Archiv für Januar 2012

Die Befreiung von Auschwitz

Спасибо heißt Danke!

Neonazis drängen in 96-Fanblock

Neonazis versuchen in jüngster Zeit, die Ultraszene von Hannover 96 zu unterwandern. Das behauptet die Initiative zur Aufdeckung rechter Gewalt in einer Mail, die am Dienstagabend beim Verein, der Polizei, der Staatsanwaltschaft und zahlreichen Medien eingegangen ist.

Quelle: Hannoversche Allgemeine

Hannover. Es soll personelle Überschneidungen zwischen der rechtsradikalen Gruppierung „Besseres Hannover“ und den sogenannten Ultras geben. Die Neonazis von „Besseres Hannover“ hatten in jüngster Zeit mit Videos auf sich aufmerksam gemacht, in denen Ausländer verhöhnt werden.

Die Behörden nehmen die Hinweise sehr ernst. „Wir prüfen, ob es strafrechtlich relevante Sachverhalte gibt“, sagt Polizeisprecherin Tanja Rißland. Derzeit sind die Beamten mit der Auswertung des 36 Seiten umfassenden Schreibens beschäftigt. Fanforscher Gunter Pilz, der das Schreiben der Initiative ebenfalls erhalten hat, bestätigt die in der Mail skizzierten Entwicklungen: „Organisierte Rechtsextremisten versuchen in der Tat, sich in den Stadien breitzumachen.“ Immer häufiger würden, so der Wissenschaftler weiter, rechte Gruppierungen in den Fanblöcken der Ultras auftauchen und durch ihr Auftreten Angst verbreiten. „Das scheint mir durchaus Methode zu haben“, sagt Pilz. Mit Blick auf Hannover 96 empfiehlt der Forscher dem Verein, künftig die Arbeit der vereinsinternen Gruppen, die sich bereits jetzt gegen rechte Entwicklungen engagieren, weiter zu stärken.

Die Mail der Initiative gegen rechte Gewalt enthält Dossiers über namentlich genannte rechte Ultra-Fans und Hooligans aus Hannover und Umgebung. Zusätzlich sind dem Schreiben zahlreiche Bilder der zumeist jungen Männer beigefügt. Sie sind darauf in eindeutigen Posen zu erkennen, unter anderem beim Zeigen des Hitlergrußes im Stadion. Immer wieder tauchen auf den Fotos auch Patrick H. und Marc-Oliver M. auf, die seit Langem zur Gruppierung „Besseres Hannover“ gezählt werden. Sie verfügen offenbar, auch das geht aus den Bildern hervor, über gute Kontakte zu der Gruppe „Royal Riot Hannover“, einem Zusammenschluss extrem gewaltbereiter Hooligans. Die Polizei vermutet, dass es rund um Hannover 96 etwa 100 bis 150 Hooligans gibt. Vier hannoversche Neonazis sind derzeit in der Datei „Gewalttäter Sport“ eingetragen.

Bei Hannover 96 hat man nach dem Eingang besagter Mail sofort reagiert und den Staatsschutz benachrichtigt. Seit Jahren ist der Verein beim Thema rechte Fußballfans äußerst wachsam. So wurde 2001 beispielsweise der Arbeitskreis „96-Fans gegen rechts“ ins Leben gerufen. Bis heute treffen sich die Mitglieder mindestens alle zwei Monate. „Die Treffen stehen neuen Mitgliedern jederzeit offen“, sagt 96-Sprecher Alex Jacob. Zudem hat der Verein die Stadionordnung geändert und das Tragen von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen offiziell verboten.

Alarmstimmung in Aachen

In Aachen terrorisiert eine Ultra-Gruppe mit Kontakten zur Neonazi-Szene andere Hardcore-Anhänger aus dem linken Spektrum und die Fanbeauftragte der Alemannia. Der Verein kündigte an, entschlossen gegen die Rechten vorzugehen.

Quelle: SPON

Prügeleien in der eigenen Fankurve; eine Fanprojekt-Leiterin, der von rechten Fans der Zutritt zur Kurve verwehrt wird: Was wie ein Fantasieprodukt eines drittklassigen Drehbuchschreibers klingt, ist beim Zweitligisten Alemannia Aachen traurige Realität. In der Fanszene des Traditionsvereins ist ein Konflikt entbrannt, von dem derzeit keiner weiß, ob er zu schlichten sein wird. Denn es geht – auch – um Politik.

Die Alemannia hat zwei verfeindete Ultra-Gruppen. Die Karlsbande (rund 180 Personen), die von sich behauptet, „unpolitisch“ zu sein, aber kein Problem damit zu haben scheint, dass Neonazis in ihrem Umfeld agieren. Und die Aachen Ultras (ACU, etwa 80 Mitglieder), die sich als antirassistische Gruppierung sieht. Dass letztere am Tivoli immer mehr unter Druck gerät, konnte am 11. Dezember jeder sehen, der sich eine Karte für das Spiel gegen Aue gekauft hatte.

