Archiv für Oktober 2012

Alter Schwede!

Aus der Reihe, so muss das laufen:
Beim Heimspiel von Hammarby IF brennt das halbe Stadion.

»Was soll ich mit einem Hoffenheim-Trikot?«

Metin Cakmak sorgte mit zwei Toren für die 4:0-Pokalsensation des Viertligisten Berliner AK gegen die Millionärstruppe der TSG Hoffenheim. Vor dem Spiel in der 2. Runde gegen TSV 1860 München spricht der 25-Jährige über das Rezept für die Pokalsensation, Gespräche mit Toni Schumacher und das Trikot von Tim Wiese.

Quelle: 11.Freude

Metin Cakmak, welches Trikot haben Sie sich nach der Sensation gegen Hoffenheim gesichert?
(lacht) Wie ich schon vor dem Spiel gesagt hatte: Keines, die sind ja nicht der FC Barcelona! Was soll ich mit einem Trikot von Hoffenheim? Dafür würde ich mich nicht unbedingt schlagen.

Hoffenheims Torwart Tim Wiese hatte vor der Saison großspurig angekündigt, um die Deutsche Meisterschaft spielen zu wollen und auch die Champions League war ein Thema. Nach ihrer 4:0-Blamage stellt sich die Frage: Ist der Berliner AK etwa Champions League tauglich?
An dem großen Tag war zwar jeder einzelne unserer Spieler richtig gut drauf, aber Champions League wäre trotzdem übertrieben. Zum Glück hat Hoffenheim uns gründlich unterschätzt – wir konnten das eiskalt ausnutzen.

Gleich in der dritten Minute trafen Sie mit einem traumhaften Heber, bei dem auch der ehemalige Nationaltorhüter keine Chance hatte.
Der Ball kam auf mich zu und ich dachte: »Annehmen und direkt drauf!« Wir hatten vorher besprochen, dass Tim Wiese immer weit vorm Tor steht. Also habe ich gelupft.

Im Gegensatz zu Hoffenheim waren Sie auf den Gegner offensichtlich hervorragend eingestellt. Wie sah Ihre Vorbereitung aus?
Wir haben versucht, Hoffenheims Schwächen genau zu analysieren. Als ich in der Videoanalyse gesehen habe, welche Schwächen Hoffenheims Viererkette hat, habe ich richtig Mut geschöpft. Ihre Innenverteidiger sind zum Beispiel langsam und unbeweglich. Meine Mitspieler und ich waren einhellig der Meinung, dass wir den Bundesligisten schlagen können.

Kommentator Steffen Simon sagte in der TV-Zusammenfassung: »Man kann verlieren gegen einen Viertligisten, der so stark ist wie der Berliner AK, aber man darf sich nicht so an die Wand klatschen lassen wie heute 1899. Hoffenheim verliert auch in dieser Höhe verdient!« Würden Sie zustimmen?
Wir hatten definitiv noch ein paar hochkarätige Chancen mehr, insofern hat Hoffenheim mit dem 4:0 noch Glück gehabt. Das hat Markus Babbel nach dem Spiel übrigens auch gesagt.

Sie sind jetzt 25. Hätten Sie sich vor fünf Jahren ausgemalt, mal einen Bundesligisten aus dem Pokal zu schmeißen?
Ja, warum nicht? Mit 20 hatte ich noch große Träume. Allerdings sah es beim Berliner AK vor fünf Jahren noch ziemlich trist aus: Wir waren kaum zehn Spieler beim Training, es gab kein Geld und keinen Trainer. Das hat sich durch Erfolge in den vergangenen Spielzeiten geändert.

Haben Sie beim TSV 1860 München auch schon Schwachstellen gefunden?
Ja, aber das wird jetzt noch nicht verraten. Wir werden auf den Platz gehen, kämpfen und Spaß haben. Wir genießen den Status des Außenseiters – den Druck hat der TSV 1860 München.

Direkt nach Abpfiff des Erstrunden-Spiels wurden Sie nach Mainz für das Sportstudio eingeflogen. Fanden Sie es sehr schade, dass Sie nicht mit der Mannschaft feiern konnten?

