Wiederholt wurde in Essen die Einheit des Fußballs beschworen. Grabesstille und Gehorsam, so lernen wir, sind ihr besonders dienlich.

hr-online
hat Stimmen aus dem Amateurlager gesammelt: „Mit der Reform kommen die Vereine der Ersten und Zweiten Bundesliga den Amateuren nach eigenen Angaben ein großes Stück entgegen. Vertreter der hessischen Traditionsvereine Darmstadt 98 und Hessen Kassel sehen dies jedoch anders. Kassels Präsident Jens Rose ist alles andere als zufrieden mit der gefundenen Lösung: ‚Der Leistungsunterschied zwischen der dritten und vierten Liga wird noch größer‘, sagte er. Für die fünftklassigen Oberligen in Deutschland bedeute dies das endgültige Aus. Kassel und Darmstadt hatten sich für eine ‚Zwei plus eins‘-Lösung stark gemacht, die eine zweigeteilte Regionalliga plus eine eigene Staffel für die Reserveteams vorgesehen hätte. Dies hätte zu attraktiveren Duellen zwischen Traditionsclubs geführt und zudem die finanzielle Überlegenheit der Reserveteams eingeschränkt. Mit der jetzigen Lösung würden die Unterschiede zwischen den Amateurvereinen und den zweiten Mannschaften dagegen weiter wachsen, sagte Rose.“

„Lilien“-Präsident Kessler spricht von einem wirtschaftlich „großen Schlag“. Durch die räumliche Verengung und die Erhöhung auf fünf Staffeln würden Vereine wie Darmstadt für Sponsoren deutlich weniger interessant werden. „Ich weiß noch nicht, wie wir das verarbeiten können“, so Kessler, dessen Verein im vergangenen Jahr noch dicht vor der Insolvenz stand. Besonders ärgert ihn, dass die Regionalligisten kaum in den Entscheidungsprozess einbezogen wurden. „Der Sport ist der große Verlierer“, so sein bitteres Fazit.

Kein Monopol im Amateurfußball!

Am 28. Oktober 2010 wird der Bundesgerichtshof in Karlsruhe ein Stück Freiheit im Internet verhandeln: den Rechtsstreit zwischen dem Württembergischen Fußballverband (WFV) und dem Internetportal Hartplatzhelden.

Worum geht es? Auf hartplatzhelden.de können User seit Ende 2006 Videos von Amateur-, Jugend und Freizeitspielen hochladen. Dort werden die schönsten Tore von einer prominenten Jury um Günther Jauch prämiert. Und auch sonst redaktionell betreut: gesichtet, kommentiert, bewertet, sortiert, verteilt.

Der WFV will es den Hartplatzhelden untersagen, Videos aus seiner Region zu zeigen, weil er glaubt, die alleinigen Vermarktungsrechte zu halten. Daher hat er die Hartplatzhelden auf Unterlassung verklagt und in den ersten beiden Instanzen Recht bekommen: vor dem Landgericht Stuttgart im Mai 2008 und vor dem Oberlandesgericht Stuttgart im März 2009. Der Verstoß lautet auf unlauteren Wettbewerb.

Die Hartplatzhelden sind in Berufung gegangen, und nun steht das (voraussichtlich) letztinstanzliche Urteil an. Es wird ein Grundsatzurteil erwartet, ein Grundsatzurteil, das sich die Frage stellen muss: Gehört der Fußball den Verbänden?

Dazu Ansgar Ohly, Professor für Patent-, Urheber- und Wettbewerbsrecht an der Universität Bayreuth:

Die Fußballverbände wünschen sich ein Recht, das Sportveranstaltern die Hoheit über Filmaufnahmen von Spielen gibt – ähnlich wie es das Urheberrecht für Konzertveranstalter vorsieht. Aber ein solches Recht gibt es nicht. Der Gesetzgeber hat kein Leistungsschutzrecht für Sportveranstalter geschaffen. Und dort, wo solche Rechte nicht bestehen, herrscht Nachahmungsfreiheit.

Das Recht gegen den unlauteren Wettbewerb greift nur ein, wenn sich ein Nachahmer unlauter verhält – zum Beispiel, indem er Verbraucher täuscht. Deshalb sind Filmaufnahmen von Amateurfußballspielen völlig legal, wenn das Hausrecht des Stadionbetreibers nicht verletzt wird. Und ebenso legal ist es, im Web eine Plattform für solche Aufnahmen zu bieten.

