Archiv für September 2011

Gewalttäter und Sozialarbeiter

Aus offiziellen Fußballkreisen hat man bisher wenig Konkretes über Ultras gehört – sie sind eine geschlossene Gesellschaft, die Vereine und Verbände überfordert.

Quelle: FAZ

Die jüngsten Schlagzeilen sind düster, mal wieder. Beim Montagsspiel der Zweiten Bundesliga zwischen Dynamo Dresden und Eintracht Frankfurt gab es peinliche und strafwürdige Rufe wie „Judenschweine“ hier und geschmacklose Transparente wie „Bomben auf Dresden“ dort. Die für den vergangenen Samstag geplante Begegnung der dritten Fußball-Liga zwischen Preußen Münster und Arminia Bielefeld ist aus Sicherheitsgründen verschoben worden.

Die Polizei war vollauf damit beschäftigt, Benedikt XVI. zu schützen, und da sollte den Beamten neben dem Papst-Einsatz nicht auch noch ein Risikospiel zugemutet werden. Die Innenministerkonferenz hatte die Verlegung beantragt. Zum Risikospiel wurde die Begegnung dritter Klasse, nachdem zwei Wochen zuvor Osnabrücker Ultras ein Duplikat der Münsteraner Ultra-Fahne in ihrem Block präsentiert hatten; ein Aufruhr brach los. 29 Menschen wurden verletzt, einige schwer. Im Fan-Block ging ein Sprengkörper hoch. „Wenn er nicht am Boden, sondern in Kopfhöhe explodiert wäre, hätte es wahrscheinlich Tote gegeben“, sagte der Leiter der Osnabrücker Polizei.

Einen Monat zuvor hatten Kölner Ultras mit einer „Ekel-Attacke“ (Bild) für Abscheu gesorgt. Sie bewarfen Schalker Anhänger mit Bechern, die sie mit Fäkalien gefüllt hatten. Am Sonntag wiederum beleidigten Schalker Ultras ihren ehemaligen Torhüter Manuel Neuer, früher als Jugendlicher selbst ein Ultra. Sein Vergehen: Er ist im Sommer zum FC Bayern gewechselt. Die Münchner Ultras wiederum wünschten Neuer zum Teufel. Bei einem geheimen Treffen mit dem Torhüter und Vereinsvertretern forderten sie zu Saisonbeginn, dass Neuer niemals Fangesänge mit dem Megafon anstimmen und das Bayern-Emblem küssen werde. (mehr…)

Der Adler kreist über Dresden.

Am Montagabend spielte der lokale Zweitligist SG Dynamo Dresden zuhause gegen den letztjährigen Bundesligsten und selbst ernannten “Randalemeister” Eintracht Frankfurt. Im Vorfeld war einiges über das Spiel berichtet worden und zahlreiche vor allem lokale Zeitungen hatten sich dem medial dankbaren Thema drohender Zuschauerausschreitungen gewidmet. Während des Spiel kam es dann, wie es kommen musste.

Nachdem die Ultras des Heimvereins zu Beginn des Spiels mit einer schon im Vorfeld bekannt gewordenen neuen 70×35 Meter großen Blockfahne die eigenen Fans auf das Spiel eingestimmt hatten, konterten einige der Gäste aus Frankfurt mit einem eigenen Entwurf der Dresdner Fahne. Darauf war die Silhouette der Stadt zu sehen, über welche der Spruch “Bomben auf Dynamo” zu lesen war. Auch während das Spiels wurden dem Anlass entsprechend immer wieder verbale Nettigkeiten zwischen den beiden Lagern ausgetauscht, die in der zweiten Halbzeit ihren vorläufigen Höhepunkt fanden. Nachdem einige Anhänger des Dresdner Vereins die Gästefans mit “Dönerverkäufer”-Rufen, Hitlergrüßen und Halbmond-Fahnen provoziert hatten, konterten diese mit lautstarken “Nazischweine” Rufen in Richtung der vermeintlichen Täter.

