Archiv für März 2012

BRB: Neonazis unterrichten im Kampfsport

Der aktuelle Verfassungsschutzbericht für Brandenburg warnt vor rechten Kickboxern. „Es wird versucht, Kampfsport als Plattform für rechtsextreme Agitation zu nutzen“, sagte Verfassungsschutzchefin Winfriede Schreiber. Es gehe Neonazis darum, „sich selbst zur Waffe zu formen und diese auch einzusetzen.“ In Brandenburg habe sich ein rechtsextremes Kampfsportmilieu herausgebildet. Es gebe Verbindungen zur Türsteherszene und „punktuell“ zum Wachschutzgewerbe.

Klandestin werden interne Boxkämpfe organisiert oder wie im Fall des inzwischen suspendierten Cottbussers Markus Walzuck Vereine unterwandert. Die Lübbener „Northsidecrew“ verstehe sich gleich als „nationale Kampfsportvereinigung“, die sich in ihrem Logo offen an der SA anlehne.taz

Kickbox-Schaukämpfe, sogenannte Fight-Nights, besuchen bis zu tausend Gäste. Für Neonazis sei Kampfsport wegen der „hohen Affinität zum Körperkult“ in der rechten Szene attraktiv und man lehne sich an die Ästhetik des Nationalsozialismus an, sagt der Verfassungsschutz.

Als Beispiel nennt der Bericht den „semiprofessionellen“ Cottbuser Kickboxer Markus Walzuck. Der vom Verfassungsschutz als Hooligan und Rechtsextremist eingestufte Mann läuft bei Turnieren mit Musik der rechtsextremistischen Band ‚Blitzkrieg‘ als „nationalrevolutionärer Krieger“ auf. „Nationale Kampfsporttage“ werden regelmäßig und konspirativ vom Neonazi-Netzwerk „Widerstand Südbrandenburg“ in der Lausitz, einem Schwerpunkt von Szene-Aktivitäten im Land, organisiert.

Bomber Harris do it again!

Der DFB verurteilte den SVB Babelsberg 03 in der letzten Woche zu einer Geldstrafe in Höhe von 5.000€. Grund für diese Entscheidung war ein Spruchband des Ostblocks mit der Aufschrift „05.03. Bomber Harris do it again“, das – laut DFB-Kontrollaussschuss – nach §9 Abs. 3 DFB-Rechts-und-Verfahrensordnung zu ahnden ist. Dort heißt es, Vereine müssen bestraft werden, „wenn Anhänger einer Mannschaft vor, während und nach einem Spiel im Stadion Transparente mit rassistischen Aufschriften entrollen oder sich auf andere Weise rassistisch und/oder menschenverachtend verhalten“.

Inwiefern hier eine menschenverachtende Aussage vorliegt erschließt sich uns nicht, denn dieses Spruchband bezieht sich auf den Aufmarsch von Neonazis am 05.03.2012 in Chemnitz, der – ähnlich wie in Dresden – die Bombardierung der Stadt aus dem Kriegskontext und der Schuld der Nazis ziehen soll, um das ‚Dritte Reich‘ in eine Opferrolle zu ziehen. Der Spruch „Bomber Harris do it again“ bezieht sich in diesem Kontext auf den General Sir Arthur Harris, der die Flächenbombardierungen u.a. auf Dresden und Chemnitz zu verantworten hat und ist eine kritische Anspielung auf die aktive Nazis Szene in und um Chemnitz, denen anscheinend auch nach dem Selbstverständnis des DFB entgegengetreten werden muss.

Was der DFB hier macht, ist also eine Behinderung antifaschistischer Arbeit, die nach eigenen Lippenbekenntnissen eigentlich gewünscht ist. Und dies vor allem, wenn der Vorstand des SV Babelsberg 03 als Konsequenz ankündigt, diese Strafe auf die verantwortlichen Fans umlegen zu wollen! Dieses Verhalten des Vereins und das sofortige und unreflektierte Einknicken vor dem DFB-Urteil ist genau so kritikwürdig, wie das Urteil an sich.

Der Verein, der nach eigenen Aussagen für Toleranz und Offenheit steht, unterstützt aktiv die Schwächung antifaschistischer Strukturen, die wesentlich mehr leisten als drei Pressemitteilungen für Toleranz im Jahr. Eine genauso große Unverschämtheit ist auch das weitere Verhalten des DFB gegenüber dem Chemnitz FC. Dieser wurde zu einer Strafe von 2000€ verurteilt, aber nicht weil die Nazis unter ihren Fans während des Spiels Hitlergrüße zeigten o.ä. (Link), sondern weil im Gästeblock Pyrotechnik abgebrannt wurde. Anstatt Strafen für Pyrotechnik auszusprechen und antifaschistische Strukturen anzugreifen, sollte der DFB die eigenen Lippenbekenntnisse lieber in die Tat umsetzen!

