Archiv für Mai 2011

Wir haben Euch was mitgebracht!

Wieso Halle ausgerechnet die Stadt der Aufklärung sein soll, ist wohl ein Geheimnis bzw. Ressentiment des Autors. Warum die schrille Polemik von dieser Leipziger Intelligenzbestie nun genau gegen die Fans des VfL Halle gerichtet ist ebenso…

Da fahren rund 120 Personen aus Leipzig, Halle und anderen Kleinstädten in der Region zum letzten Spiel der Saison gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig, durfen sich Hitlergrüße und andere Leckereien (Bockwurst & schales Bier!) zu Gemüte führen um am Ende als Teil der verwalteten Welt, in der die „Allherrschaft des Tauschprinzips“ von der „Allherrschaft des Organisationsprinzips“ überlagert wird, bezeichnet zu werden. Wow!

Und wieso die ganze Aufregung? Einige Fans des VfL hatten eine Fahne mit dem Konterfei von Theodor W. Adorno zum Spiel mitgebracht. Man mag sich garnicht ausdenken, was der unbekannte Autor noch so alles fabriziert hätte, wenn er wüsste, dass auch der Sprechchor „Wir haben Euch was mitgebracht: Adorno!“ im VfL-Block angestimmt wurde.

Wir können nur vermuten, aber vielleicht wäre Aftershow mit dem VfL ja gnädiger gewesen, wenn das Kommando Ebbe Sand mit seiner ersten Vermutung im Forum Recht behalten hätte…

Wer war denn eigentlich der Kopf auf der weißen Schwenkfahne?Aus meiner Entfernung sah der aus wie Gregor Gysi.Komando Ebbe Sand

PS: Wir geben es hier offen zu: Die Adornofahne haben wir mitgebracht!

Rummenigge: „Wir werden eine gemeinsame jüdische Zukunft haben“

Der Sport-Historiker Dietrich Schulze-Marmeling ist eingefleischter Fan des Bundesligavereins Borussia Dortmund. Dennoch widmet er ein weiteres Buch der Geschichte des FC-Bayern, insbesondere den Jahren, in denen der Verein „wie ein Fels in einer anschwellenden antisemitischen und antiliberalen Brandung“ erscheint – so Marmeling. Sein aktuelles Werk wurde am Dienstag in den Räumlichkeiten der Israelitischen Kultusgemeinde München (IKG) vorgestellt, umrandet von einem prominent besetzten Podium.

Quelle: Schlamassel Muc

Der große Hubert-Burda-Saal der IKG ist vollständig gefüllt. Um Karl-Heinz Rummenigge bildet sich ein Kreis aus Presseleuten, die allerhand von ihm wissen wollen, zum Transfer von Manuel Neuer und weniger wichtigem Tagesgeschäft. „Rotbäckchen“ nannte man den heutigen Top-Manager des FC Bayern seinerzeit, verrät der langjährige Vereinsschatzmeister Willi Hoffmann später den Gästen – worauf Rummenigge dann tatsächlich rot wird, wie ein ertappter Lausbub. Der Kommentar des FCB-Urgesteins ist für den Routinier weit schwieriger zu handeln, als alle Fragen zuvor. Charlotte Knobloch, die Vorsitzende der IKG, wird auch etwas gestehen, ihre Liebe zum FC-Bayern nämlich.

Schulze-Marmeling liest aus seinem neuen Buch. Das Werk, „Der FC-Bayern und seine Juden – Aufstieg und Zerschlagung einer liberalen Fußballkultur“, ist trotz der darin markierten Verdienste des Vereins – im Zeichen des Liberalismus, der Moderne und des Fussballs – keine Jubelarie auf den FC Bayern. Nicht-Bayernfans können also beruhigt sein. Schulze-Marmeling kritisiert beispielsweise das Manifest des Süddeutschen Fussball- und Leichtathletikverbandes, das in Stuttgart am 09. April 1933 verabschiedet wurde. Mit dem Papier verpflichteten sich die Unterzeichner – unter anderem der FC Bayern – „insbesondere in der Frage der Entfernung der Juden“ gewillt zu sein. Dieser Akt des „vorauseilenden Gehorsams“ auch liberaler Fussballvereine, so Schulze-Marmeling, verwundere, zumal das Manifest den Forderungen des DFBs vorausgriff.

Der verfolgte Jude hat seine Schuldigkeit getan

Noch schärfer kritisiert Schulze-Marmeling die Abwahl Landauers im Jahre 1951. Der ehemalige jüdische Präsident kehrte nach seinem Rücktritt 1933, nach Konzentrationslager und schweizer Exil, 1947 zum FC Bayern zurück und bescherte dem Verein als neu gewählter Präsident gegenüber skeptischen US-amerikanischen Militärs nicht nur aufgrund seiner persönlichen Geschichte Startvorteile, sondern reichte dem Club auch von seinem ersten „Wiedergutmachungsgeld“ ein Darlehn in Höhe von 10.000 DM. Fürderhin setzte Landauer durch, dass der FC Bayern das Erbbaurecht an der Säbener Straße und Fördergelder bekam. 1951 aber – nachdem der Verein aus dem Gröbsten raus war – wurde Landauer infolge einer Initiative der Handball-Abteilung kurzerhand abgewählt. „Der verfolgte Jude, so erscheint dieser Vorgang, hat seine Schuldigkeit getan“, kommentiert Schulze-Marmeling die Abwahl in seinem Buch. Landauer kehrte nun dem FC Bayern, nach knapp fünfzigjähriger enger Verbundenheit, weitestgehend den Rücken.

Ebenfalls kritisiert Schulze-Marmeling, dass seitens des FC-Bayerns zwar die vielfache jüdische Vergangenheit direkt nach dem Krieg betont, in den Folgejahren aber vollständig tabuisiert wurde. Es hat 60 Jahre gedauert bis das Thema wieder auf den Tisch kam, herangetragen von kritischen Journalisten und Fan-Initiativen, wie dem Ultra-Club „Schickeria München“, bemängelt der Sporthistoriker. Rummenigge kann das den Gästen im Hubert-Burda-Saal nicht begründen. Aber der Manager versichert dem Publikum stattdessen:

Wir sind stolz auf die jüdische Vergangenheit. Und eines ist sicher, das verspreche ich ihnen: Wir werden auch eine gemeinsame jüdische Zukunft haben!


Bayern hat viel vor

Rummenigge kündigt an, im Museum zum 111-jährigen Bestehen des Vereins, das im April 2012 eröffnet werden soll, wird „Landauer viel Platz eingeräumt“. Ebenso will sich Rummenigge dafür einsetzen, dass eine Straße in München nach Landauer benannt wird. Die jetztige Kurt-Landauer-Straße nahe der Allianz Arena, in „the middle of nowhere“, so Rummenigge, zwischen Autobahn und Kläranlage, so Knobloch, hält auch der Bayern-Manager für keinen würdigen Ort.

Das neue Buch von Schulze-Marmeling ist streckenweise redundant, hat man seine letzten Veröffentlichungen zum Thema, ‚Die Bayern. Die Geschichte des deutschen Rekordmeisters‘ und ‚Davidstern und Lederball‘ bereits gelesen. Manche Abschnitte scheinen nur leicht modifizierte Passagen der Vorgänger zu sein, einige Sätze stimmen fast wörtlich überein. Dennoch bietet das Werk viel Neues. Wer weiß schon, dass einer der 16 Unterzeichner der Gründungsurkunde des FC-Bayern, Benno Elkan, später in England eine Bildhauerkarriere machte und die große Menora vor der Knesset in Jerusalem von ihm gestaltet wurde? Auch auf zeitnahe Entwicklungen geht der Sport-Historiker ein. So widmet er zum Beispiel ein Kapitel dem Freundschaftspiel des FC Bayern im Iran und dessen problematische Verwertbarkeit für das iranische Regime.