Das wiederum nahm der Dresdner Stadionsprecher zum Anlass, über Lautsprecher die Beendigung “rassistischer Fangesänge” einzufordern. Als Reaktion auf die Rufe der Frankfurter Fans hatten zuvor Teile der Dresdner Anhänger aus dem Fanblock mit lautstarken “Eintracht Frankfurt, Jude, Jude, Jude” Sprechchören reagiert, die jedoch zu keinem Zeitpunkt von der Mehrheit des Dresdner Blocks mitgerufen wurden.

Heute nun setzte die mediale Empörung ein. So äußerte sich Dresdens Sportbürgermeister Winfried Lehmann (55) gegenüber der BILD-Zeitung mit den Worten: “Das ist unfassbar und kopflos. Eine Verunglimpfung all derer, die die Wirren des Krieges erlebt haben.” Was war passiert? Die Fahne der Frankfurter soll, so die Boulevardzeitung weiter, eine Anspielung auf die Zerstörung der Stadt im Februar 1945 gewesen sein. Ein Meldung, die auch die Kollegen von der Sächsischen Zeitung dazu animierte, ebenfalls die Meinungen zu der eigenwilligen Interpretation des so genannten ‚Hetzplakates‘ abzudrucken. Inzwischen ermittelt sogar der DFB-Kontrollausschuss wegen der Fahne gegen die Frankfurter Eintracht.

Es steht außer Frage, dass es nicht nur in Dresden selbst, sondern auch bei Dynamo Probleme mit Nazis gibt. Dass aber eine unter Fußballfans übliche Form der optischen Auseinandersetzung mit dem gegnerischen Verein zum Anlass genommen wird, eine “sportpolitische Verfolgung des Vorfalls” einzufordern, zeigt einmal mehr, dass es politisch Verantwortlichen oftmals überhaupt nicht darum geht, sich mit der Thematik und den Hintergründen näher zu beschäftigen, sondern in Law & Order Manier drakonische Strafen auszusprechen. Denn es sollte in der Debatte über Fankultur eben nicht darum gehen, provokante Fahnen zu verbieten, sondern wie im Fall von Dynamo, konsequent gegen Antisemitismus auch am Rande von Fußballspielen vorzugehen. Ob es dazu hilfreich ist, kreative Aktionen wie von CDU-Parteifunktionär Lehmann im Anschluss an das Spiel gefordert, “mit aller Härte des Gesetzes” zu bestrafen, bleibt zumindest fraglich.

Das Spiel der beiden Mannschaften endete übrigens mit einer verdienten 1:4 Niederlage des Heimatvereins. Während die Eintracht damit sportlich einmal mehr ihre Aufstiegsambitionen unterstrich, bedeutete für Dynamo die sechste Niederlage im neunten Spiel, dass der Abstiegskampf auch in Sachsens Landeshauptstadt angekommen sein sollte. Im Anschluss an das Spiel waren nach Polizeiangaben bei Auseinandersetzungen zwischen Hooligans und der Polizei insgesamt drei Beamte verletzt und neun Personen waren verhaftet worden.

„Nazischweine“-Rufe aus dem Frankfurter Block

Die Reaktionen aus dem K-Block

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Der FC Bayern und seine Juden

Die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur hat entschieden: »Der FC Bayern und seine Juden. Aufstieg und Zerschlagung einer liberalen Fußballkultur« von Dietrich Schulze-Marmeling ist das Fußballbuch des Jahres 2011. Wir haben es gelesen und rezensiert.

Quelle: 11.Freunde

Die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur hat in diesem Jahr zum sechsten Mal den Preis für das beste Fußballbuch der Saison ausgeschrieben. Die zwölfköpfige Jury, mit Jürgen Kaube (FAZ) und Ex-Trainer Hans Meyer als Jury-Coach, wählte nun »Der FC Bayern und seine Juden. Aufstieg und Zerschlagung einer liberalen Fußballkultur« von Dietrich Schulze-Marmeling zum Fußballbuch des Jahres 2011.

