Archiv für Januar 2011

45 Minuten weniger, wären drei Punkte mehr…

Draußen ist es eiskalt. Samstag früh irgendwo im Nordosten, es geht zum Fußball, während der Rest freiwillig in den Winterurlaub gefahren ist. Die S-Bahn fährt mal wieder regelmässig, unregelmässig und es geht tief in den Süden Berlins. Also dorthin wo selbst die Sonne keinen Bock auf einen Besuch hat…

Die Rasenanlage von Sperber Neukölln ist spartanisch, ebenso die Gegend drumherum. Wellblechpaläste für konsumorientierte Heimwerker, eine Autobahnzufahrt (oder war es doch die Abfahrt?) und hier und da eine Handwerkerbutze. Nach Stadt sieht es hier nirgends aus, erstrecht nicht nach Welt.

Einige Jungs von der zweite Mannschaft benehmen sich, als hätten sie heut Morgen erst die Kneipe verlassen. Restalkohol strömt wie billiges Parfüm aus ihren Mündern. Bei den Fans ist es ähnlich: Gerstenkaltschalle satt, am Vorabend, ebenso wie jetzt. Man soll ja bekanntlich da weitermachen, wo man aufgehört hat. Oder wie Muttern sagt: Schuster bleibt bei deinen Leisten.

Auf dem Spielfeld entwickelt sich schnell ein rasantes Match mit leichten Vorteilen für unsere Goldfüße. Ständig über außen vorgetragene Angriffe und ein kompaktes Abwehrverhalten zeigen deutlich die Handschrift des neuen Trainers. Die Spieler vom FC Zülle haben große Schwierigkeiten in der ersten Halbzeit, so dass unsere Roten Sterne völlig verdient mit 2:0 in die Halbzeitpause gehen.

Nach der Pause läuft das Spiel genau andersherum. Während der FC Zülle einen Angriff nach dem anderen fährt, verharren unsere Goldfüße weithin in Lethargie. Zuviele Ballverluste im Mittelfeld, die nachlassende Ausdauer und eine sich auflösende Mannschaft bedeuten in der zweiten Halbzeit 4 unnötige Gegentore. Das Fazit: 45 Minuten weniger, wären drei Punkte mehr gewesen…

Never again!

Never again shall we march like sheep to the slaughter!
Fight Antisemitism! Fight Antizionism! Fight Ahmadinedschad!

Mnari: »Das Volk hat sich erhoben!«

72 Spiele hat Jahwar Mnari für sein Heimatland Tunesien bestritten, darunter drei Partien bei der WM 2006. Im Interview spricht der beim FSV Frankfurt unter Vertrag stehende Mnari über die tunesische Revolution und die neue Freiheit.

Quelle: 11.Freunde

Jawhar Mnari, in Ihrem Heimatland Tunesien hat eine Revolution den Diktator Ben Ali aus dem Amt gejagt. Haben Sie verfolgt, was in Tunesien passiert ist?

Natürlich! Während der Winterpause war ich für zwei Wochen in meiner Heimatstadt Monastir, ich war also dabei, als die ersten Menschen auf die Straßen gingen. Erst war die Revolution in Tunis und in bei uns in Monastir, dann überall im Land. Es ist ein wunderbares Gefühl, dass sich das Volk jetzt erhoben hat.

Ihre gesamte Familie lebt in Tunesien. Hatten Sie nicht Angst um sie?

Hatte ich. In den ersten Tagen waren die Straßen ja auch voller Polizisten und Soldaten und auch jetzt streunen noch immer Anhänger von Ben Ali durch die Städte. Aber das Beste an der ganzen Revolution ist ja: Endlich brauchen wir Tunesier keine Angst mehr haben.

Angst?

Das Leben in Tunesien war immer voller Angst. Du hattest Angst mit deinen Freunden zu sprechen, mit deinen Nachbarn, mit deinen Mitspielern. Überall schien das Regime Augen und Ohren zu haben. Ein ähnlich beklemmendes Gefühl müssen die Menschen in der DDR gehabt haben. Jetzt ist Ben Ali weg und mit ihm ist die Angst verschwunden.

Waren Sie selbst auch auf den Straßen, um für die Revolution zu kämpfen?