20 bis 30 Aachen-Fans überfielen plötzlich den Block von ACU“, berichtet ein Anhänger aus Hessen, der vor Ort war. „Die waren zum Teil vermummt.“ Die ACU-Mitglieder äußern sich auf Presseanfragen nicht zu den Ereignissen – aus Angst vor weiteren Auseinandersetzungen? Auf ihrer Homepage bestätigt ACU allerdings indirekt den Überfall und berichtet, dass es dabei auch zu Rufen wie „Homos“, oder „Verpisst euch, ihr Juden“ gekommen sei.

Was den Beobachter der Szene noch mehr erschrak, war jedoch, dass der gewalttätige Mob Unterstützung erhielt: „Da überfallen Fans die eigenen Leute und werden dabei von der Tribüne aus angefeuert, wo auch noch rechte Parolen gegrölt werden.

Gewaltbereite Neonazi-Bande in der Kurve

Kristina Walther, Leiterin des Aachener Fanprojekts, meint zu wissen, was die rechten Fans, darunter offenbar auch einige Alemannia-Hooligans, zu dem konzertierten Angriff verleitet hat. Drei Tage zuvor musste sie bei der vom Fanprojekt veranstalteten Lesung des Autors Ronny Blaschke („Angriff von Rechtsaußen – Wie Neonazis den Fußball missbrauchen“) eine Handvoll Ultras der Karlsbande des Raumes verweisen – vor der Tür standen Interessierte, die sich wegen der stadtbekannten Rechtsaußen-Sympathisanten nicht zur Lesung trauten: „Ab dann wurde es richtig massiv“, sagt Walther.

Nur eine Woche später verwehrten Mitglieder der Karlsbande und Angehörige der rechten Szene beim Auswärtsspiel in Braunschweig den etwa 60 mitgereisten ACUlern den Zutritt zum Fanblock. Nur eine Polizeikette verhinderte Schlimmeres. Auf Veranlassung des Braunschweiger Sicherheitsbeauftragten wurden die ACUler daraufhin zu den entfernt liegenden Sitzplätzen geführt.

Im Gästeblock positionierten sich derweil nebst einigen Dutzend Sympathisanten der rechten Szene etwa 15 Neonazis, darunter auch Aktivisten der Kameradschaft Aachener Land (KAL). Die KAL ist eine der gewaltbereitesten neonazistischen Banden der Republik. Im Landesverfassungsschutzbericht für 2010 warnt das Innenministerium, sie hantiere auch mit Sprengstoff.

In Braunschweig geriet auch die Fanprojekt-Leiterin selbst ins Visier der Rechten. Als Walther den Auswärtsblock betreten wollte, versperrten pöbelnde Fans auch ihr den Zugang zum Block. Nach Aussage mehrere Augenzeugen wurde die Sozialpädagogin, die im Fanprojekt allein arbeitet, dabei so unflätig beschimpft, dass sich die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte zu einer Stellungnahme genötigt sah. „Der Auftrag von Frau Walther umfasst auch die Bekämpfung extremistischer Tendenzen in der Fanszene“, heißt es. „Offensichtlich hat genau diese Arbeit einen wunden Punkt bei einem kleinen Teil der Aachener Fanszene getroffen.

Neonazi fordert Auflösung des Fanprojektes

Dass genau das zutrifft, beweist auch ein Brief, den der NPD-Kader und langjährige Alemannia-Fan Sascha Wagner an den Verein schrieb: „Das Fanprojekt wurde installiert, um gewachsene Strukturen zu zerstören“, heißt es in dem Schreiben, das SPIEGEL ONLINE vorliegt. „Wir sind gegen jegliche Kleiderordnung und hören die Musik, die wir hören wollen (..). Zeigt den Aachen Ultras die Rote Karte! Löst das Fanprojekt auf!

Die Verantwortlichen der Alemannia sind sich des Problems bewusst. „Vor der aktuellen Lage darf und wird der Verein seine Augen nicht verschließen“, sagt Geschäftsführer Frithjof Krämer. „Leider lassen Vertreter der Karlsbande ihrer zu Anfang signalisierten Bereitschaft, die Vorfälle aufzuarbeiten, keine Taten folgen. Im Gegenteil: Zwischenzeitlich kam es wieder zu gewalttätigen Übergriffen innerhalb unserer Fanszene.

Statements, die an Klarheit nichts zu wünschen übrig lassen. Hingegen bekleckerte sich ein anderer Profiverein nicht eben mit Ruhm: Als die mit ACU befreundeten Freiburger Ultras Wilde Jungs ein Solidaritätsplakat hissen wollten („Aachen Ultras bleiben – Nazis vertreiben“) wurde ihnen das vom Sicherheitschef des Erstligisten untersagt. Die Begründung: „Politische Äußerungen“ seien nicht erwünscht. Immerhin: Beim SC hört man, das damalige Vorgehen sei einem mittlerweile unangenehm.

Auch Aachens Fanprojektleiterin Walther („ich habe die Gefahr lange unterschätzt“) will sich nicht einschüchtern lassen. Sie hofft dabei auch auf mehr Nachdenklichkeit in der Fanszene. Viel zu oft höre sie noch Verharmlosungen getreu der Devise „Das mögen ja Leute mit komischen Ansichten sein, aber hier geht’s ja um Fußball.“ Das gleiche merkwürdige Denken komme auch Neonazi Wagner zugute. „Der hat bei vielen Fans allein deshalb ein Standing, weil er seit gefühlten 100 Jahren Alemannia-Fan ist.

