Archiv für April 2011

Judokatrainer als aktiver Neonazis geoutet.

In einem offenen Brief wendete sich die Antifa Velbert mit dem heutigen Tag an die lokale und überregionale Presse, an den Velberter Judo-Club e.V., den Velberter Sportausschuss im Rat der Stadt Velbert, die im Velberter Stadtrat vertretenen Parteien, den Bürgermeister der Stadt Velbert – Stefan Freitag, den Sportbund Velbert, den Landes- und Bundesverband der Judosportler sowie die örtlichen Kampfsportvereine. Der Grund für diese Maßnahme, Öffentlichkeit zu erzeugen ist folgender:

Vergangenes Jahr war der Aufschrei groß als in der kleinen Gemeinde Laucha in Sachsen-Anhalt an die Öffentlichkeit kam, dass mit Lutz Battke ein rechtsextremer Schornsteinfeger als Jugendtrainer in einem Fußballverein angestellt war. Auch Velbert reiht sich leider in diese Praxis ein, rechtsradikalen Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Gesinnung in die Mitte der bürgerlichen Gesellschaft zu integrieren. Wir möchten somit auf Sebastian Simka, seines Zeichens langjähriges Mitglied der Deutschen Judo-Nationalmannschaft, Jugendtrainer im Velberter Judo-Club e.V. und zugleich dessen 2. Vorsitzender aufmerksam machen. Doch in erster Linie ist er eines: Musiker und Kopf mehrerer nationalistischer Rockbands aus Velbert.

Bis heute beteiligt an den Nazibands Notwehr, Mahnwache und Projekt Aaskereia ist Sebastian Simka seit Jahren ein fester Bestandteil der bundesweiten Naziszene und unterstützte in diesem Rahmen mehrfach Treffen der so genannten ‚Freien Kameradschaftsszene‘ und Parteiveranstaltungen der NPD. Mit seiner Band Notwehr veröffentlichte er die beiden indizierten Alben ‚Wenn es tobt‘ und ‚Ein Neuer Wind‘, die beide wegen jugendgefährdender Texte nicht mehr beworben, vertrieben und verkauft werden dürfen. Die Lieder, die offen den Nationalsozialismus verherrlichten und sich eines Personenkults um den Stellvertreter Adolf Hitlers – Rudolf Hess – bedienten, gelten bis heute als Klassiker in der Neonazi-Szene.

Mit der Band Mahnwache behandelte Simka vermehrt typische Alltagsthemen wie Obdachlosigkeit, Krankheiten oder das Rauchen. Sie zielten durch die unterschiedlichsten Musikrichtungen auf eine möglichst breite Käuferschicht ab und versteckten rassistische Klischees viel mehr. Die Alben „Mahnwache“ und „Rauchen“ erschienen 1998 und 2009. Seine dritte Band ist das Projekt Aaskereia – Musikstücke wie „Deutschland“, „Nationalist“, „Deutschland, heilige Mutter mein“, „Soldat und Pflicht“ sprechen eine eindeutige Sprache: Heldenverehrung, Glorifizierung der Wehrmacht und Nationalismus sind die Schlagworte, die die beiden Alben „Deutschland“ und „Klagt nicht, kämpft!“ verbinden. Projekt Aaskeireia ist zuletzt im Jahr 2010 öffentlich in einem Lokal im Kreis Mettmann aufgetreten. Die Dunkelziffer von Konzerten könnte allerdings weitaus höher liegen – wie es bei nur im Untergrund auftretenden Nazibands üblich ist.

Ein Unding ist es nicht nur in unseren Augen, dass bekannte Neonazis ein Amt in einem Sportverein inne haben und dadurch die Möglichkeit besitzen, ihre Sportschüler mit politischer Propaganda beeinflussen zu können. Seine Kontakte im Judo-Club ermöglichten es seinen Bands bereits, im Vereinsheim des Luftsportvereins in direkter Nähe zur städtischen Gesamtschule Velbert aufzutreten, deren Sporthalle Simkas Judoverein mitbenutzt. Fotos, die lange Jahre frei im Internet zugänglich waren, zeigten seine Bands bei Auftritten vor bekannten rechtsextremen Neonazis im Vereinsheim Birkenstraße 41 in Velbert.

Wir fordern die Medien und die Politiker der Stadt Velbert auf zu überprüfen, inwiefern der Judo-Club Velbert e.V. von öffentlichen Geldern profitiert und, sofern dies der Fall ist, diese einzufrieren, solange bis dieser Neonazi nicht mehr in Diensten des Sportvereins steht.

Den Sportverein Judo-Club Velbert e.V. fordern wir auf, sich schnellstmöglich von Sebastian Simka zu trennen um jeglichen Schaden vom positiven Image des Vereins abzuwenden. Wir gehen zu Ihren Gunsten mal davon aus, dass Sie über die politische Brisanz der Person Sebastian Simka nicht informiert sind und nun zum Entschluss kommen werden, dass Neonazis nichts bei Ihnen zu suchen haben.

abolish monarchy!

[via]

Bengalos: Schlechtes Licht für die Statistik

Ist das Abbrennen von bengalischen Feuern Gewalt? Wenn ja, dann gibt es tatsächlich einen Anstieg der Gewalttäter in der Fan-Szene, wie es neue Zahlen nahe legen. Die Fans und ihre Projekte wehren sich gegen diese Art der Kriminalisierung – gewaltfrei.

Quelle: ZDF

Der spektakulärste Fall von Zuschauer-Ausschreitung während eines Fußballspiels der letzten Wochen ereignete sich am Hamburger Millerntor. Beim Spiel des FC St. Pauli gegen Schalke 04 wurde von der Haupttribüne ein voller Bierbecher auf den Linienrichter geworfen, das Spiel musste abgebrochen werden.

Von den Business-Sitzen

Der Bierbecher-Werfer kam aus dem Business-Seats-Bereich“, sagte St. Pauli-Präsident Spieß. Also nicht aus dem Bereich, der laut der Zentralen Informationsstelle für Sporteinsätze für den von ihr diagnostizierten Anstieg der Fan-Gewalt verantwortlich ist.

