Nach dem Erfolg am letzten Wochenende über Ajax Amsterdam haben Spieler von Ado Den Haag – gemeinsam mit den Fans – antisemitische Sprüche bei der anschliessende Siegesparty zum Besten gegeben. Aufgedeckt wurde dies durch ein im Internet zu bestaunendes Handyvideo. Darin sind Lex Immers, 24jähriger Mittelfeldspieler, der Stürmer Charlton Vicento, Chefcoach John van den Brom und sein Assistent Maurice Steijn zu beobachten wie sie auf der Theke vor ihren Fans den Sieg „feiern“…
Der Sprechchor „We gaan op jodenjacht„–“Wir gehen auf Judenjagd“ ist leider ziemlich geläufig in holländischen Stadien. Man kann ihn vor allem dann hören, wenn es mal wieder gegen Ajax Amsterdam geht. Der Hauptstadtklub dessen Fans sich äußerst positiv auf die jüdische Vergangenheit ihres Vereins beziehen ist schon lange im Visier der Antisemiten.
Die Fans wollten es am Wochenende auch nicht bei der Judenjagd belassen. In einem weiteren Video kann ebenfalls man den Sprechchor: „Hamas, Hamas! Joden aan het gas!„–“Hamas, Hamas! Juden ins Gas!“ hören: (Minute 1.13)
Das Resultat des ‚Skandals‘ ist mehr kläglich. Der Verein belegte Immers mit einer Strafe und der Spieler gab pflichtbewußt bekannt, dass er sich in der Euphorie hat mitreissen lassen. John van den Brom, der Chefcoach, erklärte er habe ja nicht mitgesungen und sein Stürmer, Charlton Vicento, darf nicht zum nächsten U21-Länderspiel von Holland mitfahren.
Für die deutsche Presse bleibt aber eine andere Sache völlig unklar:
„Unklar ist, wie viel Judenfeindschaft in den Beschimpfungen liegt – und wie viel Rollenspiel. Denn die Fans aus Amsterdam nennen sich tatsächlich selbst so. „Joden“ schmettern sie inbrünstig, wenn sie durch andere Städte ziehen. Davidsterne und Israelfahnen sind Standardaccessoires im Fanblock, besonders bei den Hooligans. Warum das so ist, weiß niemand genau.“ ZEIT.
Niemand bedeutet in diesem besonderen Fall, Herr Müller aus Hamburg. Das Ajax Amsterdam und seine Fans schon seit Jahrzehnten antisemitisch angefeindet werden ist weithin bekannt. Auch die Reaktion darauf, also diese Beschimpfungen nicht als Schande wahrzunehmen, sondern als Teil ihrer Geschichte ist nicht wirklich neu. Erstrecht nicht unverständlich.
Wo bleibt die Kritik über den Vereinsvorstand von Ajax Amsterdam?
Das ist – in dieser konkreten Situation – eine andere Baustelle…