Unser Autor Fabian Jonas hat das Buch in 11FREUNDE #115 bereits reszensiert. Sein Urteil:

Es ist immer wieder erstaunlich, in welcher Geschwindigkeit Dietrich Schulze-Marmeling es schafft, neue Bücher auf den Markt zu werfen. Noch erstaunlicher ist allenfalls, wie akribisch er trotz des hohen Outputs zu Werke geht. Das gilt insbesondere auch für sein neuestes Buch »Der FC Bayern und seine Juden«. Vom FC Bayern weiß man inzwischen, dass er eine entscheidende Prägung durch seinen jüdischen Präsidenten Kurt Landauer erfahren hat, der dem Verein zwischen 1919 und 1933 vorstand und, nach kurzer Haft im KZ Dachau und Jahren im Schweizer Exil, zwischen 1947 und 1951 nochmals in dieses Amt zurückkehrte. Auch der Trainer der Meistermannschaft 1932, Richard Dombi, war Jude. Zwangsläufig spielen die Jahre der NS-Herrschaft eine zentrale Rolle in Schulze-Marmelings Buch, dennoch schlägt er einen weit größeren Bogen. Minutiös zeichnet der Fußballhistoriker die Rollen nach, die jüdische Spieler, Trainer und Funktionäre ab der Gründung im Jahr 1900 beim Aufbau des bürgerlich-liberalen Vereins spielten. Anhand einer Vielzahl von Einzelgeschichten und -Porträts entwickelt Schulze-Marmeling das so facettenreiche wie bedrückende Bild eines Vereins, der mit seinen jüdischen Mitgliedern bis 1933 ganz selbstverständlich umging, sich dann lange gegen die Übernahme durch die Nazis wehrte und über seine jüdischen Wurzeln schließlich noch länger schwieg. Warum auch immer. Gut, dass Dietrich Schulze-Marmeling das Schweigen nun gebrochen hat.

»Jüdische Hure«

Wegen rassistischer Äußerungen in einem Youtube-Video wurde ein 18-jähriger Spieler vom österreichischen Bundesligisten SC Wiener Neustadt freigestellt. Bei dem Knaben handelt es sich um ein einstiges Wunderkind: Nikon El Maestro, der bereits für Schalke 04 spielte.

Quelle: 11.Freunde

Es war kein schöner Abend für Amy Winehouse am 20. Juni, beim letzten Konzert vor ihrem Tod. Die Soul-Diva war nach einer wieder mal völlig verkorksten Performance in Belgrad vom Publikum von der Bühne gepfiffen worden. Den desaströsen Auftritt begriff die amerikanische Talkmasterin Chelsea Handler als Steilvorlage, um in ihrer Late-Night-Show »Chelsea Lately« gestandene drei Minuten über das serbische Volk herzuziehen. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Auf Youtube gibt es inzwischen eine stattliche Anzahl von Hassvideos serbischer Mitbürger über die zweifelhaften Aussagen der Talkmasterin. Mit dabei: Nikon El Maestro, einstiges Jahrhunderttalent im Weltfußball, heute in Diensten des österreichischen Bundesligisten SC Wiener Neustadt.

Der 18-Jährige Mittelfeldspieler mit englischem und serbischem Pass hat sich seit einiger Zeit einen Youtube-Kanal eingerichtet, auf dem er eigene Rapvideos veröffentlicht. »Get rich or die tryin’« heißt sein Lebensmotto. Dass es sich dabei nicht gerade um Schmuse-HipHop handelt, braucht da wohl kaum erwähnt zu werden.