Die ZIS hat in ihrem Jahresbericht für 2009/2010 eine Zunahme der Gewalttäter in Bereich Fußball um zehn Prozent auf 8765 Personen festgestellt und führt diesen Anstieg laut Osnabrücker Nachrichten auch auf den zunehmenden Einfluss der Ultra-Gruppierungen zurück. Höchstwerte wurden auch bei den Zahlen für die eingeleiteten Strafverfahren, die Verletzungen und die geleisteten Arbeitsstunden der Polizei vermerkt.

DFL und Fanprojekte gegen Panikmache

Nachdem schon in der vergangenen Woche die Deutsche Fußball-Liga (DFL) über ihren Kommunikationschef Christian Pfennig vor Panikmache warnte, hat sich nun auch die Koordinationsstelle für Fanprojekte (KOS) für eine differenzierte Betrachtung ausgesprochen.

In die von der ZIS erhobenen Zahlen gehen unseres Wissens auch die Verstöße gegen das Verbot von Pyrotechnik mit ein“, sagt KOS-Mitarbeiter Volker Goll gegenüber sport.zdf.de. „Bei den Fanprojekten sieht man das sehr differenziert: Die Anwendung von Pyrotechnik kann nicht einfach zur Gewalt gezählt werden, wenn dabei niemand zu Schaden kommt.

Legales Abbrennen

Wenn man das Abbrennen von Bengalo-Feuern allerdings zu den Gewalttaten rechnet, wie es der DFB in seinen Statuten tut, liegt die Fokussierung auf die Ultra-Szene nahe.

Pyrotechnik ist seit Jahrzehnten Bestandteil in der Fanszene, ist Ausdruck von Emotion“, sagt Martin Schwaak von der HSV-Ultra-Gruppe Chosen Few Hamburg. Um aus der Kriminalisierungsspirale herauszukommen, haben 50 Ultra-Gruppen Ende vergangenen Jahres ein Konzept vorgelegt, das einen legalen, verantwortungsvollen und sicheren Umgang mit Pyrotechnik im Stadion ermöglichen soll.

Der DFB prüft

Der DFB lässt dieses Konzept gerade intern von den zuständigen Stellen prüfen und will sich dann mit den Fans an einen Tisch setzen. „Diese Initiative hat den positiven Nebeneffekt, dass sich Fanorganisationen seriös und intensiv mit dem Thema auseinandersetzen“, sagte der Sicherheitsbeauftragte des DFB, Helmut Spahn, vor ein paar Wochen gegenüber sport.zdf.de. Seine Zuversicht ist inzwischen etwas gesunken, da das Abbrennen von Pyrotechnik nach der Gesprächszusage stark zugenommen habe. „Das war kontraproduktiv“, sagt Spahn heute. Das Gespräch mit der Ultra-Initiative solle am Saisonende dennoch stattfinden.

Dennoch beobachten die Fanprojekte eine neue Qualität der Interessensvertretung der Fans. „Auch auf der großen Fan-Demo in Berlin wurde deutlich, dass es in der aktiven Fanszene eine verstärkte Selbstreflexion und konstruktive Ansätze zum Dialog mit den Institutionen gibt“, sagt Volker Goll. Im Oktober 2010 hatten 4000 Fans für den Erhalt ihrer Kultur demonstriert.

Fußball als Moderator

Oberste Priorität hat für uns der Dialog zwischen Fan-Gruppierungen, vor allem der Ultra-Bewegung, und der Polizei“, lautet Punkt 2 des Zehn-Punkte-Plan für mehr Sicherheit im Fußball, den DFB und DFL vor genau eine Jahr beschlossen haben. „Und wir als Fußball wollen dazu aktiv als Moderator beitragen.

Diesem Versprechen sind die Spitzenverbände des deutschen Fußballs durch die Veranstaltung von Regionalkonferenzen in Dortmund, Augsburg und Hamburg nachgekommen, auf denen erstmals Akteure von Clubs und Polizei aus den Bereichen Fans, Sicherheit und Medien zusammentrafen.

„Neuer Input“

Solche Diskussionen geben stets neuen Input, um die ganz konkreten Problem vor Ort zu lösen“, sagt Fanprojekt-Koordinator Volker Goll. Der direkte Dialog zwischen den Fans und den Verantwortlichen bei Vereinen und Polizei geht derzeit hauptsächlich von der Fan-Basis aus, wie die Bengalo-Initiative zeigt. „In dem sogenannten „Pyro-Legalisierungs-Konzept“ steckt ein großes Dialogangebot der Ultras“, sagt Volker Goll. „Wenn das nicht ernsthaft und ergebnisoffen behandelt wird, wäre das ein Rückschritt für alle Vermittlungsbemühungen.

Ein weiteres Beispiel aus einer Vielzahl von lokalen Dialogangeboten, über die meist wenig berichtet wird, war der offene Brief von Bremer Ultras vor dem letzten Auswärtsspiel beim HSV, in dem sie konstruktive Vorschläge für eine von ihnen favorisierte Anfahrtsroute machten.

Zur Rede gestellt

Mehr Erfolg als mit dieser Initiative hatten die Werder-Ultras nach dem 0:4-Debakel ihrer Mannschaft in Hamburg. Sie blockierten den Spielerbus und zwangen Frings & Co zum Dialog. „Die Art und Weise wie sie das vorgebracht haben, war positiv und auch Mut machend“, sagte Klaus Allofs kurz danach. Seitdem hat Werder kein Spiel mehr verloren.

Antikommunismus, oder doch nur schlechte Laune!