Ich nicht, aber meine Schwester. Sie ist Ärztin und ist auf die Straße gegangen. Die tunesische Revolution ist eine Revolution der Intelligenz – es waren vor allem Ärzte, Professoren und Rechtsanwälte, die den Mut hatten auf die Straße zu gehen.

Kaum ist der Diktator aus dem Land verjagt, drohen neue Konflikte: In der neuen Regierung sitzen noch viele Gefolgsleute Ben Alis. Was sollte Ihrer Meinung jetzt in Tunesien passieren?

Unter Ben Ali war Tunesien ein Polizeistaat, ein diktatorisches und verbrecherisches Regime. Kein Mensch will die Handlanger dieser Herrschaft im neuen Tunesien sehen. Ich hoffe, dass alle, die mit Ben Ali zu tun hatten, aus ihren Ämtern entlassen werden. Was wir jetzt brauchen, ist ein kompletter Neuanfang. Das gleiche gilt für die Polizei und das Militär. Außerdem hoffe ich, dass das viele Geld, das die Clique von Ben Ali überall auf der Welt versteckt hat, nicht nur vor ihm geschützt, sondern in vollem Umfang dem Land Tunesien übergeben wird. Das ist sehr viel Geld und das brauchen wir – nicht ein Verbrecher auf der Flucht.

Sie sind Fußballer, kein Politiker. Was können Sie als Sportler jetzt tun, um Ihrem Heimatland zu helfen?

Wie Sie sagen: Ich bin kein Politiker. Deshalb werde ich warten, bis sich die neue Regierung eingespielt hat, bis es wieder etwas ruhiger in unserem Land geworden ist. Denn für die Zeit danach haben meine tunesischen Fußball-Kollegen und ich Pläne, wie wir dem Fußball in Tunesien unterstützen können. Ich weiß noch nicht konkret, wie wir das anstellen wollen, aber wir wollen auch den tunesischen Fußball revolutionieren.

3 Spiele des St. Pauli angeblich manipuliert.

Neue Entwicklungen im Fußball-Manipulationsskandal: Fünf Spieler des FC St. Pauli sollen in Schiebungen verwickelt sein. Das gab Wettpate Marijo C. nach SPIEGEL-Informationen in einem Verhör zu. Insgesamt sollen drei Spiele des Hamburger Vereins manipuliert worden sein.

Quelle: SPON

Hamburg – Laut Aussage des Wettpaten Marijo C., 35, sollen drei Partien des FC St. Pauli in der Zweiten Liga von Spielern des Teams manipuliert gewesen sein: das Heimspiel gegen Alemannia Aachen am 11. Mai 2008 (0:2), das Auswärtsspiel gegen den FSV Mainz 05 am 18. Mai 2008 (1:5) sowie das Auswärtsspiel gegen den FSV Mainz 05 am 23. November 2008 (2:2).

Dies geht aus dem Protokoll eines Verhörs vom 2. Dezember 2010 hervor, bei dem C. im Bochumer Polizeipräsidium sechseinhalb Stunden lang über seine kriminellen Machenschaften bei Fußballwetten redete.

C. behauptete, dass fünf Spieler des FC St. Pauli in die Schiebungen involviert gewesen seien. Er selber habe sich an zwei der drei vermeintlich manipulierten Begegnungen beteiligt – in zwei Fällen mit Wetteinsätzen, in einem Fall mit Bestechungsgeld in Höhe von 50.000 Euro.

Am 24. Februar soll vor dem Landgericht Bochum der Prozess gegen C. und weitere fünf Mitglieder einer Bande mutmaßlicher Fußballwettbetrüger beginnen. Laut der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Bochum, die am 29. Dezember fertiggestellt wurde und 287 Seiten umfasst, soll C. von Juni 2008 bis zu seiner Verhaftung in November 2009 europaweit 46 Fußballspiele verschoben haben oder sein Insiderwissen über gekaufte Partien beim Wetten genutzt haben.

Allein auf einem Wettkonto in London, das die Fahnder entdeckten, sollen drei der Angeschuldigten in knapp einem Jahr 32 Millionen Euro umgesetzt haben. Mutmaßlicher Gewinn laut der Anklageschrift: 3,5 Millionen Euro.