Eine Kritik am Buch kann nicht erspart bleiben

Wagt sich Schulze-Marmeling zu weit in die Sphären der Antisemitismusforschung, wird es mitunter bunt. Nicht richtig ist mit Sicherheit seine verkürzte Einschätzung, für Golo Mann wäre der „gewöhnliche deutsche Jude, ob getauft oder ungetauft, deutsch in seinen Lastern, deutsch in der Kleidung, Sprache und Manieren, patriotisch und konservativ“ gewesen. Auch wenn sich der streng konservative Mann-Nachkomme das vielleicht gewünscht hat, formulierte dieser in der grottenschlechten – und zu allem Überfluss verlegten Rede ‚Zum Antisemitismus‘ im Jahre 1960 geradezu Gegenteiliges. Im Rahmen einer versuchten Ehrenrettung des Antisemiten Treitschke verweist Mann auch auf einige deutsche Juden, die eine „in gewissem Sinn entwurzelte Existenz“ geführt haben sollen. Der Ausdruck „jüdisch-zersetzend“ sei demnach – bis in die Weimarer Zeit hinein – nicht „völlig ohne Boden“ formuliert worden, so Mann.

Nichtsdestotrotz: Ein gelungenes Buch, das die Tradition des FC Bayern gebührend ehrt, aber nicht in Watte packt. Ich möchte mit einem Zitat schließen:

In der Rückschau mag der Eindruck entsehen, als habe es im europäischen Fussball von Juden nur so gewimmelt. Dass dies aus heutiger Sicht so erscheint, ist weniger ein Hinweis auf das, was einmal war, als auf das, was nicht mehr ist. „Viele Juden“ waren es nur aus der Sicht einer Generation, die – bedingt durch den Holocaust – Juden und jüdisches Leben kaum noch kennt.

Der Filz von Babelsberg…

In Potsdam hängt alles mit allem sehr speziell zusammen: Politik, Sport und Unternehmen. Der frühere Minister Rainer Speer könnte jetzt sein letztes Amt verlieren.

Quelle: Welt Online.

Am Abend sind sie raus zum Stadion gefahren, die lange Karl-Liebknecht-Straße entlang, vorbei an alten, grünen Bäumen, den Straßencafés. Junge Männer mit Baseballkappen oder Sonnenbrillen. Auf dem Spielfeld des SV Babelsberg 03 stand noch die Sonne, in der Geschäftsstelle waren die Mienen düster. Die Mitarbeiter dort leiden wie sie, die Fans, denn ihr Verein steht kurz vor der Pleite.

Sie haben Isomatten dabei und eine Musikanlage. Wenn es sein muss, bleiben sie noch Tage. Eine Lösung muss her: Geld, sonst bleiben nur Pleite und Zwangsabstieg. Der Wortführer der Gruppe sagt: „Der Vorstand muss gehen.“ Er habe genug von Politikern im Vorstand.

Denn Politiker im Vorstand bedeuten für viele nur Postengeschiebe, Gefälligkeiten unter Spezis, Geschäfte, bei denen man nicht weiß, ob alles mit rechten Dingen zugeht, viel Politik und wenig Sport. Tatsächlich legt ausgerechnet der Fall des insolvenzbedrohten Drittligisten schonungslos offen, wie in Brandenburgs Hauptstadt oft alles mit allem zusammenhängt: Politik, stadteigene Betriebe, Unternehmer mit Parteibuch von SPD oder CDU – so eng sieht man das nicht.

Rücktritte, Rücktritte, Rücktritte

Es ist ein Musterbeispiel dafür, wieso Potsdam im Ruf steht, einen unauflösbaren Filz zu beheimaten. Ein Beispiel dafür, wie eine kleine Gruppe Männer die Stadt beherrscht. Denn es ist eine Geschichte, in der alte Bekannte auftauchen.

Rainer Speer etwa, Noch-Vorstandschef des SV Babelsberg. Der Sozialdemokrat, ein Vertrauter des Ministerpräsidenten Matthias Platzeck, war bis vorigen Herbst Innenminister. Er musste nach Enthüllungen zurücktreten. Speers frühere Geliebte, sie arbeitete einmal im selben Ministerium wie er, hatte für ein gemeinsames uneheliches Kind jahrelang Unterhalt vom Staat erhalten, weil der Vater nicht zahlen wollte. In Erklärungsnot geraten, behauptete Speer, er habe nicht gewusst, dass er der Kindsvater ist.

Oder Peter Paffhausen, bis vor ein paar Tagen noch Chef der Potsdamer Stadtwerke. Er musste zurücktreten, weil sein Unternehmen die Detektei eines früheren Stasi-Manns anheuerte, um eine andere Firma auszuspähen. Es war auch sein Ende als Aufsichtsratschef des SV Babelsberg 03.

Oder Thilo Steinbach (CDU), Unternehmensberater, ein guter Freund von Speer, Marketingchef beim Verein. Oder Frank Marczinek (CDU), einst Spitzel in Diensten der Stasi, heute Geschäftsmann und bis vor Kurzem Vorstand.

„Nicht der Zeitpunkt, mich zurückzuziehen“

Sie haben die Geschicke des SV Babelsberg bestimmt, dem rund 1,4 Millionen Euro fehlen, damit er auch nächste Saison in der Dritten Liga spielen darf. Das ist sehr viel Geld angesichts eines Jahresetats von 2,7 Millionen.

Natürlich will niemand schuld sein an der Misere. Zurücktreten, wie es die Fans fordern – warum? „Es ist nicht der Zeitpunkt, mich zurückzuziehen“, sagt Speer. Wenn der Aufsichtsrat das aber wolle, müsse er einen Vorschlag bringen.

Man kennt das schon in Potsdam. Brandenburg ist eines der kleinsten Bundesländer, trotzdem produziert die politische Elite Affären und Skandale in atemberaubender Abfolge. Allein die aktuelle Legislaturperiode unter Rot-Rot verlangt alle Konzentration, damit man nicht durcheinanderkommt: Landtagsabgeordnete, deren frühere Stasi-Tätigkeit auffliegt, Stasi-Enthüllungen in den Apparaten der Polizei und der Justiz, Unterhaltsaffäre des einen Ministers, Dienstwagenaffäre des anderen, die Folge: zwei Rücktritte.

Die „Krampnitz-Affäre“

Und nicht zu vergessen ein millionenschweres Grundstücksgeschäft, das in der Stadt als „Krampnitz-Affäre“ firmiert. Der Deal beschäftigt einen Untersuchungsausschuss im Landtag.

Beteiligt war Rainer Speer, damals Finanzminister. Und auch Frank Marczinek und Thilo Steinbach spielen eine Rolle. Im Jahr 2007 lässt das Land das ehemalige Kasernengelände im Potsdamer Norden, 112 Hektar groß, verkaufen. Dafür hat es unter Speer ein Unternehmen beauftragt, das kurz zuvor noch dem Land gehörte: die Brandenburgische Boden Gesellschaft (BBG). Speers Ministerium hatte sie 2006 für günstige 3,9 Millionen Euro an Marczinek abgegeben, wobei dieser aus den Rücklagen 3,3 Millionen Euro entnehmen konnte.

Marczineks BBG veräußerte das Kasernengelände für 4,1 Millionen Euro angeblich an eine namhafte dänische Immobiliengruppe, die dort angeblich einen „Country Club“ errichten will: ein nobles Wohnquartier inklusive Hotel, Golfplatz und Reitanlage. Der tatsächliche Käufer ist allerdings ein anderer: ein dubioses Firmengeflecht, hinter dem ein Anwalt mit besten SPD-Kontakten steht.

Niemand hat geprüft, ob der Käufer überhaupt genügend Geld hat, um all die schönen Pläne wahr zu machen. Sicher scheint nur: Für ihn ist es ein richtig gutes Geschäft. Denn er bekommt das Areal auf Basis eines Verkehrsgutachtens, das längst überholt war.

Vermutlich sind dem Land Millionen entgangen. Deshalb ermittelt nun die Staatsanwaltschaft gegen Marczinek und zwei leitende Mitarbeiter. Der Verdacht: gemeinschaftliche schwere Untreue zulasten des Landes.

So laufen – in Brandenburg – Geschäfte unter Freunden

2009 trat dann Steinbach auf den Plan. Der gelernte Baufacharbeiter, seit 1985 in der Ost-CDU, wechselte 1990 in die Politik und wurde außenpolitischer Berater des letzten DDR-Regierungschefs Lothar de Maizière, ehe er in der Wirtschaft Karriere machte.

Steinbach hoffte auf steigende Bodenpreise durch die Verwandlung der Kasernenbrache. Mit Marczinek legte er über die von ihnen mitkontrollierte Krampnitz Projektentwicklung GmbH & Co. KG ein Angebot für eine Immobilie vor, die direkt an das Gelände der Kasernen grenzt. Als Medien darüber berichten, zogen sie ihr Angebot zurück.

