Archiv für Oktober 2011

Ideologischer Bildersturm!

Ein kluges Wort, schon ist man Kommunist. So jedenfalls lässt sich die Reaktion von Dr. Sieghard Below sowie einigen anderen Kommentatoren im Internet missverstehen. Ihre Argumente, gegen die Initiative den Friedrich Ludwig Jahn Sportpark im Prenzlauer Berg umzubenennen, sind weder besonders originell, noch stichhaltig. Sie sind der verzweifelte Versuch etwas zu retten, was schon längst nicht mehr zu retten ist. Ein Beispiel:

Jahn ist eine ambivalente Person, die anfällig für nachhistorische Betrachtungen ist“, erklärt er. „Seinen Nationalismus und radikalen Franzosen- und Judenhass muss man auch als Überreaktion seiner Zeit verstehen.“ Eine kritische Diskussion Jahns sei zwar wichtig, einen ideologischen „Bildersturm“, der Jahns Verdienste um die Gründung der deutschen Turnerschaft und der deutschen Burschenschaft ausklammere, halte er aber für unausgewogen.

Er, das ist der Sportsoziologe Dr. Sieghard Below. Und er ist nicht allein. Seine Söhne im Geist sind ebenfalls daran interessiert den befürchteten ideologischen Bildersturm zu verhindern:

Rechte Gedanken? Wie unhistorisch. Turnvater Jahns Ziel war die Bürgerkinder für den Befreiungskampf von napoleonischer Besetzung fit zu machen. Natürlich muss man ein Volk um eine nationale Idee einen (Polen läßt grüßen), wenn man Besatzung und Fremdherrschaft beenden will. Außer natürlich man findet Besatzung und Fremdbestimmung für die Deutschen das beste Regime!

Wir lernen: Jahn wusste wie man die deutsche Nation fit machen musste, dass bei dieser nationalen Fitnessübung nun Juden, Zigeuner und Schwule explizit ausgeschlossen wurden, war nur ein bedauernswerter Kollateralschaden (Polen läßt grüßen). Aber wie man überall nachlesen kann, ist das alles auch irgendwie schon ganz lange her…

Es ist immer Problematisch wenn man die moralischen Standards verschiedener Zeiten vermischt. 1808 ist eben nicht 2008 und auch nicht 1938. (38 ist sogar näher an heute als an 1808) Damals waren andere Zeiten. Da kann man auch die Statuen von Friedrich dem Großen abschrauben. Er war zwar für Religionsfreiheit, aber Juden fand er nicht so toll.

Daher sollte man das immer in Bezug setzen. Ohne Zeitbezug ist die Kritik haltlos. Den jenigen die glauben es gibt Werte die ohne Zeitbezug stimmen, muss ich wiedersprechen. Es wäre romantisch wenn es die Gäbe, ist es aber nicht.

PS: Vor 50 Jahren, und vor 100 erst recht, war es normal seine Kinder zu schlagen. Ich fordere auf alle entsprechenden Straßennamen umzubenennen.

Wie das mit dem Jahn im einzelnen ist, sei dahingestellt, aber man muss es im Kontext sehen. Und 1808 ist eben extrem lang her.

Moralische Standards haben also Mindestlaufzeiten und der Fall Friedrich Ludwig Jahn ist quasi verjährt. Vergessen wir die französische Revolution, lasset uns alle Straßennamen nach verbohrten alten Rassisten umbenennen, sie waren ja nur die Opfer ihrer Zeit.

Im Sinne einer umfassenden Bewältigung der jüngeren deutschen Turngeschichte plädiere ich für eine Umbenennung in „Ernst-Thälmann-Sportpark“, alternativ auch „Che-Guevara-Park der Freundschaft“.

Das dürfte doch im Sinne der Initiatoren vom Verein „Roter Stern Nordost Berlin“ sein, nehme ich an? Die dortigen „Sportler_innen“ zumindest scheinen – so man der Netz-Präsenz glauben darf – mindestens so viel Zeit mit obskrurem „Anti-Rassismus“ wie mit Fußball zu verbringen.