Internationaler Jogginghosentag

Jürgen Rische: »Die Menschen haben Angst«

Wegen der Unruhen in Tunesien hat Drittligist Eintracht Braunschweig sein Trainingslager in der Küstenstadt Port el Kantaoui vorzeitig abgebrochen. Co-Trainer Jürgen Rische über geplünderte Geschäfte und leere Straßen.

Quelle:
11. Freunde

Jürgen Rische, Eintracht Braunschweig hat das Winter-Trainingslager in Tunesien abgebrochen. Warum?

Jürgen Rische: Außer uns war ja keiner mehr da. Wir sind gestern geflogen. Einen Tag vorher, am Samstag, wurden bereits alle deutschen Touristen außer Landes gebracht. Und auch für uns gab es keinen Grund mehr, noch eine Minute länger in Tunesien zu bleiben.

Wie sehr haben Sie in den vergangenen Tagen bemerkt, was in Tunesien passiert?

Jürgen Rische: Wir haben zwar keine Gewehrschüsse auf dem Trainingsplatz gehört, aber die Stimmung hat sich merklich verändert. Wir waren in Port el Kantaoui untergebracht, circa 30 Kilometer von der Küstenstadt Monastir entfernt. Dort, wo am Samstag bei einem Gefängnisaufstand 50 Menschen verbrannten. Fürchterlich.

Wie haben Sie sich über die Geschehnisse im Land informiert?

Jürgen Rische: Vor allem über die deutschen Medien, weniger über die tunesische Presse. In den ersten Tagen sickerten natürlich nur wenige Informationen durch. Am intensivsten habe ich die so mit Furcht aufgeladene Atmosphäre in den Gesprächen mit unseren tunesischen Hotelangestellten bemerkt. Viele hatten Angst über Diktator Ben Ali oder das Regime zu sprechen.

Waren die Unruhen in Tunesien auch Inhalt der Gespräche im Mannschaftskreis?

Jürgen Rische: Natürlich, es ging nur darum. Wenn man in einem Land ist, wo so etwas passiert, dann will man sich auch darüber informieren. Was uns als Trainerstab aber wichtig war: Bis zu unserer vorzeitigen Abreise am Sonntag, haben wir unser Trainingsprogramm voll durchziehen können.

Jürgen Rische, hatten Sie eigentlich Angst, dass auch Ihnen etwas zustoßen könnte?

Jürgen Rische: Es ist schon ein mulmiges Gefühl, wenn die Straßen vollkommen leer sind und in der Hotelanlage niemand mehr ist, außer man selbst. Und auf der Fahrt zum Flughafen sahen wir dann Geschäfte, die geplündert wurden, brennende Autos und vor allem an jeder Ecke das Militär. Das ist kein schönes Gefühl. Am Flughafen war dann alles ganz normal. Einen Tag vorher sollen sich dort unglaubliche Szenen abgespielt haben, als alle Touristen auf einen Schlag ausgeflogen wurden. Ich bin jetzt froh, wieder in Deutschland zu sein.

RSL: »Der rechte Mob ist immer da!«

Wieder einmal wurde ein Fußballturnier in Sachsen wegen rassistischer Sprechchöre unterbrochen. Wir sprachen mit Ulrike Fabich vom Klub Roter Stern Leipzig über den Vorfall und einen Kampf ohne Unterstützung.

Quelle: 11. Freunde

Ulrike Fabich, vergangene Woche ist ein Hallenfußballturnier in Beilrode bei Torgau abgebrochen worden. Roter Stern Leipzig war einer der Teilnehmer. Was ist passiert?

Ulrike Fabich (Roter Stern Leipzig): Das, was bei unseren Auswärtsspielen in der sächsischen Provinz häufig passiert: Es tauchen Leute auf, die rassistische oder antisemitische Lieder anstimmen. Sie singen »Ein Baum, ein Strick, ein Judengenick« oder das bekannte U-Bahn-Lied. In Beilrode waren es 30 bis 40 Jugendliche. Zahlenmäßig sind sie zwar in der Unterzahl, doch in der Wahrnehmung sehr dominant.

Du sprichst von Jugendlichen. Sind das für dich schlichtweg dumpfe Parolen von Halbstarken?