In Frithjof Kraemer („Aus Sicht der Alemannia ist das Maß voll“) scheint Walther einen Mitstreiter gefunden zu haben. „Es gibt keine Akzeptanz für Gewalt und rassistische Agitationen im Stadion“, sagt der Alemannia-Geschäftsführer. „Wir werden es nicht zulassen, wenn gegen Institutionen, die im Sinne einer positiven Fankultur wirken, vorgegangen wird.

Von den alten Fesseln befreit

In Libyen ist die Fußballbegeisterung gewaltig. Dass sich die Nationalmannschaft – während in der Heimat der Krieg tobte – für die Afrikameisterschaft qualifizieren konnte, ist eine der Heldengeschichten der Revolution.

Quelle: FAZ

Die ersten Schritte in die neue Zeit sind mühsam. Aber wenigstens sind die Funktionäre des libyschen Fußballverbandes ihre Geldsorgen los. Alltägliche Vorgänge des Fußballgeschäfts, Flüge ins Trainingslager und zu den Turnieren zu buchen, Trainergehälter und Spielerprämien auszuzahlen, hatten sie vor große Probleme gestellt. Die Barmittel waren knapp kurz nach dem Bürgerkrieg, der das Land für Monate erschüttert hat. Auch der finanziell eigentlich ordentlich ausgestattete Fußballverband, dessen Konten während des Aufstands gegen den Diktator Muammar al Gaddafi im Zuge der Sanktionen der Vereinten Nationen eingefroren waren, war nicht flüssig. „Alle Konten sind wieder frei und verfügbar, alle Außenstände wurden beglichen“, sagt jetzt Antoine Hey, ein ehemaliger Bundesligaprofi, der unter anderem bei Fortuna Düsseldorf und Schalke 04 spielte und seit Sommer 2010 Technischer Direktor des libyschen Fußballverbandes ist. Er ist zufrieden, dass das größte Problem der vergangenen Wochen gelöst ist.

Das Geld für die Reise der Nationalmannschaft zu den „Arab Games“ in Doha Anfang Dezember hing noch an der Genehmigung des neuen Finanzministers in Tripolis. Nur zwei, drei Wochen war die Mannschaft im Trainingslager in Dubai zusammen, verlor in Doha gegen Sudan, erreichte in den anderen beiden Spielen nur Unentschieden und schied schon in der Gruppenphase des Turniers aus. Beim Afrika-Cup sollte es besser laufen, auch dank verbesserter Vorbereitung. Doch das Auftaktspiel gegen Gastgeber Äquatorialguinea verloren die Libyer am Samstag durch ein spätes Tor von Javier Balboa mit 0:1.

Die Fußballbegeisterung in Libyen dürfte weder diese Niederlage, noch das Abschneiden bei den „Arab Games“ schmälern. Die Liebe zu dem Sport sei wenigstens etwas Gutes, was man von den italienischen Kolonialherren mitbekommen habe, heißt es halb im Scherz. Im Fastenmonat Ramadan werden stets Straßenturniere ausgerichtet, der Chef der neuen Führung, Mustafa Abd al Dschalil, gilt als begeisterter und talentierter Fußballer. Schon in den Jahren vor dem Aufstand war die Jugend eher an der Transferpolitik von Real Madrid interessiert als an den neuen Projekten Gaddafis. In mancher Küstenstadt konnten die Bewohner in den Zeiten vor Satellitensendern und Internet italienisches Fernsehen empfangen und verfolgten so die Spiele der Serie A.

Und dass sich die libysche Nationalmannschaft in diesem Jahr – während in der Heimat der Krieg tobte – für die Afrikameisterschaft qualifizieren konnte, ist eine der Heldengeschichten der libyschen Revolution. Sie hatte Ende Juni dem alten Regime den Rücken gekehrt und sich nach Tunesien abgesetzt. Im September schlug die Elf in einem nach Kairo ausgelagerten Heimspiel, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen wurde, Moçambique 1:0. Im Oktober war es nach einem 0:0 gegen Sambia geschafft.

Trikots wurden rechtzeitig fertig

Das ist für alle Libyer, für unsere Revolution“, sagte Torhüter und Kapitän Samir Aboud, der ein Turm in der Abwehrschlacht war, nach dem Spiel. Was in Libyen passiert sei, das Leid, das die Libyer erlitten hätten, die Opfer, welche sie hätten bringen müssen, das habe die Mannschaft angespornt, die Sensation zu schaffen, wird er später im Dubaier Trainingslager sagen. Das erste Mal hatten sie in den neuen Nationaltrikots mit dem grün-schwarz-roten Wappen gespielt, die gerade noch rechtzeitig fertig geworden waren. Die Spieler hatten die neue Nationalhymne gesungen: „Wir werden niemals wieder die alten Fesseln angelegt bekommen, wir wurden befreit, und wir haben unser Heimatland befreit: Libyen, Libyen, Libyen!“ Sie hatten ganz ohne Angst gespielt.