Im Sportstudio zu sein war natürlich etwas besonders, aber die legendäre Feier der Mannschaft habe ich leider verpasst. Nach dem Spiel gegen 1860 München feiere ich dann auch wieder mit, es sei denn, ich muss wieder ins Sportstudio.

Wie hat es Ihnen im Sportstudio gefallen?

Der ganze Tag war für mich wie im Nebel: Ich bin ganz normal wie an jedem Spieltag zum Spiel gefahren, stand auf dem Platz und auf einmal saß ich gegenüber von Katrin Müller-Hohenstein in Mainz. Direkt vor dem Auftritt haben meine Knie mächtig geschlottert, aber vor den Kameras war ich recht locker. Richtig realisiert habe die Zeit dazwischen erst später.

Was spielte sich hinter den Kulissen des Sportstudios ab?
Die Beachvolleyball-Olympiasieger Jonas Reckermann und Julius Brink waren gut gelaunt und haben versucht, mich ein wenig zu beruhigen. Kurz vor meinem Auftritt habe ich hinter der Bühne noch Toni Schumacher getroffen, der mich auf einmal in fließendem Türkisch angesprochen hat. Bevor ich ins Studio gegangen bin, sagte er noch: »Hoffentlich spielen wir mit dem FC noch gegen euch, aber erst im Finale!«

Im Sportstudio haben Sie nach dem Sieg gegen Hoffenheim gesagt: »Jetzt kann kommen, wer will!« Waren Sie ein wenig enttäuscht, als es dann nur TSV 1860 München war?
Ja, sich mit den Spielern von Bayern München oder Borussia Dortmund zu messen, wäre natürlich ein Traum gewesen. Dass wir jetzt auf 1860 treffen, ist allerdings auch ok.

Bereuen Sie heute, dass Sie sich nicht Tim Wieses Trikot als Trophäe geholt haben?

Nein, ich bin habe mein eigenes behalten. Allerdings wollte unser Torwart das Trikot mit Wiese tauschen. Aber Tim Wiese hat es ihm verweigert – war wahrscheinlich nicht sein Tag.

Kurze Leinen – Fanatische Fanpolitik

Kurze Leinen – Fanatische Fanpolitik from hiddenframe on Vimeo.

Die Divergenz zwischen Medienberichterstattung und Realität in Sachen Fussballfans ist gross und wird immer grösser. Die Aussenwahrnehmung wird geprägt von gewalttätigen und kriminellen Fussballfans. Insbesondere Ultras werden in diesem Zusammenhang immer wieder erwähnt.

Der Film “Kurze Leinen – Fanatische Fanpolitik” versucht am Beispiel der Berner Fanszene das Problem differenzierter zu beleuchten und erlaubt einen interessanten Einblick in die hiesige Fankultur. Ultras, Sicherheitsverantwortliche, Spieler, SBB-Personal, SFV-Delegierte oder auch Juristen kommen in diesem spannenden Dokumentarfilm zu Wort. Die dadurch gewonnenen Einblicke kreieren ein etwas anderes als das von den Medien transportierte Bild.

Herausgekommen ist ein absolut gelungenes und sehenswertes Projekt. Wir würden uns wünschen einen solchen Film auch mal im öffentlichen Fernsehen sehen zu dürfen. (Quelle)

»Eine Verletzung der Menschenwürde«

Bis zum heutigen Montag haben die Profivereine Zeit, zu einem von der DFL erarbeitetem Sicherheitskonzept Stellung zu nehmen. Union Berlin, Hertha BSC und St. Pauli haben das Konzept bereits abgelehnt. Wir dokumentieren die wichtigsten Aussagen.

Quelle: 11.Freunde

Wir dokumentieren in der Folge Auszüge aus dem Konzept »Sicheres Stadionerlebnis« sowie der Stellungnahmen von Union Berlin und der Fanhilfe Hannover. Die ausführlichen Dokumente dazu finden sich hier und hier.