Ulrike Fabich: Nein, es sind de facto Neonazis. Allerdings sind sie optisch nicht als solche sofort erkennbar. Ein Typ in Beilrode trug ein Palästinenser-Tuch, einige andere hatten schwarz-weiß-rote Buttons dabei, als sie an der Halle ankamen. Der Veranstalter hat sie allerdings darauf hingewiesen, dass diese in der Halle nicht erlaubt seien.

Unterstützen die Neonazis eine bestimmte Mannschaft?

Ulrike Fabich: Nein, die wollen einfach Rabbatz machen. Sie informieren sich vorher, wo und wann Roter Stern Leipzig antritt und fahren gezielt zu den Spielen. Es sind immer dieselben Leute dabei. Auch bekannte Neonazis, die schon bei dem Überfall auf uns in Brandis dabei waren (am 24. Oktober 2009 kam es während des Spiels beim FSV Brandis zu einem Angriff von circa 50 Personen gegenüber den Spielern, Verantwortlichen und Fans des RSL, d. Red.).

Was nicht immer üblich ist: Der Veranstalter brach das Turnier in Beilrode ab. Wie reagierten denn die Verantwortlichen zuvor? Die Trainer der anderen Mannschaften oder Verbandsmitarbeiter?

Ulrike Fabich: In Beilrode baute sich ein Verbandsmitarbeiter vor den Neonazis auf und sagte: »Nun hört doch auf! Hier ist doch gar kein Judenland!« Uns fiel die Kinnlade runter. Doch damit nicht genug. Wenig später stellte er sich zwischen unsere Gruppe und die Nazis und sagte: »Wenn jetzt nicht Ruhe ist, dann lass ich alle entfernen.«

Ist die Gleichmacherei von Links und Rechts eine bekannte Reaktion?

Ulrike Fabich: Absolut. Der sächsische Fußballverband wird nicht müde zu behaupten, dass Roter Stern Leipzig die Probleme provoziert. Durch Transparente mit Slogans wie »Love Football, Hate Fascism« würden wir die Nazis anlocken. Andere behaupten, wir würden bewusst und gerne die Opferrolle einnehmen.

Gab es denn mal Gespräche mit dem sächsischen Fußballverband?

Ulrike Fabich: Nein. Denn auch für den Präsidenten des Verbandes, Klaus Reichenbach, gibt es nur die rechten Chaoten und die linken Chaoten. Er macht da keinen Unterschied. Und auch er fragt: Warum müsst ihr denn die Politik in den Fußball tragen, warum müsst ihr denn immer wieder gegen Nazis sein, warum müsst ihr die Judenflagge hissen? (Bei Spielen hängt gelegentlich eine Israel-Flagge im Block von Roter Stern Leipzig, d. Red.). Es wird alles als Provokation aufgefasst. Die rechte Gewalt ist nach dieser Logik nur die Reaktion.

Ihr habt für euer Engagement gegen Rechts 2010 den Julius-Hirsch-Preis verliehen bekommen. Wie reagierte der sächsische Verband?

Ulrike Fabich: Klaus Reichenbach wurde natürlich zu Verleihung eingeladen, er blieb dieser aber fern. Das sagt im Grunde schon alles. Irgendwann bekamen wir immerhin ein Glückwunschschreiben. Ein anderes Beispiel: Wir haben in der vergangenen Saison eine einwöchige Ausstellung mit Podiumsdiskussionen organisiert (Strafraum Sachsen, d. Red.). Auch hier kam niemand vom sächsischen Fußballverband – trotz Einladung. Es ist fast ein bisschen paradox: Im DFB spricht man von gesellschaftlicher Verantwortung und lobt unser Engagement, im Landesverband werden wir als Nestbeschmutzer gesehen, wenn wir dieses wahrnehmen.

Wie sieht der Dialog mit den anderen Mannschaften aus?

Ulrike Fabich: Es gibt gute Verbindungen zur BSG Chemie Leizpig, mit denen uns mehr als nur der Fußball verbindet. Generell gibt es auf Stadtebene einige Teams, die sich solidarisch mit uns zeigen, die unser Anliegen verstehen. Auch auf Landesebene haben wir einige Gespräche geführt. Das war ernüchternd. Nicht nur, weil die politischen Strukturen im Umland anders sind, und sich viele Klubs politisch rechts oder gar nicht positionieren.

Sondern weil sie Angst haben?

