Archiv für Juni 2011

Freizeitkommunismus!

Im falschen Leben, gibt es manchmal richtig gute Momente.

International: Manipulierte Fußballspiele

Lukasz Piszczek von Borussia Dortmund wurde zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. In Südkorea hat ein ehemaliger Nationaltorhüter zugegeben, in der vergangenen Saison Spiele manipuliert zu haben. Außerdem: In Griechenland sollen Partien der Nationalelf verschoben worden sein.

Quelle: SPON

Hamburg – Borussia Dortmunds Abwehrspieler Lukasz Piszczek ist in seiner Heimat Polen wegen Spielmanipulation zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt worden. Das Bezirksgericht in Breslau verhängte am Montag gegen insgesamt elf Fußballer Haftstrafen zwischen einem Jahr und zwei Jahren auf Bewährung. Unter den Verurteilten befindet sich der polnischen Nachrichtenagentur Pap zufolge auch der Dortmunder Profi. Er wurde zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung sowie einer Geldstrafe von 100.000 Zloty (rund 25.000 Euro) verurteilt.

Borussia Dortmund hält das Strafmaß für völlig unangemessen. Lukasz bekommt alle Rückendeckung von uns. Es wird keine Konsequenzen geben“, sagte Josef Schneck, Sprecher des Deutschen Meisters aus Dortmund. Das Gericht hätte Lukasz Piszczek zufriedengelassen, wenn er nicht inzwischen Nationalspieler und Profi bei der Borussia wäre.

In der Saison 2005/2006 sollen Spieler von Zaglebie Lubin ein Spiel gegen Cracovia für umgerechnet 25.000 Euro gekauft haben. Bei dieser Partie stand Piszczek nicht im Kader seines damaligen Vereins Lubin. Er soll sich aber dem Zahlungswunsch der Mannschaftsführung angeschlossen haben. Ältere Spieler sollen Zeugenaussagen zufolge Druck auf die jüngeren ausgeübt haben. Bereits im Dezember hatte sich Piszczek bei der Staatsanwaltschaft in Breslau selbst angezeigt .

Durch den Sieg sicherte sich Zaglebie die Teilnahme an Uefa-Pokalspielen. Richter Marek Gorny sagte, über die Schuld der Angeklagten gebe es keine Zweifel. Sie hätten die Straftat zugegeben und die Strafe freiwillig akzeptiert. Drei weitere Personen lehnten die Einigung mit der Staatsanwaltschaft ab.

Anfang Juni hatte dasselbe Gericht 38 korrupte Schiedsrichter, Sportfunktionäre und Spieler zu Haftstrafen zwischen neun Monaten und vier Jahren verurteilt. Allerdings wurden die Strafen zur Bewährung ausgesetzt.

Ergebnisabsprachen mit Mitgliedern der Wettmafia getroffen

Halbgares Geständnis: Ein ehemaliger südkoreanischer Nationaltorwart hat zugegeben, in der vergangenen Saison Fußballspiele in der ersten Liga, der K-League, verschoben zu haben. Dies gab ein Sprecher der Liga bekannt – ohne dabei den Namen des Keepers zu nennen.

Mitgeteilt wurde nur, dass es sich um einen Torwart von Jeonbuk Motors handelt, der vergangene Saison – damals noch für Chunnam Dragons aktiv – Ergebnisabsprachen mit Mitgliedern der Wettmafia getroffen hat.

Das Geständnis gilt in Südkorea als taktischer Zug. Mitte Juni hatte die Liga zehn Spieler wegen illegaler Wetten und Spielmanipulationen zu lebenslangen Sperren verurteilt. Zudem war Spielern, die noch bis zum Monatsende gestehen, eine Teilamnestie versprochen worden.

Die Buchmacher in Japan reagierten auf den Skandal und haben Angebote für Wetten auf Spiele der K-League bis auf weiteres ausgesetzt. Südkoreas Regierung drohte bereits mit der Streichung von Fördergeldern für alle Ligen, in denen nachweislich manipuliert wurde.