1. Allgemein: Das Sicherheitskonzept

DFL: Optimierungen vornehmen

»Beim Blick auf die Veranstaltungslage in den höchsten deutschen Spielklassen ist festzustellen, dass Infrastruktur und Spielorganisation im Zusammenspiel aller Sicherheitsträger sowie der Zuschauerservice bereits heute auf höchstem Niveau ist und Probleme lokal gelöst werden.
Vorfälle der Vergangenheit haben jedoch gezeigt, dass auch hier noch Optimierungen vorgenommen werden können und müssen. Ziel ist es, das Stadionerlebnis sowohl in der subjektiven Wahrnehmung als auch in der objektiven Beurteilung weiterhin sicher zu gestalten.
«
(Grundsätzliche Ausrichtung, S. 5)

Fanhilfe Hannover: Ohne Beteiligung der Fans
»Diese ›subjektive Wahrnehmung‹ ist wohl in diesem Fall die mediale Berichterstattung zu bestimmten Spielen, die als anekdotische Einzelfälle herangezogen werden, sowie darauf folgende Reaktionen führender Politiker und Vertreter von Sicherheitsbehörden. Dahingehend ist das Strategiepapier als äußerst gefährlich einzustufen, da es ohne Beteiligung und Zustimmung der Fans verabschiedet wird. Dies wird eine Radikalisierung einzelner Fans zur Folge haben, die trotz oder gerade wegen der neuen Maßnahmen unbekannte Formen annehmen wird.«
(Stellungnahme, Seite 31)

Union: »Bestrafungskeule«

»Tatsächlich aber behindert die Konzentration auf neue und verschärfte Sanktionsmechanismen den Dialog mit den Fans. Denn die hier vorgesehene ›Bestrafungskeule‹, mit dem umfassenden, entindividualisierten und vom Gesetz losgelösten Sanktionskatalog aus ›Sicheres Stadionerlebnis‹, wird gerade von den aktiven Fanszenen, ausdrücklich nicht nur Ultras, also von Fangruppen, auf deren konstruktive Mitarbeit alle Beteiligten angewiesen sind, in der Außendarstellung als eine Art Kriegserklärung verstanden und durch markige Berichterstattung ebenso unterfüttert. Als unmittelbar Beteiligter kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Art der Diskussion und ihr oftmals nur teilweise belegbarer Inhalt nur als Feigenblatt genutzt werden sollen, um die, ökonomisch zwar nachvollziehbare, aber doch jedenfalls kritisch zu hinterfragende Kommerzialisierung des ›Premiumprodukts Bundesliga-Fußball‹ voranzutreiben.«
(Positionspapier, S.3)

2. Beschlusskompetenz der DFL

DFL: Bestehende Vorschriften ergänzen
»Eine Einbindung des Stadionhandbuchs in das Ligastatut dahingehend, dass das Stadionhandbuch selbst die statuarische Rechtsgrundlage – und nicht nur die Zusammenfassung anderer Rechtsgrundlagen – darstellt, würde dem Ligaverband ermöglichen, in eigener Beschlusskompetenz (spezifische) – über die weiterhin zu beachtenden Mindestvorgaben der DFB-SicherheitsRL hinausgehende – Regularien für die Bundesliga und 2. Bundesliga aufzunehmen, bestehende Vorschriften zu ergänzen und zu konkretisieren, ohne dass dies von einer Beschlussfassung durch den DFB abhinge und ohne Auswirkungen für die Klubs der 3. und 4. Liga.«
(Vorschläge/beabsichtigte Maßnahmen in der Zuständigkeit des LV, S. 8 )

Union: Private Strafjustiz
»Sanktionsmechanismen aber können nur an den Vertrag zwischen dem Stadionbesucher und dem Veranstalter – dem Verein – anknüpfen oder an das staatliche Gewaltmonopol, d.h. an die allgemeingültigen Mittel des Strafrechts. Eine den staatlichen Strafanspruch ergänzende oder sogar ersetzende private Strafjustiz oder ihr entsprechende Sanktionsmechanismen kann und darf es nicht geben.«
(Positionspapier, S. 5)

3. Personen-Körperkontrollen

DFL: Verbesserung der infrastrukturellen Möglichkeiten
»Wenn andere Maßnahmen nicht zu der Lösung der Problematik führen, sollen weitere Handlungsmöglichkeiten wie die Verbesserung der infrastrukturellen Möglichkeiten für eine angemessene Personen-Körperkontrolle in den notwendigen Stadionsektoren (z.B. Errichtung von Containern statt wie z.T. bisher Zelte) zur Verfügung stehen, um etwaige Vollkontrollen zügig und ohne unverhältnismäßigen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte durchzuführen.«
(Konkretisierungen der DFB-Richtlinien, S. 10)