Wieder einmal entsteht der Eindruck: So laufen – in Brandenburg – Geschäfte unter Freunden. Alles Zufall, alles Vergangenheit? Speer sagte damals: „Es wird alles aufgeklärt werden.“ Platzeck sprach von einer Kampagne.

So eng sieht man das in Potsdam nicht

Speer, Steinbach und Marczinek haben noch ein anderes Projekt betreut: den SV Babelsberg. Der eine als Präsident, die anderen ebenfalls in führenden Positionen. Marczinek ist inzwischen ausgeschieden. Er sponserte den Verein – und spendete im Landtagswahlkampf 2004 an Platzecks SPD 9900 Euro. Später trat Marczinek der CDU bei. Wie gesagt: So eng sieht man das in Potsdam nicht. Und manchmal ist es von Vorteil, auf zwei Hochzeiten zu tanzen.

Es ist Teil des Systems Potsdam, dass wenige Menschen mehrere Ämter innehaben. Und oft spielen die Affären irgendwo in einem Bermudadreieck zwischen Politik, Wirtschaft und Sport: Politiker sitzen in den Kontrollgremien stadteigener Betriebe, in den Vorständen der Sportvereine. Sie ziehen Sponsoren an.

Matthias Platzeck will es so. Er sagt, das nütze den Vereinen. Das Problem ist, dass die Männer in ihren Funktionen Aufgaben haben, die sie eigentlich trennen müssten. Manchmal aber ist nicht mehr klar, wer eigentlich in welcher Funktion handelt.

Ideal für fürsorgliche Politiker

Peter Paffhausen ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr manchmal die Grenzen verschwimmen. Vor seinem Rücktritt hat der Stadtwerke-Chef in einem modernen Glasbau residiert, großes Zimmer, riesiges Aquarium. Er war nicht nur erster Mann der Stadtwerke sondern auch Aufsichtsrat des SV Babelsberg und unterschrieb in den vergangenen Jahren Ausfallbürgschaften; dem Vernehmen nach ging es um eine Million Euro im Jahr.

Die Stadtverordneten erfuhren davon nichts. Jetzt beklagen sie, Paffhausen haben seine Pflichten als Geschäftsführer verletzt, zudem bestehe der Verdacht eines Bilanzvergehens. Nicht ausgeschlossen, dass Staatsanwälte bald ermitteln.

Die Gefahr, dass so etwas passiert, besteht überall. In Potsdam ist sie besonders groß, weil es in dieser vergleichsweise kleinen Stadt viele Sportvereine gibt. Und alle sind meistens klamm. Ein ideales Bestätigungsfeld für fürsorgliche Politiker.

Rollenkonflikte nicht richtig wahrgenommen?

Es sieht so aus, als ob in Platzecks Regierung die Rollenkonflikte nicht mehr richtig wahrgenommen werden. So ist der inzwischen wegen einer Dienstwagenaffäre zurückgetretene Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) Präsident des Handballvereins VfL Potsdam. Als Minister förderte er den Privatschulträger Educon, der war Hauptsponsor von Rupprechts Verein. Dass da Interessen miteinander kollidieren, will er nie gesehen haben.

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs, auch er ein SPD-Mann, führt den Aufsichtsrat der Stadtwerke an. Das Gremium hätte zu kontrollieren gehabt, wofür Peter Paffhausen Geld ausgibt, wen er mit Prüfungen beauftragt.

Als früherer Oberbürgermeister und einstiger Aufsichtsratschef der Stadtwerke muss Ministerpräsident Platzeck sich fragen lassen, warum sein Geschäftsführer einen Prüfauftrag an eine Sicherheitsfirma vergibt.

Und auch der amtierende Oberbürgermeister Jann Jakobs scheint Paffhausen schalten und walten lassen zu haben. Wie sonst konnte der Stadtwerke-Chef ohne offizielle Zustimmung der Politik für einen Fußballklub bürgen? Inzwischen besteht sogar der Verdacht, dass ein zweites Unternehmen mit früheren Stasi-Leuten für die Stadtwerke gearbeitet hat.

Die Stadt will Geld zuschießen

Die drohende Insolvenz des SV Babelsberg fordert nun eine Entscheidung: Der Aufsichtsrat tagt am Montag, er will einen neuen Präsidenten wählen: den Kinochef Thomas Bastian. Das hat der Verein bekannt gegeben. Das Geld für die Rettung, so viel steht schon fest, wird er nicht auftreiben. Er ist dazu nicht in der Lage. Es müssen andere ran.

Noch zu Wochenbeginn hatte Oberbürgermeister Jakobs gesagt, die Stadt werde keinesfalls für die klammen Fußballer bürgen. Das klang, als würde die Politik einmal nicht für die Fehler geradestehen. Doch es zeichnet sich für ein Potsdamer Problem eine Potsdamer Lösung ab. Die Stadt will bis zu 700.000 Euro zuschießen, öffentliches Geld. Trotzdem steigt der SV Babelsberg wohl in die Vierte Liga ab. Denn es fehlen rund 800.000 Euro.

Auferstanden aus Ruinen?

Reise in die Vor-Vergangenheit: Bernd Bauchspieß und Jamal Engel schicken die SG Leipzig-Leutzsch als Konkurrentin zur BSG Chemie um die legitime Nachfolge des FC Sachsen ins Rennen. Von einer absurden Intrige

Quelle: Chemieblogger

Uns geht es aber nicht um eine weitere Spaltung der Fanszene“, hat Jamal Engel allen Ernstes einem Reporter der Bild in den Notizblock diktiert. Engel, ein Mann mit Name im Leutzscher Fußball, ist einer der führenden Köpfe hinter der SG Leipzig-Leutzsch. Der Verein soll laut Leipziger Volkszeitung bereits am Samstag gegründet worden sein und als Auffangbecken für die Reste des FC Sachsen Leipzig dienen. Seit ihrer Neugründung 1997 war diese Funktion eigentlich der BSG Chemie Leipzig zugedacht. So hieß es im alten Leitbild:

Die BSG Chemie Leipzig e.V. sieht sich als selbständiger Teil der Leutzscher Fußballfamilie des FC Sachsen und steht für den Fall in vollem Umfang zur Verfügung, dass der FC Sachsen in seiner jetzigen Form wirtschaftlich nicht überlebt und/oder den wertebasierten Weg der Traditionen des Leutzscher Fußballs und somit der BSG Chemie verlässt.

Bei den Fans blieb der Verein stets die „BSG Chemie“

Falls beim FC Sachsen mal die Lichter ausgehen sollten, hält man die Leutzscher Legende in der Hinterhand. Dies ist ein zutiefst logischer Gedanke. Seit der Gründung des FC Sachsen 1990 ist der Verein in den Herzen der Fans immer die ‚BSG Chemie‘ geblieben – in der Alltagssprache, in jedem Schlachtruf. Nicht wenige Anhänger des FC Sachsen können sich mit der Perspektive BSG Chemie anfreunden. Der Name ist untrennbar verbunden mit dem Alfred-Kunze-Sportpark und dessen Namensgeber, dem legendären Trainer der Meisterjahre 1951 und 1964. Mit der BSG Chemie erfuhr der Leutzscher Fußball seine Blüte.

Bei der BSG Chemie erlebte auch Bernd Bauchspieß seine besten Jahre. Ausgerechnet der „Spießer“ wird nun in den Medien als das personelle Aushängeschild hinter der SG Leipzig-Leutzsch präsentiert. Der dreifache Torschützenkönig der DDR-Oberliga ist heute Orthopäde und so etwas wie der Franz Beckenbauer des Leipziger Fußballs. Sein Wort hat Gewicht bei den Fans – nicht etwa der Expertise wegen, sondern allein auf Grund seiner Persönlichkeit. Bei den kritischen Anhängern ist Bauchspieß ein gefallener Held. Nach der Wende irrlichterte er mal als Befürworter der Fusion mit dem VfB Leipzig, mal als Werber für den Einstieg von Red Bull in den Leipziger Fußball umher.

Der tiefe Rückgriff in die Vereinsgeschichte

Nun ist also die SG Leipzig-Leutzsch das neueste Steckenpferd von Bauchspieß. Der Name ist nicht ohne Geschichte. Als die sowjetische Besatzungsmacht nach 1945 den Fußball in der Ostzone reorganisierte, trugen zunächst Stadtteilmannschaften die Wettkämpfe aus. Eine davon war die SG Leipzig-Leutzsch, worauf sich die Neugründung von Bauchspieß, Engel & Co. scheinbar beziehen soll. Wie aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs einst der Arbeiter- und Bauernstaat geschaffen wurde, soll nun also der Leutzscher Fußball begleitet von dem Soundtrack „Auferstanden aus Ruinen“ ein furioses Comeback feiern.