Angeblich Länderspiele in Griechenland verschoben

Unterdessen sind auch in Griechenland neue Informationen im Wettskandal aufgetaucht, wie die Zeitung Ta Nea berichtet. Dabei deuten Telefonmitschnitte von Gesprächen zwischen Funktionären und Vereinsbesitzern aus der ersten Liga und Schiedsrichtern darauf hin, dass auch Länderspiele der griechischen Nationalmannschaft betroffen sind.

Diese Anschuldigungen wies der Präsident des griechischen Fußball-Verbandes, Sofoklis Pilavios, zurück: „Die angebliche Verwicklung der Nationalmannschaft in diesen Fall stützt sich auf falsche Informationen. Ich habe keinerlei Fehlverhalten wahrgenommen“, sagte Pilavios in einer Stellungnahme.

Demnach überprüft die Staatsanwaltschaft bereits die entsprechenden Vorwürfe und hat den Kreis der Verdächtigen erweitert. Die Ermittlungsbehörden bestätigten Untersuchungen gegen 83 Personen. Zu diesem Kreis gehört auch Liga-Boss Vangelis Marinakis, der zudem auch Präsident von Meister Olympiakos Piräus ist. Auch der U21-Nationaltrainer Giorgos Georgiadis und Olympiakos-Nationalspieler Avraam Papadopoulos sollen involviert sein.

Krieg der Sterne

So weit war es also gekommen! Thomas Knopf stand morgens in der Haustür und überlegte, welches Paar Schuhe sich am besten zur Flucht eignen würde. Seine Füße steckten noch in Badelatschen. Aber die waren weder zum Kämpfen noch zum Rumstehen in feindlichem Territorium geeignet. Wie war es nur so weit gekommen, dass er sich über so etwas Gedanken machen musste – und das an seinem Geburtstag? Auf dem Tisch stand der Rest vom Kuchen, die bunten Kerzen waren noch nicht heruntergebrannt, seine Tochter tobte durch den Garten. Heile Welt. Und er, der Trainer von Roter Stern Leipzig (RSL), musste nun wieder raus auf irgendeinen gottverdammten Fußballplatz in der sächsischen Provinz. Knopf stellte die Badelatschen neben die Tür und zog sich Laufschuhe an. Keine Kampfmontur, doch wenigstens die ideale Ausrüstung, um im richtigen Moment so schnell es geht um sein Leben zu rennen.

Quelle: 11.Freunde

Aber wie war es denn nun so weit gekommen? Seit der RSL vor zwei Jahren aus der Stadtliga Leipzig in die Bezirksklasse II aufstieg und nun regelmäßig ins Umland reisen muss, ist fast jede Auswärtspartie ein Risikospiel. In Oschatz wurde das Team von ansässigen Zuschauern mit Hitlergrüßen empfangen, in Dahlen fand sich Thomas Knopf auf einer Trainerbank wieder, um die ein Bauzaun gezogen war – er sollte ihn vor Übergriffen schützen. Und dann natürlich Brandis, der Anfang und das Ende von allem. Im Oktober 2009 hatten hier 50 Neonazis, bewaffnet mit Eisenstangen und Holzlatten, Mannschaft und Anhänger von Roter Stern Leipzig überfallen. Das war sogar bundesweit eine Nachricht. (mehr…)

Libyen: Fußballer wechseln die Seiten.

Insgesamt 16 libysche Spitzenfußballer und ein Top-Trainer sind zu den Aufständischen übergelaufen. Sie sind nicht die ersten, die sich von dem Gaddafi-Regime absetzen.

Quelle: Welt Online

16 libysche Spitzenfußballer und ein Top-Trainer haben dem libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi die rote Karte gezeigt.

Die populären Sportler liefen zu den Aufständischen im westlichen Nafusa-Gebirge über und verurteilten das Gaddafi-Regime mit scharfen Worten. Das berichtete ein BBC-Reporter am Samstag aus der von den Rebellen beherrschten Stadt Dschadu.