[via]

»Hitler was a strong man«

In unserer neuen Serie berichten 11FREUNDE-Mitarbeiter von der Auswärtsfahrt ihres Lebens. Heute: Boris Krohn über eine Reise in den Iran, Hitler-Verehrer, Flugzeugbenzin mit Limonade und eine wunderliche Rettung mit dem Auto.

Quelle: 11.Freunde

Machen wir uns nichts vor. Bei Auswärtsfahrten ist es wie im richtigen Leben – der Weg ist das Ziel. Die Eckdaten waren Hamburg – Frankfurt – Teheran und Retour Teheran – Istanbul – Hamburg. Es war Anfang Oktober 2004 und beim DFB hatte man sich zu einem Benefizspiel im Iran zu Gunsten der Opfer der Erdbebenkatastrophe in Bam entschieden. Was der Partie an fußballerischer Strahlkraft fehlte, machte der Austragungsort wett – Azadi-Stadion, Teheran, ehemals 140.000 Zuschauer fassend, nun auf rund 100.000 Sitzplätze rückgebaut. Und eben Teheran – Stadt, Moloch, unbekanntes Terrain mit knapp neun Millionen Einwohnern.

Mein alter Kumpel OS, seines Zeichen nicht bekennender Groundhopper mit stolzen 50 Länderpunkten, hatte Flüge und Hotel recherchiert und so ging die Reise los.

Die Damen am Check-in-Schalter steckte mir eine Nummer zu

In Hamburg wurde zu früher Morgenstunde das Reisefieber mit eiskaltem Holsten therapiert, was in Frankfurt aufgrund des großen Erfolges fortgesetzt wurde. Der Start der Iran Airline Maschine wurde glatt verschlafen, was wir wohlwollend auf die außerordentlichen Fähigkeiten des Kapitäns zurückführen wollten. Am Teheraner Khomeini-Airport fiel mir dann auch wieder jener Zettel in die Hand, den mir die freundliche Dame am Check-in der Iran Airlines verschwörerisch zugesteckt hatte. Auf ihm standen die Telefonnummer ihrer Schwester und deren Name. Ich sollte nicht zögern sie anzurufen, falls ich in »Schwierigkeiten« geraten sollte. Ah ja, sehr gerne! (mehr…)

Rasen der Leidenschaft.

Mit dem Buch „Rasen der Leidenschaft“ hat der Autor Christian Wolter einen formidablen Überblick über den Berliner Fußball veröffentlicht. Andreas Gläser schreibt zu diesem Buch in seiner Rezenssion für den Berliner Tagesspiegel:

„Insgesamt sind es 66 Spielstätten, von 1880 bis heute, über deren Vereine, sowie Rekorde und Tumulte, berichtet wird. Es werden einige Seiten zum inzwischen verblichenen Avus-Stadion geliefert, welches sich direkt neben dem Mommsenstadion in Charlottenburg befand, sowie zum Stadion der Weltjugend in Mitte und zur Weddinger Plumpe sowieso. Man erfährt, dass der erste deutsch-deutsche Freundschaftsvergleich nach dem Mauerbau zwischen dem Berliner Altmeister Viktoria 89 und Schifffahrt/Hafen Rostock stattfand, dass sich kurz nach einem Spiel zwischen Hertha BSC und Tennis Borussia, 1928 im Deutschen Stadion, ein Straßenbahnunglück ereignete, welches als größte Fußballtragödie Berlins gilt, bei dem es sechs Tote und über 100 Verletzte zu beklagen gab.

Auf den vielen Fotos der verschiedenen Epochen finden sich viele unterschiedliche Zeitgesichter. Mitunter wird die einst starke Arbeitersportbewegung thematisiert, die mit der Machtergreifung der Nazis ihr plötzliches Ende fand. Diese Lektüre ist eine Reise durch die Jahrzehnte und Gesellschaftsordnungen.“

Heute Abend wird Christian Wolter im Kikisol sein Buch beim Roten Stern Nordost vorstellen. Bei dieser Veranstaltung wird ein besonderes Augenmerk auf den Berliner Arbeiterfußball und den Roten Wedding gelegt.

