Archiv für Mai 2012

Balotelli droht Rassisten mit Vergeltung.

Mario Balotelli hat vor der Europameisterschaft für einen Skandal gesorgt. „Wenn mich jemand auf der Straße mit einer Banane bewirft, werde ich denjenigen umbringen“, sagte der italienische Stürmer. Sollte dies im Stadion passieren, werde er sofort nach Hause fahren.

Quelle: SPON

Der italienische Fußball-Nationalspieler Mario Balotelli hat die Rassismus-Debatte um die EM-Gastgeber Polen und Ukraine verschärft. Der 21 Jahre alte Stürmer vom englischen Meister Manchester City drohte fremdenfeindlichen Fans in einem Interview für den Fall, dass sie ihn angingen, mit Vergeltung. „Wenn mich jemand auf der Straße mit einer Banane bewirft, werde ich ins Gefängnis gehen müssen, weil ich denjenigen umbringen werde“, sagte Balotelli dem französischen Magazin France Football.

Er hoffe zwar, dass es bei der EM (8. Juni bis 1. Juli) keinerlei Probleme mit Rassismus geben werde, ergänzte Balotelli, falls doch, werde er allerdings „sofort den Platz verlassen und nach Hause fahren“.

Balotelli, als Sohn ghanaischer Einwanderer in Palermo geboren, war schon mehrfach Ziel rassistischer Attacken – auf und neben dem Platz. Nun berichtete er von einem Vorfall in einer Bar in Rom. „Da waren zwei, drei Jungs, und zum Glück war die Polizei schnell zur Stelle. Denn, ich schwöre, ich hätte sie geschlagen, wirklich zerstört“, sagte er.

Ich kann es schlicht nicht hinnehmen

Für Balotelli ist Rassismus „nicht akzeptabel. Ich kann es schlicht nicht hinnehmen. Wir leben im Jahr 2012, so etwas darf nicht passieren. Aber wenn du ein starker Spieler bist, suchen sie nunmal Wege, um dich zu ärgern. Sie denken, dass Provokation der einzige Weg ist, um dich zu verletzen.

Der für seine Eskapaden neben dem Spielfeld berüchtigte Stürmer überraschte überdies mit einer weiteren Aussage. „Ich glaube, dass ich intelligenter bin als der Durchschnittstyp. Das Talent, das mir Gott gegeben hat, ist schön und wunderbar, aber auch eine Belastung, weil mich immer wieder Leute beurteilen wollen. Doch es gibt wenige Leute mit einem solchen Talent, also auch wenige, die mich beurteilen können.

Zuletzt hatte der ehemalige englische Nationalspieler Sol Campbell Fans wegen der Bedrohung durch Rassismus und Gewalt vor einer Reise zur EM gewarnt. „Bleiben Sie zu Hause, sehen Sie sich die Spiele im Fernsehen an. Riskieren Sie nichts, sonst könnten Sie am Ende in einem Sarg zurückkommen“, hatte der ehemalige Abwehrchef des FC Arsenal und von Tottenham Hotspur gesagt.

Die Gastgeber Ukraine und Polen hatten sich anschließend gegen die Vorwürfe zur Wehr gesetzt. „Die Ukraine zu beschuldigen, rassistisch und faschistisch zu sein – und das in einem Ton, in welchem es von britischen Medien, einigen britischen Fußballern und britischen Politikern getan wurde – ist einfach schändlich“, sagte Oleg Woloschin, der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums.

hit the summer, one more time!

…anklicken! tausendfach wiederholen. hot rotation! immer wieder geniessen. gemeinsam mit freunden dazu tanzen. die faust geballt. kaufen!

Együtt a harcban! Solidarität mit den antifaschistischen Fans in Ungarn!

Wie bereits im letzten Ultra Unfug und nun auch bei den Zujezogenen zu lesen war, haben sich die Ultras E.S.M.T.K. aufgelöst. Damit gibt eine der letzten antifaschistischen und antirassistischen Ultragruppierungen in Ungarn angesichts der zunehmenden nationalistischen und neofaschistischen Hegemonie in den Kurven auf. Die Bedeutung dieser kleinen Gruppe für die emanzipatorische ungarische Fankultur kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Der Verlust reißt ein tiefes Loch, dessen Auswirkungen zur Zeit nicht einmal annähernd absehbar sind. Amaranto – Tifos* del livorno dal ’08 e sempre! veröffentlichte deshalb einen alten Text zum Alerta Actionday im März 2009. Diesen äußerst lesenswerten Artikel könnt Ihr hier komplett lesen…

ARD Sportmoderatoren-Tourette-Syndrom

Gestern konnte, wer wollte, einen ganz besonderen Fussballabend erleben. Relegation hies das Zauberwort. Emotionen ohne Ende. Spannung bis zum Ende. Und ein ARD-Kommentator dem man am Ende gerne höchstpersönlich die Luft abgedreht hätte.