Ulrike Fabich: Genau. Der Wille für ein Umdenken ist manchmal da, allein, der Mut fehlt vielen Verantwortlichen der Klubs. Es kommt zum Beispiel immer wieder mal vor, dass man hinter vorgehaltener Hand unsere Idee gut heißt, es aber nicht wagt, dies auf Vereinsebene zu kommunizieren. Die Leute sagen, sie hätten Angst, schlafende Hunde zu wecken. Oder die Sorge, dass sie durch ein Bekenntnis gegen Rechts Mitglieder verlieren. Oder sie scheuen eine Positionierung, weil sie Gegenwehr in Form von Gewalt befürchten. Diese Ängste sind flächendeckend in Sachsen vorhanden.

Wie verlaufen eure Auswärtsspiele in der Provinz?

Ulrike Fabich: Alle Auswärtsspiele von Roter Stern Leipzig im Umland sind Spiele mit erhöhtem Sicherheitsrisiko. Das ist seit den Vorfällen von Brandis so. Die Polizei ist also stets präsent. Genauso wie jedes Mal ein rechter Mob zu den Spielen kommt – mal ist er größer, mal kleiner.

Werden die Spiele denn bei rassistischen Rufen unterbrochen?

Ulrike Fabich: Selten. Wir haben uns schon häufiger mit Schiedsrichtern über diese Rufe unterhalten, und merkten: Viele sind einfach überfordert. Sie hören diese Gesänge nicht, weil sie so auf das Spiel und den Ball fixiert sind. Wenn Spiele abgebrochen werden, wie etwa im April 2010 in Mügeln, müssen wir die Schiedsrichter dazu auffordern.

Was passierte in Mügeln?

Damals erklang wieder das U-Bahn-Lied und etliche Male wurden »Juden raus« und andere Nazi-Schlachtrufe skandiert. Wir mussten von der Seitenlinie den Schiedsrichter anschreien: »Hör doch mal hin, was hier abgeht!« Er hörte tatsächlich hin, und bat das Heimteam, seine Fans zur Räson zu rufen. Doch die machten weiter – schließlich brach er die Partie ab. (Mügelns Bürgermeister Gotthard Deuse hatte für den Spielabbruch übrigens kein Verständnis: »So lange ich beim Spiel war, habe ich keine Nazi-Sprüche gehört.«, d. Red.)

Den Klub Roter Stern Leipzig gibt es seit zwölf Jahren. Was erschwert ein Engagement gegen Rechts auf der Ebene Fußball?

Ulrike Fabich: Fußball nimmt eine Sonderfunktion ein, weil es, wie Gerd Dembowski (Sprecher vom BAFF, d. Red.) sagt, »Brennglas« ist. Weil viele althergebrachte Riten und verschiedene Traditionsaspekte zusammenkommen, weil die Strukturen mitunter verkrustet ist, weil schon die Spielfaktoren eher für ein diskriminierendes Umfeld sprechen als dagegen: Wir gegen euch, wir und die anderen. Das ist eine Abgrenzung, die ein Stück weit natürlich zum Fußball dazugehört, die aber ein Engagement gegen Rechts erschwert.

Wie steht es um die finanziellen Mittel? Könnt ihr mit Roter Stern Leipzig nachhaltig arbeiten?

Ulrike Fabich: Nein, wir haben keine langfristige Planungssicherheit. In den letzten Jahren wurden wir über einen lokalen Aktionsplan gefördert, dadurch war es uns möglich, Teilzeitstellen zu schaffen und eine Struktur aufrecht zu erhalten. Zudem bekamen wir Sachmittel von der DFB-Kulturstiftung.

In diesem Jahr hat Roter Stern Leipzig keine Unterstützung?

Ulrike Fabich: Nein. Aktuell können wir nur von Projekt zu Projekt schauen. Doch es fällt ja etliche andere Arbeit an – schon die Pressearbeit nimmt größeren Anteil ein als bei jedem anderen Klub in der Klasse. Ehrenamtlich ist diese Arbeit nur sehr schwer zu stemmen.

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Roter Stern Leipzig ’99 e. V. ist ein 1999 gegründeter Sportverein aus dem Leipziger Stadtteil Connewitz. Der Verein versteht sich als kultur-politisches Sportprojekt im Spannungsfeld zwischen Fußballverein und linker Politik. Im September 2010 wurde der Verein vom DFB mit dem Julius-Hirsch-Preis wegen seines Einsatzes gegen jede Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder sexueller Präferenz ausgezeichnet.