Fußball ist unser Leben, und die Kommunikation über Fußball gehört zum Leben der Fans. Ich sehe ein, dass die Fernsehrechte für Spiele der Profiligen vermarktet werden müssen, um den Spitzensport zu finanzieren. Aber ich verstehe nicht, warum die Verbände im Amateurbereich ein Monopol über Filmaufnahmen haben sollten.

Erst recht darf es nicht sein, dass mit rechtlichen Mitteln den Fans, den Familien und den Freunden der Amateurkicker innovative Webangebote wie die Seite der Hartplatzhelden vorenthalten werden.

Scheiß DFB!

Beschluss des DFB-Bundestages ist für Regionalligisten und Fans nicht tragbar. Erleichterung nur von kurzer Dauer

Die Freude dauerte nur kurz: „Entscheidung vertagt“ hieß es zur Regionalliga Reform und dem DFB-Bundestag. Nun kamen die Details ans Licht: Die fünf Ligenstaffeln sollen auf jeden Fall kommen, nur wie diese genau aussehen sollen – das soll noch eine Kommission herausfinden.

Die Fans und Regionalligavereine sind brüskiert. Mit dem Ziel die Attraktivität der Liga zu steigern für eine Reform eingetreten, wurde nun der IST-Zustand noch weiter verschlimmert. Ein Zitat von Dr. Rainer Koch, Präsident des BFV: „Ziel wird es nicht sein aufzusteigen, sondern Meister zu werden!“. Aufstiegsmöglichkeiten wird es in der neuen Liga nämlich kaum noch geben. Die Garantie dafür, dass sich die Vereinsinsolvenzen in den nächsten Jahren weiter erhöhen werden, schließlich wird nun noch mehr investiert, um die das sinkende Schiff Regionalliga noch kurz vor Toreschluss zu verlassen. Die Reformwünsche sind so ad absurdum geführt. Die DFL hat es geschafft, den Profibereich gegen Abstiege abzuschotten und sich das Monopol an den Geldtöpfen der Bundesliga zu sichern.

Betroffene Vereine und Fans werden sich am kommenden Wochenende zusammensetzen um weitere Schritte zu diskutieren. Neben groß angelegten Demonstrationen wird dabei auch zum Gespräch kommen, ob die neue Liga oder auch schon Spiele in naher Zukunft von den – bei der Entscheidung ignorierten- Vereinen boykottiert werden können.

Einzige Möglichkeit den erfolgten Bruch im deutschen Fußball noch zu kitten, ist die angekündigte Kommission ergebnisoffen zu halten, und entweder mindestens fünf bis acht Aufstiegsplätze für die neuen Staffeln zu schaffen, oder wieder vom unsäglichen fünf Staffel Modell abzukommen.

Informationen zur Faninitiative Pro Regionalliga Reform 2012:

Die Initiative wird von 282 Fanclubs von 91 Vereinen bundesweit unterstützt. Ebenfalls bekennen sich ca. 15.000 Einzelpersonen sowie viele Amateurvereine zur Unterstützung.

Die Welt ist schwul!

Der 5-Punkte-Pakt ist keine Lösung!

Werden die Regionalligisten bei der Reform schon wieder übergangen?

Angela Merkel und Sepp Blatter kommen zum DFB-Bundestag“ so meldet es in heller Freude die Webseite des DFB. Parallel dazu bezeichnen die Veröffentlichungen der letzten Tage den 5-Punkte-Solidarpakt von DFL-Präsident Rauball als DIE Lösung für den schwelenden Konflikt rund um eine Regionalligareform.

Inder Tat ist er aber das Gegenteil. DFB und DFL steuern damit in gefährliche Fahrwasser und sind kurz davor, einen vor wenigen Jahren begangenen Fehler zu wiederholen: Die Regionalliga zu reformieren, ohne den Regionalligavereinen überhaupt Beachtung zu schenken.

Macht der DFB den gleichen Fehler zum zweiten Mal?

Der von Rauball veröffentlichte Plan ist für die beteiligten Verbände und Funktionäre zwar ein wunderbarer Kompromiss mit dem niemand sein Gesicht verliert und alle einen ruhigen DFB-Bundestag mit Star- und Ehrengästen in der Essener Philharmonie verbringen können – für die betroffenen Regionalligavereine ist er ein Schlag ins Gesicht.

Größter Kritikpunkt: Die Fans und Vereine der Regionalliga monieren seit Wochen, dass sich die Bundesligisten, also die DFL, gegen jede Konkurrenz von unten abschotten möchten. Die Bundesligen sollen zum elitären Kreis einiger weniger werden. Die Attraktivität der Regionalliga leidet an der mangelnden Durchlässigkeit nach oben.