Wenn anstatt dem Sprechchor „Eisern Union, Deportation“ jemand seine ganze Aufmerksamkeit einer Sowjetunionfahne und dem Sprechchor „Es gibt nur eine Union, Sowjetunion“ bzw. „Union, Union, Sowjetunion“ widmet, dann muss es sich wohl um einen Antikommunisten handeln. Jedenfalls wenn man nach dem Diktum Vladimir Jankélévitch, das die Handlung wichtiger sei, als das gesprochene Wort, die vorliegende Sachlage analysiert…

Wenn er dann noch darauf plädiert den „Roten Stern“ in „Braunen Stern“ umzubenennen, dann hat er ganz offen, seine autoritäre Totalitarismustheorie und seinen häßlichen Zwang alles ihm Unagenehme als ‚Nazis‘ zu titulieren offenbart. Wenn der geneigte Leser jetzt aber denkt, wir reden hier von irgendwelchen bösen Konservativen oder irgendwelchen Neuen Rechten, der hat sich geschnitten. All diese Kommentare kann man im TeBe-Forum nachlesen…

Worum geht es?

Einige Fans des Roten Stern Nordost besuchten am Montag das Spiel Union Berlin Amateure vs. Tennis Borussia Berlin. Dabei kam es zu lustigen Sprechchören, die wohl ausgerechnet denjenigen, wie z.B. Forum-User Denis, böse auf den Magen schlugen, denen wir vor kurzem erklärten, dass Ihr Lieblingsverein und die dazugehörige Fanszene mehr mit Stalin zu hat, als es Ihnen lieb sein kann (siehe 1,2).

Nun kam also Ihrer Meinung die Zeit für eine Retourkutsche. Doch dummerweise ist sie mehr als nur peinlich ausgefallen:

ich finde die bezeichnung „brauner stern“ hier viel passender. „roter stern“ ist dann doch harte beleidigung für die anderen vereine, die unter diesem banner existieren.

Forum User Denis

weiß ja auch nicht, wie sich die Rotsternstalinisten verhalten haben und warum sie überhaupt gekommen sind, aber mein Lieblingsmotto der letzten 25 Jahre war:

Bekämpfe Dunkelheit nicht mit Licht, sondern dreh das Licht heller!

Forum User Peeka

Anstatt vor Ort etwas zu bemängeln, was einem anscheinend derbe stört, sitzt man danach lieber im Trockenen und hackt üble esoterische und antikommunistische Hetztiraden in die Tastatur. Anstatt sich einzugestehen, dass unsere Kritik euren Nerv und damit das anvisierte Ziel getroffen hat, versucht Ihr eine an den Haaren herbeigezogene Retourkutsche ins Rennen zu schicken. Wir waren vor Ort, eure Problem mit unserer Kritik hätte man auch von Angesicht zu Angesicht klären können. Das wolltet Ihr nicht. Stattdessen kommt jetzt so ein Quark.

Totalitarismustheorie ist jetzt nicht so mein Ding. Dass leider nicht überall Roter Stern drin ist, wo Roter Stern draufsteht, haut allerdings hin.

Forum User Mr. Bungle

Wie blöd bzw. postmodern muss man eigentlich sein um soetwas in die Welt zu setzen? Der Rote Stern als Symbol steht für die russische Revolution. Wer aus Unwissenheit oder anderen Geisteskrankheiten sich jetzt hinstellt und „Sowjetunion„-Sprechchöre zum Anlaß nimmt um zu behaupten, dass der Name falsch ist, der hat einfach nicht mehr alle Tassen im Schrank.

tebe ist ein lebensgefühl und nicht einfach nur das sammelbecken für alle kleingeister, die zufällig nirgendwo anders ein stadion gefunden haben.

Forum User Denis

Wohl kaum, Denis. TeBe ist zu einer Identität geronnen mit der esoterische und antikommunistische Kleingeister sich und ihre Bezugsgruppe als etwas Besseres fühlen können. Das Ergebnis ist leider nicht besser als die Nation, dass zeigen sie mittels ihrer äußerst deutschen Totalitarismustheorie, es ist nicht einmal besser als irgendeine andere Fanszene in diesem Land: Da regt man sich im Forum tatsächlich auf, dass womöglich der eine oder andere Fan des BFC mit von der Partie war. Anstatt das eigene Feindbild vom neonazistischen BFC-Fan einfach mal zu hinterfragen, wird sofort ohne Umstände der BFC-Fan als das wahre Übel identifiziert.

Es wird die eigene Identität gegenüber der Realität abgeschottet, damit die Eigengruppe geschlossen gegen den Feind steht. Woher kennt man soetwas bloß? Müssen die Neonazis letztendlich nicht die Ausländer als Feind definieren, mit dem Endziel die angebliche Eigengruppe dazu zu motivieren sich als Volksgemeinschaft zusammenzuschliessen?

Dass ein Fan des BFC auch antifaschistisch sein kann, sogar kommunistisch, dass darf bei TeBe niemand mitbekommen, denn dann ist die antifaschistische Einzigartigkeit und somit die eigene Existensberechtigung in die Augen vieler TeBeler futsch. Und weil wir dies vor kurzem offen ausgesprochen haben, ist der ‚Hass‘ den sie angeblich so ablehnen, überall zwischen den Zeilen im TeBe-Forum zu spüren…

Der Neid. Die Gier. Und das Unverständnis.

Der ZSZF- Fortsetzungsroman. Teil III.

:::::::::: Teil II.
:::::::::: Teil I.

Trotz der Umstände suchen sie beharrlich weiter, die Schäferhunde schnüffeln ihrem Instinkt folgend hinter jedem Stein. Doch sie haben schon lange nicht mehr angeschlagen. Dementsprechend angespannt sind die Hundeführer. Der Wettlauf mit der Zeit neigt sich seinem Ende zu. Auf diesem Trümmerfeld noch Verschüttete zu finden, würde einem Wunder, ähnlich dem der unbefleckten Empfängnis, gleichen. Ob sie die Hoffnung an ein solches oder der in diesen Breiten tief verankerte Arbeitsethos antreibt, ist schwerlich zu ergründen. In den herben Gesichtern ist jedenfalls nur selten eine Regung wahrzunehmen.