Eine Schande dieses rote Pack! Anstatt die ganze Zeit den Acker umzupflügen wie einst die deutschen Helden, lesen sie die Bücher der Aufklärung. Und dabei haben sie auch noch festgestellt, dass womöglich alle Menschen gleiche Rechte haben, egal ob sie nun aus Sachsen oder Äquatorialafrika kommen. Lustigerweise steht in einigen dieser Büchern auch, dass Fußball eigentlich aus England kommt und von deutschen Turnern nun überhaupt nicht gemocht wurde. Aber wen stören schon die Fakten?

Woher will der Gründer der Iniative Alexander Jahns (!) denn wissen, dass Turvater Jahn nicht schwul war und sich deshlab eher mit jungen Männer als mit Frauen umgeben wollte ?

Woher will der Jahns das nur wissen? Möglicherweise, es ist nur eine verrückte Idee, hat er es in schlauen Bücher nachgeschlagen, neumodisch ausgedrückt, damit die netzaffine Gemeinde es auch versteht: er hat es auf Wikipedia gegoogelt!

„Ob Kurden, Kosovaren, serbische Kosovaren, Abchasier, Tibeter; alle dürfen zumindest Verständnis aufbringen, nur wir Deutsche seit 1945 eben nicht mehr. Dass jetzt gerade im Sporttreiben der Keim für Zwietracht gesehen wird ist ein Witz!!!“

Humor ist wenn man trotzdem lacht.

PS: Die hier zitierten Kommentare wurden nicht aus rechten Foren gefischt, sondern sie sind entweder aus dem Kommentarbereich der taz oder von Endstation Rechts.

»Das ganze Stadion schrie: Ausländer raus!«

In 106 Bundesligaspielen für Borussia Dortmund lernte der Türke Erdal Keser nicht nur die schönen Seiten des Fußballs kennen. Im Interview spricht der heutige Europakkordinator des türkischen Verbandes über »Ausländer raus«-Rufe und Integration.

Quelle: 11.Freunde

Mit zehn Jahren zog Erdal Keser mit seiner Familie nach Hagen, wo sein Vater zuvor der Arbeit wegen hingezogen war. Heute lebt Keser noch immer dort. »Aus der Weltstadt Hagen kommt man nicht weg«, sagt er mit einem Grinsen im Gesicht. In seiner Funktion als Europakoordinator des türkischen Fußballverbandes ist er aber dafür verantwortlich, türkischstämmigen Talenten das Land ihrer Ahnen schmackhaft zu machen. Wir sprachen mit ihm über Integration, Rassismus und Rangeleien mit dem DFB.

Erdal Keser, wie war es, als Ausländer nach Deutschland zu kommen?

Erdal Keser: Ich bin die zweite Generation, mein Vater hat die Familie nachgeholt. Ich habe kein Wort Deutsch gesprochen, als ich ankam. Aber nach den ersten sechs Monaten konnte ich mich ausdrücken, weil ich die Sprache sprechen musste. Damals gab es noch nicht an jeder Ecke Landsleute. Das hatte für mich den Vorteil, dass ich umso schneller Deutsch lernen musste.

Welche Rolle hat der Fußball bei Ihrer Integration gespielt?

Erdal Keser: Ich war immer mit den Jungs vom SSV Hagen unterwegs und hatte meinen Anteil am Erfolg. Dadurch wurde ich schnell in die Gemeinschaft aufgenommen. Ich weiß nicht, wie es gewesen wäre, wenn ich fußballerisch nicht so sehr begabt gewesen wäre.

Haben Sie sich als Exot gefühlt?

Erdal Keser: Es gab vor mir einige Türken in der Bundesliga, aber es waren nicht besonders viele. Damals durfte man ja ohnehin maximal nur zwei Ausländer in der Mannschaft haben. Daher war es schon etwas besonderes, überhaupt in der Bundesliga zu landen. Weil Fremde so selten waren, waren automatisch die Augen auf uns gerichtet.

Was meinen Sie?