Monatelang hatten die Spieler nicht gemeinsam trainieren können. Der brasilianische Nationaltrainer Marcos Paqueta führte die Mannschaft weiter, obwohl ihm schon für Monate kein Gehalt mehr überwiesen wurde. Antoine Hey spricht von „mitunter abenteuerlichen Umständen“, unter denen eine Sensation geglückt sei, und das ist wohl noch eine Untertreibung. Er selbst hatte in der Hauptstadt ausgeharrt, als diese schon von Nato-Kampfflugzeugen bombardiert wurde. Ein Assistenztrainer suchte Ende August im Chaos von Tripolis nach Spielern.

Der Großteil der Mannschaft, die die beiden letzten Qualifikationsspiele bestritt, kam allerdings aus der schon lange zuvor befreiten ostlibyschen Rebellenhochburg Benghasi. Andere kämpften an der Front. Ein Mittelfeldspieler berichtete im Dubaier Trainingslager, er sei im April aus Tunesien wieder in die Heimat gefahren, um sich dem Kampf gegen das Gaddafi-Regime anzuschließen. Die Rebellenkämpfer seien sehr besorgt um ihn gewesen, sagte er. „Wenn es nicht genügend schusssichere Westen gab, haben andere Kämpfer ihre ausgezogen und mir gegeben.“ Ein Mannschaftskamerad aus der Verteidigung soll ebenfalls an der Front gekämpft haben und durch ein Geschoss am Arm verwundet worden sein.

Die Leute sollten jetzt nach vorne schauen

Doch mit den alten Kriegsgeschichten, findet Hey, sollten sich jetzt eher die Geschichtsschreiber befassen. „Die Leute sollten jetzt nach vorne schauen“, sagt er. Schließlich gilt es, auch einen neuen Fußballverband in Libyen aufzubauen. Die Stadien in der Hauptstadt Tripolis sind beschädigt, in anderen Städten gibt es gar keine Infrastruktur. Nach den Jahrzehnten der Gaddafi-Diktatur, in denen der Despot oder seine Erfüllungsgehilfen alle Entscheidungen fällten, müssen auch Sportfunktionäre lernen, mit der neuen Freiheit umzugehen. Hey weiß, dass das nicht von heute auf morgen geht.

Auch in den Verbänden, in den Provinzen, gebe es zwar schon Strukturen, sagt er. Aber derzeit seien die Leute eher damit beschäftigt, sich gute und lukrative Posten zu sichern, als „das große Ganze“ zu sehen. „Es gibt leichtere Jobs“, sagt Hey. Der Deutsche Fußball-Bund will helfen, die Aufbauarbeit zu erleichtern, im Rahmen eines Partnerschaftsabkommen mit dem libyschen Verband, das Anfang 2012 präsentiert werden soll. Die Libyer hoffen etwa auf Unterstützung in der Jugendarbeit, im Aufbau des Frauen- und Mädchenfußballs oder der Trainerausbildung.

Fußball soll Wunden heilen

Gaddafi hatte ein gespaltenes Verhältnis zum Fußball. Er misstraute der Begeisterung der Fans für die Spieler. Es sollte keine anderen Helden außer dem Revolutionsführer und seinem Clan geben. „Die Tausende, die die Stadien füllen, um zu schauen, zu applaudieren und zu lachen, sind dumme Menschen, da sie diese Aktivität nicht selbst ausüben“, heißt es in seinem Grünen Buch. Sportkommentatoren nannten nicht die Namen der Spieler, nur die Rückennummern. Und doch nutzte der Despot Fußballspiele als Bühne für seine ausschweifenden Ansprachen und für politische Botschaften.

Sein Sohn Saadi beherrschte seit dem Ende der neunziger Jahre von seines Vaters Gnaden den libyschen Verband, die libyschen Vereine, in denen er spielte, die Liga und die Nationalmannschaft. In Italien ging er bei einem Gastspiel unter, aber in Libyen hatte er auf dem Feld meist freie Bahn, seine Mannschaften bekamen aberwitzige Elfmeter zugesprochen, der Nationaltrainer Francesco Scoglio aus Italien wurde entlassen, nachdem er den Diktatorensohn auf die Bank gesetzt hatte.

WM 2014 in Brasilien als Ziel

Als im Jahr 2000 aufgebrachte Fans des chronisch benachteiligten Klubs Al Ahly Benghasi ihre Wut aus dem Stadion auf die Straße trugen, gegen das Regime protestierten und sogar einem Esel das Trikot mit der Nummer Saadis überzogen, startete das Regime einen Vernichtungsfeldzug gegen den Verein. Dutzende – ob Fans oder Funktionäre – wurden in die Gefängnisse und Folterkeller verschleppt.