Den Bahnhof Alexanderplatz, besser gesagt seine Überreste, langsam hinter mir lassend, versuche ich, die Umrisse des Fernsehturms zu erspähen. Den Telespargel, jenes Ostberliner Wahrzeichen, welches für mich als Kind eine ähnliche Bedeutung hatte wie die Freiheitsstatue für die osteuropäischen Einwanderer in New York. Ich laufe, besser gesagt taste mich mit den Füßen voran. Ständig muss ich über irgendwelche Trümmer steigen. Es ist etwas peinlich, ich ertappte mich bei dem Gedanken, einige besonders schöne Trümmer als Souvenir mitzunehmen. Einzelne Teile von Reklameschildern fallen mir sofort ins Auge. Die könnten sich bestimmt neben den eingestaubten Mauerstücken im heimischen Setzkasten gut machen.

Vielleicht auf dem Rückweg. Wegen dem Tinnef bin ich nicht hier. Der Nebel wird dichter. Die zu den Stimmen gehörenden Menschen verschwinden hinter einer grauen, milchigen Wand, auch wird es noch wärmer. Ich komme nur noch langsam voran. Die letzten Trümmer, über die ich stieg, waren zum Teil ziemlich heiß. Mir geht immer mehr die Muffe, der geborene Actionheld bin ich nicht. Eher ein mittelprächtiger Pfandfinder, der ungern in Zelten schläft und ein Restaurant den aufgewärmten Fraß aus der Dose vorzieht.

Mein Hang zur Zivilisation ist ziemlich ausgeprägt. Ich bin hier nur wegen dem Spektakel. Oder weil ich womöglich sonst einen weiteren Augenblick des immer wiederkehrenden Schreckens in diesem Land verpassen könnte.

Durch einen komischen Zufall bin ich ein unfreiwilliger Chronist des deutschen Wahns geworden. Manche meinen, besser als in einem Bürgerkriegsgebiet aufgewachsen zu sein, doch so groß ist der Unterschied für mich nicht. Meine bisherige Ausbeute ist schon relativ groß: Erst – in der Deutschen Demokratischen Bakschischrepublik – die unzähligen kollektiven Inszenierungen, an denen ich als Jungpionier teilnehmen musste und an deren Ende ebenfalls nichts weiter als die nächste anti-individualistische Aufführung stand.

Danach jahrelang die vielen völkisch inspirierten ‚Lichterfeste‘ im wiedervereinten Deutschland, die einen so genannten Asylkompromiß evozierten, der für Menschen aus anderen Bürgerkriegsgebieten in zweierlei Hinsicht den Tod bedeuten konnte. Schon irgendwie komisch, da nimmt die BRD über 16 Millionen renitente Ossis, die erklärtermaßen nur auf das Westgeld und die dafür erhältlichen Waren scharf sind, in das Land auf, aber einige hunderttausende Wirtschaftsflüchtlinge, die meist weit mehr können, als nur faulenzen und ewig herum nörgeln, müssen draußen bleiben. Volkswirtschaftlich ziemlich unlogisch.

Das war auch bei den Germanen kaum anders. Die zogen es bekanntlich vor, auf dem moosbedeckten Waldboden zu schlafen, anstatt in Häusern, die über Fußbodenheizung und Betten verfügten. Kein Wunder, dass heutzutage fast jeder zweite Bewohner der BRD eine komplette Ausrüstung an Outdoor-Klamotten sein eigen nennt, obwohl er den Großteil seiner Lebenszeit in wohl temperierten Räumen verbringt. Sie sind der zeitgemäße Ersatz für die Tierfelle, die man vor tausend Jahren noch um seinen nackten Körper wickelte.

Auch ich trage diesen gegen jegliche Zivilisation gerichteten Wahnsinn in meinen Genen. Mein T-Shirt ist das letzte Baumwollbollwerk vor dem wetterfesten und atmungsaktiven 4-Schicht-GoreTex-Massaker darüber. Zu tief verwurzelt ist das Erbe meiner Vorfahren, als dass ich so einfach diesem Dilemma entkommen könnte. Wenn die Tage kürzer werden, überkommt einen automatisch der Reflex, sich gegen die Witterung abzudichten. Allein gegen die – das ganze Jahr anhaltende – soziale Kälte hilft dies nicht. Kein Gespür für die Gefühlsregungen anderer Menschen, aber Thermosocken an, so läuft hier der Hase.

Das geht an keinem spurlos vorbei: Was früher einmal das Land der Dichter und Denker gewesen sein soll, ist spätestens seit der arischen Selbstreinigung unter Anleitung eines simplen Anstreichers zum Land der Schlächter und Henker mutiert. Leichen pflastern hier die Straßen, damit die lebenden Toten auf den selben phlegmatisch umher wandeln können. Selbst als halbwegs der völligen Unvernunft abgewandter Mensch ist es beinahe unmöglich, diesem morbid-romantischen Flair zu entfliehen.

Genau in jenem Moment, wo man es schafft, sich gegen den Wahnsinn, der aus der Vergangenheit kommt, hermetisch abzudichten, hat man – individuell gesehen – eine potenziell menschlichere Gegenwart schon längst verraten. Wenn auch angesehene Historiker gerne etwas anderes behaupten, aber das Ende der Geschichte, ausgerufen als der Eiserne Vorhang fiel, war schon längst Realität als Winston Churchill das neue Reich des Bösen in Stalins Sowjetunion und seinen Satellitenstaaten zu erkennen glaubte. Zu diesem Zeitpunkt war die Büchse der Pandora schon viel zu lange sperrangelweit geöffnet.

Obwohl militärisch besiegt, konnte der Geist des Nationalsozialismus nicht mehr zurück in die Flasche gedrängt werden. Der Wahn blieb in der Welt. Wenngleich die Menschheit sich nachhaltig befreit wähnte, so waren ihre Fesseln nur kurz gelockert. Das ideologische Gift des NS entfaltete recht bald wieder seine Wirkung. Heutzutage ist inzwischen sogar „Jedem das Seine“ zu einer universalen Werbeparole geronnen mittels der man Cornflakes oder Zahnpasta ebenso gut wie ein Konzentrationslager anpreisen kann.