Süchtig nach dem großen Kick

Kasinos, Sportwetten, Kartenspiele: Fußball-Stars gehen auch abseits des Platzes gern steil. Einige von ihnen verdribbeln sich und werden spielsüchtig.

Quelle: Welt Online.

Mit der Pik 4 war René Schnitzler erledigt. Unter seinem Online-Namen „Master of 04“ hatte er sich für 530 US-Dollar (410 Euro) in ein Internet-Pokerturnier eingekauft. Lange hielt er nicht durch: Mit zwei Buben ging er „all in“, schob sein gesamtes Geld in die Mitte des virtuellen Tisches. Ein Mitspieler hielt dagegen und komplettierte mit der letzten Karte, besagter Pik 4, seinen „Straight“, eine Straße. Schnitzler war mit seinem Pärchen ausgeschieden.

Es war nicht das erste und nicht das letzte Mal, dass der Fußball-Profi frustriert auf den Aus-Knopf seines Computers drückte. Er hatte schon oft verloren. Seit er 18 Jahre alt war, habe es kaum einen Tag gegeben, an dem er nicht gezockt hat, sagte der 25-Jährige dem „Stern“. Poker, Kasinos, Sportwetten – ganz egal: Schnitzler setzte, und das selten erfolgreich. Als der Schuldenberg wuchs und er seine Miete nicht mehr zahlen konnte, verkaufte er seine Uhren und den 100.000-Euro-Mercedes, erhöhte den Dispokredit auf 50.000 Euro und pumpte Mitspieler und Bekannte an.

Dann kam 2008 das unmoralische Angebot: Ein niederländischer Wettmafioso bot ihm Geld, insgesamt 100.000 Euro, wenn er Fußballspiele manipulieren würde. Schnitzler, damals in Diensten des Zweitligisten FC St. Pauli, nahm an. Heute beteuert er, für das Bestechungsgeld keine Gegenleistung erbracht zu haben. Ruiniert ist er dennoch – moralisch und finanziell.

Sein Fall geht weit über die Grenzen des persönlichen Versagens hinaus. Und er wirft Fragen auf: Ist Schnitzler ein Einzelfall oder sind Fußballer generell gefährdeter als andere Menschen? Was geschieht in Mannschaftshotels und Bussen, Flughafenhallen und Kabinen, wenn hochbezahlte Profis ihre Langeweile bekämpfen? Und: Sitzen die großen Scheine wirklich so locker, wie Schnitzler behauptet?

Einmal, erzählte er, sei er mit Bayer Leverkusen zu einem Freundschaftsspiel geflogen. Am Flughafen hielt ein Nationalspieler seinen Kollegen den Hut hin: Jeder sollte 500 Euro hineinwerfen. Wessen Koffer als erstes auf das Laufband fiel, bekam alles. Andere Profis berichten von weiteren bizarren Spielchen. So soll ein ehemaliger Nationaltorhüter gern „Gerade-Ungerade“ gespielt haben: Zwei Spieler, zwei Geldbündel – und dann wurde gewettet, ob die Seriennummer des nächsten Geldscheins mit einer geraden oder ungeraden Ziffer endet. Wer gewann, erhielt den Schein.

„So was ist einfach krank“

Ich habe schon viele bekloppte Sachen gehört, aber so was ist einfach krank“, sagt Andreas Brehme, der deutsche Siegtorschütze im Weltmeisterschaftsfinale 1990. 20 Jahre war er Profi, unter anderem bei Bayern München, Inter Mailand und dem 1. FC Kaiserslautern, und „ja, gespielt wurde bei uns auch: Karten, Würfel, solche Sachen“, sagt Brehme: „Aber so einen Quatsch wie dieses ‚Kofferspiel’ haben wir nie gemacht. Und um solche Summen haben wir auch nicht gespielt. Dafür muss man schon gehörig einen an der Waffel haben.