Rote Sterne gegen Homophobie

Das erste Spiel der Rückrunde unserer ersten Mannschaft gegen den SFC Friedrichshain FZ war eines dieser typischen 6-Punkte-Spiele. Platz 4 gegen Platz 5, der Sieger wird den Anschluss an die Spitze halten, der Verlierer wohl erstmal im Tabellenmittelfeld verharren müssen und auf bessere Zeiten hoffen. Nicht ganz so typisch war jedoch der Beginn. Vor Anpfiff nahmen die Spieler beider Teams, sowie der Schiedsrichter, Stellung gegen Feindlichkeit gegenüber Schwulen und Lesben. Die symbolische Transpi-Aktion ist Teil der Kampagne „Fußballfans gegen Homophobie” und machte nach diversen höherklassigen Stadien nun auch an unserem Sportplatz im Stadion Buschallee halt. Etwas verspätet ging dann der sportliche Teil des Abends los… [hier geht es weiter.]


In mitteleuropäischen Ländern kann seit längerem ein gesellschaftlicher Prozess festgestellt werden, der es homosexuellen Menschen mehr und mehr erlaubt, ihre sexuelle Orientierung nicht verbergen zu müssen, sondern offen leben zu können. Weite Teile der Gesellschaft bleiben von dieser Entwicklung jedoch offenbar unberührt – Homophobie ist auch in Mitteleuropa immer noch ein großes Problem.

Ein Beispiel hierfür ist der Fußballsport, insbesondere da wo er von Männern ausgeübt wird. Sowohl Fankurve als auch Mannschafts-, Vereins- oder Verbandsgefüge stellen weiterhin ein Reservat obsoleter Männlichkeitsvorstellungen dar. Mit Männern assoziierte Stereotype wie Härte, Kampfgeist oder Durchsetzungsvermögen, die für den Fußballer als unabdingbar gelten, werden exklusiv dem heterosexuellen Spieler zugeschrieben. Schwulsein dient hierbei als Synonym für Schwäche. Das Resultat zeigt sich auf den Rängen, wo kollektiver Rausch und die Anonymität der Masse den Raum schaffen für Diskriminierung in unverhohlener und lautstarker Form. In den Vereinen hingegen prägt meist Tabuisierung das Bild, wenn auch hier nach wie vor mit Regelmäßigkeit homophobe Entgleisungen von Akteuren aller Ebenen zu vernehmen sind.

Diesem Zustand entgegenwirken möchte die Aktion Fußballfans gegen Homophobie. Die Abteilung Aktive Fans des Fußballvereins Tennis Borussia Berlin schickt hierfür in Kooperation mit dem Projekt Soccer Sound des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg ein Banner auf die Reise zu Vereinen, in Fankurven und zu Fußballprojekten in ganz Deutschland.

[via]

Neonazi – Fußballturnier in Görlitz

Am 17. März 2012 fand in Görlitz / Ostsachsen ein „Nationales Fußballturnier“ statt. Organisiert wurde es vom Görlitzer Neonazi – Aktivist Rocky Mauksch. Das braune Event wurde in der Görlitzer Jahn – Sporthalle durchgeführt. Die ersten Neonazis aus Dresden reisten bereits vor 9 Uhr an. Offizieller Beginn des Turniers war um 10 Uhr.

Rocky Mauksch hatte die Veranstaltung für den Fußballverein Energie Görlitz angemeldet und durchgeführt. Der Verein ist in Görlitz bereits seit mehreren Jahren als Tarn – Verein für die Kameradschaft Boot – Boys und diverse Aktivist_innen der Freien Kräfte bekannt. Die erste Herren – Mannschaft (Fußball) besteht fast ausschließlich aus Neonazis oder deren unmittelbarem sozialen Umfeld.

Der Fußball – Verantwortliche und Vorsitzende des Vereins Thomas Seliger ist ebenfalls seit Jahren als aktiver Neonazi in Görlitz bekannt. Seine Mutter betreibt das Europa – Hotel in der Berliner Strasse in Görlitz und trat neben der Deutschen Proventus / Görlitz immer wieder als Sponsor der Mannschaft auf. Der Verein nutzt außerdem die Adresse des Hotels als Anschrift.

Zu der Veranstaltung kamen ca. 100 Neonazis v.a. aus den neuen Bundesländern, aber auch Tschechien. Laut einem Eintrag eines Neonazis bei einer social community wurde einem Fernseh – Kamerateam der Zugang zu der Veranstaltung verwehrt.