Ohne beinharten Zynismus gepaart, mit etwas melancholischer Menschenverachtung inklusive der regelmäßig auftretenden Depressionen, ist die immer weiter fortschreitende Verrohung der Menschheit nur schwer zu ertragen. Oder man stellt sich tot, also geistig, wie die Mehrheit der Bewohner dieses Planeten und geht am Wochenende mit der Familie ins völlig überfüllte Planschbecken der Konsumgesellschaft, auch bekannt unter dem Namen ‚Spaßbad‘. Am Ende kommt fast immer das Gleiche heraus, nämlich ein körperliches oder geistiges Leiden, dass zum frühzeitigen Ableben führt.

Männer trifft es statistisch gesehen immer zuerst. Welch Ironie, auf den letzten Metern zum Paradies fängt das starke Geschlecht kollektiv an zu schwächeln. Im Altersheim kommt dementsprechend ein Mann auf drei Frauen, in der Hölle drei Männer auf eine Frau, ein Jammer. In solchen Fällen sollte die Gleichstellungsbeauftragte mal für eine faire Quotierung sorgen. Fragt sich nur wie.

Warum kratzen wir überhaupt früher ab? Eventuell hat dies etwas mit unserer Begeisterung für Sport zu tun, oder es liegt einfach nur daran, dass wir nicht über unsere Probleme reden wollen. Statt dessen fliehen wir ja lieber in den heimischen Hobbykeller oder über den Umweg Autobahn gleich gen Himmel. Dort soll ja bekanntlich auch verdammt viel Ruhe herrschen. Mit dieser ist es hier nicht weit her.

Der Geräuschpegel bringt mich wieder auf den Boden der Tatsachen. Und der ist verdammt heiß. Meine materiellen Verluste wollen heute einfach kein Ende nehmen: Nach und nach lösen sich jetzt die Sohlen meiner Schuhe in Wohlgefallen auf. So wie früher bei den grauenvollen Tretern von Germina. Bei denen konnte man nach einem Jahr immer davon ausgehen, dass sich das große Ganze in mindestens zwei Teile auflöst. So wie bei fast allen Produkten aus sozialistischer Produktion.

Ja, verdammt nochmal, ich bin im Osten Deutschlands groß geworden. Sneaker waren mir deshalb schon immer wichtig. Wenn man ständig den individuellen Reflex, aus der kollektiv organisierten Einöde zu entfliehen, verspürt, braucht man dringend gutes Schuhwerk. Die Flucht an sich, ausgelöst durch den allgegenwärtigen Fluch einer zementierten Realität, kenne ich seit Kindes Beinen nur zu gut. Seitens der unermüdlichen Staatsmaschinerie angetrieben, zogen meine Eltern von einem Ort zum nächsten, und wieder zurück. Kaum hatte ich mir ein paar Feinde gemacht, lernte ich schon wieder neue kennen. Und immer wieder tauchten diese fremden Männer vor unserer Tür auf und fragten nach meiner Mutter.

Dieser permanente Ausnahmezustand war für mich Normalität. Graue Normalität, die Farben fehlten ja nicht nur auf den Wänden. Aber im Gegensatz zu den ungezählten unerträglichen Verbrechen namens realsozialistischer Architektur, dem alltäglichen Tugendterror und der Sicherheit, die nächsten hundert Jahre wird sich garantiert rein gar nichts an diesem Zustand ändern, war der Telespargel das einzig vernünftige, was jemals die verfickten Planungsbüros in der Zone verließ.

Ich liebe den Fernsehturm. Er zeigte mir immer, dass ich aus der armseligen sächsischen Provinz mitten ins volle Leben kam. Aus dem Tal der Ahnungslosen in die Metropole mit Anschluß an den Rest der Welt. Auch wenn dies ein von viel Naivität geprägtes Trugbild war. Ich kam ja nur in die damalige Hauptstadt der DDR, so kam ich aber wenigstens in Reichweite mit dem, was mir als Leben vorschwebte. Der Betonspargel mit seiner gläsernen Kugel am oberen Ende zeigte immerhin an, dass es ab jetzt wieder Westfernsehen und -radio gab.

Amerikanische Popmusik aus dem Äther, Sesamstraße in Farbe, das symbolisierte für mich der Fernsehturm. Ich war jung und brauchte die Zerstreuung vom grauen Ostalltag und der dörflichen Tristesse. Da kamen die bunte westliche Warenwelt und ihre Medien gerade richtig. Auch wenn ich Jahre später ihre Nachteile äußerst nachhaltig kennen lernen sollte, ihrem Einfluss ist es hauptsächlich zu verdanken, dass aus mir keiner jener abartig veranlagten Ureinwohner aus den fünf neuen Bundesländern wurde.

Die mit Geburtsjahr und -ort verbundene Raum-Zeit-Falle, also falscher Raum zur unpassendsten Zeit, brach vielen meiner Jugendfreunde irgendwann das Genick. Entweder landeten sie auf der schiefen Bahn, wurden Neonazis, Graffiti-Selbstmordkandidaten oder diese prototypischen grau-braunen Spießer mit dem sentimentalen Hang der Sicherheitsverwahranstalt DDR wegen der sozialen Geborgenheit nach zu trauern. Irgendetwas ging immer schief.

Meine Zeit im Tal der Ahnungslosen war nicht so lange, als das ich nun genau eine jener Klatschen mein eigen nennen müsste, die fast jeder in diesen Gefilden unter seinem streng gescheitelten Pony spazieren trägt. Zum Glück! Meine rebellische Ader hat mich niemals im Stich gelassen. Ob die übergeordnete Autorität nun Honecker, Kohl oder Präsident Matschdattel hieß, ich war in jedem Fall dagegen.