Erdal Keser: Bei Auswärtsspielen hat noch das ganze Stadion »Ausländer raus!« gerufen. Das war ganz normal, niemand hat sich daran gestört. Und umso mehr hat man sich natürlich auch als Ausländer gefühlt.

Wie sind Sie damit umgegangen?

Erdal Keser: Diese Rufe haben mich aber nur motiviert. Wenn ich auswärts getroffen habe, bin ich danach in die gegnerische Kurve gelaufen und habe Handküsschen verteilt.

Wie war es bei den eigenen Fans?

Erdal Keser: Ich war schon beliebt, weil ich auch Spiele entscheiden konnte. Aber ich wurde immer mit einem anderen Maßstab beurteilt. Ich musste besser sein als die Deutschen. Wenn ich durchschnittlich gespielt hatte, war ich schlecht.

Was war es für ein Gefühl, wenn sich die BVB-Fans gegnerischen Spielern gegenüber rassistisch geäußert haben?

Erdal Keser: Wenn ich am Ball war, war Ruhe. Aber bei den anderen wurden Ausdrücke benutzt, die man heutzutage gar nicht mehr verwenden kann. Das war nicht angenehm, zum Glück hat sich das geändert. Heutzutage kennt man das gar nicht mehr, weil der DFB eine super Offensive gestartet hat. So wurde den Zuschauern Zivilcourage beigebracht. Hass und Rassismus sind in den deutschen Stadien nicht mehr zu erkennen.

Hat sich für Sie später jemals die Frage gestellt, für welche Nationalmannschaft Sie auflaufen wollen würden?

Erdal Keser: Theoretisch hätte ich auch den deutschen Ausweis bekommen können. Aber zu meiner Zeit war das noch kein Thema. Ich bin in der Türkei geboren, das ist mein Vaterland. In Deutschland habe ich mich als Gast gefühlt.

Mittlerweile sind Sie als Europa-Koordinator des türkischen Fußballverbandes tätig…

Erdal Keser: Es geht darum, Talente zu sichten, die wir den Nationalmannschaften zuführen. Dabei geht es nicht nur um Deutschland. Wir haben auch viele Landsleute in Österreich, in der Schweiz, in Holland, England, Belgien und Schweden, die von unseren Scouts gesichtet werden. Den Talenten, die gerne für ihr Vaterland spielen würden, ebnen wir den Weg.

Wie sieht Ihre Tätigkeit konkret aus?

Erdal Keser: Ich sichte Spiele in ganz Europa, studiere Spielanalysen und sichte die Formgrafiken der Spieler. Das fängt bei den 13-Jährigen an und geht bis zur A-Nationalmannschaft.

Schmerzt es Sie, dass bei der U17-WM ein Drittel der deutschen Nationalmannschaft türkischstämmig war?

Erdal Keser: Jeder Spieler trifft seine eigene Entscheidung, und die muss man respektieren. Einige von den Jungs haben mir aber gesagt: ‚Wir sind ja nie gefragt worden, sonst hätten wir auch für die Türkei gespielt.’ Um diese Aussagen künftig zu vermeiden, sprechen wir die Spieler wieder an. Wir wollen ihnen vermitteln, dass unsere Tür offen steht.

Wird es mittlerweile schwieriger, Spieler für die türkische Nationalmannschaft zu begeistern?

Erdal Keser: Natürlich, wir reden von der dritten, fast schon vierten Generation von Einwanderern. Diese Jungs sind immer im Zwiespalt, wohin sie sollen. Die Familie spricht auch noch gerne mit, das ist nicht leicht. Aber wenn mir einer sagt: »Ich fühle mich hier wohl und will für Deutschland spielen«, dann akzeptiere ich das und freue mich, wenn er ein guter Fußballer wird. Der Beste wird sich in beiden Nationalteams durchsetzen. Er soll sich einfach für das Land entscheiden, für das sein Herz schlägt.

Gibt es eine Tendenz, dass sich die jüngeren Spieler eher für Deutschland entscheiden?