Über eine Email – Liste hatte Mauksch außerdem für den Abend auch noch ein Neonazi – Konzert im kameradschaftseigenen Club Helenenbad (Besitzer ist der Görlitzer Bauunternehmer und langjährige Neonazi – Aktivist Rene Nierling) angekündigt. Gerüchten zufolge wurde dies allerdings durch die Stadt verboten.

Wieso die Stadt rechte Veranstaltungen in ihren eigenen öffentlichen Sport – Räumen zulässt und in Neonazi – Räumen verbietet, ist kaum zu verstehen. Bestenfalls ist es noch mit einfacherer und besserer Überwachung zu erklären, was aber kein Grund dafür sein darf Neonazi – Veranstaltungen überhaupt zu ermöglichen. Ebenfalls nicht nachvollziehbar ist, wie der Verein Energie Görlitz noch weiterhin direkt oder indirekt Unterstützung durch diverse Sponsoren, die Stadt selber, den Sportbund und den Oberlausitzer Fußball – Verband bekommt.

[via]

MTZ-Ripo: Aufruf zur Solidarität!

Uns erreichte ein Hilferuf aus Weißrussland. Wir bitten nun Euch wiederum um tatkräftige Hilfe für die Genossen im wilden Osten…

MTZ-Ripo ist ein Fußballklub aus der weißrussischen Hauptstadt Minsk, der seit 2009 unter dem Namen Partizan spielt. In den vergangenen Jahren entwickelte sich bei dem Verein eine starke, antifaschistische Fan- und Ultrà-Szene. Damit ist der Club nicht nur in der ehemaligen Sowjetunion, sondern im gesamten Ostblock einzigartig.

Natürlich gibt es auch bei anderen Vereinen Ansätze einer progressiven Fankultur, doch bei MTZ Ripo steht eine Masse dahinter. Bis zu einige Hundert zumeist junge Leute zählen zur Fanszene, darunter viele Angehörige alternativer Subkulturen (u.a. Punkrock, Hardcore, Veganismus). Die Fans widersetzen sich nicht nur der krassen Repression des autoritären Staates, sondern konnten im Laufe der Zeit die Dominanz faschistischer und neonazistischer Hooligans (u.a. vom Traditionsklub Dinamo Minsk) brechen – das Klima in der Stadt hat sich gewandelt. Der Verein mit seiner Fanszene bildet eine enorm wichtige Gegenkultur zum autoritären und extrem rechten Mainstream in der Gesellschaft. Die Ausstrahlungskraft reicht weit über das Fußballstadion und die Landesgrenzen hinaus und zeigt, dass auch unter schwierigsten Bedingungen eine Alternative möglich ist.

Unterstützen wir die Rettung von MTZ Ripo Minsk

Im letzten Jahr konnte MTZ Ripo den Aufstieg in die höchste Spielklasse feiern, was die positiven Entwicklungen weiter beförderte. Im Dezember 2011 hat sich allerdings der Klubbesitzer und Sponsor Vladimir Romanov zurückgezogen. Die Suche nach neuen Sponsoren war nicht erfolgreich, die Mannschaft stellte den Spielbetrieb ein und es droht das endgültige Aus. Mit einer Rettungskampagne wollen die Fans und Ultràs ihren Verein retten und zumindest die 2. Liga ermöglichen.

Der Verein benötigt insgesamt ca. 80.000 Euro für die Registrierung zur 2.Liga, die Stadionmiete und den Bürobetrieb. Bis zum April müssen die ersten 10.000 Euro gesammelt werden. Um diese Aufgabe zu stemmen wurde eine Genossenschaft gegründet, bei der jede/r Teilnehmende (bisher etwa 400; Stand 23.02.2012) einen monatlichen Beitrag zahlt. Dieser Schritt zur Selbstorganisation gewährleistet, dass alle Teilhaber ihres Clubs werden und die zukünftigen Entwicklungen – wie beispielsweise Personalentscheidungen – mitbestimmen können.

Für uns kann es nur heißen, diesen Club mit seiner einzigartigen Fankultur zu unterstützen. Helfen wir mit, dass sich auch in Zukunft die antifaschistische Fankultur in Minsk im Speziellen und die progressiven, sowie antifaschistischen Subkulturen im Allgemeinen weiter entwickeln können!