Der Name steht für die Vergangenheit, für ein abgeschlossenes Kapital. Der Name schreckt Sponsoren ab, ist belastet mit DDR-Mief. So lauten seit Jahren die Argumente gegen eine Rückkehr zur BSG Chemie im Vereinsnahmen – und für den Erhalt des FC Sachsen. Nun ist der FC Sachsen jedoch Geschichte. Dieser Tage bedarf es schon einer gewissen Kreativität, um eine ablehnende Haltung gegenüber der BSG Chemie als die Zukunft eines wiedervereinten Leutzscher Fußballs zu begründen.

Die SG Leipzig-Leutzsch scheint zumindest eine ungeeignete Alternative. Die Bezeichnung greift tief zurück in die Geschichte des Leutzscher Fußballs und in die Zeit vor der BSG Chemie. Die Ironie: Die Zukunft liegt in der Vergangenheit. Diesen Vorwurf muss sich die BSG Chemie gefallen lassen, aber auch die mögliche Alternative SG Leipzig-Leutzsch kann ihn keinesfalls entkräften. Sollte dieser Verein tatsächlich die Nachwuchsmannschaften des FC Sachsen und den Alfred-Kunze-Sportpark übernehmen, bleibt es fraglich, welche Auswirkungen dieses Re-Branding auf die Leutzscher Fußball-Identität hätte. Wie sollten die Spieler dieser Mannschaft begrüßt und angefeuert werden? Es ist zu ahnen, „Chemie“ kann es wohl nicht sein.

Selbstdarstellung und persönlicher Profit

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen sein sollte: In der Leutzscher Fußballhistorie schlummern noch viele ungenutzte Potenziale. Ob Britannia (1899-1919), Leipziger Sportverein (1919-32), SV TuRa (1932-38), ZSG Industrie (1949-50) oder FC Grün-Weiß (1990) – es gibt genügend Stoff, aus denen neue Spaltungen gemacht werden können. Ob dies dem Leutzscher Fußball förderlich ist, steht auf einem anderen Blatt. Sollte es den Machern und den ominösen, bislang unbekannten Sponsoren der SG Leipzig-Leutzsch wirklich um den Alfred-Kunze-Sportpark und den Leutzscher Fußball gehen, könnten sie sich in der BSG Chemie einbringen. Die Gründung eines neuen Vereins legt aber ganz andere Motive nahe. Hier geht es – mal wieder – nicht um die Sache, sondern um Selbstdarstellung und persönlichen Profit. Leidtragende sind die Nachwuchsspieler, die in eine absurde Intrige hineingezogen werden – und mit ihnen der Leutzscher Fußball.

»Der Osten hat keine Chance«

Das Thema »Ost-Fußball« beschäftigt Frank Willmann, seine Stimme überschlägt sich fast bei den ersten Antworten. Ein Interview über versnobbte West-Vereine, die Dekadenz des DFB und 500 asiatische Motorräder in Ost-Berlin.

Quelle: 11. Freunde

Frank Willmann flüchte 1984 im zarten Alter von 20 Jahren aus der Zone, »weil mir das Land zu eng war, weil mir die politischen Verhältnisse nicht gepasst haben und weil ich Abenteuer gesucht habe.« Die ehemalige DDR war für den eingefleischten Jena-Fan »ein kleinbürgerliches Scheiß-Land, in dem ich nicht mehr leben wollte.« Das aktive Mitglied der ehrenwerten Autoren-Fußballnationalmannschaft veröffentlichte unter anderem die empfehlenswerten Bücher »Stadionpartisanen – Fans und Hooligans in der DDR«, »Fußballland DDR – Anstoß, Abpfiff, Aus« und gemeinsam mit Harald Hauswald »Ultras, Kutten, Hooligans«.

Frank Willmann, aktuell spielt nicht ein Verein aus der ehemaigen DDR-Oberliga im gesamtdeutschen Oberhaus Bundesliga. Was sind die Ursachen?

Die Gründe für die aktuelle Situation liegen im Versagen des DFB und der westdeutschen Vereine. Die Klubs hat das Schicksal der Ost-Mannschaften nicht interessiert, die wollten so schnell wie möglich an billige Fußballer. Die haben sich verhalten, wie Heuschrecken. Der DFB hat die ersten Jahre damit verbracht persönliche Animositäten mit dem ehemaligen DDR-Verband auszufechten und dafür zu sorgen, dass die Ost-Funktionäre in der Versenkung verschwinden.

Können Sie das konkretisieren?

Dazu muss man noch daran erinnern, dass die DFB-Spitze von lauter Flachpfeifen besetzt war, wie den unsäglichen Meyer-Vorfelder, oder davor Egidius Braun und Hermann Neuberger. Das waren Menschen, die überhaupt nicht strategisch denken konnten. Die der Auffassung waren, dass alles, was aus dem Unrechtsstaat DDR kam, auch nur Unrecht sein konnte. Sprich, die Funktionäre und Verantwortlichen. Diese wurden – teilweise zu Recht – fallen gelassen, wie heiße Kartoffeln. Man hat einfach nicht versucht gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Aus welchen Gründen?

Aus Ignoranz, Arroganz, Desinteresse und Überheblichkeit. Man hat sich wie ein Sieger verhalten, nicht wie ein gleichberechtigter Partner. Ich will nicht behaupten, dass sich die Ost-Funktionäre anders verhalten hätten. Ganz sicher nicht.

Was hätte man besser machen können, besser machen müssen?

Man hätte sich einfach ernster nehmen sollen. Die Bundesligavereine hätten in den ehemaligen Oberliga-Klubs nicht nur Frischfleischlieferanten sehen dürfen, sondern versuchen müssen gemeinsam etwas aufzubauen. Die Ostvereine waren und sind schon immer als Bittsteller behandelt worden – diesen Bittstellern hätte man nicht nur ein paar Brotkrumen vom gedeckten Tisch vor die Füße werfen dürfen.

Und der DFB?

Der hätte erkennen müssen, welche Zustände in den Vereinen herrschten. In den Klubs wurden kurz vor dem Ende der DDR noch schnell die alten Zöpfe abgeschnitten, heißt: die Vereinsbosse aus dem Amt entfernt. Es gab keinen Klub in der ehemaligen DDR, der nicht von der Regierung gesteuert war, die Vereine waren quasi gleichgeschaltet, da gab es kein freies Denken und Handeln. Diese Schwäche hätte der DFB erkennen müssen. Stattdessen hat man zugeschaut, wie die Klubs reihenweise in die Hände von Baulöwen fielen.

Baulöwen?

Nach nicht mal einem Jahr saßen in fast jedem Ost-Klub Bauunternehmer in der Führungsspitze. Warum haben die das gemacht? Natürlich um Geschäfte zu machen. Die haben die Fußball-Klubs benutzt um an die entsprechende Klientel in den Städten ranzukommen und entsprechend Aufträge zu bekommen. Negativbeispiel ist unter anderem Rolf-Jürgen Otto, der später auch verurteilt wurde. Bei Union Berlin gab es zu Beginn in kürzester Zeit gleich drei solcher Unternehmer, die über den Verein versucht haben riesengroße Flächen zu pachten. Das alles hat den DFB nicht interessiert. Der hat die Ost-Vereine an der ausgestreckten Hand verhungern lassen.

Nun wieder die Frage: was hätte man diesbezüglich unternehmen müssen? Willi Lemke hat seinen Kollegen aus dem Osten mal Nachhilfeunterricht in Sachen Marketing und freie Marktwirtschaft gegeben. Das war doch nicht mehr, als ein Tropfen auf den heißen Stein?