Erdal Keser: Wenn man das mit meiner aktiven Zeit vergleicht, ist das mit Sicherheit so. Weil aus dem deutschen Jugendlager nicht mehr so viel nachkommt, hat der DFB den richtigen Weg eingeschlagen und ist in die Internationalisierung gegangen. Das betrifft nicht nur türkischstämmige Jungs, sondern auch sehr viele Serben, Kroaten, Ghanaer und andere Nationalitäten. Diese neue Generation fühlt sich hier wohl und identifiziert sich mit Deutschland, daher ist das doch in Ordnung.

Der DFB ist nicht begeistert davon, dass Talente von Ihnen abgeworben werden…

Erdal Keser: Es wird ja niemand abgeworben. Ich sag das mal ganz offen: Der DFB hat es ebenso wie der englische oder der österreichische Fußballverband zu akzeptieren, wie sich die Spieler entscheiden. Matthias Sammer ist mal ein bisschen persönlich geworden, aber ich sehe die Sache sehr nüchtern: Die Entscheidung steht jedem Spieler frei. Aber jeder Verband hat das Recht, die Spieler zu fragen. Der DFB sieht das wohl anders.

Was meinen Sie?

Erdal Keser: Es kam auch schon vor, dass Jungs vom DFB zu Sichtungslehrgängen eingeladen werden, obwohl wir sie schon vorher nominiert hatten. Das akzeptieren wir ja auch.

Sind Sie bei einem Spieler besonders stolz, dass Sie ihn für die Türkei gewinnen konnten?

Erdal Keser: Da gibt es schon einige. Aber ich möchte niemanden hervorheben, schließlich sind alle wertvolle Spieler. Und eins möchte ich mal feststellen: Es macht mich immer stolz, wenn Spieler mit türkischen Namen erfolgreiche Fußballer werden – egal, für welches Land sie sich entschieden haben.

Wo würde die deutsche Nationalmannschaft stehen, wenn man nicht die Spieler mit Migrationshintergrund dabei haben würde?

Erdal Keser: Die U17 wäre sicher nicht bis zur WM gekommen. Und auch bei der A-Nationalmannschaft hat schon fast die Hälfte ausländische Wurzeln. Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Anteil in den nächsten Jahren auf 70 Prozent steigt.

Sie haben Ihr halbes Leben in Hagen verbracht. Fühlen Sie sich immer noch als hundertprozentiger Türke?

Erdal Keser: Mittlerweile war ich zeitlich genau eine Hälfte in Deutschland, die andere in der Türkei. Hälfte, Hälfte – so fühle ich mich auch.

Borna bleibt unterirdisch.

Wenn mensch von den Erfahrungen von Spielen des Roten Stern Leipzig ausgeht, gibt es nirgendwo ein so gutes U-Bahnnetz wie in Sachsen. Hier kann ganz bequem von Connewitz/Leipzig bis nach Auschwitz gefahren werden. Von so vielen fleißigen Menschen wie sie im Leipziger Umland zu finden sind, kann in Leipzig nur geträumt werden, die eine “U-Bahnlinie” an der hier seit Jahren gebaut wird, sie wäre mit diesen Engagierten längst fertig und hätte mehr Stationen.

Beim Bezirksligaspiel des Bornaer SV 91 am vergangenen Sonnabend gegen Roter Stern waren sie wieder zu hören, die Rufe der U-Bahnbauer, garniert mit “Roter Stern, Jude, Jude Jude”, “Ob Ost ob West, nieder mit der Roten Pest” und das übliche was den Trägern von T-Shirts mit Aufschriften wie frei, sozial, national, “1.FC Hooligan vs. Sachsenstube 2:0″, “Eine (nationale) Jugend rebelliert” usw., alles einfällt. Aber die wieder mal mit einem Großaufgebot vertretende Polizei wusste wie so oft, wer das eigentlich Problem ist und die Politik ins Stadion bringt. So wurden alle Fans des Sterns streng kontrolliert und mussten zum Teil sogar ihre Schuhe ausziehen. Einige Banner durften auch nichts ins Stadion, weil sie angeblich (zu) politisch seien und der nette Beamte, der dort das sagen hatte, sich sicher ist: “Fußball ist unpolitisch!”. Wie oft dieser Blödsinn noch argumentativ widerlegt werden muss, bleibt ein ewiges Rätsel, aber auch die Polizei wird in seinen Augen keine politische Institution sein und ist natürlich auch gänzlich unpolitisch. Auch eine Israel-Fahne musste draußen bleiben, “sind wir hier doch nicht bei einem Länderspiel”. Komisch nur, dass die Fahne bei dem was sich der Rote Stern immer anhören muss eigentlich nur folgerichtig ist, sind die Sterne doch angeblich alles Juden.