Viele Spieler der Nationalelf unter den Überläufern

Unter den Überläufern sind vier Spieler der Nationalelf, unter ihnen der Torhüter Dschuma Gtat, sowie Adel bin Issa, der Trainer des Erstligisten Al-Ahly aus der Hauptstadt Tripolis. Sie schlugen sich durch die Fronten in das Rebellengebiet durch, das 90 Kilometer südlich von Tripolis beginnt und bis zur tunesischen Grenze reicht.

Gtat begründete ihren Schritt in einem BBC-Interview mit tiefer Enttäuschung über Gaddafi und sein Regime. „In 42 Jahren hat er nichts für Libyen getan. (…) Er möge uns allein lassen, damit wir ein freies Libyen aufbauen können“, sagte er.

Vor den Fußballern haben sich bereits zahlreiche andere Persönlichkeiten aus Politik, Streitkräften und Polizei von Gaddafi abgesetzt. Die Prominentesten sind Außenminister Mussa Kussa und Ölminister Schukri Ghanim, die im März beziehungsweise Mai das Land verlassen haben.

Vereinsinteresse und das liebe Geld…

Geldgier oder Geizhälse? Diese Frage beschäftigt die Hamburger Amateurfußballszene. Dort hat der Landesligist Eimsbütteler TV die erste Runde des DFB-Pokals erreicht – nur keine Mannschaft mehr. Die Pokal-Helden traten nach einem Streit um Geld geschlossen aus dem Club aus.

Quelle: SPON

Kollektive Kündigung als letzter Ausweg: Eigentlich ist es der große Traum jedes Amateurfußballers. Ein Duell mit den Profis, TV-Übertragung und Rekordkulisse inklusive. Die sechstklassigen Fußballer des Eimsbütteler Turnverbands (ETV) haben sich diesen Traum erst erkämpft und dann selbst zerstört. Fünf Wochen vor ihrem Spiel gegen den Zweitligisten Greuther Fürth trat die Mannschaft geschlossen aus dem Hamburger Stadtteilverein aus. Grund war ein Streit um die Aufteilung der circa 110.000 Euro DFB-Pokal-Fernsehgelder .

Wir haben nicht auf gleicher Augenhöhe verhandelt, es klang eher nach: Ihr könnt sehen, wo ihr bleibt“, blickt der 28-jährige Trainer Dennis Mitteregger auf die Verhandlungen mit dem Vorstand des 12.000 Mitglieder starken Großvereins zurück. Der Lehramtsstudent, der ebenfalls gekündigt hat, wollte eine einmalige Prämie und monatliche Zahlungen von etwa 80 Euro für die Mannschaft durchsetzen. Was sich im Zusammenhang mit dem DFB-Pokal nach lächerlichen Beträgen anhört, ist nicht wenig für die jungen Kicker, die größtenteils seit der B-Jugend zusammen und bislang quasi zum Nulltarif spielen: Einige von ihnen sind arbeitslos oder absolvieren gerade ihre Ausbildung.

Normalerweise kickt der ETV in der Landesliga Hammonia vor hundert Zuschauern. Als die Rot-Weißen im Verbandspokal einen Favoriten nach dem anderen besiegten, kamen schon mehr Zuschauer. Am 1. Juni war die Pokalsensation perfekt: Im Außenseiterfinale gegen den Landesligigsten Vorwärts-Wacker Billstedt köpfte der angehende Industriemechaniker Luciano Filipe Dias das Tor zum 1:0-Sieg. Als den Eimsbüttelern statt Bayern München nur Greuther Fürth zugelost wurde, ging leises Stöhnen durch die Spielerreihen.

Klagen der Kicker

Nun folgte der große Knall, weil in drei langen Wochen nach dem Hamburger Pokalsieg keine Einigung über die Verteilung der Prämien erzielt werden konnte. Dreimal traf sich der Vereinsvorstand in dieser Zeit mit der Fußball-Abteilungsleitung, doch die Fronten blieben verhärtet. Am Mittwoch gaben alle Spieler und Trainer Mitteregger ihre Austrittserklärung beim Verein ab.