Sicherlich. Es hätte langfristige Konzepte geben müssen. Die Ost-Vereine haben ja durchaus auch internationale Erfolge aufweisen können, aber als es zum Zusammenschluss zwischen dem DFV und DFB kam, wurden lediglich zwei Teams aus der ehemaligen DDR-Oberliga in die 1. Bundesliga aufgenommen. Sechs Teams durften in die 2. Liga. Die übrigen sechs Mannschaften sind also gleich komplett in der Versenkung verschwunden! Inklusive aller DDR-Zweiligaklubs. Das hat die etablierten Bundesligaklubs überhaupt nicht gejuckt. Kurzfristig wurden aus 18 eben 20 Mannschaften, das war´s. Der Ost-Fußball ist also von Beginn an nicht gleichberechtigt behandelt worden. Meiner Meinung nach ein absolut unfaires Verhalten. Wenn man einen starken Ost-Fußball hätte aufbauen wollen, hätte man sich ganz anders verhalten müssen, wesentlich solidarischer. Man hätte den Teams unter die Arme greifen und erklären müssen, wie konkurrenzfähiger Fußball funktioniert.

Ein anderes Problem, Sie haben es bereits angesprochen: das große Auswandern der besten Spieler.

Allein den BFC Dynamo haben damals im ersten Jahr 17 Spieler verlassen. Dafür hat der Verein zwar Geld bekommen, aber in was für einem Verhältnis!? Bayer Leverkusen hat Andreas Thom für einen Appel und ein Ei bekommen. Leverkusen war der absolute Vorreiter im Abziehen der DDR-Klubs. Calmund und Co. haben ja auch nicht viel mehr machen müssen, als mit Hundert-Mark-Scheinen wedelnd vor den Spielern und Funktionären zu erscheinen. Als Thom wechselte, wurde ein Teil der Ablöse sogar in Naturalien bezahlt.

Mit was genau?

Calmund hat dem BFC einfach 500 asiatische Motorräder auf das Vereinsgelände gestellt. Da hat er wahrscheinlich noch ordentlich mit abkassiert. Er ist nicht ohne Grund bei Bayer »gegangen worden«, auch wenn ihm noch nichts nachgewiesen wurde. Im Fußball wurden immer faule Geschäfte gemacht, das früher so und ist heute noch so. Da bin ich mir sicher.

Kann man den Spielern auch einen Vorwurf machen?

Nein, das nicht. Schuld an der Misere sind die Vereine. Warum hat man beispielsweise nicht als Gegenleistung einige gute Spieler an die Ost-Vereine abgegeben, statt sie ausbluten zu lassen?

Aber es gab doch Spieler, die in den Osten gewechselt sind?

Aber was für welche? Der absolute Schrott. Das war bei den Trainern genauso. Wenn ich an Jimmy Hartwig denke, klappen sich jetzt noch meine Fußnägel hoch. Der hat Sachsen Leipzig zu Grund gerichtet. Es gab Berater, die haben mit den jeweiligen Präsidenten richtige Personalpakete geschnürt. Und da ging es nicht darum, die Klubs konkurrenzfähig zu machen, sondern eine schnelle Mark im wilden Osten zu machen.

Wie viel Schuld haben die Ost-Funktionäre?

Natürlich einen bedeutenden Anteil. Denen muss man ihr Versagen auch aufs Brot schmieren. Die waren unfähig eigenständige Idee zu entwerfen, geschweige denn Wünsche zu äußern oder Forderungen zu stellen. Viele hat es nicht interessiert, was mit ihren Vereinen geschieht, die haben bei den Transfers sicherlich auch ein paar Mark mitverdient. Eigenständiges Denken war in der DDR auch nicht so angesagt. Alles was im Sport oder in der Kultur etwas zu sagen hatte, war mit dem Regime verbandelt. Eigeninitiative gab es nicht.

Welchen Chancen geben Sie dem Ost-Fußball?

Überhaupt keine. Die einzige Möglichkeit besteht darin, dass irgendein Dummer auftaucht und sein Geld in die Ost-Vereine pumpt. Die Menschen sind aber auch selber Schuld: Es hat ihnen völlig gereicht, als Kohl damals das Begrüßungsgeld verteilt hat, eine echte Umstrukturierung hat nicht stattgefunden. Sehen sie sich Mecklenburg-Vorpommern an, das ist tot. Inzwischen gibt es die zarte Tendenz, dass ehemalige verdiente Spieler wieder in den Osten kommen, um Aufbauarbeit bei den Vereinen zu leisten.

Muss man von ehemaligen DDR-Spielern, die im Westen Karriere gemacht haben – wie Sammer, Thom, Kirsten usw. – verlangen, dass sie jetzt Aufbauarbeit in der Heimat leisten?

Man kann den Menschen ja keine moralische Verantwortung unterjubeln. Entweder man hat die, oder nicht. Wenn jemand als junger Mann bei einem Klub jahrelang ausgebildet und gefördert wurde, würde ich erwarten, dass er dem Verein später etwas zurück gibt. Wenn jemand aber nur an seinen persönlichen Vorteil und an seine Steuererklärung denkt, wird er das natürlich nicht machen. Dafür muss man innerliche Größe besitzen und die meisten haben die nicht.

Wer fällt Ihnen da ein?

Rico Steinmann ist ein positives Beispiel, Ralf Minge haben wir schon genannt. Thomas Doll ist jemand, der zu seiner BFC-Vergangenheit steht. Was mich wütend macht, ist, dass Leute, wie Ulf Kirsten, in der Bundesliga Karriere gemacht haben, ohne für die Spitzeltätigkeit bei der Stasi belangt zu werden. Wenn er sich nach der Wende dafür entschieden hätte Polizeibeamter zu werden, hätte niemals einen Job bekommen. Selbst wenn du damals beim BFC Dynamo Sekretärin gewesen bist, hast du später nie wieder einen Fuß auf den Boden bekommen. Weil du eben vom Ministerium für Staatssicherheit bezahlt wurdest.

»Wir kämpften wie im Stadion«

Die Ultras von Al-Ahly Kairo waren aktiv an der Revolution in Ägypten beteiligt. Für 11FREUNDE sprachen wir mit Ultra-Sprecher Amr Fahmy über Straßenkämpfe, internationale Vernetzung und die Folgen des Aufstandes.

Quelle: 11.Freunde

Amr Fahmy, der bekannte Blogger Alaa Abd El-Fattah hat im arabischen Fernsehsender »Al-Dschasira« behauptet: »Die Ultras von Al-Ahly haben bei der ägyptischen Revolution eine wichtigere Rolle gespielt als alle anderen politischen Parteien.« Stimmt das?

Amr Fahmy: Nur teilweise, denn die Aussage geht von einem falschen Punkt aus: In Mubaraks Ägypten existierten andere Parteien als seine Nationaldemokratische Partei nur auf dem Papier. Für den Westen sah das nach Demokratie aus, aber die Realität war eine andere, wie inzwischen wohl allen klargeworden ist. Während der Revolution waren wir Ultras wie alle anderen jungen Ägypter auf der Straße – mit dem Unterschied, dass wir organisiert sind. Das ist auch der Grund dafür, dass wir während der Mubarak-Diktatur quasi die einzige wirklich existierende Opposition junger Ägypter waren.

Wie ist Ihre Gruppierung organisiert?

Amr Fahmy: Die »Ultras Ahlawy« sind die größte Fangruppe des Klubs, unsere Mitglieder stammen alle aus Kairo. Gemeinsam mit den »Ultras Devils«, einer Gruppe aus Alexandria, kontrollieren wir heute die Talta Chimal, die Nordkurve mit fast 40 000 Zuschauern. Diese beiden großen Gruppen sind in verschiedene kleine Sektionen unterteilt, die von jeweils zwei Anführern repräsentiert werden. Wir treffen uns jede Woche und planen gemeinsam das nächste Spiel: Wie viele Pyros brauchen wir? Wie viel Material für die Choreografie? Wer hat seinen monatlichen Beitrag noch nicht bezahlt? Aber wir haben kein Klubhaus und keinen festen Treffpunkt – 
das hätte es der Polizei in der Vergangenheit zu einfach gemacht, gegen uns vorzugehen. Vielleicht holen wir das jetzt nach.

Das amerikanische Magazin »Sports Illustrated« schreibt, dass Al-Ahly nicht nur der größte afrikanische Klub sei, sondern auch »die politischsten Fans« des Kontinents habe.

Amr Fahmy: Unser Verein hat eine klar nationalistische Vergangenheit (»Al-Ahly« bedeutet übersetzt »national«, d. Red.). Er war der erste rein ägyptische Klub während der englischen Kolonialzeit, und die Revolution gegen die Briten 1919 wurde angeführt von Saad Zaghlul – der später Vereinspräsident von Al-Ahly wurde. Wir als Gruppe sind aber unpolitisch und haben sowohl Kommunisten als auch Liberale, Anarchisten oder Islamisten in unseren Reihen. Nur Mubarak-Sympathisanten wird man bei uns nicht finden.