Auch das Banner Love Football – Hate Facism musterte der Beamte der Spezialabteilung Politische-Haltung-Am-Einlass-abgeben mit Sorge und beschied “zu politisch”. Antifaschismus, im Grundgesetz verankert, von DFB Präsident Theo Zwanziger klar unterstützt – ein Mindestmaß für menschliches Zusammenleben. Der Chemnitzer Bereitschaftspolizei geht das am Arsch vorbei.

Das die antirassistischen Bemühungen des DFB im Sächsischen Landesverband ignoriert werden und allzu oft mit Argwohn bedacht werden, ist nicht nur hier unzählige mal dokumentiert worden. Und die sächsische Polizei reiht sich hier mühelos ein. Aber damit stehen sie nicht alleine.

Wie auch beim Hallenturnier in Beilrode wurde das Banner mit dem Elefanten der sich über ein Hakenkreuz erbricht, wegen eben diesem zuerst verboten. Das das BGH derlei Praxis eine klare Absage [BGH Urteil] erteilt hat, interessiert keine_n der Beamt_innen. Sie handeln nach ihren persönlichen Ansichten und scheißen selbst auf’s Gesetz. Wenn ein Polizeibeamter ein Banner ablehnt, weil er Antifaschismus für “zu politisch” hält, dann fragen wir uns welcher politischen Ansichten dieser Mensch hat. Antifaschismus scheint nicht dazu zu gehören.

Nachdem also fast alle Nazis ohne entkleiden (politische T-Shirts dürfen dann nämlich doch ins Stadion) rein durften, gebührte es auch ihnen einen Böller zu zünden, Richtung Spielfeld zu werfen und ihr Liedgut zu verbreiten. Als die Nazi-Gruppe (übrigens wie so oft natürlich das 1. mal bei einem Spiel in Borna laut Aussage anderer Bornaer) dann das Stadion vor Ende verlassen wollte, kam der Polizei in den Sinn, die Gruppe kontrollieren zu wollen, da sie überraschenderweise die Lieder sogar mal registriert hatte, ein sehr seltener Fall. Den Nazis gefiel das scheinbar nicht und so kam es zu einem kurzen Handgemenge an deren Ende sich die Kameraden am Boden wieder fanden. Laut Presse wird wegen:

des Verstoßes gegen das Sprengstoff- und gegen das Betäubungsmittelgesetz, Widerstand gegen die Polizei, Volksverhetzung und Beleidigung” ermittelt.

Für keine Überraschung sorgt auch bei diesem Spiel, das niemand die Lieder der Nazis gehört hat bis auf die Spieler und Fans des Roten Sterns und diesmal wohl auch einigen Beamten. Die Schiedsrichterin hatte wie so oft taube Ohren und vermerkte es im Spielbogen nicht. Sie steht damit in guter sächsischer Verbands-Tradition, erst vor kurzem wurde das Verfahren gegen die SG Leipzig Leutzsch eingestellt, da das Sportgericht noch “Restzweifel” hatte und alle Verbandsbeteiligten auf blind und taub gestellt haben.

Wir sind uns ziemlich sicher, dass es trotz Polizeibericht und Angriffe auf diese, keine Konsequenzen für den Verein haben wird. Denn der Verband will so was lieber totschweigen, der Umgang mit den Ereignissen beim Spiel gegen die SG Leipzig Leutzsch belegen das ziemlich deutlich. Vielleicht sollten ja auch die Fans der SG LL beim Bau der U-Bahn in Leipzig helfen, sie wird dann bestimmt noch dieses Jahr fertig.

