Ideologischer Bildersturm!

Ein kluges Wort, schon ist man Kommunist. So jedenfalls lässt sich die Reaktion von Dr. Sieghard Below sowie einigen anderen Kommentatoren im Internet missverstehen. Ihre Argumente, gegen die Initiative den Friedrich Ludwig Jahn Sportpark im Prenzlauer Berg umzubenennen, sind weder besonders originell, noch stichhaltig. Sie sind der verzweifelte Versuch etwas zu retten, was schon längst nicht mehr zu retten ist. Ein Beispiel:

Jahn ist eine ambivalente Person, die anfällig für nachhistorische Betrachtungen ist“, erklärt er. „Seinen Nationalismus und radikalen Franzosen- und Judenhass muss man auch als Überreaktion seiner Zeit verstehen.“ Eine kritische Diskussion Jahns sei zwar wichtig, einen ideologischen „Bildersturm“, der Jahns Verdienste um die Gründung der deutschen Turnerschaft und der deutschen Burschenschaft ausklammere, halte er aber für unausgewogen.

Er, das ist der Sportsoziologe Dr. Sieghard Below. Und er ist nicht allein. Seine Söhne im Geist sind ebenfalls daran interessiert den befürchteten ideologischen Bildersturm zu verhindern:

Rechte Gedanken? Wie unhistorisch. Turnvater Jahns Ziel war die Bürgerkinder für den Befreiungskampf von napoleonischer Besetzung fit zu machen. Natürlich muss man ein Volk um eine nationale Idee einen (Polen läßt grüßen), wenn man Besatzung und Fremdherrschaft beenden will. Außer natürlich man findet Besatzung und Fremdbestimmung für die Deutschen das beste Regime!

Wir lernen: Jahn wusste wie man die deutsche Nation fit machen musste, dass bei dieser nationalen Fitnessübung nun Juden, Zigeuner und Schwule explizit ausgeschlossen wurden, war nur ein bedauernswerter Kollateralschaden (Polen läßt grüßen). Aber wie man überall nachlesen kann, ist das alles auch irgendwie schon ganz lange her…

Es ist immer Problematisch wenn man die moralischen Standards verschiedener Zeiten vermischt. 1808 ist eben nicht 2008 und auch nicht 1938. (38 ist sogar näher an heute als an 1808) Damals waren andere Zeiten. Da kann man auch die Statuen von Friedrich dem Großen abschrauben. Er war zwar für Religionsfreiheit, aber Juden fand er nicht so toll.

Daher sollte man das immer in Bezug setzen. Ohne Zeitbezug ist die Kritik haltlos. Den jenigen die glauben es gibt Werte die ohne Zeitbezug stimmen, muss ich wiedersprechen. Es wäre romantisch wenn es die Gäbe, ist es aber nicht.

PS: Vor 50 Jahren, und vor 100 erst recht, war es normal seine Kinder zu schlagen. Ich fordere auf alle entsprechenden Straßennamen umzubenennen.

Wie das mit dem Jahn im einzelnen ist, sei dahingestellt, aber man muss es im Kontext sehen. Und 1808 ist eben extrem lang her.

Moralische Standards haben also Mindestlaufzeiten und der Fall Friedrich Ludwig Jahn ist quasi verjährt. Vergessen wir die französische Revolution, lasset uns alle Straßennamen nach verbohrten alten Rassisten umbenennen, sie waren ja nur die Opfer ihrer Zeit.

Im Sinne einer umfassenden Bewältigung der jüngeren deutschen Turngeschichte plädiere ich für eine Umbenennung in „Ernst-Thälmann-Sportpark“, alternativ auch „Che-Guevara-Park der Freundschaft“.

Das dürfte doch im Sinne der Initiatoren vom Verein „Roter Stern Nordost Berlin“ sein, nehme ich an? Die dortigen „Sportler_innen“ zumindest scheinen – so man der Netz-Präsenz glauben darf – mindestens so viel Zeit mit obskrurem „Anti-Rassismus“ wie mit Fußball zu verbringen.

Eine Schande dieses rote Pack! Anstatt die ganze Zeit den Acker umzupflügen wie einst die deutschen Helden, lesen sie die Bücher der Aufklärung. Und dabei haben sie auch noch festgestellt, dass womöglich alle Menschen gleiche Rechte haben, egal ob sie nun aus Sachsen oder Äquatorialafrika kommen. Lustigerweise steht in einigen dieser Büchern auch, dass Fußball eigentlich aus England kommt und von deutschen Turnern nun überhaupt nicht gemocht wurde. Aber wen stören schon die Fakten?

Woher will der Gründer der Iniative Alexander Jahns (!) denn wissen, dass Turvater Jahn nicht schwul war und sich deshlab eher mit jungen Männer als mit Frauen umgeben wollte ?

Woher will der Jahns das nur wissen? Möglicherweise, es ist nur eine verrückte Idee, hat er es in schlauen Bücher nachgeschlagen, neumodisch ausgedrückt, damit die netzaffine Gemeinde es auch versteht: er hat es auf Wikipedia gegoogelt!

„Ob Kurden, Kosovaren, serbische Kosovaren, Abchasier, Tibeter; alle dürfen zumindest Verständnis aufbringen, nur wir Deutsche seit 1945 eben nicht mehr. Dass jetzt gerade im Sporttreiben der Keim für Zwietracht gesehen wird ist ein Witz!!!“

Humor ist wenn man trotzdem lacht.

PS: Die hier zitierten Kommentare wurden nicht aus rechten Foren gefischt, sondern sie sind entweder aus dem Kommentarbereich der taz oder von Endstation Rechts.