Rassistische und antisemitische Inhalte

Bei seinem popkulturellen Beitrag über Chelsea Handler vergriff er sich jedoch derart in der Wortwahl, dass er vom Verein jetzt freigestellt wurde. »Das Video beinhaltete leider Gottes rassistische und antisemitische Bemerkungen des Spielers«, so ein Sprecher des Vereins. »Der Text ist aber auf Englisch und Serbisch, muss erstmal sachgemäß übersetzt werden, bevor wir entscheiden, wie es weitergeht.« Wie eine Nachrichtenagentur berichtet, soll er Handler »jüdische Hure« genannt haben. Den kontroversen Clip hat der Spieler mittlerweile entfernt.

Dabei weist die Vita von Nikon El Maestro durchaus interessante Züge auf: Eigentlich unter dem Namen Nikon Jevtic geboren, ließ er sich im Kindesalter zusammen mit seinem zehn Jahre älteren Bruder Nestor in »El Maestro« (der Meister) umbenennen. »Ich fand die Künstlernamen der Brasilianer immer super, obwohl meine Eltern damals sauer waren« begründet Nestor den ungewöhnlichen Namenswechsel.

Weil es selbst nicht zur großen Karriere reichte, sollte sein jüngerer Bruder wenigstens den Durchbruch schaffen. Nestor agierte als Personal-Trainer von Nikon, erstellte Trainingspläne und dokumentierte die Fortschritte. Mit offensichtlich großem Erfolg: Schon früh galt Nikon als Jahrhunderttalent. Bereits mit zehn Jahren konnte er den Ball tausend Mal hochhalten. Alles war auf eine Profilaufbahn ausgelegt. Es folgten Angebote von Real Madrid und Barcelona. Der Rohdiamant ging schließlich zum FC Valencia.

Slomka hält große Stücke auf El Maestro

Die Brüder gab es aber vorerst nur im Doppelpack. Während Nikon die Jugendmannschaften aufmischte, war Nestor Technik-Trainer bei der Ersten von Valencia. Auch in Deutschland blieben die beiden nicht unbemerkt. 2006 holte Mirko Slomka den damals gerade erst 23-jährigen Nestor in seinen Trainerstab zu Schalke 04. Auch wenn man dort über die Verpflichtung des Jungtrainers etwas irritiert war, rieb man sich schon eifrig die Hände, schließlich hatte der gebürtige Serbe seinen jüngeren Bruder Nikon im Gepäck dabei, das große Talent, das fortan zusammen mit Julian Draxler die Schalker U-Mannschaften durchlief.

Als Mirko Slomka in Schalke gefeuert wurde, musste auch Nestor gehen. Doch Slomka holte ihn bei Hannover 96 sofort wieder in den Trainerstab, wo er bis heute Freistöße, Flanken und Dribblings trainieren lässt, außerdem als ausgewiesener Taktik-Experte gilt. An diesem Punkt trennten sich die Wege des Brüderpaars. Nikon ging zu Austria Wien und wurde vor der laufenden Saison vom SC Wiener Neustadt verpflichtet, um langsam an die Seniorenmannschaft herangeführt zu werden und Bundesligaerfahrung zu sammeln.

Die Abwesenheit seines fürsorglichen Bruders hat ihm offensichtlich nicht gut getan. Vielleicht waren die Erwartungen an ihn seit seiner Kindheit auch viel zu hoch. In der laufenden Saison kam er noch nicht zum Einsatz. Die verheißungsvolle Karriere könnte ein jähes Ende nehmen, bevor sie überhaupt begonnen hat. Seine Gangstar-Raps auf Youtube sind hingegen weiterhin zu sehen.

„Sport, der die Arbeiter befreit“

In der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg existierte in Europa eine eigenständige Arbeitersportbewegung, die insgesamt drei Arbeiterolympiaden durchführte. In den meisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts populären Sportarten fanden sich Arbeitersportvereine, die in eigenen Verbänden organisiert waren und eigene Meisterschaften austrugen. Von 1913 an schlossen diese sich in der Confédération Sportive Internationale du Travail (CSIT) mit Sitz in Belgien zusammen, die internationale Veranstaltungen organisierte.