[via]

SFV-Sportgericht bestätigt rechten Konsens.

Noch am Tag des Pokalspiels (04.09.2011) SG Leipzig Leutzsch gegen Roter Stern Leipzig wurde ein Verfahren am Sportgericht gegen die SG LL eingeleitet. Dieses wurde heute mit u.a. folgender Begründung eingestellt.

Quelle: Sportgerichtsverfahren gegen die SG Leipzig Leutzsch eingestellt

Soweit dem Verein weiter diverse Gesänge seiner Anhänger vorgeworfen wurden, ist das Sportgericht hiervon nicht ohne Restzweifel überzeugt. Nachdem der Verein in seiner Einlassung diese bestritt und sowohl der Schiedsrichterbericht als auch der Bericht des Sicherheitsbeauftragten unergiebig waren, wurden der dem Spiel beiwohnende Sicherheitsbeauftragte Mende sowie SR Rohland nochmals angehört. Sie haben indes die vorgeworfenen Gesänge (bis auf den insoweit nicht relevanten Gesang: „Nur ein Leutzscher ist ein Deutscher“) nicht wahrgenommen. Soweit ein Internetvideo, was im Übrigen die Beteiligten nicht ins Verfahren eingeführt haben, mit vermeintlichen Auszügen des Spiels im Umlauf ist, konnte das Sportgericht dieses als Beweismittel nicht verwerten, da bereits unbekannt ist, ob es sich hierbei um eine echte (teilweise) Spielaufzeichnung handelt und Im Übrigen Zweifel an der Wertneutralität bestehen.

Das der Gesang „Nur ein Leutzscher ist ein Deutscher“ für das Sportgericht “nicht weiter relevant” ist, überrascht kaum. Alle weitere Gesänge (z.B.: “Juden, Juden, Juden” oder das ‚Führerlied‘ oder “…wir Leutzscher wir sind arisch”) wurden vom “Sicherheitsbeauftragte[n] Mende sowie SR Rohland” nicht wahrgenommen und außerdem auch im Spielbericht nicht erwähnt. Obwohl das bekannte Video, in dem diverse weitere “Gesänge” zu hören sind keine Verwendung im Verfahren fand, zweifelt das Sportgericht an dessen “Wertneutralität”.

Vermutlich wäre es “wertneutral”, wenn darin auch die Verlautbarungen aus dem Gästebereich dokumentiert gewesen wären. So wurde z.B “ihr habt den Krieg verloren” aus dem Gästeblock gerufen. Da fühlen sich Menschen, die die militärische Niederschlagung Nazideutschlands 1945 nicht so gut finden, natürlich provoziert.

Das Urteil ist eine Farce. Unseren bisherigen Erfahrungen mit dem Sportgericht des sächsischen Landesverbands aber entsprechend. Der Radiomitschnitt von Radio Blau, sowie die Tonspur der Aufzeichnung von Leipzig Fernsehen machen deutlich (hörbar), das besagte – jene von Restzweifeln behaftete – “Gesänge” andauernd zu hören waren. Aber so was interessiert das Sportgericht gar nicht.

Und wenn der Schiri (nach dem Spiel) nichts gehört haben will, und die SG LL die Vorwürfe in einer Einlassung bestreitet, dann ist das Urteil nur folgerichtig.

Wer dabei war, weiß was da für Rufe von Seiten der SG LL ‚Fans‘ kamen. Von “Unergiebigkeit” kann nur die Rede sein, wen mensch die Problematik (SG LL und seine Fans) nicht angehen will und stattdessen dann lieber die RSL Fans beschuldigt.

Ohne weitere sehr kostenintensive Maßnahmen war eine Aufklärung nicht zu erzielen. Von daher war das Verfahren insoweit einzustellen.

Was das für Maßnahmen sind, hätte uns auch interessiert. Aber wenn das Geld nicht da ist, dann bleiben die Dinge halt wie sie sind. Dann bleibt Fußball, eben Fußball.

[via]

… and now something completely different!