PayPal: —||| szymon666@poczta.onet.pl |||- Betreff: MTZ und gebt bitte auch euren Verein an, damit die Leute vor Ort wissen, wer zu ihnen steht!

[via]

Jakob Moneta: We will not forget him!

Würde man mich fragen, woher meine unverrückbare Zuversicht stammt, daß Menschen Habsucht, Jagd nach Geld, Konkurrenzneid, Selbstsucht, Unterwürfigkeit – jene zum großen Teil vom Kapitalismus mühsam anerzogenen ‚menschlichen‘ Eigenschaften – ablegen können; würde man mich fragen, wo die tiefste Wurzel meines Glaubens daran liegt, daß Menschen ohne jeden äußeren Zwang als Gleiche und Freie im Kollektiv ihr Leben selbst gestalten können, ich würde antworten: Das hat mir meine Erfahrung in der Praxis des damaligen Kibbuz bewiesen.

Am 3. März diesen Jahres verstarb der Genosse Jakob Moneta im Alter von 97 Jahren. Der ehemalige Arbeitersportler, Gewerkschafter und Kommunist war immer ein leuchtendes Beispiel dafür, dass man in jeder Lebenslage und an jedem Ort der Welt für seine Ideale eintreten kann, nein muss. Als Zionist in Israel arbeitete er in der Gewerkschaft mit Arabern zusammen, als Antistalinist unterstützte er Wolfgang Biermann als dieser noch alle Tassen im Schrank hatte und als Gewerkschafter kämpfte er in der IG Metall für eine gerechte Entlohnung der Arbeiter.

(mehr…)

Rom: Rassismus beim Derby

Das 170. Römer Derby wurde überschattet von rassistischen Beleidigungen in Richtung Roma-Verteidiger Juan. Der reagierte noch auf dem Feld mit einer beschwichtigenden Geste, was freilich nur zu noch wüsteren Beschimpfungen durch die Lazio-Ultras führte. Nach dem Spiel, das Lazio wie im Hinrundenvergleich 2:1 gewann, zeigte sich der Ex-Leverkusener enttäuscht und überrascht: „Sie tun mir leid, aber ich bin charakterstark genug, um das einfach abzuschütteln.

Quelle: kicker

Juan zeigte nach dem Spiel Größe gegenüber „Sky Sport Italia“. „Das ist noch nie passiert, sie tun mir einfach leid“, sagte der Innenverteidiger mit Blick auf die wieder einmal ausfällig gewordenen Lazio-Ultras. Diese hatten Juan während des Spiels rassistisch beleidigt. Zunächst versuchte der Spieler, die Rufe einzudämmen, indem er den Zeigefinger auf seine Lippen legte. Indes, die Rufe wurden wenig überraschend immer lauter.

Auch eine ermahnende Einblendung auf der Anzeigetafel brachte zunächst nicht die erhoffte Besserung. „Das ist einfach schlimm und enttäuschend“, so Juan, der nach 77 Minuten durch Bojan Krkic ersetzt wurde. „In zehn Jahren für die Roma ist mir das noch nie passiert.“ Der Brasilianer, der sich noch nie abfällig über Lazio geäußert habe, hielt jedoch mit Nachdruck fest, dass ihn die Zwischenfälle am Sonntag nicht auf dem Feld beeinflussen würden.

Bitter sei besonders, dass vor dem Spiel die Akteure beider Mannschaften mit antirassistischen Botschaften aufs Feld gekommen waren. Nach den Beschimpfungen wurde Juan von Roma- und Lazio-Spielern umarmt, alle Akteure waren enttäuscht und ernüchtert.

FCK: Aufstand gegen Antisemiten

Der Schock in Kaiserslautern sitzt tief: Nach den antisemitischen Pöbeleien einiger Anhänger gegen den jüdischen Stürmer Itay Shechter planen die Fans für Samstag Solidaritätsbekundungen. Die Verantwortlichen gingen mit gutem Beispiel voran.

Quelle: SPON

Als Itay Shechter vergangenen Sommer sein erstes Pflichtspiel am Betzenberg absolviert hatte, war er begeistert. Einige der über 40.000 Zuschauer hatten sogar Israel-Fahnen mitgebracht, um die Neuverpflichtung willkommenzuheißen. Auch wenn der Stürmer aufgrund einer Verletzung derzeit nur zuschauen kann: Am kommenden Samstag, beim Spiel gegen Wolfsburg, werden wohl wieder Pro-Shechter-Transparente zu sehen sein. Die große Mehrheit der FCK-Fans ist entsetzt über die antisemitischen Pöbeleien vom vergangenen Sonntag.