Ist dem so? Harald Schumacher, der 76 Mal das deutsche Tor hütete, berichtete in seinem Skandal-Buch „Anpfiff“ von wahren Spielexzessen im Kreise der Nationalelf. Vor allem sein Torwart-Konkurrent Eike Immel soll während der Weltmeisterschaft 1982 öfter Karten als Fußbälle gehalten haben: „Der pokerte schon wie ein Süchtiger. Oft sah man ihn, wie er sich enttäuscht und völlig gerupft auf sein Bett warf. Nicht selten wurde um 20.000 bis 30.000 D-Mark (umgerechnet rund 10.000 bis 15.000 Euro; die Red.) gespielt.

Immel ging ins „Dschungelcamp“

Eike Immel ist pleite. Er zog vor drei Jahren ins „Dschungelcamp“, um mit der Gage eine Hüftoperation bezahlen zu können. Die Zockerei sei nicht schuld an seiner finanziellen Misere, sagt Immel heute, das soll an Scheidung, gescheiterten Bauherrenmodellen und falschen Freunden gelegen haben. Dass er bei der WM in Spanien um Geld gespielt hat, leugnet er aber nicht: „Wir waren acht Wochen einkaserniert. Unser Hotel in Gijon war spartanisch eingerichtet. Es gab kein deutsches Fernsehen. Außer Essen, Training und Massage gab es nichts, was man in seiner Freizeit machen konnte. Da haben wir uns eben mit Karten spielen die Zeit vertrieben.“ Die von Schumacher kolportierten Summen allerdings streitet Immel ab.

Ist es also übertrieben, wenn Betrüger Schnitzler behauptet, dass „70 bis 80 Prozent der Spieler“ regelmäßig wetten würden? Fakt ist, dass Fußballprofis mit dem Beginn ihrer Karriere in eine Parallelwelt eintreten, die mit dem normalen Leben wenig zu tun hat. Während Altersgenossen studieren oder eine Ausbildung machen, gehen bei den Fußballern die ersten fünfstelligen Monatsgehälter ein. Große Teile ihrer Zeit verbringen sie mit ihren Kollegen: Eine testosterongesteuerte Leistungsgesellschaft mit viel Freizeit und viel Langeweile.

Anfällig für Sportwetten

Fußballer haben in einem frühen Lebensalter sehr viel Geld und Zeit zur Verfügung. Sie stehen unter Leistungsdruck und in der Öffentlichkeit. Auf der Suche nach zusätzlichen, lustbetonten Herausforderungen bietet sich das Glücksspiel an“, sagt Professor Gerhard Meyer, Leiter der Abteilung für Glücksspielforschung der Universität Bremen. Besonders für Sportwetten seien Fußballer anfällig, „weil sie meinen, diesen Bereich besonders gut einschätzen zu können. Hier hat der Spieler die Erwartung, sein Fußballwissen finanziell nutzen zu können.“ Bei Gaga-Aktionen wie der „Koffer-Wette“ gehe es hingegen um „Stimulation und Action“, sagt der Wissenschaftler: „Das Geld ist dabei nur Mittel zum Zweck. Das ist typisch für Zocker. Gerade Ergänzungsspieler, die im Verein nicht die erste Geige spielen, versuchen über solche Spielchen Bestätigung zu bekommen.“ Zudem sei es die Flucht vor Sorgen und Problemen, die diese Spieler beschäftigen und die so bekämpft werden.

Tatsächlich sind es selten Stars, die dem Glücksspiel verfallen. Andreas Biermann vom FC St. Pauli trieb die Sucht in die Depression, er unternahm einen Selbstmordversuch. Nico Patschinski, der unter anderem für St. Pauli und Union Berlin kickte, zockte so lange, bis er und seine Frau wegen seiner Wettschulden massiv bedroht wurden. Und Manfred Kastl, der von 1986 bis 1992 insgesamt 122 Bundesligaspiele für den HSV, Bayer Leverkusen und den VfB Stuttgart absolvierte, half erst ein Psychologe aus der Spielsucht: „Es gab einen Zeitraum von neun Monaten, in der ich mich als spielsüchtig gefühlt habe. Ich war regelmäßig, oft viermal die Woche, in diversen Spielkasinos. Das konnte so nicht weitergehen, deshalb habe ich mich an einen Psychologen gewandt. In den Gesprächen mit ihm ist mein Realitätssinn zurückgekehrt.