Es ist schade, dass die Mannschaft, die Großes geleistet hat, sich jetzt selbst um die Belohnung bringt“, sagt der Vereinsvorsitzende Frank Fechner, der turbulente Verhältnisse schon als Geschäftsführer des FC St. Pauli zwischen 2003 und 2005 kennengelernt hat. Mancher Kritiker warf ihm damals vor, das ohnehin schon reichlich vorhandene Chaos beim Kiezclub eher vergrößert zu haben. Beim traditionsbewussten Breitensportverein ETV gilt er als der fußballfreundlichste Vorsitzende seit Jahrzehnten. Mehr als das unterbreitete 50:50-Angebot sei aber auch im Aufsichtsrat des Vereins nicht durchzusetzen gewesen, so Fechner, man dürfe und wolle sich schließlich „nicht erpressen lassen“.

Der Verein wollte die Hälfte der Fernsehgelder in einen neuen Kunstrasenplatz stecken, die andere Hälfte in die Fußballabteilung. Fechner sagte SPIEGEL ONLINE: „Es gab einen von den Fußballern ausgearbeiteten Verteilungsmodus, der vorsah, 22.000 Euro an Prämien direkt an die Mannschaft auszuschütten und 33.000 Euro für einen Mannschaftsetat für die kommende Saison vorzusehen. Doch auch das war dem Trainer und der Mannschaft zu wenig. Dadurch sind die Gespräche gescheitert.

Bei den Pokalhelden herrschte allerdings Misstrauen, wie viel tatsächlich bei ihnen ankommt, wenn die Mittel erst einmal auf einem Festgeldkonto gelandet sind. Denn die Fußballabteilung ist mit 51 Mannschaften groß. In Gesprächen mit Spielern wird schnell klar, dass sich viel Frust aufgestaut hat. Wieso musste die Mannschaft im Winter neben anderen Teams auf einem Drittel des Platzes trainieren? Warum unterstützte sie niemand auf der Suche nach Sponsoren, um den schmalen Etat aufzubessern? Nie habe der Gesamtverein sich um die Fußballer gekümmert, klagen die Kicker, erst nach den erreichten Erfolgen und Geldern erinnere man sich auf einmal an sie.

Wir haben nie Ansprüche gestellt, die wir nicht auch eingespielt hätten“, sagt Trainer Mitteregger und verweist auf den „gar nicht einzuschätzenden Imagegewinn“, den der Pokalsieg dem Club eingebracht habe. Fußballerisch liegen die glanzvollen „Eimsbütteler Tage“, von denen Rhetorik-Professor Walter Jens sprach, tatsächlich sehr weit zurück. 1942 spielte der Turnverein letztmals um die deutsche Meisterschaft mit, seit Jahrzehnten steht der Breitensport im Vordergrund. Der „alte Turnergeist“, der noch so geringe Zahlungen an Sportler ablehnt, ist noch weit verbreitet. Fechner verweist auf die Bundesliga-Wasserballerinnen des Vereins, die ihre Reisen selbst finanzierten.

Wenn von uns nebenbei noch verlangt wird, von der Landesliga in die Oberliga aufzusteigen, geht das nicht zum Nulltarif“, hält Mitteregger dagegen. Sein Team spielt zu großen Teilen seit der B-Jugend zusammen, verlockende Angebote höherklassiger Clubs an einzelne Spieler blieben nicht aus. Der Pokalsieg war vielleicht auch die letzte Chance, die Mannschaft zusammenzuhalten.

Das hat sich nun erledigt: In kürzester Zeit müssen die Pokalsieger neue Vereine finden, während der ETV Spieler sucht, die gegen Greuther Fürth antreten. Am Donnerstag blieb die Mannschaft der eigenen Pokalsiegerehrung durch den Hamburger Fußball-Verband fern. Sie versammelte sich lieber am Platz, um ihre Zukunft zu besprechen. Die Entgegennahme eines Schecks über 5000 Euro vom lokalen Pokalsponsor Lotto Hamburg übernahm Vereinschef Fechner. Lotto-Hamburg-Chef Siegfried Spies rief zu einem letzten Versöhnungsversuch auf: „Das tut mir in der Seele weh. Wenn es irgendwie hilft, sich noch einmal zusammenzusetzen, gebe ich gerne Essen und Getränke aus.