Die Lösung von DFL-Präsident Rauball? Er stellt zusätzliche Regionalligastaffeln in Aussicht, was zur Folge hätte, dass nicht mal mehr die jeweiligen Meister aufsteigen würden. Das ist keine Lösung, sondern eine weitere Verschlimmerung der Lage!

Eine Entscheidung erst in 2011 geht in Ordnung – aber nur mit Einbeziehung der Vereine!

Die Fans und Vereine der Regionalliga können sich nur mit einem von Rauballs fünf Punkten anfreunden: Der Bildung einer Arbeitsgruppe, die nach reiflicher Überlegung im neuen Jahr einen ausgereiften Vorschlag entwickelt. Dies macht aber nur dann Sinn, wenn die Betroffenen auch selbst am Tisch sitzen. Vielleicht werden sich die Funktionäre in Essen neben der Freude, dass Persönlichkeiten wie Angela Merkel oder Joseph Blatter an Ihrer Vollversammlung teilnehmen, gerade noch rechtzeitig bewusst, dass sie immer noch eine Fußballbasis zu vertreten haben.

Faninitiative Pro Regionalliga Reform 2012

Ein Schritt zurück. Zwei nach vorne?

Ein Großereignis beschäftigt im Nachgang immer auch die Medien. Zumeist nur um die eigene Sicht auf die Dinge dem geneigten Leser ins Gesicht zu rülpsen, oder um rechtzeitig den neu erwachten, renitenten Geist mit lahmen Ausreden einzulullen. Manchmal muss auch einfach nur der freie Platz gefüllt werden. Letzteres ist wohl bei der Wochenzeitung Jungle World der Auslöser für den Artikel über die Fandemo am 09. Oktober gewesen…

In dem Artikel mit dem bezeichnenden Titel „Männermob für Männerkultur“ wird alles was man derzeit allgemein dem (männlichen) Fußballfans so vorwerfen kann, gebündelt, gepresst und schön aufgereiht. Warum? Weil es wohl mal wieder an der Zeit war die linken Ressentiments für die geneigte Leserschaft auszubreiten. Die Kreuzberger Politikhygiene geht sogar soweit, dass man, um die eigenen Reihen fester zu schließen, die Behauptung aufstellt auf der Demonstration wären viele böse Männer in Neonaziklamotten unterwegs gewesen wären. Dazu aber mehr von der Brigata Amaranta Venticinque Aprile:

Die absolute Frechheit ist aber, daß behauptet wird Nazis in Nazikleidung gesehen zu haben, obwohl das gar nicht erwünscht war. Vielleicht hätte die*er Autor*in einfach mal auf die Organisator*innen zu gehen und sie informieren sollen. Auch um zu sehen, wie die Demo mit offen sichtbaren Nazis umgeht. Das nicht offen erkennbare Nazis, neben Unmengen an Zivis und Bereitschaftspolizei, mitliefen, ist nichts Neues. Widerlich bleibt es auch. Und eine Distanzierung gegenüber rechtsoffenen Fanszenen, Antisemitismus, Rassismus, Sexismus und Homophobie ist und bleibt wichtig. Das klare Statement gegen Nazis und ihre Mode durch die Organistor*innen kann hierbei behilflich sein Diskussionen auch in der eigenen Kurve zu fördern.

Darum geht es weder dem Autor, noch der Jungle World. Ihnen geht es um die Aufrechterhaltung eines Feindbildes welches dafür sorgt, dass man das linke Auge vor den positiven Entwicklungen innerhalb der Ultraszene verschließt. Das gerade die Demonstration eine Diskussion um die Frage was eigentlich genau Ultra bedeutet ausgelöst hat, dass sich gerade intensiv mit der ausufernden Gewalt in der Szene befasst wird und das auf der Demonstration neben der Schickeria München, der Horda aus Jena sowie dem Bremer Block der mit einem Transparent „Gegen die deutschen Zustände“ auflief, viele weitere explizit linke Fanszenen vor Ort waren, kehrt man in der Redaktion der Jungle World unter den Teppich. Es passt einfach nicht ins Bild.