Union: Entwürdigend und vorverurteilend
»Ob beispielsweise die Verfasser des Konzeptpapiers „Sicheres Stadionerlebnis“ damit einverstanden wären, sich einer „Vollkontrolle“ durch privates Sicherheitspersonal zu unterziehen oder im Dezember auf einer nassen Matte die Schuhe auszuziehen, nur weil sie als ebenso unbescholtene Fans wie 99+ % der Fußballfans ihrer Vereine für das vermeintliche Gewaltpotenzial des Fußballs in „Sippenhaft“ genommen werden, erscheint sehr fraglich. Ebenso fraglich erscheint, ob die vorgeschlagene Veränderung in Form der Angleichung der Umgebung einer solchen entwürdigenden, vorverurteilenden und insgesamt ausgesprochen dubiosen Prozedur tatsächlich eine maßgebliche Verbesserung darstellt und den Kern des Problems trifft.«
(Positionspapier, S. 6)

Hannover: Verletzung der Menschenwürde
»Nacktkontrollen stellen einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre des Menschen dar. Selbst der Polizei ist es nur unter strengen Auflagen gestattet, diese durchzuführen. Von privaten, vermutlich unterqualifizierten Ordnungsdiensten, durchgeführte Nacktkontrollen, sind in keinster Form akzeptabel und eine Verletzung der Menschenwürde.«
Stellungnahme, S. 32

4. Verbote

DFL: Selbstbindung der Klubs
»Sinnvoll und erforderlich ist hier eine ›Selbstbindung‹ der Klubs, so z.B. keine Eintrittskarten mehr an Fanklubs zu vergeben, welche nicht bereit sind, eine Fanvereinbarung mit den genannten Mindestinhalten (Gewaltfreiheit, Anerkennung Stadionordnung etc.) abzuschließen, oder welche diese Mindestinhalte nach Abschluss der Fanvereinbarung nicht beachten; oder z.B. den Fanklubs das Mitführen von ›Blockfahnen‹ und Bannern zu verbieten, wenn diese zur Verschleierung der Täterschaft bei Einsatz von Pyrotechnik bzw. überhaupt zur Ermöglichung von Pyrotechnik missbraucht werden.«
(Statuarische Verankerung von Mindestvorgaben zwischen Klubs und Fans, S. 14)

Hannover: In höchstem Maße gefährlich
»Insbesondere der Versuch, Besuchergruppen für das Fehlverhalten Einzelner verantwortlich zu machen, ist inakzeptabel und in höchstem Maße gefährlich. Weiterhin ist nur von Konsequenzen für Fans die Rede, wenn diese Vereinbarungen nicht eingehalten werden.«
(Stellungnahme, S. 32)


5. Die Sicherheitskonferenz

DFL: Berücksichtigung bei Nichteinhaltung
»Durchführung von ›Personen-Körperkontrollen‹ beim Eingang zu bestimmten Bereichen, z.B. bei Pyrotechnik- Vorfällen in der Vergangenheit in diesen Stadion-Bereichen und ggf. bei Spielen mit erhöhtem Risiko.
Diese Maßnahmen folgen z.T. ebenfalls aus der im Verhaltenskodex vom 17.7.2012 enthaltenen Verpflichtung, Verstöße konsequent zu sanktionieren. Sollte ein Klub derartige Maßnahmen nicht für erforderlich halten oder entsprechende Auflagen nicht umsetzen, so kann dies bei Vorkommnissen bei der Strafzumessung durch das Sportgericht berücksichtigt werden und ggf. auch im Rahmen einer sportgerichtlichen Auflage/Weisung angeordnet werden.
«
(Vorschläge/beabsichtigte Maßnahmen in der Zuständigkeit des LV, S. 15)

Union: Züge einer Demütigung

»Ein wichtiger Punkt im Positionspapier ›Sicheres Stadionerlebnis‹ ist die Erarbeitung eines ›freiwilligen‹ Kodex mit verbindlichem (!) Inhalt bei gleichzeitiger Sanktionierung für den Fall der Verweigerung der Unterschrift oder der Missachtung einer solchen ›Vereinbarung‹.
Analog zur Sicherheitskonferenz vom 17. Juli 2012 mutet dieses Vorgehen problematisch an und wird von vielen, insbesondere den aktiven Fangruppierungen als Erpressung verstanden.
«