Mal ganz ehrlich, es ist auch völlig egal ob, nachdem man die grauen Wände eigenmächtig bunt gemacht hat, der Abschnittsbevollmächtigte oder der Bundesgrenzschutzbeamte dir hinterherjagt…

Zur Sonne.Zur Freiheit! Ausgabe 7

Der Neid. Die Gier. Und das Unverständnis.

Der ZSZF- Fortsetzungsroman. Teil II.

:::::::::: Teil I.

Ein Lächeln huscht mir über das Gesicht bei der Vorstellung, mit meinem fetten Bluterguss zu dem hier ja gerade zahlreich versammelten Fachpersonal zu gehen. Doch ich belasse es bei der Erwägung, stattdessen gehe ich ein wenig vorsichtiger und langsamer vorwärts. Mann will ja später unten herum nicht aussehen wie ein blau-weißer Flickenteppich.

Es wird spürbar wärmer, je weiter ich laufe und auch der Nebel lichtet sich nach und nach. Langsam erkenne ich neben mir die Umrisse der Bahnhofsvorhalle, gleich um die Ecke war einmal die Franchisefreßmeile mit Burger King und Mc Donalds. Und direkt hier war eigentlich mal eine Rolltreppe. Jetzt nicht mehr. Der gesamte Bahnhof hat sich in wenig Wohlgefallen und sehr viel Staub aufgelöst.

Einfach zerbröselt, so als wäre er wie staubtrockenes Gras zwischen den Fingern zermalmt worden. Nur, dass der Schutt und die Asche keinen guten Joint ergeben würden, sondern einen Albtraum ohne vorherigen Rauschzustand. Alles weg und doch irgendwie da. Ein Gedanke schießt mir durch den Kopf: Die Fetzen waren wirklich Überreste vom MoMa-Plakat.

Nach und nach ergeben die einzelnen Fragmente ein verstörendes Gesamtbild. Die Dimension ist nicht einmal annähernd komplett zu erschließen, was eigenartige Prozesse in meinem Gehirn auslöst. Was, wenn das erst der Anfang ist? Stück für Stück entgleitet mir meine Wahrnehmung. Was ist mit meinen Freunden? Wo sind gerade meine Eltern und wie geht es Anne? Meine Gedanken laufen Amok, und das immer schön im Kreis. Als hätte ich eine handvoll Ectasy auf einmal geschluckt, treiben meine Hirnwindungen immer weiter ins Abseits. Panisch versuche ich einen Ausweg aus diesem Kreislauf aus Unwissenheit, den daraus resultierenden Ängsten sowie dem Wissen um den Wahnsinn, den die Menschheit bisher zustande gebracht hat. Man denke da nur an New York. Oder Ruanda. Letztendlich Auschwitz.

Meine Schritte werden langsamer. Verdrängung heißt das neue Zauberwort. Ich drehe mich um, doch nichts ist, außer dem, was ich vorher nicht auch schon in Umrissen sah, zu sehen. Ein Bild der Zerstörung, egal wohin ich meinen gedankenschwangeren Kopf auch drehe.

Alles liegt schon in Trümmern, doch das hindert mich komischerweise nicht im Geringsten daran, weiter zu gehen. Viel zu oft schon hatte die Realität meinen Fluchtreflex überstrapaziert. Und, weiß Gott, bisher ist es meinen Gehirnwindungen nicht gelungen, einen gut durchdachten Plan zu präsentieren. Um endlich diesem irdischen Wahnsinn zu entfliehen, braucht es wohl mehr als die üblichen Kräfte.

In meinem Kopf geht es zu wie auf dem Rummel. Statt Lichter blitzen überall Gedanken auf. Katastrophen wie diese ziehen weitere nach sich, das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Andererseits wann ist das letzte Mal überhaupt etwas Gutes passiert? Und folgte darauf nicht sofort auch wieder eine Katastrophe? Seit dem ich denken kann, wird es immer, einfach immer, beschissener. Die Technik macht es möglich.

Klar! Das Problem war doch nie die Utopie des vollkommenen menschlichen Glücks, sondern die Aussichtlosigkeit, mit der diese Utopie behaftet ist. Und es ist ja nicht so, dass es theoretisch nicht machbar wäre. Praktisch ist es aber mehr als ein kleines Kunststück, wenn man es als Individuum wenigstens ab und zu schafft, über den Zustand des Dahinvegetierens hinaus zu kommen. Wie soll das dann erst bei geschätzten 7 Milliarden Vollpfosten klappen?

Ohne professionelle Anleitung von irgendwelchen TV-Predigern kann die Mehrheit der Menschheit doch noch nicht einmal allein aufs Töpfchen gehen. Geschweige den sich wirklich eine eigene Meinung bilden. Wie immer haben diese aussichtslose Gesamtsituation dann jene Gerechten auszubaden, die noch auf der Welt übrig geblieben sind.

Eine kleine Gruppe Helfer erscheint in Umrissen in meinem Blickfeld. Sie sehen sehr mitgenommen aus. Wahrscheinlich kommen sie, ihrer durch den Staub schwach zu erkennenden blauen Kleidung nach zu urteilen, vom Technischen Hilfswerk. Meine Neugierde hat die besseren Argumente. Ich gehe schnurstracks weiter in Richtung Fernsehturm, direkt zum Zentrum der Katastrophe.

Was nicht bedeutet, dass meine Gedanken aufgehört hätten Autoscooter, zu spielen. Was werden die THWler wohl ihren Vorgesetzten über das Ausmaß der Misere berichten? Und vor allem: Wie kann man etwas in Worte fassen, wofür es noch gar keine Worte gibt? In Tschernobyl wurde der Größtmöglichste Anzunehmende Unfall (GAU) geboren. Welches Wort wird dieses Mal das Licht der Welt erblicken?