Hier und dort wird gerne die Absage einiger Ultragruppierungen (1,2,3) als Hinweis darauf gewertet, das die gesamte Veranstaltung nur dazu gedacht war, ein paar Aufkleber untereinander zu tauschen und den Auflauf als PR für die eigenen Gruppe zu missbrauchen. Doch mit dieser Einschätzung liegt man eindeutig falsch. Einige der Gruppen die kurzfristig ihr Kommen abgesagt hatten, konnten durch diese Absage mehr PR einfahren, als jede andere auf der Demo anwesende Gruppe. Allein die unzähligen Verlinkungen im WWW sollten eine deutliche Sprache sprechen…

Das Endergebnis beeinträchtigen die Absagen sowieso nicht. Im Gegenteil. Sie haben u.a. dafür gesorgt, dass die Debatte weite Kreise zog und die Demonstration nicht zu einer reinen Karnevalsveranstaltung von Fußballfans mutierte. Natürlich bleibt abzuwarten, was die derzeitige Diskussionsbereitschaft innerhalb der Fanszenen für Ergebnisse liefert, aber allein eine Stellungnahme aus Dortmund lässt auf so einiges hoffen:

Wir haben für uns einen gruppeninternen Kodex erstellt, der besagt, dass wir mit Szenen, mit denen wir keine Berührungspunkte haben, auch keinen Konflikt suchen. Es wäre wünschenswert, wenn auch andere Gruppierungen intern solche Vereinbarungen treffen, um den Gewaltfluss einzudämmen. Die Demonstration könnte hierzu als Startschuss dienen, da alle anwesenden Gruppen und Szenen bewiesen haben, dass es auch ohne Gewalt geht, wenn es um hohe Ziele geht, die uns alle betreffen.Jubos Dortmund

Darüber berichtet die Jungle World natürlich nicht. Es wäre wohl auch eine Verschwendung von Zeit, Papier und Tinte. Die Stammleser wollen eine Bestätigung in ihrem Dasein. So ist das wohl mehr oder weniger überall.

Deshalb auch hier an dieser Stelle für unsere geneigten Leser die Ihnen zustehende Bestätigung: Es war gut gemeinsam mit den ganzen anderen Wahnsinnigen auf die Straße zu gehen, es war irgendwie ein schräges Gefühl mit den Unionern zu demonstrieren und hoffentlich sind bald die Schulferien zu Ende…

Redebeitrag. Für den Erhalt der Fankultur!

Redebeitrag der Schickeria München:

Am 29. Januar 1995 stirbt Vincenzo Spagnolo, Ultrà von Genoa durch eine Messerattacke eines Mitglieds einer Splittergruppe Mailänder Ultras.

Bereits seit Beginn der 80iger Jahre war es in Italien zu einigen Todesfällen rund um Auseinandersetzungen der Ultras gekommen, da zu diesem Zeitpunkt ein Mitglieder-Boom und damit ein Generationswechsel innerhalb der Ultras einsetzte. Die alten Gruppen verloren an Einfluss, viele Splittergruppen wenden sich von den alteingesessenen Gruppen ab und damit veränderten sich auch die Werte der Ultras.

Der Tod von Vincenzo Spagnolo und dessen Umstände führen dazu, dass sich die Ultras erstmals treffen und über ihren Umgang mit Gewalt reden. Heraus kommt die Resolution BASTA LAME, BASTA INFAMI – Schluss mit den Messern, Schluss mit der Schande!

Das Scheitern dieser Initiative, die der Versuch war die Selbstregulierung innerhalb der Kurven zu retten, stellt für viele den Anfang des Endes der Ultras in Italien dar.

Roberto Massucci, Sekretär des Osservatorio Nazionale sulle Manifestazioni Sportive, der staatlichen Stelle die unter anderem darüber entscheidet, welche Spiele der italienischen Ligen zu Sicherheitsspielen ohne Gästefans erklärt werden, äußerte sich Anfang des Jahres in einem Interview für den Ballesterer dahingehend, dass sie, der Staat, die Logik der Ultras brechen wollen. Gezielt werden definierende Elemente der Ultra-Kultur wie Trommeln oder Fahnen verboten. Dabei ist es absurd einen Zusammenhang dieser Elemente mit Gewalt herzustellen.

Dass angesichts all dieser unfassbaren und unrechtmäßigen Maßnahmen und Äußerungen kein Aufschrei durch die italienische Öffentlichkeit geht, ist Anzeichen dafür, dass die Ultras ihren Stellenwert in der Gesellschaft verspielt haben. Einen Stellenwert den sie definitiv einmal hatten.