»Der 1. FC Union Berlin ist der Sicherheitskonferenz vom 17. Juli 2012 auch nicht etwa oder zumindest nicht nur wegen des problematischen Inhalts des damals zu unterschreibenden Kodex ferngeblieben, sondern wegen des Umgangs von DFB/DFL mit „ihren“ Vereinen, die sich am 16./17. Juli in der Aufforderung zur Unterzeichnung ohne Möglichkeit einer echten, ergebnisoffenen Diskussion zeigte. Diese starke Züge von Demütigung enthaltende Herangehensweise ist nicht die richtige. Dass DFB/DFL ihre Macht derart ausspielen, führt derzeit auf eine beunruhigende Eskalation zu. Hier ist dringend ein Umdenken angebracht und deshalb ist auch bezüglich des geforderten Kodex – ausdrücklich: unabhängig von dessen Inhalt! – das Konzeptpapier abzulehnen.«
(Positionspapier, S. 7 und 8 )

6. Die Weitergabe von Daten

DFL: Identitäten mitteilen
»Mögliche Forderungen an den Gesetzgeber:
Anpassung des Sprengstoffgesetzes im Hinblick auf Pyrotechnik
Polizei & Justiz (StA und Gerichte)
- mehr Transparenz: Auskünfte über Stand von polizeilichen Ermittlungen gegen Tatverdächtige
- Abschreckung durch sofortige Ermittlung von Tatverdächtigen
- konsequente Durchsetzung des Gewaltmonopols des Staates, Beachtung des Legalitätsprinzips
- konsequente und schnelle Durchführung von Ermittlungs- und Strafverfahren
- Aktualisierung / Überprüfung der Einträge der Datei ›Gewalttäter Sport‹
- Mitteilung von Identitätsfeststellungen durch die Polizei
- Vermehrte Anwendung beschleunigter Verfahren
«
(Forderungen an Dritte, S. 32)

Hannover: Absurd und anmaßend
»Auch wenn dieser Absatz in seiner Formulierung vage bleibt, so ist es überaus erstaunlich, dass diese Forderung überhaupt so formuliert wird. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Forderung auf eine Liberalisierung oder Anpassung des Sprengstoffgesetzes an die Erfordernisse eines möglicherweise legalen Abbrennens von Pyrotechnik im Stadion abzielt. Dies ist insofern erstaunlich, da der DFB mit Verweis auf geltende Gesetze eine weitere Debatte zu diesem Thema ablehnte. Forderungen an den Gesetzgeber hätten auch in der damaligen Situation gestellt werden können und hätten möglicherweise zu einer Entspannung der jetzigen Situation beigetragen.«
(Stellungnahme, S. 33)

»Die Forderungen an die Justiz sind absurd und anmaßend, da sie die Unabhängigkeit der Justiz berühren. Neben massiven datenschutzrechtlichen haben wir auch grundsätzliche Bedenken gegenüber den aufgestellten Forderungen.
Es ist nicht nachzuvollziehen, wieso ein privatrechtlicher Verband Informationen aus laufenden Ermittlungsverfahren erhalten sollte. Hierzu wird leider keine nachvollziehbare Begründung geliefert. Auch die geforderte Mitteilung von Identitätsfeststellungen ist äußerst bedenklich, fraglich ist auf welcher Rechtsgrundlage dies geschehen soll.
«
(Stellungnahme, S. 34)

Union: Extrem kritisch zu sehen
»Die Rechtsauslegung und Strafverfolgung im Umfeld von Fußballspielen ist schon jetzt ungleich härter als außerhalb. Nirgendwo im Alltag würde ernsthaft das Kleben eines Stickers oder das Umkippen einer Mülltonne21 als viel mehr als eine Ordnungswidrigkeit mit folgender Geldbuße geahndet werden. Im Fußballkontext werden die gleichen Vergehen nachweislich sofort zu Sachbeschädigung oder Landfriedensbruch – mit mehrjährigem Stadionverbot und einem lebenslangem Eintrag in die Datei Gewalttäter Sport und fallweise weiteren freiheitseinschränkenden Folgen.