Der Ursprung des organisierten Arbeitersports liegt nicht zuletzt in der Ausgrenzung durch bürgerliches Vereinswesen begründet: Arbeitern war zumeist die Mitgliedschaft verwehrt, nicht selten ausdrücklich durch die Satzung. Auch Frauen war zunächst der Beitritt zu bürgerlichen Sportvereinen unmöglich; so sperrte sich etwa Pierre de Coubertin, Begründer der modernen Olympischen Bewegung, vehement gegen die Beteiligung von Frauen an den Spielen. Es blieb gar nichts anderes übrig, als eigene Vereine zu gründen. In Deutschland entstanden erste Arbeiterturnvereine Anfang der 1890er Jahre, die ersten Frauensportriegen um 1895. Mit der zunehmenden Begeisterung für den Fußball nahm auch der Arbeitersport einen Aufschwung, und Mitte 1919 wurde schließlich der Arbeiter-Turn- und Sportbund (ATSB) als Dachverband gegründet. (mehr…)

Justiz-Jeopardy in Bremen.

Bremen, die kleine Großstadt in Norddeutschland. Schön gelegen am Fluss, überschaubare Stadtteile und Nachbarschaften, ein überraschend guter Fußballverein. Und hier passiert folgendes: Es hat sich eine gewalttättige Auseinandersetzung zugetragen. Das Ereignis ist inzwischen viereinhalb Jahre her, aber bekanntlich mahlen die Mühlen der Justiz langsam. Noch langsamer, wenn die Stadt, die die Mühlen bezahlt, so gut wie pleite ist. Und insbesondere dann, wenn der Schauplatz des Vorfalls eine Party mit über 100 Gästen war. Die müssen alle erstmal befragt werden, und dann bestehen sie auch noch darauf, alle vor Gericht gehört zu werden.

Das Verfahren beginnt also endlich, wenn auch ohne den Staatsanwalt. Der ist zwar angeblich der beste der Stadt und wurde deshalb für dieses komplizierte Verfahren eingesetzt, aber er ist im Urlaub, angeblich für drei Wochen. Gut, dann wird er halt vertreten, von einem unerfahrenen Kollegen. Das ist nur angemessen, denn immerhin findet der Prozess auch nicht wie ursprünglich geplant vor dem Land-, sondern vor dem Amtsgericht statt. Die aufgrund von Zeugenaussagen vorgeladenen sieben Tatverdächtigen haben ihre Anwälte aber schon gebucht, jeder einen, und da es hochspezialisierte Anwälte sind, behalten sie diese auch. Und sie machen in ihrem Sinne gute Arbeit: Sie sagen: “Wenn ihr 60 Zeugen hören wollt, laden wir 100 ein.” Das imponiert freilich dem Richter, den dieses ganze Riesenverfahren ohnehin nur stresst, er schlägt eine einfache Lösung vor: Die ganzen Zeugen können zu Hause bleiben, die Täter sagen, dass sie Täter sind und zahlen jeweils Geldstrafen. Diejenigen, über die die Akten nichts sagen, dürfen sich noch einmal bewähren. Die to-be-Geständigen grinsen, und der Staatsanwalt ist auch einverstanden. Immerhin hat er ja nicht viereinhalb Jahre auf diesen Prozess hingearbeitet, sondern der Kollege, der sich die Sonne auf den Bauch scheinen lässt. Also: Subjektive Wichtigkeit des Riesenverfahrens für die Opfer hin oder her – die Beteiligten des Verfahrens einigen sich auf den Deal. (mehr…)

Italien droht neuer Wettskandal

Italiens Fußball scheint vor einem neuen Manipulationsskandal zu stehen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sollen über 150 Fußballspiele manipuliert worden sein. Eine der weltweit größten Mafiaorganisationen gerät in den Fokus der Ermittlungen

Quelle: SPON

Das interne Dokument der Staatsanwaltschaft Neapel, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, liest sich wie ein schlechtes Hollywood-Drehbuch. Der Sondereinheit „Golden Goal 2″ soll demnach am Freitagmorgen mit einer landesweiten Razzia ein großer Schlag gegen das organisierte Verbrechen und die Wettmafia gelungen sein.