Italien ist das Mutterland der Ultras, wir schauen immer wieder nach Italien und trotz aller recht großen qualitativen Unterschiede stellt sich die Frage, ob sich bei uns zeitversetzt eine ähnliche Entwicklung vollzieht oder ob sich die Zustände nicht übertragen lassen. Können wir aus der Situation in Italien lernen?

Viele Gruppen bekunden in letzter Zeit öffentlichkeitswirksam, dass aus ihrer Sicht die Notwendigkeit besteht, das eigene Handeln zu reflektieren. Für uns stellt sich die Frage, ob die für diesen Schritt nötige Reife und auch wirklich einen Konsens darüber in den Szenen besteht.

Zu einer funktionierenden Selbstregulierung gehört nicht nur die Freiheit, die wir immer wieder einfordern, sondern auch dass die selbst auferlegten Regeln durchgesetzt werden.

Die Frage, die sich uns weiter stellt, ist, ob das was bei so einem Diskurs herauskommen könnte, eine Gratwanderung zwischen dem Maß an Rivalität, was für unser Selbstverständnis notwendig ist und der Einsicht, dass Gewalt für Ultras kein Selbstzweck ist, sich in der Öffentlichkeit überhaupt verkaufen ließe.

Dabei liegt es eigentlich auf der Hand, einem totalen Gewaltverzicht der Ultras steht nicht nur unsere Logik im Weg, sondern auch eine Notwendigkeit. Gewalt ist kein Phänomen der Ultras, Gewalt hat es beim Fußball schon immer gegeben und es wird sie auch ohne Ultras weiter geben. Wir Ultras aber könnten, sofern sowohl bei uns als auch bei denjenigen, die die Spielregeln in den Stadien festlegen der Wille zu einem ehrlichen Dialog besteht, diese Gewalt durch Kodizes und Regeln in Bahnen lenken, wir können aus einem Eigeninteresse heraus ihre Intensität, ihre Häufigkeit und den Stellenwert, den sie für die Jugendlichen in den Kurven hat, beschränken und wir könnten einen Großteil der Frustration, der Aggression, aber auch der Energie und der Emotionen in Choreographien, Tifo und Kurvenshows ablenken. Dafür brauchen wir Freiheit und die Kraft dies umzusetzen. Haben aber die Entscheidungsträger auf der anderen Seite so viel Mut? Haben wir den Willen und die Kraft dies umzusetzen?

Ich möchte nochmal einen Schritt zurück gehen und auf die Situation der Ultras in Deutschland eingehen. Zu einem Zeitpunkt, als viele Gruppen um 2000 rum noch in den Kinderschuhen steckten und die Situation in den Stadien ungewöhnlich friedlich aber auch langweilig und tot war, zu diesem Zeitpunkt als faktisch so gut wie keine Gewalt stattgefunden hat, wurden die entstehenden Ultras-Gruppen bereits mit unangemessener Repression der Polizei,der Vereine und der Verbände konfrontiert. Dies radikalisierte die Szene und prägt uns bis heute. Als ein einschneidendes Erlebnis für viele von uns stellt sich der Umgang mit Pyrotechnik dar. Zu diesem Zeitpunkt war Pyro in den Stadien weit verbreitet und Ausdruck von Leidenschaft und Emotionen. Die Kriminalisierung und Stigmatisierung von Pyrotechnik setzte gerade erst ein. Damals machten wir Ultras den Fehler, dass wir einen Kuhhandel eingingen und für vermeintliche Freiheiten und zugunsten eines angeblichen Dialogs auf dieses im großen und ganzen ungefährliches Stilmittel der Fankultur weitestgehend verzichteten, ja sogar Einfluss auf unser Umfeld dahingehend ausübten. Wir zeigten schon in diesem frühen Stadium, dass wir fähig sind Vereinbarungen einzuhalten und umzusetzen und dass wir verlässliche Gesprächspartner sind, deren Wort zählt. Als genau das stellte sich die Gegenseite nicht raus, uns wurde ins Gesicht gespuckt und unsere ausgestreckte Hand blieb unbeantwortet. Im Gegenteil, der Verzicht auf Pyro gilt heute als Selbstverständlichkeit, die Spirale der Repression drehte sich immer schneller. Statt Pyro müssen wir heute Fahnen schmuggeln. Die andere Seite hat eine Situation geschaffen, in der alles verboten und alles reglementiert ist und die Gewalt für viele das letzte Ausdrucksmittel bleibt. Durch ihre Stadionverbote werden unzählige junge Fans und Ultras sehr oft unbegründet und willkürlich aus den Stadien ausgesperrt und einer Situation ausgesetzt, in der schon im Vorfeld, gleichermaßen durch das Zutun von Fans und Polizei, ein Klima der Aggression herrscht.