… Ebenso ist die Art der Datenerfassung und -weitergabe im Fußballkontext, nicht nur durch DFB/DFL, sondern vor allem auch durch Polizei und Staatsanwaltschaft an die privaten (!) Vereine und Verbände, extrem kritisch zu sehen, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Datenschutzes und des Schutzes der Persönlichkeitsrechte.«
(Positionspapier, S. 5)

7. Entzug der Privilegien

DFL: Fanvereinbarung
»In Fanvereinbarung soll zudem geregelt sein, dass etwaige vorhandene Fan-Privilegien nicht länger gewährt werden, sollten Inhalte der Fanvereinbarung nicht eingehalten werden.«
(Statuarische Verankerung von Mindestvorgaben einer Vereinbarung zwischen Klubs und Fans, S. 15)

Union: Reglementierung fraglich
»In dem Zuge appellieren wir zu überdenken, ob Zaunfahnen, Banner und vor allem Stehplätze tatsächlich verhandelbare Privilegien sind, oder nicht elementare Bestandteile des Kulturguts Fußball, die bereits vor Gründung der DFL existierten, und deren Reglementierung der DFL trotz Lizenzgeberschaft fraglich zusteht.«
(Positionspapier, S. 8 )

„Der Fanatismus war unberechenbar“

Fans schlugen auf Spieler ein, Club-Funktionäre prügelten mit: In den Zwanzigern eskalierten Fußballspiele in Deutschland regelmäßig. Der Historiker Rudolf Oswald erklärt, weshalb Gewalt und der Sport seit damals untrennbar verbunden sind – und wie Mannheim wegen Sepp Herberger zur Krawall-Hochburg wurde.

Quelle: SPON

Herr Oswald, seit wann gibt es Fußballrandale in Deutschland?

Es fing in den ersten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg an.

Warum genau da?

Der Fußball begann damals, zum Massenphänomen zu werden. Und dieser Aufschwung brachte es mit sich, dass die oft seit Jahrzehnten bestehenden Konflikte zwischen Stadt und Vorstadt oder Vorstadt und Dorf nun auf den Sportplätzen ausgetragen wurden. Wenn Clubs aus einem proletarischen Vorort und der reichen Innenstadt aufeinandertrafen, hatte die Partie grundsätzlich ein großes Konfliktpotential. Es wurde die lokale Ehre verteidigt, oft mit Mitteln des Landfriedensbruchs.

Wie genau sah das aus?

Die Ausschreitungen konnten in den zwanziger Jahren blutig und exzessiv sein. Es kam oft zu Platzstürmen und Spielabbrüchen – teilweise bei Derbys zwischen Vereinen, die heute verschwunden sind oder in der damaligen Form nicht mehr existieren, etwa im württembergischen Raum zwischen Union Böckingen und dem VfR Heilbronn. Wurden die Erwartungen einiger Fans nicht erfüllt, verlor die eigene Mannschaft also ein mit besonderer Bedeutung aufgeladenes Spiel, mussten eben die Gegner büßen: Zuschauer und Spieler des anderen Vereins oder der Schiedsrichter.

Gab es Krawall-Hochburgen?

Mannheim gehörte auf jeden Fall dazu. Halbwegs bekannt sind Berichte von den dortigen Ausschreitungen im Jahr 1922, weil dabei der spätere deutsche Nationaltrainer Sepp Herberger eine Rolle spielte. Hintergrund der Randale war der Wechsel Herbergers vom SV Waldhof Mannheim zum Nachbarn VfR. Herberger war ein Jahr gesperrt worden, wegen eines Verstoßes gegen die Amateurstatuten. Beim ersten Derby, das er für den VfR bestritt…

…den bei den Waldhöfern verhassten Verein der Gutbetuchten…

…rächten sich erstere für das Verhalten des vermeintlichen Verräters Herberger. Sie stürmten den Platz, verletzten dabei einige Spieler schwer und belagerten später die VfR-Kabine. Bei einem Spiel zwischen dem VfR und Phönix, einem heute außerhalb Mannheims unbekannten Club, gab es ähnliche Ausschreitungen, weil Herberger, bevor er zum VfR wechselte, einen Vertrag bei Phönix unterschrieben hatte – ohne dort jemals gegen den Ball getreten zu haben. Die Presse berichtete damals, dass einige VfR-Kicker nach den Ausschreitungen mit dem Fußballspielen aufhören wollten.