In den zahlreichen durchsuchten Häusern und Gebäuden, die allesamt der größten italienischen Mafiaorganisation, der Camorra, zugerechnet werden, soll „ein größerer Millionenbetrag“ sichergestellt worden sein. Oberstaatsanwalt Rosario Cantelmodie bestätigte, dass es verdächtige Spiele gibt.

Die Ermittler vermuten, dass die Camorra, der neapolitanische Arm der Mafia, mehrere Spiele in den unteren Ligen manipuliert hat. Im Rahmen der Ermittlungen wurden am Freitag acht Mafiosi festgenommen, zudem wurden zwei Wettbüros im Raum Neapel durchsucht, Unterlagen wurden beschlagnahmt.

Das Geld soll demnach aus verschobenen Spielen stammen. „Etwa 150 Fußballspiele, zumeist aus tieferen Ligen, aber auch einige aus der Serie A wurden dafür manipuliert“, heißt es in dem Dokument. Um welche Spiele es sich dabei handelt, welche Spieler darin involviert sind und ob der sichergestellte Geldbetrag tatsächlich ein Euro-Betrag ist, steht zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest.

Das polizeiliche Dokument, erstellt von einer Sondereinheit aus Torre Annunziata, die seit 2008 zu Manipulationen im Fußball ermittelt, verweist aber darauf, dass die gefixten Spiele „dem Zwecke der Geldwäsche für die Camorra“ gedient haben sollen. Demnach wurden Wettbüros in Neapel, Gragnano, Pimonte und Rimini benutzt, um die hohen Wettsummen in Umlauf zu bringen. Ein prominenter englischer Wettanbieter soll diese Summen dann im asiatischen Wettmarkt eingesetzt haben.

Das Dokument der Ermittler führt an, dass zwei Familienclans im Auftrag der Camorra für die Bestechungen der Fußballmannschaften gesorgt sowie anschließend auch die Geldflüsse in den jeweiligen Wettbüros kontrolliert haben.

Bereits im Mai wurde Italien von einem landesweiten Manipulationsskandal erschüttert. Damals nahm die Staatsanwaltschaft Cremona über 30 Personen fest, darunter auch den ehemaligen italienischen Fußballprofi Giuseppe Signori . Dieser wurde vor einigen Wochen vom italienischen Fußballverband mit einem fünfjährigen Fußballverbot belegt. Es wird erwartet, dass gegen die damals festgenommenen Personen in einigen Wochen Anklage erhoben wird.

Only a Leutzscher is a German?

Nur ein Leutzscher ist ein Deutscher“ bleibt bei der SG Leipzig-Leutzsch ein wichtiger Teil des eigenen Selbstverständnisses. Daran haben die Vorfälle im Spiel gegen den Roten Stern Leipzig und die Reaktionen von engagierten Fans, Medien und Politik nichts geändert.

Die SG Leipzig-Leutzsch hat ein Nazi-Problem
, das die Vereinsführung nicht für ein solches hält. Nach dem Skandalspiel gegen den Roten Stern Leipzig (RSL) wollte Vorstand Jamal Engel statt rassistischer Fanchöre eine gute Stimmung vernommen haben. Als die gut dokumentierten Vorfälle schrittweise öffentlich wurden, sollen es laut Engel dann plötzlich die Gästefans gewesen sein, die das Fehlverhalten der eigenen Anhänger provoziert hätten. Engel drohte dem RSL sogar mit rechtlichen Schritten. Als sich dann jedoch das Rathaus und sogar der Sächsische Fußball-Verband einschalteten, wurde die SGLL-Führung kleinlauter.