Bis Mitte der Woche, so Lauterns Pressesprecher Christian Gruber, seien 1500 E-Mails von Fans eingegangen, die Shechter und dem FCK ihre Solidarität versicherten. Der Club hatte sich sofort vor seinen Spieler gestellt und die Fans um Hilfe bei der Ermittlung der Täter gebeten. Gruber betont, dass „kein Entscheidungsträger auch nur eine Sekunde für ein Wegducken plädiert hat“.

Der israelische Stürmer selbst will sich von den „fünf, sechs Leuten“, aus deren Gruppe die antisemitischen Pöbeleien kamen, sowieso nicht beeindrucken lassen. Er wisse, dass die meisten Fans Antisemitismus verurteilten. Das trifft zu. Doch auch auf der Westtribüne gibt es Inseln, wo sich rechte Fans treffen.

Polizei: Ausreden statt Eingreifen

Dass Shechter und andere Spieler beim Auslaufen („Ihr Drecksjudde, renne!“) beschimpft wurden, ist akustisch dokumentiert, Filmmaterial existiert hingegen nicht. Die fünf- bis zehnköpfige Gruppe, aus der heraus gepöbelt wurde, bestand teils aus älteren Hooligans, teils aus jüngeren FCK-Sympathisanten. Aufnahmen zeigen zudem, dass ein FCK-Fan am Mainzer Hauptbahnhof ebenfalls antisemitisch pöbelte – offenbar war der Urheber ebenfalls einer aus der Gruppe.

Meldungen, wonach erste Verdächtige bereits vorgeladen wurden, ließ Wolfgang Danzer, Sprecher der Polizeidirektion Westpfalz, auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE unkommentiert. Die Begründung, warum die beiden Beamten vor Ort am Sonntag nicht eingeschritten sind, klingt befremdlich. Einige der Pöbler seien sowieso namentlich bekannt. „Zwei, drei davon haben Stadionverbot“, so Danzer.

Diese Anhänger dürfte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann gemeint haben, als er sich mit den Worten „Wer solche Fans hat, ist gestraft. Wer solche Fans duldet, gehört bestraft“, zitieren ließ. Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE konkretisierte er nun seine Kritik. Diese habe nicht dem Verein („erfreulich klare Distanzierung“) gegolten, sondern sei als Mahnung an den Fußball zu verstehen.

Klare Worte der Vereinsführung

Ich hätte mich gefreut, wenn der DFB unmittelbar reagiert hätte und nicht erst am Dienstag“, sagt Graumann. Er hofft, dass sich der Verband unter dem designierten DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach („bereits im Ansatz entschlossen entgegenwirken“) seiner Vorbildfunktion bewusst sei: „Es ist gerade für den Jugendfußball wichtig, dass Antisemitismus konsequent geächtet wird. Theo Zwanziger hat da viel Gutes bewirkt.

Graumann, ehemaliger Präsident von Makkabi Frankfurt, weiß, dass Antisemitismus nicht nur im Fußball wieder salonfähiger wird. Auf manchen Schulhöfen sei es gang und gäbe, „Jude“ als Schimpfwort zu benutzen. Anhänger, die sich wie die „Löwenfans gegen rechts“ gegen die rechte Unterwanderung des 1860-Fanblocks wehren, wurden ebenfalls antisemitisch beschimpft. Oft genug allerdings entscheiden sich die Vereine für eine Vogel-Strauß-Strategie: Kopf in den Sand und bloß nicht hingucken.

Ganz anders der FCK. Geschäftsführer Stefan Kuntz hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder deutlich gegen Rechtsextremismus und Homophobie positioniert. Das allerdings aus gutem Grund: In den Achtzigern machte sich eine starke rechte Szene in der Westtribüne breit, Zeitzeugen schildern die damalige Atmosphäre als dumpf und latent rassistisch. Solche Fans zieht der FCK – wie fast jeder Bundesligist – immer noch in Teilen an.

Doch der Mainstream in der Kurve hat sich in den vergangenen Jahren geändert – auch durch das Aufkommen der Ultra-Szene, die eine dynamischere, weltoffenere Fankultur auf den Rängen etablierte. Bleibt zu hoffen, dass Ordner, Fans und Polizei künftig ein bisschen genauer hinsehen beziehungsweise -hören, wenn offensichtlich rechtsextreme Fans neben ihnen ihr Unwesen treiben.