Doch dafür dürfte es zu spät sein. Die Sache scheint endgültig gegessen zu sein

Als sei schon Stalin dort gewesen…

Während für Umweltschutz kein Geld da ist und die Arbeiter auf den Baustellen ausgebeutet werden, wird für einen olympischen Luxusferienort in Sotschi teure Reklame gemacht.

Quelle: Jungle World

Wer sich weder für Sport noch für Geldwäsche in der Baubranche oder die Zerstörung ungenutzter Naturflächen interessiert, den lassen die bevorstehenden Olympischen Winterspiele in Sotschi kalt.

Das trifft insbesondere auf junge Moskauer Schöngeister zu, deren Blick für den ästhetischen Gehalt einer Sache sich häufig genug den banalen und wenig beschaulichen Realitäten im Land verschließt. Und Sotschi steht nun einmal nicht für anspruchsvollen visuellen Genuss. Zur Befriedigung des Massenbedürfnisses nach Kitsch wurden drei niedliche Figuren, nämlich Schneeleopard, Eisbär und Hase, zu Olympia-Maskottchen gekürt. Der Geldadel wiederum soll mit exklusiven Immobilienangeboten in bester Lage geködert werden. Die unübersehbare Werbekampagne hierfür hat unlängst kunstbeflissene Ästheten auf den Plan gerufen.

Im etwa 40 Kilometer vom Flughafen Sotschi entfernt gelegenen Skiparadies Krasnaja Poljana entsteht neben Sprungschanzen und Mediendörfern für diejenigen, die die Winterspiele journalistisch begleiten, auch ein neuer Luxusferienort, der nach seiner Fertigstellung als heimische Alternative zu den bei der russischen Elite beliebten mondänen französischen und Schweizer Alpenskidörfern etabliert werden soll. Der Name des Olympiaprojekts Gorki-Gorod spielt auf die fast gleichnamige Moskauer Residenz des russischen Premierministers Wladimir Putin an, finanziert wird es aus Mitteln der Sberbank, der staatlichen Vneshekonombank, der Stadt Sotschi und des Krasnodarer Gebiets. Die Bauarbeiten sind in vollem Gang und sollen bis 2013 beendet werden. Zeit also, nach potentiellen Käufern zu suchen.

In der Moskauer Innenstadt sorgen riesige Werbeplakate für Gorki-Gorod für Aufmerksamkeit und Irritationen. Vor ganz in Weiß gehaltenen neoklassizistischen Bauten sieht man darauf etwa zwei ebenfalls in Weiß gekleidete junge, blonde Sportler mit roten Sportgeräten: links eine Eiskunstläuferin und rechts daneben einen Snowboarder. Hinter ihnen befinden sich zwei entsprechende Statuen, offenbar in weißen Marmor gehauen, in der Ferne sieht man schneebedeckte Berge. Der Malstil des Bildes erinnert an stalinistische Darstellungsformen und verherrlicht die totale Perfektion von Körper und Architektur. Emotional wird der Betrachter nicht berührt, die starr in die Ferne gerichteten Blicke des Paares strahlen eisige Kälte aus.

Nachdem das Kulturportal openspace.ru mit einem kritischen Artikel auf die Gorki-Werbung hingewiesen hatte, zogen andere Medien nach. Eine breite Diskussion entwickelte sich allerdings erst, als der britische Guardian einen Vergleich zu Leni Riefenstahls faschistischer Kinoästhetik zog. Dabei zitierte die Zeitung die bekannte russische Kunsthistorikerin und -kritikerin Jekaterina Degot mit der Einschätzung, dass sich die Werber der verantwortlichen Designagentur Doping-Pong zweifellos von nationalsozialistischer Kunst hätten inspirieren lassen.