Hektisch wuseln immer mehr Menschen umher. Die Freiwillige Feuerwehr kümmert sich hier fast nur noch um das, was von den Menschen übrig geblieben ist. Im wahrsten Sinne des Wortes übrig geblieben. Auch die Überreste von Armen, Rumpfteilen oder auch nur einzelne Ohren werden fein säuberlich aufgesammelt, in Tüten verpackt, und wahrscheinlich später ins Labor abtransportiert. Sie machen es mit der gewohnten deutschen Gründlichkeit.

Ich inhaliere den Tod. Oder inhaliert der Tod gerade mich? Ekel kommt in mir hoch. Solche Einzelheiten sind nicht mein Ding. Weder will ich es hören, noch sehen, weil mir diese beiden und alle weiteren Sinne komplett dabei vergehen. Zwischen der Betrachtung des Ausmaßes der Zerstörung und dem morbiden Verlangen nach totem Fleisch ist ein himmelweiter Unterschied.

Jedenfalls für mich, und dass nicht nur ästhetisch. Derart abgestumpft bin ich nicht. Gleichwohl drängt mich meine Neugierde stetig vorwärts, während überall die Katastrophenschützer verzweifelt versuchen, noch irgendwelche Überlebende zu finden…

Zur Sonne.Zur Freiheit! Ausgabe 6

Das Märchenkarussell dreht sich…

Wie zu erwarten regt sich innerhalb der virtuellen TeBe-Community erheblicher Widerspruch auf die von uns gestern geäußerten Ideen. Äußerst verständlich, da es sich ja dabei um keine rationale, sondern eine derb emotionale Frage geht. Wir müssen deshalb hier einiges noch einmal ins rechte Licht rücken…

„Eine Auflösung des Vereins und die Neugründung, wie sie urs vorschlagen, halte ich aber nicht für hilfreich. Es existieren bei TeBe gewachsene Strukturen. Die Tradition des Vereins ist ebenfalls nicht zu verachten. Ältere Fußballfanatiker*innen – übrigens auch international – können mit den Veilchen und TeBe bis heute etwas anfangen. Allerdings führt das nicht zu frenetischen Zuschauer*innen-Strömen ins Mommsenstadion. Ich hoffe trotz der schwierigen Zeit, daß TeBe – wo auch immer – weiter existieren wird.“

Amaranto Blog

Die Existenz von TeBe ist kein reiner Selbstzweck, liebe Genossen von Amaranto. Jedes Projekt welches politischen Ansprüchen verpflichtet ist, muss auch seinen Zweck erfüllen. Der war bei TeBe über Jahrzehnte gegeben: Erst als ernsthafte Alternative zu Hertha BSC in Westberlin und nach dem Mauerfall als überregional bekannter Verein der mit den Attributen ‚jüdisch‘, ‚reich‘ und ’schwul‘ assoziert wurde. Doch diese Zeiten sind vorbei. Mehr oder weniger.

Als Millionärstruppe kann TeBe seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr bezeichnet werden. Als ‚Juden‘ werden heutzutage ganz andere Klubs bezeichnet, wie zum Beispiel Jena oder Rostock. Bleibt noch das Attribut ’schwul‘ übrig. Und diese Beschimpfung ist heutzutage – leider – eine Standardfloskel die man auf dem Schulhof, in der Mensa ebenso wie im Kindergarten zu hören bekommt.

Einzig und allein im Falle der kleinen Berliner Derby’s gegen Union II oder den BFC kam es ab und zu noch einmal zu einer Renaissance der alten Zeiten und somit auch der alten Vorurteile. Doch im Falle eines Abstieges in die Berlin-Liga wird es diese Derby’s nicht mehr geben. Und somit ist auch der politische Zweck nicht mehr gegeben…

Doch das erklärt mal den TeBe-Fans. Im Forum schien es so, als liefen einige User gleich Amok wegen der hier geäußerten Kritik:

ist das eigentlich von unserem forumsliebling „neongelb-freund“ oder gibts noch mehr von der sorte?

Lila Kanal User Denis

Wir sollten ihm ein Schnösel Shirt schicken und eine Einladung zum VIP Raum, wo er die ganzen dekadenten Westberliner-Spießbürger mal kennenlernen kann. Absoluter Lappen!

Lila Kanal User Trainerfuchs

Verdammte Bourgeoisie! Wird Zeit, dass wir mit dem Arbeiterverein Un.Berlin eine eigene Liga gründen! Fußballrevolution jetzt! Reiht euch ein!

Lila Kanal User Markus

Die hier versammelten Beißreflexe sind am außschlußreichsten, aber nicht die einzigen. Wie zum Teufel noch einmal, kommt z.B. User Denis auf diese komische kollektivistische Zuweisung für Kritiker des von ihm auserkorenen Lieblingsverein? Welche Sorte meint er eigentlich? Jene Sorte Menschen die er nicht ernst nimmt? Oder meint er jene Sorte Kritik die er einfach komplett ignoriert, weil sie einfach zu dolle im Herzen weh tut? Vielleicht ist er ja auch eine Art theoretischer Gärtner der derartiges Fallobst lieber sofort aussortierten möchte? Wir wissen es nicht…

Was wir wissen ist hingegen, dass wir den TeBe-Fans in keiner Weise den Verein Union Berlin andienen wollten. Wieso deshalb Markus nun derart tief in die rhetorische Trickkiste greift um nicht nur Union Berlin, sondern auch noch eine nachhaltige Veränderung der Gesellschaft in den Schmutz ziehen muss, bleibt jedenfalls sein Geheimnis. Das Geschmäckle, dass da jemand ne Menge Ressentiments, aber keine Argumente sein eigen nennt, bleibt deshalb nachhaltig bei uns haften.