Die Schilderungen erinnern an die aktuelle Situation: Vereinzelt werden Spieler massiv bedroht, etwa der bis vor kurzem für den 1. FC Köln spielende Kevin Pezzoni, den Fans des Clubs gewissermaßen aus der Stadt mobbten.

Der Fall Pezzoni ist schlimm und tragisch für den Spieler. Aber wenn mit Blick auf die jüngsten Ausschreitungen in der Bundesliga und auch in den unteren Ligen von einer Eskalation die Rede ist, skandalisiert das die Fans meiner Meinung nach zu Unrecht. Denn in den vergangenen Jahrzehnten hat die Brutalität der Zuschauergewalt eher abgenommen.

Waren jene Waldhof-Fans, die aus Wut über Herberger den Platz stürmten, Vorläufer der Hooligans?

Nein, der Krawall der zwanziger Jahre ist unorganisiert, immer vom Geschehen auf dem Platz abhängig und immer an das Stadion gebunden, das unterscheidet die Randale vom Hooliganismus späterer Jahrzehnte. Die Zuschauer wurden aber teilweise durch Artikel in den Vereinszeitungen aufgestachelt. Das waren regelrechte Kampforgane. Die agitierten auf eine Art, die sich heute keine Vereinszeitung mehr leisten könnte.

Gab es dort Aufrufe zur Gewalt?

Zwischen den Zeilen. Üblich war es, den Gegner auf eine Weise zu beschimpfen, gegen die man auch einen Anwalt hätte in Stellung bringen können. Es passte aber in die Zeit. Denn ein weiteres Charakteristikum des damaligen Fanatismus war, dass es eigentlich keine Trennung gab zwischen der Funktionärsebene eines Vereins und der Fanbasis – während sich heute die Fankultur ja oft in Opposition zu den eigenen Vereinsfunktionären befindet.

Die Funktionäre haben bei den Ausschreitungen mitgemischt?

Und wie. Ein Vereinsvorsitzender war spätestens zu Beginn der zwanziger Jahre, als sich in den industriellen Ballungszentren diese spezielle Form des Vereinsfanatismus formierte, integraler Bestandteil dieses Milieus. Auf der einen Seite fanden die Arbeiterschichten Anschluss über den lokalen Verein, sie konstruierten sich Identität, andererseits konnten aber auch die bürgerlichen Vereinsvorsitzenden, die im Berufsleben als Kaufleute, Ärzte und so weiter tätig waren, an dieser Identität partizipieren.

Wie meinen Sie das?

Wir haben beispielsweise in den zwanziger Jahren das Phänomen, dass bei Ausschreitungen Vertreter des lokalen Bürgertums, die exponierte Stellungen in den Vereinen hatten, maßgebliche Rollen spielten. Das wäre ungefähr so, als würde heute im VIP-Bereich eines Stadions Randale ausbrechen. Die lokale Identität überwog im Zweifelsfall alles andere.

Wurden gegen die gewalttätigen Funktionäre Sanktionen ausgesprochen?

Es kam vor, dass solche Vereinsvertreter bis zu zwei Jahre kein Amt in einem Club ausüben durften.

Möglich wurden solche Eskalationen in den zwanziger Jahren auch aufgrund schlechter Sicherheitsvorkehrungen.

Das stimmt. In der unmittelbaren Nachkriegszeit war es noch üblich, dass die Zuschauer bis an den Spielfeldrand standen. Wie in der Vorkriegszeit gab es kaum Abgrenzungen durch Zäune und Ähnliches. Auch nach außen waren die Plätze kaum geschützt. Das änderte sich erst peu à peu.

Hatte diese Art des Vereinsfanatismus, ohne ihn jetzt glorifizieren zu wollen, einen gewissen subversiven Charakter?

Absolut. Dieser Vereinsfanatismus war absolut unberechenbar. Wenn ein Spiel zum Beispiel wegen vermeintlich falscher Schiedsrichterentscheidungen kippte, musste in den dreißiger Jahren auch ein Regime wie das nationalsozialistische mit dem Schlimmsten rechnen. Das ist ja auch einige Male passiert. 1935 kam es in Großmühlingen bei Magdeburg sogar zu einem tödlichen Vorfall, als ein Zuschauer einen Spieler der Gastmannschaft mit einer Abgrenzfahne und einer Zaunlatte so schwer verletzte, dass der Fußballer später starb.