Um diese These zu bestätigen, bedarf es nur eines Blickes auf die Webseite der Petersburger Künstler, denn als solche wollen sich die Mitarbeiter von Doping-Pong verstanden wissen. Da wird mit Hakenkreuzsymbolik gespielt, und man stößt auf einen durch Fotos illustrierten Ringkampf zweier junger nackter Frauen, »Fa« versus »Antifa«, bei dem »Antifa« unterliegt, während sich »Fa« zum Zeichen des Sieges in eine NS-Fahne hüllt. Schöpferin der wohl erotisch gemeinten Bildstrecke ist Katja Zaschtopik, die vor einigen Jahren von der Petersburger »Nationalsozialistischen Gesellschaft« für ihre Verdienste um die Verbreitung von NS-Propaganda gewürdigt worden war.

Einer der für die Gorki-Reklame verantwortlichen Mitarbeiter von Doping-Pong, Dima Mischenin, versuchte sich von den Faschismusvorwürfen zu distanzieren, wirkte dabei aber wenig überzeugend: Er spiele in seinen Arbeiten zwar mit Hakenkreuzen, aber für eine Siegermacht über den Faschismus stellten diese lediglich einen Teil der Kriegsbeute dar, ähnlich wie Autofabriken oder Forschungsergebnisse von Naziwissenschaftlern. Als Beginn der olympischen Ästhetik betrachtet er Leni Riefenstahls Inszenierung der Spiele in Berlin 1936. Allerdings will er keinen Bezug zur Vergangenheit herstellen, sondern appelliert lieber an futuristische und utopische Ziele. Dass, wie er meint, sein Kunstschaffen einer Fehldeutung unterliege, begründet er mit dem geringen Bildungsstand seiner Kritiker. Beeinflusst hätten ihn schließlich viele unterschiedlichen Künstler und Vorbilder, darunter auch die Gestaltung der olympischen Spiele im japanischen Sapporo 1972.

Im Übrigen nehmen die Autoren des Projekts in Krasnaja Poljana (Rote Lichtung), ähnlich wie Dima Mischenin, Bezug auf den Petersburger Neoklassizismus der neunziger Jahre, dessen Vertreter sich zur Darstellung von imperialer Macht und Größe hingezogen fühlten. Das Architekturensemble sei dann als gelungen zu betrachten, wenn die in zehn bis 15 Jahren »alteingesessenen« Bewohner sagen werden, diese Stadt hätte es schon immer gegeben, selbst Stalin sei hier gewesen. Openspace.ru erkennt in Gorki-Gorod eine Synthese totalitärer Baurichtungen, weg von der einheimischen stalinistischen Bauweise, hin zu deutscher und italienischer faschistischer Architektur. Die nämlich lasse sich besser an russische Neureiche verkaufen, oder genauer gesagt, an die Nachkommen des superreichen Establishments.

Die Debatte um die Werbestrategie für Gorki-Gorod hielt allerdings nur kurz an, weitere Plakate sollen dem ersten folgen. Ansonsten geht in Sotschi alles seinen geregelten Gang. Nach Angaben des für die Vorbereitung und die Durchführung der Winterspiele verantwortlichen Präsidenten des Organisationskomitees »Sotschi 2014«, Dmitrij Tschernyschenko, sind bislang 40 Prozent der olympischen Infrastruktur fertiggestellt, zum Jahresende sollen es 70 Prozent sein.

Ab und an tauchen Informationen auf über ausbeuterische Beschäftigungsverhältnisse eines Teils der Bauarbeiter auf den olympischen Baustellen. Wer über einen geregelten Arbeitsvertrag mit garantiertem Lohn und Sozialabgaben verfügt, darf sich glücklich schätzen. Die Regel scheint dies jedenfalls nicht zu sein, doch wie groß der Anteil der irregulär Beschäftigten tatsächlich ist, lässt sich nur erahnen. Ist eine Kommission zur Überprüfung der Baufortschritte im Anmarsch, bleiben nur die vorschriftsmäßig mit allen nötigen Papieren und Schutzkleidung ausgestatteten Arbeiter zurück.