Wie hat sich die Opposition gegen Mubarak dargestellt?

Amr Fahmy: Wir haben uns seit unserer Gründung 2007 gegen seine Polizisten gewehrt und wurden dafür in den Medien als Terroristen und Gewalttäter dargestellt. Wobei ich zugeben muss, dass wir nicht mit Pusteblumen geworfen haben.

Der Fußballjournalist Davy Lane schreibt, dass bei den Kämpfen mit Mubarak-Anhängern vor allem »Ultra-Taktiken« zum Einsatz gekommen seien: »Es gab zugewiesene Steinewerfer, Spezialisten für das Umwerfen und Abfackeln von Fahrzeugen und Versorgungscrews, die wie am Fließband Munition nachlieferten.« Treffen seine Beobachtungen zu?

Amr Fahmy: Diese Beschreibungen passen eher auf Anhänger der Muslimbrüder, die zu Beginn der Revolution auf der Straße keine Rolle spielten, aber später bei den Kämpfen gegen die Pro-Mubarak-Fraktion mitgeholfen haben. Wir sind in den Straßenkämpfen eher wie bei den Auseinandersetzungen im Stadion aufgetreten: geschlossen auf die Polizisten los, als sie ihre Knüppel auspackten. Und Sie können mir glauben, dass wir mit prügelnden Polizisten in den vergangenen Jahren sehr viele Erfahrungen gemacht haben. Das war ein Krieg, und wir haben ihn gewonnen.

Hatte Ihre Gruppe dabei Opfer zu beklagen?

Amr Fahmy: Zwei Ultras sind bei den Straßenkämpfen ums Leben gekommen, am 25. und 28. Februar wurden sie von Polizisten erschossen. Wie viele von uns leicht oder schwerer verletzt wurden, kann ich nicht genau sagen. Es waren jedenfalls sehr viele.

Ultras sollen nicht nur an gewaltsamen Auseinandersetzungen beteiligt gewesen sein, sondern wurden auch wegen ihres organisierten Auftretens als wichtig während der Revolution gepriesen. Wie muss man das verstehen?

Amr Fahmy: Mir ist das, ehrlich gesagt, etwas zu viel der Heldenverehrung. Wir wollten keine Märtyrer sein, aber Ultras sind nun einmal anders als viele der anderen jungen wütenden Ägypter: Wir haben keine Angst vor der Polizei, denn schwingende Knüppel und Tränengas sind für uns nichts Neues. Es war ganz selbstverständlich, dass wir ganz vorne mit dabei waren, als die Menschen auf der Straße kämpften.

Waren Sie auch dabei, als eine Bürgerwehr die Plünderung des Ägyptischen Museums verhinderte?

Amr Fahmy: Ja, ein paar von uns waren dort. Aber den Widerstand hatten wir nicht exklusiv. Jeder Ägypter kennt die Bedeutung des Museums, und wir alle wollten verhindern, dass ein paar Idioten das Chaos nutzen und die ägyptische Vergangenheit zerstören. Das haben wir geschafft, obwohl sich in der ganzen Zeit nicht ein Polizist hat blicken lassen.

Es gab Gerüchte, dass die Ultras Ihres großen Konkurrenten Zamalek SC auf der Seite Mubaraks gekämpft haben. Können Sie das bestätigen?

Amr Fahmy: Über unsere Rivalen verliere ich grundsätzlich kein Wort.

Die Revolutionen in Nordafrika haben ihren Ursprung in Tunesien genommen. Waren auch dort Fußballfans aktiv?

Amr Fahmy: Tatsächlich haben unsere Freunde, die Ultras von Espérance Tunis, bei der Revolution eine ähnliche Rolle gespielt wie wir in Ägypten. Das sind Brüder im Geiste, sie haben einen ähnlichen sozialen Background wie wir und haben ebenfalls seit Jahren gegen die Polizei gekämpft. Der Kontakt zwischen uns besteht schon länger, wir haben uns schon mehrfach gegenseitig besucht. Und natürlich sprechen wir auf den Rängen über die Politik. Daran kommt man nicht vorbei, wenn man Tunesier oder Ägypter ist.

Fußballspiele wurden zu Beginn der Revolution verboten, inzwischen läuft der Spielbetrieb wieder. Was hat sich geändert?

Amr Fahmy: Normalerweise standen die Spiele unter Kontrolle der Polizei. Wir haben schon häufig erlebt, dass einen Tag vor dem Spiel plötzlich Polizisten vor unseren Türen standen und uns ins Gefängnis geworfen haben. Die Polizei hat uns wie Dreck behandelt. Jetzt ist sie verschwunden und die Vereinsführung hat uns die Sicherheit des Stadions anvertraut. Nach all den Jahren der Repression war das ein historischer Moment!

Wie war beim ersten Mal danach die Atmosphäre im Stadion?

Amr Fahmy: Das zu beschreiben ist eigentlich unmöglich, es war so atemberaubend! Als wir am 18. März das Spiel in der afrikanischen Champions-League-Qualifikation bestritten haben und sich die Talta Chimal ins Rot der Pyros färbte, als alle anfingen zu singen, da spürte man einfach zum ersten Mal das völlige Gefühl der Freiheit. Man konnte es auf den Gesichtern der Fans lesen: Hier stehen freie Ägypter, die keine Angst mehr haben müssen, dass jeden Moment eine Gummikugel in die Menge geschossen wird. Es war magisch.

Wird sich durch die Revolution auch in den Fankurven etwas ändern?

Amr Fahmy: Auf jeden Fall. Dem Mubarak-Regime waren organisierte junge Fußballfans schon immer ein Dorn im Auge. Fankultur, ganz besonders Ultra-Kultur, wurde in Ägypten jahrzehntelang unterdrückt, dabei sind wir ein fußballverrücktes Volk. Mubarak wollte bescheidene Sklaven, dagegen hat sich das Land endlich gewehrt.

Wie fühlt es sich an, plötzlich nicht mehr als »Abschaum« beschimpft, sondern als Freiheitskämpfer gefeiert zu werden?

Amr Fahmy: Abschaum waren wir nur für die Polizei und Mubarak, Respekt hat man uns schon vorher entgegengebracht. Nach den erfolgreichen Finalspielen in der Champions League 2008 gegen Coton Sport Garoua aus Kamerun hat deren Trainer bei der Pressekonferenz gesagt: »Al-Ahly hatte heute einen Mann mehr auf dem Platz, und das waren die Ultras.« Die »Gazetta dello Sport« nannte uns die »Curva infernale«. Und als wir 2009 für zwei Monate in den Boykott traten, schrieben uns sogar die Spieler, wir sollten doch bitte wieder ins Stadion kommen.

»Betrüger werden belohnt«

Stefan Szymanski, englischer Wirtschaftexperte, kritisiert die UEFA. Statt um Gerechtigkeit gehe es beim neuen »Financial Fairplay« darum, die Premier League anzugreifen.

Quelle: 11.Freunde

Stefan Szymanski, ab der Saison 2014/15 dürfen nur noch die Klubs international spielen, die nicht mehr ausgeben als einnehmen. Was bezweckt die UEFA mit der Neuregelung?

Stefan Szymanski: Sich für die Champions League zu qualifizieren, ist eine kommerziell unglaublich wichtige Geschichte geworden. Um sicher zu gehen, dass sie dabei sind, riskieren einige Klubs sehr viel. Die UEFA sagt: Die Vereine müssen vor sich selbst geschützt werden. Wenn ein Besitzer einen Klub in den Bankrott steuere, führe das zu weitreichenden Erschütterungen in der ganzen Liga.

Das kennen wir aus der Bundesliga, wird sich die europäische Fußballwelt durch die Einführung des Financial Fairplay grundlegend verändern?

Stefan Szymanski: Keinesfalls. Selbst wenn die Umsetzung gelingt, werden die Klubs weiterhin alles, was sie können, für Spieler ausgeben. Die Gehälter werden sich nicht verändern. Und wir werden weiterhin Klubs sehen, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Aber UEFA-Präsident Michel Platini sagt doch, der Klubfußball solle »gerechter und moralischer« werden. Was genau meint er damit?

Stefan Szymanski: Wäre es gerecht und moralisch, wenn wir in England das deutsche 50+1-Modell übernähmen? Die Deutschen würden fortan alles gewinnen, weil sie die größte Wirtschaft Europas besitzen.