Und was den Trainerfuchs betrifft, so hätten wir dann die Verknüpfung von autoritärer Selbstüberhöhung in Verbindung mit einem häßlichen Regionalismus. Wer unseren Text aufmerksam liest wird dort keinerlei Bezug auf die Frage Ost- vs. Westberlin finden. Wieso also der Fuchs solche Wörter wie ‚dekadent‘ und ‚Westberlin‘ in den Ring wirft, können wir uns nur mit seiner individuellen Identifizierung mit dem gängigen TeBe-Image erkären. Womit wieder einmal ein Individuum freiwillig in einem Kollektiv verschwindet. Und das alles soll in irgendeiner Form fortschrittlich, progressiv oder emanzipatorisch sein? Wir sagen: Wohl kaum!

PS: Über ein Schnösel-T-Shirt würde sich die URS natürlich freuen.

TeBe: Das Ende der Fahnenstange…

Nach der Niederlage am Wochenende gegen die Reinickendorfer Füchse und dem Rücktritt des Trainers Teddy Yildiz ist der Abstieg in die Berlin-Liga für Tennis Borussia Berlin zum Greifen nahe. Endlich möchte man beinahe meinen…

Ich gehe seit fast 40 Jahren zu TeBe. Habe miserable Zweitligaspiele vor 600 Zuschauern im Olympiastadion gesehen. Damals gefiel ich mir in der Pose des exotischen Sonderlings. Nun hatte ich vor dem Spiel gegen Lichterfelde Freunde aus Glasgow überredet, mit ins Stadion zu kommen. Ich schilderte ihnen die Lage, geriet emotional in Fahrt, gebrauchte Vokabeln wie „Abstiegskampf, zerreißen, Sechs-Punkte-Spiel, Engagement“. Nach dem Spiel sagten sie wenig. Ich kam mir vor wie ein Idiot. Mein ganzes Geseiere war nicht mal unfreiwillig komisch; vielmehr hatte es etwas Tragisches. Der Stehplatz kostete acht Euro. Was dafür gezeigt wurde, empfinde ich als eine Frechheit.

Mir fiel ein Bild aus den 90ern ein. Auf der Geschäftsstelle, die in eine mondäne Villa an der Heerstraße umgezogen war, erschien ein Malermeister. Er sagte, dass er sich gern finanziell für den Verein engagieren würde. Geantwortet wurde ihm: „Guter Mann, das ist ja alles ganz nett, aber Sie passen leider nicht zu unserem Umfeld.“ Ich habe mich geschämt, dachte ich wäre im falschen Film. Jetzt läuft halt der Abspann…

User subklewe im Lila Kanal

Der Versuch durch die linksalternative Fanszene einen stinkbürgerlichen Verein – zugegeben mit einem sehr charmantem Image – zu retten ist somit sportlich gescheitert. Und das ist auch gut so! Während überall auf der Welt die Fans ihre Vereine nach dem Konkurs in den untersten Ligen neu gründen (1,2,3), versuchte sich ein Großteil der organisierten TeBe-Fans in einer neuen Funktion: nämlich als Funktionäre eines stinkbürgerlichen Vereins irgendwo im fußballerischem Niemandsland.

Ein Versuch war es wert, werden die beteiligten Protagonisten sagen. Es gibt immer noch die Möglichkeit den Abstieg zu verhindern, reden sich die Optimisten ein. Die Realisten wären aber endlich angehalten dieses Charlottenburger Luftschloß zum Einsturz zu bringen um endlich einmal darüber nachzudenken, ob es nicht doch andere Alternativen gibt und gab, jene Inhalte die der Verein nach außen hin vertreten hat, weiterhin in die Gesellschaft zu transportieren.

Eine Idee wäre den Verein neu zu gründen und in den BFV-Strukturen ganz unten anzufangen. Die andere Idee wäre, gemeinsam mit anderen Vereinen wie zum Beispiel Concordia Nowawes, Chemie Leipzig, Marienthal United und den Roten Stern Vereinen ein eigenes Ligensystem zu etablieren und sich somit auch aus dem bürgerlichen Sportverbänden zu verabschieden…

Neulich im K-Block.

Antisemitismus zu verurteilen ist völlig richtig. Dafür aber die Frage der Schwanzlänge als Messlatte anzusetzen ist wiederum äußerst fraglich. Das Problem am Antisemiten ist nämlich nicht zwischen den Beinen zu suchen, sondern zwischen den Ohren (1,2,3)… Eine Neuanpflanzung scheint da dringend nötig!

Edit: Schreiben für die Welt hat die äußerst problematische Verbindung von Ressentiment und Genitalvergleichen auch noch einmal ins Visier genommen.

„Willkür!“ Dutt kritisiert DFB-Sportgericht

Freiburgs Trainer Robin Dutt hat dem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wegen des revidierten Urteils gegen den FC St. Pauli reine „Willkür“ vorgeworfen.

Quelle: Kicker

Im Nachhinein ist es auch eine Ohrfeige für meinen Ex-Verein Stuttgarter Kickers, wo praktisch das Gleiche passiert ist. Das zeigt, welche Willkür wir in der Sportgerichtsbarkeit haben“, sagte Dutt.

Dutt unterstütze zwar die Entscheidung des DFB-Sportgerichts, dass St. Pauli nach dem Becherwurf gegen den Assistenten Thorsten Schiffner und dem daraufhin folgenden Spielabbruch gegen Schalke 04 kein ‚Geisterspiel‘ unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen muss. Doch ein identischer Fall aus seiner Zeit als Trainer der Stuttgarter Kickers bringt Dutt noch heute auf die Palme.

Beim DFB-Pokalspiel der Kickers gegen Hertha BSC am 25. Oktober 2006 war der Schiedsrichter-Assistent Kai Voss ebenfalls von einem vollen Bierbecher getroffen worden. Die Partie wurde daraufhin beim Stand von 0:2 abgebrochen. „Dort war die Konsequenz: höhere Fangzäune und ein Geisterspiel. Das zeigt mir, wie mit kleinen Vereinen umgegangen wird“, sagte Dutt.

Zudem musste der schwäbische Regionalligist noch eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro zahlen. Das anschließende Regionalliga-Spiel gegen die SV Elversberg (2:0) musste ohne Zuschauer stattfinden.