„Hätte man das Bild bei der Übertragung des Bundesliga-Relegationsspiels abgestellt und nur dem Ton gelauscht, man hätte denken können, beim Spiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC Berlin (2:2) habe es zehn Tote gegeben. Es war aber weniger dramatisch, zumindest graduell. Hunderte begeisterte Fans stürmten den Platz, eine Minute bevor die Nachspielzeit beendet war. Das war ziemlich ungeschickt, man könnte es auch dumm nennen.“ [via]

Aber zum Glück leben alle Beteiligten noch. An der Hetzkampagne deutscher Sportjournalisten ändert dies nichts…

„Deutlich wurde jedoch schnell, dass sich Beckmann und Experte Mehment Scholl in größtmöglicher Entfernung zu einer realistischen Sicht auf das Thema Fans und Sicherheit befinden. Scholl war etwas aufgefallen, nämlich dass die bengalischen Feuern in den beiden Kurven fast gleichzeitig gezündet worden seien – spekulieren wollte er nicht, aber ob es da vielleicht Absprachen der “Hooligans” untereinander gegeben haben könnte? Soziale Netzwerke, assistierte Beckmann (sogenannte oder selbsternannte Fans in “diesem Internet”, quasi eine verdoppelte Gefahr …), da wäre vieles möglich. Auf die Idee, dass die Pyroaktionen der Herthaner und Düsseldorfer Fans auch mit dem Spielverlauf, sprich mit den Toren zu tun haben könnten, auf diese Idee kam keiner. “Hooligans”, die sich über Twitter zu einer Verschwörung zusammenfinden, klingen schließlich auch gleich viel dramatischer. Das war nur ein kleiner Wortwechsel, er zeigt jedoch, wie weit entfernt der deutsche Sportjournalismus von einem Thema ist, das er doch selbst immer wieder auf die Agenda setzt. Immerhin: Nach einer Lösung für das Problem Fangewalt befragt, gab Mehmet Scholl zu, darüber eigentlich noch nie nachgedacht zu haben.

Obendrein gewährte er weitere interessante Einblicke in die Weltsicht von Fußballern: Wie viel “Grütze” müsse man im Kopf haben, wenn man ein Kind solchen Gefahren aussetze?, zog Scholl vom Leder. Gemeint waren Leute, die mit ihren Kindern auf dem Rasen den historischen Erfolg der Fortuna feierten. Fans gelten hier offenbar als hirnlose Masse, vor der man sich möglichst schnell in Sicherheit bringt.“

Das Ende ist noch nicht abzusehen. Steigt Düsseldorf auf, oder nicht? Wir hoffen es! Ebenso hoffen wir, dass die Geronten vom DFB und der DFL jetzt nicht selber durchdrehen und zu Chaoten mutieren in dem sie am grünen Tisch das Ergebnis nachträglich manipulieren. Und zu Beckmann & Co. kann man eigentlich nur noch strafrechtlich relevantes zu Papier bringen…

Borussenfront-Jubiläum in Dortmunder Diskothek?

Wie dem Dortmunder Antifa-Bündnis* aus Neonazi-Szenekreisen bekannt wurde, will die rechte Dortmunder Hooligangruppierung Borussenfront am Mittwoch, 16. Mai, ihr 30-jähriges Bestehen feiern: nicht an irgendeinem abgelegenen Ort, sondern in einer Diskothek mitten in der Dortmunder Innenstadt.

Die Borussenfront war in den 1980er Jahren eine der bekanntesten Hooligangruppierungen bundesweit. Ihre Mitglieder prügelten sich nicht nur an Spieltagen mit gegnerischen Fans, sondern gingen auch außerhalb des Stadions auf Migranten los. Auch optisch bezog die Gruppe deutlich Stellung: Die Dortmunder Hooligans benutzten immer wieder NS-Symbole wie die Runenschrift oder den SS-Totenkopf, etwa auf ihren Zaunfahnen oder T-Shirts.

SS-Siggi

Dass dabei nicht nur ein Wille zur Provokation, sondern auch eine durchaus ernst gemeinte politische Einstellung zum Ausdruck kam, lässt sich am besten an der Person Siegfried Borchardt zeigen, der lange Zeit einer der führenden Köpfe der Borussenfront war: „SS-Siggi“ war Mitbegründer der neonazistischen Kameradschaft Dortmund und fungierte früher in der Dortmunder Neonaziszene als Anmelder von zahlreichen Demonstrationen.

SS, SA, Borussia

Spätestens seit ihrer großen „Jubiläumsfeier” zum 20-jährigen Bestehen war es merklich still um die Borussenfront geworden. Nachdem Ostern 2002 die Feier in Dortmund untersagt wurde, verlegte man die Veranstaltung auf einen Acker im hessischen Kirtorf und reiste mit den 150 Gästen zu dem Konzert der extrem rechten Bremer Band „Kategorie C“. Dort feierte sich die Borussenfront dann schließlich mit bis zu 600 Personen unter der Parole „SS, SA, Borussia“ selbst.

Eine Party der ,Borussenfront’, die eine große Zahl gewalttätiger Neonazis in der Dortmunder Innenstadt versammelt, ist eine Bedrohung für all diejenigen, die sich in der Innenstadt bewegen und nicht ins Menschenbild der Neonazis passen“, erklärte das Dortmunder Antifa-Bündnis.

[via]