Welche Motive vermuten Sie stattdessen hinter der Initiative?

Stefan Szymanski: 52 der 53 Mitglieder der UEFA sind der Meinung, dass die Premier League gerade zu mächtig wird. Sie glauben: Wenn wir die englischen Klubs stoppen, immer mehr auszugeben, können wir selbst erfolgreicher sein. Das ist ein grundlegender Irrtum. Die heutige Position der englischen Liga hat nicht nur mit Oligarchen und Scheichs zu tun, sondern auch mit TV-Übertragungen, modernen Stadien und Merchandising. Die Mischung hat aus einem ehemals kranken Mann die stärkste Liga Europas gemacht.

Was wird sich für Roman Abramowitsch oder Scheich Mansour in der Praxis verändern?

Stefan Szymanski: Die Einhaltung der neuen Spielregeln wird bereits ab diesem Sommer kontrolliert. Wenn man seine Mannschaft in Zukunft verstärken will, muss man das geschickt verschleiern. Die Klubs müssen ihre Konten so verwalten, dass es so aussieht, als würden sie den Break Even erreichen, auch wenn es nicht wirklich der Fall ist. Die Folge: Es wird zukünftig weniger gerecht zugehen als zuvor. Und die Klubs werden immer mehr Juristen und Wirtschaftswissenschaftler einstellen, das können große eher als kleine.

Der europäische Klubfußball wird künftig von der Suche nach Schlupflöchern bestimmt?

Stefan Szymanski: Zwangsläufig. Der Katalog der UEFA besteht bereits jetzt aus 80 Seiten. In fünf Jahren wird er 800 Seiten lang sein. Wann immer man Marktaktivitäten reguliert, muss man sehr lange, detaillierte Spielregeln aufstellen, was erlaubt ist und was nicht. Selbst wenn man 95 Prozent der Betrüger fassen kann, werden die fünf Prozent, die man nicht erwischt, die Erfolgreichen sein. Es ist ein System, das am Ende die geschicktesten Betrüger belohnt.

Nur einmal angenommen, das Kontrollsystem funktioniert. Warum könnte es nichts an der englischen Dominanz ändern?

Stefan Szymanski: Es würde die Klubs auch nicht davon abhalten, mehr Geld auszugeben als alle anderen. Die Premier-League-Klubs generieren insgesamt mehr Einnahmen, sind nicht nur bei den ausländischen Fernsehrechten konkurrenzlos. Sie werden immer in der Lage sein, die besten Spieler zu kaufen.

In Deutschland glauben viele Fans, dass das Financial Fairplay den kleineren Klubs hilft.

Stefan Szymanski: Das Gegenteil ist der Fall. Es manifestiert die Dominanz der Großen. Wenn man besser werden will, muss man Geld ausgeben. Wie soll jemand besser werden, der nicht investieren darf?

Die UEFA droht in ihrem Katalog mit harten Strafen. Ist es tatsächlich vorstellbar, dass größere Klubs nicht zur Champions League zugelassen werden?

Stefan Szymanski: Es wäre sehr schwierig, Madrid, Manchester oder Bayern auszuschließen, nur weil sie eine wirtschaftliche Norm verfehlt haben. Die UEFA hat deshalb zahlreiche Sonderfälle formuliert. Mir scheint es nicht besonders moralisch, zwei Kataloge zu haben, einen für die Großen und einen für die Kleinen.

Welche wirtschaftliche Perspektive hat die englische Liga also?

Stefan Szymanski: Die Premier League wird gerade endgültig zu der globalen Liga. Traditionell gab es in Europa vier Ligen von ähnlicher Qualität. Bald werden wir nur noch eine relevante haben. Die Primera Division, Bundesliga und Serie A schrumpfen zu Satellitenligen. Barcelona und Madrid plädieren deshalb längst für zusätzliche Champions-League-Spieltage.

Warum?

Stefan Szymanski: Zukünftige Erlöse hängen stark von Einnahmen ab, die man außerhalb des eigenen Landes erzielen kann. Wenn diese Mannschaften in Spanien nur zweimal in der Saison gegeneinander spielen, haben sie wenig zu verkaufen. In der Premier League gibt es hingegen viel mehr große Spiele. Sie wird reicher und reicher.

Plauen vs. Plauen.

Fussballfans und Ultras im Osten Deutschlands sind meistens ‚rechts‘, so das gängige Klischee. Dabei wird die ganze Zone als Laufgitter für gestörte Fussballfans heraufbeschworen und jede Schlägerei in dieses Schema gepresst. Die Ereignisse während der Auswärtsfahrt des VFC Plauen zeigen deutlich, dass unter der Oberfläche manchmal auch ganz andere Konflikte ausgetragen werden.

Hier mal eine objektive Wiedergabe des Geschehens rund um das gestrige Auswärtsspiel des VFC´s in Meuselwitz, von einem Außenstehenden, der weder der subkULTuRA noch dem Mob der ehemaligen Ultras Plauen bzw. der rechtsgesinnten Hooligans oder wie auch immer angehört.

Wie im Vorfeld angekündigt reisten die Leute der SK mit dem Zug & Bus nach Meuselwitz. Die zuletzt eher nur noch weniger stark bei Auswärtsspiel vertretene Fraktion der ehemaligen UP-Leute wählte eine ähnliche Transportroute, jedoch 2 Stunden früher. Da ich mich selbst schon relativ zeitig im Gästebereich eingefunden hatte, war ich sehr erstaunt mit was für Leuten sich UP im Block einfand, Leute die man schon gefühlte 5 Jahre nicht mehr im Stadion gesehen hatten, jedoch einige von ihnen doch noch bekannt waren. Der gut 25 Mann starke Haufen positionierte sich auf der Geraden direkt neben der Tribüne. Einige Minuten vor Beginn des Spiels trafen dann auch die ‚Reisegruppe‘ der SK ein(ca.40 Leute). Nachdem sie unter Begleitung einiger BFE Leute am Eingang erschienen, wurden sämtliche Utensilien wie gewöhnlich kontrolliert. In der Zwischenzeit positionierte sich genau der Teil des UP- Mobs am Eingang zum Gästebereich, die man durchaus schon lange nicht mehr / noch nie gesehen hatte, gut zu erkennen an den einheitlich schwarzen Jacken mit irgendeiner nicht identifizierbaren Aufschrift. Man betrachtete die SK- Leute kritisch wie diese sich mit ihren rund 25 Mann hinter dem Tor einfanden. Kurz vor Spielging sprangen nochmal 2 dieser Leute auf den Zaun und brüllten Parolen wie „ihr seid so lächerlich“ in Richtung der SK- Leute. Das BFE hatte sich aus dem Block verzogen und residierte neben der Tribüne bzw. auf ihr.

Als nach einem Elfmeter anfangs der 2. Hälfte das 2:0 für den ZFC fiel begann die Sache erstmals zu eskalieren. Aus der Richtung der UP-Leute die zusammen mit einigen ehemaligen ‚VFC-Hools‘ und den besagten schwarz-gekleideten Rechtsgesinnten zum Spiel gereiste waren hörte man auf einmal Sprechgesänge wie: „Wir sind Plauner, was seid ihr?“ in Richtung SK schallen. SK antwortete lediglich mir hämischen Applaus. Danach folgte eine: „Wir sind die Fans des FCK“ Parole, komisch nur das der CFC zur gleichen Zeit vor 13.000 Leuten um den Aufstieg spielte, und man doch erst vor einer Minute preisgegeben hatte das man Plauner sei und der Support-Haufen nicht. Komisch! Danach folgte das auch bei den ehemaligen UP- Leuten sehr beliebte „Chemie Schweine raus“. Anzumerken bleibt das ich weder einen grün-weißen Schal bzw. Fahne gesehen hatte. Es folgten weitere 10min um sich mal kurz auf das sportlich zu konzentrieren, bevor einige ihr wahres Gesicht zeigten. „Chemie, Chemie Ju*** Chemie“ schallte es aus der Richtung der Schwarzgekleideten. Als wäre das nicht genug folgte das U-Bahn Lied. Daraufhin begaben sich die Schwarzgekleideten, ein Großteil der UP Leute sowie einige der ‚ehemaligen VFC-Hools‘ in Richtung der SK. Dort angekommen kam es zu Wortgefechten deren Inhalt mir nicht bekannt ist. Sofort jedoch griffen BFE und Ordner ein und drängte die ‚Reisegruppe der UP‘ zurück. Einige Leute wurden durch das BFE aus dem Stadion geführt. Nach einigen Minuten betraten diese jedoch das Stadion wieder und rannten sofort wieder in Richtung der SK. Das BFE hielt sie diesmal jedoch rechtzeitig auf. Danach wurde der Block durch Polizei und Ordner in zwei Abschnitte geteilt um weitere Übergriffe zu vermeiden.