Wie im gesamten Baugeschäft läuft die Realisierung etlicher Arbeitsschritte in Sotschi über Subunternehmen und Eintagsfirmen. Die halten sich mit schriftlichen Vereinbarungen erst gar nicht lange auf und prellen ihre Untergebenen oft nicht nur um den Lohn, sondern greifen auch schon mal zu physischen Abschreckungsmethoden, um die Arbeitsdisziplin zu erhöhen oder Abtrünnige von einer Anzeige abzuhalten. Business as usual, doch der Unterschied zu anderen Bauprojekten liegt in der Größenordnung und dem enormen Zeitdruck. Ungereimtheiten bei der Abwicklung aufzudecken, würde den Bau­ablauf nur unnötig stören oder in die Länge ziehen.

Das trifft insbesondere auch auf Umweltfragen zu. Von den versprochenen »grünen Standards« ist in Sotschi nichts zu sehen. Für etliche olympische Objekte wie das in Bau befindliche Zentralstadion oder den Güterhafen fehlen selbst die vom Gesetzgeber vorgesehenen Umweltgutachten. Kaum ist von Ökologie die Rede, sind die Kassen leer. Im Frühjahr hatte die russische Regierung für Umweltschutz in den olympischen Gebieten vorgesehene Gelder auf offenbar viel dringlichere Aufgaben umgelegt: Es braucht mehr Werbung für die Spiele 2014.

Grimma: Der nächste Brandis-Prozess steht an.

Am Donnerstag, den 23. Juni 2011, ab 9 Uhr gibt es in Grimma die erste Verhandlung außerhalb Leipzigs, wegen dem Übergriff auf den Roten Stern Leipzig am 24.10.2009 in Brandis. Der Rote Stern bietet eine Busfahrt an…

Die Verhandlung geht vermutlich ganztägig. Für Verpflegung wird gesorgt. Sicherheitskontrollen sind zu erwarten, daher Personalausweis nicht vergessen! Wenn ihr Zeit habt, kommt einfach mit. Die Leute sollte dort nicht alleine Aussagen müssen, zumal mit Neonazis vor Ort zu rechnen ist.

Angeklagt sind Michael W., dürfte vielen nicht nur aus Brandis bekannt sein, so war er doch auch beim Spiel in Schildau (Schildbürgerstreiche: Der RSL kommt zu Besuch; MDR 06.09.2010 – Roter Stern Leipzig “Under Attack”) und auch schon bei einigen Prozessen in Leipzig, dort hat er versucht Besucher zu provozieren und einzuschüchtern. Der Zweite angeklagte ist Stefan R. und der letzte ist Ronny R..

Achtung! Es wird davon ausgegangen, dass die Täter ihr Umfeld zum Prozess mobilisert haben.

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Sogenannte Fans!

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Theo, wir fahrn nach Eppheim!

Es war ein Sternstunde der Schauspielkunst: Theo Zwanziger, Jogi Löw, Oliver Bierhoff und Steffi Jones als Tatort-Darsteller. Unser Gastautor Peter Flore vom Musik-Magazin Intro blickt zurück auf einen grauenvollen Krimiabend.

Quelle: 11.Freunde

Die gute Nachricht vorab: Olli Bierhoff und das »Tatort«-Team sind wieder Freunde. Hatte sich unser Goldlöckchen beim letzten fußballbezogenen Fall noch bitter darüber beschwert, dass die Macher eine regelrechte Schmutzkampagne gegen seine »Familie« inszenierten, weil man sich erdreistet hatte, in einem Dialog auf den ein oder anderen Homosexuellen im deutschen Nationalteam hinzuweisen, so dürfte bereits im Vorfeld des Ludwigshafener Falls »Im Abseits« schon wieder das ein oder andere Händchen geschüttelt worden sein.