Jetzt, da Gaddafi tot und sein Sohn Saadi im Exil in Niger ist, soll auch im libyschen Fußball wieder Gerechtigkeit herrschen. Nationalmannschaftskapitän Samir Aboud und seine Kollegen vermissen den alten Spielführer nicht. „Das Regime war einer der Hauptgründe für den Niedergang des libyschen Fußballs“, sagt der Torwart. Das neue Libyen soll erfolgreich sein, die WM 2014 in Brasilien ist das sehr ehrgeizige Ziel. Und auch über die sportlichen Ziele hinaus wird Großes vom libyschen Fußball erwartet. Politiker in Tripolis, Aktivisten der Demokratiebewegung und auch der Technische Direktor des Verbandes hoffen auf seine verbindende Kraft, die helfen solle, die Risse in dem Land zu kitten und seine Wunden zu heilen. Neue libysche Fußballwunder können zumindest helfen, sie für eine Zeit zu vergessen.

Rassismus: Sperren für Hess und Karikari

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat auf die Rassismus-Vorwürfe reagiert und sowohl Martin Hess (Lotte) als auch Jeremy Karikari (Trier) gesperrt.

Quelle: 11.Freunde

Frankfurt/Main – Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat auf die Rassismus-Vorwürfe im Skandalspiel der Regionalliga West zwischen den Sportfreunden Lotte und dem früheren Zweitligisten Eintracht Trier (2:3) am 10. Dezember 2011 reagiert und sowohl Stürmer Martin Hess (Lotte) als auch den dunkelhäutigen Mittelfeldspieler Jeremy Karikari (Trier) für jeweils drei Spiele gesperrt.

Hess hatte während der Begegnung seinen Gegenspieler Karikari massiv rassistisch beleidigt. Karikari hatte Hess daraufhin nach Spielende im Kabinengang mit der flachen Hand gegen dessen Wange geschlagen und wurde für diese Tätlichkeit sanktioniert. Beide Vereine und Spieler haben den Urteilen zugestimmt. Sie sind damit rechtskräftig.

„Der Auftritt der Befreiten“

Libyen eröffnet die Fußball-Afrikameisterschaft, für die sich das Land während des Bürgerkriegs qualifizierte

Quelle: Wiener Zeitung

Am 7. Oktober 2011 vermeldete der libysche Übergangsrat, dass die Rebellen Sirte, die Heimatstadt Muammar Gaddafis, weitgehend eingenommen hätten. Es sollte noch knapp zwei Wochen dauern, bis der selbsternannte Revolutionsführer gefangen, umgebracht und der Bürgerkrieg beendet sein sollte. Doch der Vorstoß an jenem 7. Oktober sollte ein vorentscheidender im Kampf gegen Gaddafi sein.

Tags darauf trat die libysche Fußballnationalmannschaft in Sambia zum entscheidenden Qualifikationsspiel für die Endrunde der Afrikameisterschaft an. Einige Spieler fehlten, sie kämpften an der Seite der Rebellen. Auch Walid Khatrouchi, ein Mittelfeldspieler, war an der Front. Doch seine Freunde beknieten ihn, zum Fußball zurückzukehren. „Sie sagten, es sei meine Pflicht zu spielen. Wenn es nach mir gegangen wäre, ich wäre nie zurückgekommen“, sagte Walid Khatrouchi dem britischen Fußballmagazin „Four-Four-Two“.

Libyen erreichte gegen Sambia ein torloses Remis, das gleichbedeutend mit der Qualifikation für den Nations Cup war. Nur zweimal hatte das Land davor an einer Afrikameisterschaft teilgenommen, 2006 und 1982, als Libyen selbst Ausrichter war und sogar das Finale erreichte.

Obwohl sein Sohn Saadi Gaddafi ein passionierter Fußballer war und sich eine kurze, erfolglose Profikarriere bei finanziell bedürftigen italienischen Teams erkaufte, war Muammar Gaddafi der Fußball nie geheuer. Die Eröffnungsrede 1982 soll er gar mit den Worten beendet haben: „Ihr dummen Zuschauer, da habt ihr euer dummes Spiel.

Diktatur im Gastgeberland

Als vor zwölf Jahren das Team seines Sohnes in Bengasi, der späteren Hochburg der Rebellen, antrat, hatten die Gastgeber einen Esel in ein Trikot von Saadi Gaddafi gesteckt. Der Klub Al-Ahly Bengasi wurde daraufhin für sechs Jahre gesperrt, das Stadion und das Klubgebäude wurden dem Erdboden gleichgemacht.

Diese Zeit ist vorbei. Mit der neuen Flagge des Landes, die die Spieler bereits während der Qualifikation geschwungen hatten, und mit neuen Dressen betreten die libyschen Kicker am Samstag (19.15 Uhr/Eurosport) wieder die Bühne des Fußballs. Sie bestreiten das Eröffnungsspiel der Afrikameisterschaft gegen Äquatorialguinea, das gemeinsam mit Gabun das Turnier veranstaltet.

Sportlich gesehen hat die Afrikameisterschaft spektakulärere Partien anzubieten, auch wenn sich diesmal Seriensieger Ägypten, Nigeria, Kamerun und Südafrika nicht qualifizieren konnten. Doch das Auftaktmatch ist aus einem anderen Gesichtspunkt hoch brisant. Denn die einstige spanische Kolonie Äquatorialguinea gilt dank ihres Öls als eines der reichsten Länder Afrikas. Von diesen Einnahmen aber sieht die Bevölkerung so gut wie nichts, es ist der Clan um den seit 1979 diktatorisch herrschenden Präsidenten Teodoro Obiang, der von dem Ressourcenreichtum profitiert.