Eigentlich bedarf es zwei Schritte der Gegenseite, bevor wir einen Schritt in ihre Richtung machen. Lasst uns trotzdem unseren Schritt unabhängig von den anderen machen, denn er liegt in unserem Interesse. Der Blick nach Italien zeigt, wie grau, trist und trostlos die Welt der „offiziellen Fans“ ohne die Ultras ist. Wir wollen aber eine Welt der Ultras, wie sie in Italien einmal war, mit bunten, kreativen und lauten Kurven. Egal ob es möglich ist dahin zu kommen, das Ziel ist es auf jeden Fall Wert den Weg dorthin mit einem ersten Schritt zu beginnen.

Ich möchte meine Rede mit einer Verbeugung vor der großen Geschichte der italienischen Ultras beenden und mit Trauer und Wehmut auf ihre derzeitige Situation blicken.

ULTRAS WIRD ES IMMER GEBEN!

Darüber, wie das Gesicht der Ultras hier bei uns in der Zukunft ausschauen wird, können wir, die Ultras selber und die Entscheidungsträger gleichermaßen entscheiden!

Zur Sonne. Zur Freiheit! Nummer 5

EDITORIAL.

Okay, …Ultras Roter Stern,
…zur Sonne, aha, …Anti-Alles, yes!
Zur Freiheit! Let‘s go…

Es geht doch immer um mehr als nur Fan zu sein. Es geht um Lieben und Hassen. Verschiedene Sachen. Dies und das. Psychiatrie und Knast. Spiel und Kampf. Genie und Wahn. Doch es geht auch darum einen klaren Kopf zu bewahren. Oder manchmal jemanden den Kopf einzuschlagen. Überlebenskampf jeden Tag, aus Gegnerschaft zu jedermann. Es geht um Anti-Alles. Um URS! Es geht um ein Leben voller Theatralik. Doch es geht auch darum sich zurückzuhalten. Oder praktisch auch darum zurückzuschlagen. Es geht nicht darum auf Rettung zu warten. Es geht nur darum etwas zu essen zu haben.

Worum geht es? Es geht um permanenten Kriegszustand. Auf der Straße. Niemals ohne die URS-Fahne in der Hand. Bumm, tschak, bumm, tschak. Es geht um permanenten Kriegszustand. Auf der Straße. Niemals ohne die URS-Fahne in der Hand. Bumm, tschak, bumm, tschak.

Ein Ohrwurm ist ein Insekt welches ständig die Lauschlappen penetriert. Böse Sache das. Aber was will man machen, irgendetwas bleibt immer hängen. Ihr wisst was wir meinen!

Zwischen 5000 bis 10000 positiv Bekloppte demonstrierten dieser Tage durch Berlin für den Erhalt der Fankultur. Eine Wonne, aha. Bremen-Fans einträchtig neben ihren Hassgegnern vom HSV, Dynamohools aus Berlin und Dresden Seite an Seite und wir mittendrin im Mob, yes! Alle zusammen setzten ein eindrucksvolles Zeichen gegen erhöhte Eintrittspreise, staatliche Überwachung und Polizeigewalt. Spezielle Grüße von uns gehen raus an die Ultras aus Kaiserslautern und Münster.

Let‘s go: In dieser Ausgabe findet Ihr den Anfang eines Fortsetzungsromans, natürlich den zweiten Teil der Serie Arbeiterfußball in Deutschland, ein Schreiben der Faninitiative (FI) Pro Regionalliga-Reform 2012 und ein Interview mit dem absoluten Publikumsliebling Aldi, das vor dem Spiel gegen Real Reinickendorf aufgenommen wurde. Stimmung!

Ultras aller Länder vereinigt Euch! ACAB! Ultras Roter Stern (B)

INHALTSVERZEICHNIS

Seite 3
Erster Weltkrieg und erste Bundesmeisterschaft.
Arbeiterfußball in Deutschland. Teil Zwei.

Seite 8
Free your Style
URS*dESIGN*bATTLE 2010

Seite 9
Aldi statt Arne. Das Interview!
Alles was Ihr über unseren Publikumsliebling wissen müsst.

Seite 12
Pro Regionalliga-Reform 2012.
Letzte Neuigkeiten zur Kampagne.

Seite 14
Der.Die.Das. Wieso.Weshalb.Warum
Der Neid, die Gier und das Unverständnis… Teil Eins.

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