Immerhin geht es um die WM im eigenen Land, ein zweites Sommermärchen, das passenderweise auch noch per Spot vorangestellt wurde. So also durfte sich der DFB-Chefhotelbucher neben Jogi Löw, Theo Zwanziger, Steffi Jones und Celia Okoyino da Mbabi über eine gemeinsame Gastrolle freuen, die Berti Vogts‘ Brandrede »Ich rieche Gas« im Nu vergessen ließ und mit dem fulminanten »Lass uns nach Eppheim fahren!« sogar einen Satz für die TV-Ewigkeit in Stein meißelt. »Erste Pass, gleich Scheiße«, so hat Dragoslav Stepanovic einst seinen Einstand beim Trainercomeback in Frankfurt zusammengefasst – dem Drehbuch von »Im Abseits« scheint dieses Bonmot von Anfang an indes eine Art Leitmotiv zu sein.

Das Ludwigshafener Ermittlerteam Kopper/Odenthal gilt Fans ohnehin als eine Art Vorhölle, für das aus aktuellem Anlass gewählte Thema Frauenfußball hat man aber lieber gleich einen veritablen Pakt mit dem Teufel geschlossen, anders ist der Amoklauf von Eppheim im Folgenden nicht zu erklären: Kopper ist der Macho, der Frauenfußball allgemein in der (Männer-)Kreisklasse verortet. Odenthal die verständnisvolle Verfechterin, die ihre Gunst nach dem Leistungsprinzip verteilt. Manager Meingast verkörpert als moderner Fußballkaufmann alles Böse im Profigeschäft und Platzwart Rennert ist ein Fußballromantiker, dem die Seele des Sports heilig ist. Rollen also, die man nicht eindimensionaler und klischeebeladener hätte konzipieren können.

Der Amoklauf von Eppheim

Immerhin hat der Autor (Jürgen Werner, so viel Zeit muss sein) aber seine persönlichen Top 10-Fußballstereotypen unterbringen können: Vom »Trikottausch« bei den Frauen über die »Bier und Bratwurst«-Rede von Kopper bis zum Runden, das in das Eckige muss, wird alles sorgfältig abgehakt. Dazu Glückwunsch. Glückwunsch auch für all die unterschwelligen Sexismen, die man eben nur scheinbar aufdeckt, in dem man sie so wunderbar offen und ehrlich thematisiert: Im Frauenfußball, so lehrt uns die junge Deutsch-Türkin Fadime, ist es eben doch der heimliche Wunsch jeder Spielerin, die Karriereleiter zumindest so heraufzuklettern, dass man ihr von unten unter den Rock gucken kann. Aber damit wird Olli Bierhoff leben können, immerhin ging es nicht gegen seine Jungs.

Don`t fuck with the nation!

Am 22. Juni 2011 wollen wir mit Euch die Fußballweltmeisterschaft der FRAUEN diskutieren, die vom 26.Juni bis 17.Juli in Deutschland statt findet. Dafür wird Dieter Bott seine Beobachtung der Medienbilder über die nahende WM mit uns teilen. Anhand von Beispielen aus der BILD und der EMMA sollen folgende Fragen diskutiert werden: Welches Frauen- und Männerbild wird massenmedial vermittelt? Fördert das die gesellschaftliche Emanzipation, wenn Männer und Frauen „UNSEREN MÄDELS“ die Daumen drücken? Und was hat das alles mit Nationalismus zu tun?

Dieter Bott ist Hochschuldozent. 1968 gründete er das erste Anti-Olympische Komitee und formulierte schon damals linksradikale Thesen: GEGEN den SPORT – und FÜR DIE BEWEGUNGSLUST! Seit 15 Jahren wertet er täglich die BILD-Zeitung aus. Seit 30 Jahren erforscht er die Fußballfans nach Maßgabe ihres konformistischen Potentials und bildet Sozialarbeiter aus, die in gewaltförmigen und konformistischen Milieus arbeiten.

Die Veranstaltung wird präsentiert von den Naturfreunden Berlin // In Zusammenarbeit mit der Naturfreundejugend Berlin.

22. Juni 2011 // 19.00 Uhr // Tristeza Café- und Kneipenkollektiv // Pannierstraße 5 // Berlin Neukölln // Hermannplatz (U8 und U7) /// Leider gibt es in der Tristeza keine barrierefreien Toiletten. Ansonsten sind die Räume aber barrierefrei

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