Soweit, so bekannt. Doch wer nun denkt, dass in dem einen oder anderen Leutzscher Holzkopf ein Umdenken stattfindet, täuscht sich offenbar. Zum letzten Heimspiel gegen Oberlausitz Neugersdorf ging die SGLL-Führung – wenn auch vorerst in kleiner Öffentlichkeit – erneut in die Offensive. Im Vorwort des aktuellen Programmhefts hat der Vorstand einen weiteren Versuch unternommen, die Vorwürfe zu bagatellisieren. Im Folgenden dokumentiere ich den Beitrag Satz für Satz und von Anfang bis Ende – nicht ohne mir den Kommentar zu sparen.

Der Fußball zeigt der Gesellschaft wieder einmal sein hässliches Gesicht.

Ein vielversprechender Einstieg, der aber …

In Wirklichkeit drückt aber die Gesellschaft dem Fußball ihr hässliches Gesicht auf. Dass der Fußball nur noch wenig mit Fußball zu tun hat, liegt insofern am Fußball, als dass er meint, mehr sein zu müssen als „nur Fußball“.

… bereits mit dem zweiten und dritten Satz Verwirrung stiftet. Eine eigenwillige Dialektik, die statt Antworten zu geben Fragen aufwirft. Ist das eine Coverversion von „Die Anderen sind Schuld“? Die LP mit diesem Song ist populär, wird von den Plattenlegern in den Verbänden hoch und runter gespielt. Die Botschaft oszilliert zwischen dem naiven ‚Politik‘ hat im Stadion nichts zu suchen und dem fatalistischen Das ist halt Fußball.

Auch in Absatz zwei wird rege philosophiert.

Fußball ist und war noch nie die Ursache sozialer Gewaltausbrüche. Weder macht die Abseitsregel Fußballfans zu Rechtsradikalen, noch führen politisch unkorrekte Fangesänge dazu, dass ein aufrechter Bürger nach dem Abpfiff zur Eisenstange greift.

Steilpass! Ich weiß nicht, was die Abseitsregel und der aufrechte Bürger in dieser Diskussion zu suchen haben. Beides scheint es bei der SGLL nicht zu geben – denn Nazis stehen dort nicht im Abseits, sondern augenscheinlich mittendrin.

Wut, Frustration und daraus entstehende blinde Gewaltbereitschaft sind gesellschaftiche Probleme, und sie nehmen unterschiedliche Formen an – eine davon findet im Fußballkontext statt. Der Fußball kann aber Probleme nicht lösen, die er nicht verursacht hat.

Da sind sie wieder, die Anderen. Der Brennglaseffekt in der anonymen Kurve – noch nie gehört. Das Fußballstadion als Rekrutierungsfeld für Neonazis – nicht zu glauben. Soziale Verantwortung von Fußballvereinen – Fehlanzeige. Bemerkenswert, dass es angesichts dieser Erkenntnisse Vereine gibt, wo Nazi-Folklore nicht zum Alltag gehört.

Als würde das nicht alles schon reichen – es bleibt noch ein Schlusswort, das es in sich hat.

Thank you, merci, tak, köszönöm! Jetzt haben es wirklich alle mitbekommen. Die Strategie ist nicht neu, aber weiterentwickelt: Bloßes, pervertiertes Wiederholen ein und derselben Parole allein reicht noch nicht. Denn Rassismus und Nationalismus funktioniert auch auf ausländisch.

In diesem Sinne: With angels one plays not.

Mit herzlichem Dank an den Hinweisgeber und Quellenlieferant.

[via]

Ladys‘ Night bei Fenerbahce

Männer müssen leider draußen bleiben: Der türkische Fußball-Verband geht mit besonderen Maßnahmen gegen Fan-Ausschreitungen vor. Top-Club Fenerbahce Istanbul muss zwei Heimspiele ohne die Unterstützung männlicher Anhänger austragen – der Stimmung im Stadion hat das nicht geschadet.