Kurz nach Spielende verlies die subkultura geschlossen das Stadion, wo hingegen der UP-Mob vom BFE eingekesselt wurde. Einzeln waren noch Rufe von UP-Seite wie: „Wir bekommen euch alle“ zu hören. Kurz nach den SK- Leuten verließ nun auch ich den Block und begab mich auf die Heimfahrt per Auto. Was mit der Reisegruppe der UP noch passierte ist mir nicht bekannt, ich sah lediglich wie die SK- Reisegruppe in ihren Shuttlebus stieg um unter Polizeieskorte nach Altenburg zu gelangen.

Nachdem ich nach gut 80min Fahrt wieder in Plauen angekommen war, fuhr ich gegen 18 Uhr noch einen Bekannten zum Bahnhof, nichts ahnend was sich hier gleich abspielen sollte. Dort angekommen sah ich den UP-Mob vor dem Eingangsbereich des Bahnhofes stehen, wahrscheinlich waren sie erst kurz vorher angekommen. Plötzlich war zu beobachten wie eine gewisse Hektik in der 25 Mann starken Gruppe entstand. Nach einigen Sekunden war mir auch der Grund bekannt, da ich eine Gruppe von etwa 20 Mann auf einer Anhöhe direkt neben den Bahnhof stehen sah. Ohne zu zögern marschierten einzelne Personen des UP- Mobs in Richtung Weg der auf die Anhöhe führte. Dort angekommen wartete man auf den Rest der Gruppe der ihnen gefolgt war, bis auf wenige Ausnahmen. Die Polizei sichtlich geschockt hatte den Tag wohl schon abgehakt und war abgerückt. Zu beobachten waren nur 2-3 Zivilpolizisten die sofort begannen hektisch zu telefonieren. Der Mob von UP, ‚VFC-Hools‘ und den besagten schwarz-gekleideten Rechtsgesinnten sammelte sich am Fuß der Anhöhe. SK hingegen stand 50m oberhalb und schien durchaus gewillt. Nach etwa einer Minute des gegenseitigen Anschauens, skandierten die Leute der SK: „subkultura“. Was den Mob am unteren Teil des Berges veranlasste loszustürmen. Verwunderlicher Weise wich SK nicht zurück. Ehrlicher Weise muss man sagen das der SK-Mob ein Durchschnittsalter von circa 18 Jahren hatte, wohingegen der UP- Mob schon sehr viel reifer und ’schlagkräftiger‘ aussah. Im gleichen Moment kamen einige Zivilpolizisten sowie BFE´s gerannt und fingen die heranstürmende Masse ab. Subkultura bewegte sich kurz nach unten sah dann jedoch wie die Polizei nun auch zu ihnen vordrang. Das Letzte was ich sah war wie der SK-Mob von der Polizei auf den Berg zurückgedrängt wurde und der andere Mob unter Begleitung in Richtung Innenstadt geführt wurde.

Fazit: Ziemlich armselige Aktion der UP-Leute, die wohl extra im Vorhinein Mobil gemacht hatten, was auch die rechten Holzköpfe erklären würde. Festzuhalten bleibt jedoch das UP sich nicht an den rechten Parolen beteiligt hatte, jedoch bei allen anderen Aktionen ganz vorne dabei war. Hätten sie am Fuße des Berges nicht gezögerte hätte es wohl schwer gekracht, am Ende fehlten 20 Meter. Zu SK bleibt zu sagen, dass diese im Stadion nur kaum provozierten. Für die Aktion am Bahnhof haben sie meinen Respekt, sich trotz offensichtlicher Unterlegenheit zu stellen.

Alles in Allen wohl der endgültige Bruch in der Plauner – Fanszene. Ganz schwach was UP für Leute mobilisiert (siehe U-Bahn Lied). Schon krass wenn man sich überlegt, dass hier Leute auf einander losgehen (und mit welchem Hass), die bis vor gut einem Jahr noch in derselben Gruppe waren.

[via]

Auf nach Lübeck!

Der Rote Stern Lübeck bittet um Hilfe:

Am 05. Juni beschreiten wir unser letztes Spiel der Saison gegen unseren größten Rivalen, den VfB Lübeck III. Wann immer wir gegeneinander angetreten sind, galt dieses Spiel als Sicherheitsspiel. Ausschließlich zu diesem Spiel treten immer wieder Faschisten auf, mit dem Ziel, unsere Mannschaft und/oder Fans anzugreifen.

Im Hinspiel der letzten Saison wurde unsere Mannschaft mit Flaschen und Steinen beworfen. Die anwesenden Cops blieben dabei untätig mit der Begründung, sie seien zu wenige um eingreifen zu können. Stattdessen kesselte sie unsere Kurve, so dass wir selbst nichts ausrichten konnten.

Das Rückspiel fand im Stadion Lohmühle statt und verlief weitgehend ruhig. Allerdings wurde auf dem Rückweg einem Teil unserer Fans (teilweise waren auch kleine Kinder dabei) von Wismaranern und Rostockern aufgelauert und mit Flaschenwürfen angegriffen.

Beim diesjährigen Hinspiel waren über 50 Faschos anwesend die ständig versucht haben uns anzugreifen, was durch die Bullenpräsens jedoch verhindert werden konnte. Im Anschluß zogen die Nasen per Spontandemo los um die Walli anzugreifen. Kurz vor dem gelände konnten sie von den Bullen gestoppt werden.

Auch beim kommenden Spiel rechnen wir mit Angriffen seitens der Faschos. Deswegen bitten wir euch um Unterstützung.

Frauen-WM: Geheimfavorit Nordkorea?

Die Fußballerinnen aus Nordkorea werden konsequent abgeschottet. Strategie, Aufenthaltsort und Adresse des Friseurs sind streng geheim.

Quelle: Welt Online

Nun, zumindest das ist jetzt geklärt. Sie kommen Mitte Juni wieder zurück nach Deutschland und werden während der WM ihr Domizil in Leipzig aufschlagen. Normalerweise würde das als recht unspektakulärer Fakt durchgehen. Aber im Falle der nordkoreanischen Fußballerinnen hat das fast schon Schlagzeilen-Qualität.

Eine Woche weilte das Nationalteam in Deutschland. Was es in dieser Zeit tat und vor allem wo? Gut, am Samstag spielte die Auswahl in Ingolstadt gegen Deutschland und verlor 0:2. Ansonsten aber ranken sich nur Gerüchte über Aufenthaltsort und Aktivitäten. Jegliche Kontaktaufnahme mit dem Betreuerstab jedenfalls lief ungefähr so ab: Ich darf Ihnen nicht sagen, wo wir gerade sind. Ja, wir spielen am Samstag gegen Deutschland. Presse? Nein, danke.

Sie sind jung und haben kurze Haare

Eines muss man den Nordkoreanerinnen lassen: Durch sie erhält das so gern benutzte Vokabular vom Geheimfavoriten seine wortwörtliche Bedeutung. In diesen exponierten Stand hatte sie Bundestrainerin Silvia Neid gehievt. Immerhin ist Nordkorea der aktuelle Asienmeister. Was sie über die wisse, halte sich in Grenzen, hatte Neid gesagt. Man könne sie ja auch kaum auseinanderhalten, hatte Nadine Angerer gesagt, „ich glaube, die haben alle denselben Friseur“, einen korrekten Kurzhaarschnitt.

Es ist nicht viel bekannt vom Frauenfußball in Nordkorea. Dass sie alle sehr jung sind, weil beschieden wurde, mit 30 habe frau verheiratet zu sein und Kinder zu bekommen und nichts mehr auf dem Platz zu suchen. Und dass als größte Ehrung für Verdienste um Vaterland und den Diktator die Ernennung zur ‚Sportlerin des Volkes‘ winkt. So wie 2001 beim ersten Asienmeistertitel. Was es dafür gab? Eine Uhr mit der Unterschrift von Staatsgründer Kim Il-Sung.