War das Land vor Erschließung der Ölfelder aufgrund von Menschenrechtsverletzungen international geächtet, wandte sich das Bild danach. Heute begrüßen Europas Regierungschefs Obiang als Staatsgast, schließlich hat er ja etwas anzubieten. Auch Gaddafi war mitunter ein gern gesehener Gast im Westen.

Im Männerfußball hat das auch für den Export von Tropenhölzern bekannte Land bisher noch keine Bäume ausgerissen, allerdings konnten die Frauen die kontinentale Meisterschaft gewinnen und sich auch für die WM in Deutschland im vergangenen Sommer qualifizieren. Als ein Team des ZDF dann eine Reportage über das Land drehte, fielen die Bänder der Zensur zum Opfer. Der Geheimdienst hatte die Journalisten erwischt, als sie mit einem Menschenrechtler sprachen.

Die in den USA ansässige Organisation EG Justice hat die Vergabe des Turniers an Äquatorialguinea deshalb auch scharf kritisiert. Den Herrschern gehe es nur darum, das Image des Landes aufzupolieren. Immerhin hat die Regierung deshalb auch einiges an Geld investiert, Flughäfen, Straßen und Stadien gebaut. Doch Freiheit haben die Einwohner des kleinen Landes nicht, jene Freiheit, die sich die Libyer erkämpft haben. Auch einige Fußballer.

Fankongress 2012: Erste Eindrücke

Es war ein komisches Gefühl am Wochenende im ehemaligen Kino Kosmos zu Berlin. Und es fiel beinahe jedem auf, der sich vor Ort befand. Sogar der versammelten Presse:

„Solche Bilder wünscht sich die Polizei: Ein Fanbeauftragter des TSV 1860 München steht neben einem Mitglied der FC-Bayern-Ultragruppe „Schickeria“. Gladbacher und Kölner Ultras tragen gemeinsam einen Tisch über den Flur. Selbst Fan-Vertreter aus Dortmund und Gelsenkirchen diskutieren miteinander auf dem Flur des Kino Kosmos.“ SPON

Doch eine gute Idee ist nicht immer die Vorraussetzung für eine bessere Zukunft. Nicht nur Rafael Buschmann auf SPON fiel auf, dass es sich beim Publikum eher um die intellektuellen 5% der Ultraszene beim Teach-In handelte:

Alle Akteure ließen sich auch bei den schärfsten Diskussionen höflich ausreden, Beleidigungen oder Anfeindungen, wie man sie aus dem Stadion kennt, gab es nicht. Vielmehr wirkte der Fankongress wie ein universitäres Proseminar.

Das Ende der Höflichkeit hatten ganz andere im Sinn. Rechtsextreme Anhänger des 1.FC Union griffen bei einem Testpiel ihrer zweiten Mannschaft gegen die Zweite von Wolfsburg die gegnerischen Fans an. Im Stadion sowie in der Stadionkneipe lieferte man sich eine veritable Saalschlacht inklusive Stuhltanz. Die Polizei…

„… kündigte Strafverfahren wegen Landfriedensbruchs, Tragens verfassungswidriger Abzeichen und Sachbeschädigung gegen mindestens 15 Berliner Ultras an. Einer von ihnen hatte den Hitlergruß gezeigt.“ newsclick.de

Weniger interessiert zeigte sich die Polizei am Programm des Fankongresses in Berlin. Trotz Einladung wollte sich kein Vertreter der Polizei beteiligen. Doch am späten Samstagabend schaute die Berliner Polizei dann doch noch vorbei.

„Erst am Sonntagmorgen wurden die Organisatoren des Fankongresses darüber informiert, dass gegen 21.30 Uhr am Samstag vier Mannschaftswagen in der Karl-Marx-Allee vorgefahren, sich außerdem Zivilbeamte in dem früheren DDR-Kino umgeschaut hatten. Teilnehmer wie Veranstalter hatten das Kosmos zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen, weil das Gebäude ab 23 Uhr als Disko genutzt wurde.“ Allgemeine Zeitung

Laut der Berliner Polizei handelte es sich eine Routinekontrolle in der Türsteherszene. Keine Routine dagegen war die Berichterstattung des ZDF-Sportstudios. Die Sendung war das beste Ergebnis vom Wochenende…

Weitere Veröffentlichungen zum Thema:

Pyrotechnik-Kampagne sorgt für Emotionen – turus.net
Identifizieren sich junge Fans über die Fankurve? – turus.net

Thor Steinar auch beim Basketball nicht erwünscht!

Stellungnahme der Kurve IZ zu den Vorfällen am 03. Dezember 2011

Beim Heimspiel der Itzehoer Eagles gegen den BBC Cottbus am 03. Dezember 2011 kam es dazu, dass zu Beginn des 3. Viertels aus der Kurve IZ „Nazis raus!“ – Gesänge erklangen und die gesamte Kurve wenig später geschlossen die Halle verließ.