Allerdings gibt Kastl die Schuld an der Sucht nicht seinem Beruf. „Klar haben wir gepokert und gewürfelt, und am Flughafen auch mal gewettet, welcher Koffer zuerst vom Gepäckband kommt. Aber da ging es um kleine Wetteinsätze, mal um 20 Mark, mal um ein Essen. Ich bin sicher, dass das nicht die Ursache für meine spätere Spielleidenschaft war“, sagt der heute 45-Jährige.

Branche ist sensibilisiert

Die Branche ist mittlerweile sensibilisiert für die Gefahren des Glücksspiels. Im Paragraf 1, Absatz 5 des Mustervertrages des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist seit dem Wettskandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer im Jahr 2005 festgehalten, dass Fußballprofis keine Wetten auf die eigene Mannschaft abschließen dürfen. Und wenn die Spielergewerkschaft „Vereinigung der Vertragsfußballspieler“ (VDV) ihre Trainingscamps für vertragslose Spieler anbietet, herrscht dort striktes Glücksspielverbot. Das bestätigt VDV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky. Auch eine psychologische Hotline für hilfsbedürftige Fußballer ist eingerichtet: „Allerdings haben es unsere Experten mehr mit Depressionen oder Burn-Out-Syndromen zu tun als mit Spielsucht. Damit wenden sich nur wenige Spieler an uns, darum ist es sehr schwer einzuschätzen, wie hoch die Dunkelziffer in diesem Bereich ist“, sagt Baranowsky.

Oft allerdings wird übersteigerte Spielleidenschaft im Profifußball noch als Lappalie abgetan. Zocken gilt als Kavaliersdelikt: Wer setzt nicht ab und zu ein paar Euro beim Kartenspielen, was soll daran gefährlich sein? Doch der Vergleich hinkt wie der zwischen einem Feierabendtrinker und einem Alkoholiker. Darum war es auch wenig hilfreich, als beispielsweise Union-Manager Christian Beeck im Jahr 2009 zum Spielverhalten seines Spielers Patschinski sagte: „Das Zocken ist seine private Leidenschaft. Solange er pünktlich zum Training kommt und Leistung bringt, wird er vom Trainer aufgestellt.“ Im Umkehrschluss würde das heißen: Erst wenn er nicht mehr kommt, wird reagiert.

Mario Basler sieht keine Gefährdung

Auch Mario Basler, der genial-verrückte Ex-Profi und heutige Trainer von Drittligist Wacker Burghausen, wiegelt ab und sieht keine erhöhte Gefährdung für Profis: „Ob jemand süchtig wird, hängt doch nicht mit Geld oder Beruf zusammen, sondern mit der Veranlagung des Menschen. Wir haben früher auch im Geld gezockt, allerdings nie um hohe Beträge.“ Darum dürften seine Spieler auf Auswärtsfahrten oder im Trainingslager auch mal den ein oder anderen Euro setzen, sagt Basler, der selbst für einen Wettanbieter wirbt: „Nur wenn da viel Geld auf dem Tisch liegen würde, würde ich dazwischen hauen.

Was Basler wohl zum Verhalten des Golfprofis John Daly gesagt hätte? Der zweifache Masterssieger mit dem Hang zur Selbstzerstörung verspielte nach eigener Aussage innerhalb von zwölf Jahren zwischen 50 und 60 Millionen Dollar, viel davon an „Einarmigen Banditen“ in Las Vegas, an denen jedes Ziehen des Hebels 5000 Dollar kostet. An einem Tag verzockte er in einer halben Stunde 600.000 Dollar: „Anschließend nahm ich weitere 600.000 Dollar auf und verspielte diese in zwei Stunden.“ Dieselbe Summe von 1,2 Millionen Dollar forderte 1991 ein US-Geschäftsmann von Basketballer Michael Jordan ein. Das Geld hatte der Superstar beim Golfen gegen ihn verloren, behauptete er. Die beiden hatten pro Loch um 30.000 Dollar gewettet.

When Saturday Comes

Surprise, surprise, was deutsche Fußballmagazine alà 11.Freunde nicht hinbekommen, schaffen unsere englischen Freunde mit links: In der 288 Ausgabe des „half decent football magazine“ mit dem romantischen Namen When Saturdays Comes ist ein schnicker Artikel (1,2) über die Roten Sterne in Deutschland erschienen…

In the middle of night…

In the middle of night, wondering what happened all around me by SunshineJimmy