Quelle: SPON

41.000 begeisterte Fans jubelten, sangen und litten am Dienstagabend auf den Rängen des Sükrü-Saracolu-Stadion mit ihren Teams Fenerbahce und Manisaspor. 1:1 trennten sich die Mannschaften am 3. Spieltag der türkischen SüperLig. Ein Eigentor, eine Gelb-Rote Karte, sonst gab es keine besonderen Vorkommnisse – zumindest nicht auf dem Platz.

Doch auf den Rängen sah es ganz anders aus als sonst: Männliche Fans beider Mannschaften hatten an diesem Abend Stadionverbot, nur Frauen und Mädchen sowie Jungen unter zwölf Jahren durften auf die Tribüne. Grund sind die zahlreichen Ausschreitungen der (sonst meist männlichen) Fans in der vergangenen Ligasaison. „Das ist schon ein Stück Fußballgeschichte“, sagte Fenerbahces Trainer Aykut Kocaman vor dem Anpfiff der Partie.

Im Juli dieses Jahres wurde Fenerbahce vom türkischen Fußballverband noch mit zwei sogenannten „Geisterspielen“ – also Spielen ohne Zuschauer – bestraft, nachdem seine Fans während des Freundschaftsspiels gegen Schachtjor Donezk das Feld gestürmt hatten . Doch der Verband änderte nun die Bestimmungen, indem er Frauen und Kindern den freien Zutritt gewährt.

Fans stehen stundenlang für die 27.000 Freikarten an

So hatte Fenerbahce Istanbul am Dienstag 27.000 Freikarten für das Heimspiel gegen Manisaspor an Frauen und Kinder verteilt. Lange Schlangen hatten sich schon tagsüber vor den Kartenhäuschen am Stadion gebildet.

Fenerbahce muss noch ein weiteres Spiel ohne männliche Fans absolvieren. Auch andere Erstligisten sind von der Regelung betroffen, nachdem es in der Vergangenheit zu Ausschreitungen ihrer Anhänger gekommen ist. So haben am Mittwoch bei den Partien Karabükspor gegen Galatasaray, Antalyaspor gegen Mersin dman Yurdu, Eskiehirspor gegen Gençlerbirlii und Samsunspor gegen Trabzonspor ebenfalls nur Frauen und Kinder Zutritt.

Neben den Problemen mit gewaltbereiten Fans hat Fenerbahce derzeit noch ein großes Problem: Der Club steht im Mittelpunkt der Ermittlungen zum Wett- und Manipulationsskandal in der Türkei. Insgesamt 30 Spieler und Funktionäre waren in den vergangenen Wochen und Monaten im Zusammenhang mit der Affäre in Haft genommen worden, darunter auch Fenerbahce-Clubchef Aziz Yildirim.

Money, Money, Money…

Nach den Vorstellungen der Deutschen Fußball Liga (DFL) soll der neue Fernsehvertrag im deutschen Profifußball bis Ende der laufenden Saison abgeschlossen werden. Dabei plant die DFL demnach bei der Ausschreibung der TV-Rechte auch Varianten, die keine Berichterstattung von den Samstagspielen vor 20.00 Uhr im frei empfangbaren Fernsehen vorsehen. Derzeit sendet die ARD ab 18.30 Uhr in der Sportschau die ersten Bilder vom Spieltag im frei empfangbaren Fernsehen.

DFL-Chef Christian Seifert äußert sich wie folgt dazu: „Damit sprechen wir uns nicht gegen die Sportschau aus. Die ARD muss sich aber dem Wettbewerb stellen…“. Man hofft insgesamt auf höhere Einnahmen aus dem Verkauf der TV-Rechte als zuletzt (412 Millionen Euro pro Jahr). Das diese Zeche am Ende der Endverbraucher bezahlt, dass kann als gesichert gelten…