Die zuvor stattgefundenen Vorfälle und unsere Beweggründe möchten wir im Anschluss, zum allgemeinen Verständnis, kurz darlegen.

Kurz nach Spielbeginn stellten wir fest, dass sich in der Halle eine Person aufhielt, die Kleidung der dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnenden Marke Thor Steinar trug – als Kurve IZ dulden wir weder Rassismus, Antisemitismus oder andere menschenverachtenden Ideologien oder Personen die diese propagieren und/oder offen zur Schau stellen, wie in diesem Fall geschehen.

Schon während der Spiels versuchten wir sachlich zu intervenieren um das Problem zu lösen und setzte dies in der Halbzeitpause des Spiels fort.

Aus unserer Sicht leider ohne Erfolg. Vielmehr fielen uns gegenüber einige nicht hinnehmbare Äußerungen, wodurch wir uns entschlossen mit Spielbeginn auf die Problematik durch Gesänge aufmerksam zu machen.

Wir bedachten dabei aber weder, dass die Gegner aus Cottbus die Gesänge missverstehen, bzw. auf sich beziehen könnten, noch dass wir ein Publikum ansprachen, dem die geschilderten Vorfälle unbekannt waren.

Als unmittelbare Folge darauf kam es erneut zu für uns inakzeptablen Äußerungen, die uns dazu zwangen, die Halle zu verlassen.

Im Nachgang des Spiels gab es sowohl eine interne Reflexion des Vorfalls, wie auch ein Treffen mit Vertretern des Vereins, bei dem der Sachverhalt erörtert und geklärt werden konnte.

Auf Grund verschiedenster Kommunikationsprobleme an diesem Abend lassen sich auf beiden Seiten gemachte Fehler feststellen, die angesprochen und aus der Welt geschaffen wurden.

Wir als Fans, wie auch der Verein distanzieren sich von derartigen Personen und werden es in Zukunft nicht mehr dulden, dass derartige Kleidungsstücke in der Halle getragen werden.

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Dialog statt Dauerstreit

Am Wochenende werden zahlreiche Fan- und Ultra-Gruppen in Berlin den ersten bundesweiten Fankongress abhalten. Mit dabei sind auch hochrangige Vertreter von DFB und DFL. Die Verbände veröffentlichten rechtzeitig zum Diskussionsgipfel einige fragwürdige Studien zum Thema Fangewalt.

Quelle: SPON

Wem gehört der Fußball? Diese Frage, auf die es wohl niemals eine Antwort geben wird, bewegt engagierte Fußballfans seit Jahren. Am Wochenende werden zahlreiche Ultragruppen wie die „Schickeria München“ oder die „Wilde Horde“ aus Köln am ersten bundesweiten Fankongress teilnehmen. Nachdem die Fronten zuletzt im Streit um das Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion verhärtet waren, setzen die Fans und sogar die eigentlich öffentlichkeitsscheuen Ultras bewusst und offensiv auf Gespräche mit den so oft kritisierten Verbänden von DFL und DFB.

Wir wollen die Verbände und Vereine zu einem Dialog auf Augenhöhe bewegen“, sagt Simon Müller, einer der Mitorganisatoren des Fankongresses 2012: „Jetzt ist es wichtig, dass wir transparent und konstruktiv auftreten.“ Zu negativ war aus Sicht der Veranstalter in den vergangenen Monaten das Bild der Fußballfans.

Zu oft wurde über und nicht miteinander gesprochen. Themen wie Pyrotechnik, Gewaltauseinandersetzungen mit Polizisten oder verbale Verunglimpfungen von Gegnern und Schiedsrichtern beherrschten die Schlagzeilen. „Der Kongress sucht nun nach Gedanken und Ideen, wie man diese und weitere Felder bearbeiten kann“, sagt Müller.

Dafür hat die Organisation „Pro Fans“, Hauptveranstalter des Kongresses, zahlreiche renommierte Gäste gewonnen. Neben Wissenschaftlern und Sicherheitsverantwortlichen einzelner Vereine, werden DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus, DFB-Vize-Präsident Rainer Koch und Martin Kind, Präsident von Hannover 96, an den Podiumsdiskussionen teilnehmen. Auch der neue DFB-Sicherheitsorganisator Hendrik Große Lefert hat sich angekündigt und wird wohl zum Einstand direkt einige brisante Fragen beantworten müssen.

Zweifelhafte Fanumfrage des DFB

Denn rechtzeitig vor der Diskussionsrunde lud der DFB am Dienstag zu einer Presserunde nach Frankfurt am Main ein. Dort wurde den anwesenden Journalisten eine recht zweifelhafte sogenannte Fanumfrage vorgestellt, aus der hervorgeht, dass 84 Prozent aller Fußballanhänger für ein striktes Pyrotechnikverbot sind.

Dass bei dieser Telefonumfrage lediglich knapp 2000 Personen befragt wurden, ist ein erster Kritikpunkt. Davon bezeichneten sich 960 als fußballinteressiert und wurden zu den brisanten Themen gefragt. Schon dieser Umstand sorgt bei den Fans für Ärger. Viele fragen sich, ob die Befragten jemals in einem Stadion waren. Auch die extrem suggestive Fragestellung lässt an der Umfrage zweifeln. Ein Auszug: „Pyrotechnik ist gefährlich. Sie ist schädlich für den Fußball und soll deshalb hart bestraft werden. Stimmen Sie dem zu?

Zudem veröffentlichte die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZiS) ihre neueste Studie zur „Datei Gewalttäter Sport“, die alle polizeilich registrierte Auffälligkeiten im Bereich des Fußballs beinhaltet. Demnach soll es 2011 zehn Prozent mehr Gewalttaten in deutschen Stadien gegeben haben, was einen Anstieg um 13.000 Vorfälle bedeutet. Dies wäre seit zwölf Jahren ein neuer Höchststand.

Thema Pyrotechnik wird neu aufgerollt

Gemessen an der Gesamtzahl der Besucher gab es 0,00005 Prozent Verletzte. Das ist im Vergleich zum Oktoberfest oder vielen Schützenfesten erheblich weniger. Und da sind die, die durch Schlagstöcke und Pfefferspray der Polizei verletzt wurden, bereits mit eingerechnet“, hält Gerd Dembowski, Soziologe der Freien Universität Berlin und Sprecher des Aktionsbündnisses Aktiver Fußballfans, dagegen. Der Fanforscher wird ebenfalls am Kongress teilnehmen und sich gemeinsam mit Große Lefert ein Podium teilen.

Wenn es um Ausschreitungen im Stadion geht, wird auch wieder das Thema Pyrotechnik neu aufgerollt werden. Dies scheint auch notwendig zu sein. Denn nach dem unrühmlichen Ende der Debatte über eine mögliche Legalisierung von Bengalos erzürnten sich die Ultras zuletzt vehement und brannten in den darauffolgenden Wochen etliche Feuer-Choreographien ab.

Der DFB und die DFL räumten am Dienstag dann auch Fehler bei den zuletzt gescheiterten Dialogen ein. Wie es nun weitergehen soll, wissen die Offiziellen nicht: „Wir haben keine Lösung des Problems“, sagte Hieronymus. Guter Rat kommt ausgerechnet vom ehemaligen DFB-Sicherheitsexperten Helmut Spahn, der mittlerweile eine auf Sportveranstaltungen spezialisierte Sicherheitsfirma in Katar leitet.

In den vergangenen Jahren haben die Maßnahmen, das Pyrotechnikverbot durchzusetzen, kaum Wirkung gezeigt. Die Vorfälle nahmen jährlich um 100, 150 Prozent zu. Durch die Debatte wollten wir sehen, ob es Alternativen zu den althergebrachten Konzepten gibt“, sagte Spahn zu SPIEGEL ONLINE. Der ehemalige Polizist saß damals als DFB-Vertreter bei den Treffen mit der Initiative „Pyrotechnik legalisieren“ am Tisch. Doch statt die Debatte fortzuführen, griffen die Verbände zuletzt restriktiv durch und bezogen sich bei ihren Verboten auf ein Gutachten, das bislang öffentlich nicht einzusehen war.

Spahn hingegen glaubt, dass durch eine anhaltenden Debatte zum Thema Pyrotechnik „die Möglichkeit bestehe, die vernünftigen Fans aus dem Ultrabereich ein Stück weit an den Verband zu binden, auch wenn am Ende ein negatives Ergebnis herauskommt.“ Insbesondere geht es ihm um eine Versachlichung der Debatte und ein Ernstnehmen der Fankultur.

Mit der Teilnahme am Fankongress unternehmen DFL und DFB nun immerhin einen ersten Schritt in diese Richtung.

Zeichen der Solidarität

Es geht auch anders. In Dänemark haben sich einige Nationalspieler dazu entschlossen, einem 33-jährigen Fan der zu rund 250.000 Euro Schadensersatz an den dänischen Fußballverband DBU verurteilt wurde, finanziell bei der Begleichung der Strafe unter die Arme zu greifen. SPON berichtet:

Der nach einem Angriff auf Schiedsrichter Herbert Fandel zu einer hohen Geldstrafe verurteilte Fußballfan kann auf finanzielle Hilfe mehrerer dänischer Nationalspieler hoffen. So sollen unter anderem Leon Andreasen von Hannover 96 und Torwart Thomas Sörensen von Stoke City bereit sein, auf Prämien zugunsten des Mannes zu verzichten.

Damit setzen die dänischen Nationalspieler ein Zeichen der Solidarität mit ihren Fans, was es so noch nicht gegeben hat. So sieht Deeskalation aus…

Inzwischen hat der Fan beteuert, er bereue den Vorfall zutiefst. Ex-Nationalspieler Michael Gravgaard bezeichnete die Strafe als unverhältnismäßig hoch. Der Fan hat bereits eine Haftstrafe von 20 Tagen verbüßt.

Über solch exorbitante Strafen, ein Konzept das die Sorgen der organisierten Fans ernst nimmt und noch viele andere Fragen wird am kommenden Wochenende auf dem Fankongreß 2012 in Berlin diskutiert.