Heute beklagen sich Vertreter von Vereinen und des DFB darüber, dass Gewalttäter den Fußball missbrauchten. Ihre Schilderungen klingen dagegen so, als sei die Gewalt ein nicht wegzudenkender Bestandteil des Massensports Fußball.

So lange Fantum zwangsläufig starke Identifikation mit einem Verein bedeutet, wird sich das Phänomen der Gewalt wohl nicht aus dem Fußball verbannen lassen. Ich denke, das ist ein aussichtsloses Unterfangen.

*Rudolf Oswald, Jahrgang 1967, ist Zeithistoriker, er hat sich ausführlich mit dem historischen Alltag in Vereinsmilieus und der Geschichte der Fußballfankultur befasst. Seine Dissertation erschien 2008 unter dem Titel „Fußball-Volksgemeinschaft. Ideologie, Politik und Fanatismus im deutschen Fußball 1919-1964″ (Campus Verlag).

Schweigen ist Gold

Das dauernde Gerede über ein erstes schwules Outing im Profifußball trägt dazu bei, dass die Hemmschwelle immer höher wird.

Quelle: Jungle World

Vielleicht ist es, auch wenn es sich um eine sehr schlimme Geschichte handelt, an der Zeit, an Justin Fashanu zu erinnern. Der Engländer spielte Profifußball und war schwul. 1990 outete er sich selbst, auch weil er im Kollegenkreis mies gemobbt wurde. Danach wollte ihn kein europäischer Verein mehr haben. Fashanu ging nach Kanada, wo es zwar kaum Geld zu verdienen gibt, man ihn aber in Ruhe ließ. Als er wieder nach Großbritannien zurückkam, musste er zunächst bei einem Provinzverein anheuern, dann bei einem besseren Club, der ihn aber wegen eines »Verhaltens, das eines Fußballers nicht würdig ist«, hinauswarf. Fashanu hielt den Druck nicht aus, er erhängte sich am 2. Mai 1998 in einer Garage in London.

In der Bundesliga gibt es keinen offen schwulen Fußballer, auch in keiner der unteren bezahlten Ligen. Einer von denen, die heimlich ihrem schwulen Leben nachgehen müssen, hat jüngst in einem Interview mit fluter.de gesprochen. Anonym natürlich. »Je mehr geredet wird, desto höher ist auch der Druck auf mich« (1,2), sagte er.

Also wird geredet: »Wir können nur das Signal geben, dass er keine Angst haben muss«, sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, sagt zum Thema Outing: »Der Fußball ist offen genug dafür.« Fehlen nur noch eine aufmunternde Rede Joachim Gaucks und ein seliges Grußwort des Papstes an die KSPD, die wirklich existierenden »Katholischen Schwulen Priestergruppen Deutschlands«, und die Welt wäre in Ordnung.

Gut, dass wir darüber geredet haben? Das kann nur gut finden, wer auch ein Papstgrußwort an die schwulen Priester gut findet. Der Diskurs, das dauernde Fragen, wer sie sind, die schwulen ­Kicker, woran man sie erkennt, wo sie spielen, ob sie Scheinehen führen oder in schmuddelige Clubs fahren, hat die Hemmschwelle, darüber frei zu sprechen und danach zu leben, erst so hoch werden lassen. In diesem Diskurs schwingt unter den gegebenen Verhältnissen immer die Skandalisierung mit: Wer ist es, wer ist sein Lover, ist es einer aus seiner Mannschaft, einer vom Konkurrenzclub und so weiter. Und das ist bekanntlich nur die mittelschwere, die gar nicht (zumindest nicht allzu sehr) homophobe Skanda­lisierung. Die andere, die schwulenfeindliche, braucht man gar nicht zu zitieren: Da geht’s ums Ressentiment des dauergeilen Verführers, der in dem Moment kommt, wenn unter der Dusche die Seife hingefallen ist. Oder um den Pädophilen, der ganze Jungenmannschaften vernascht.

Die von allen, vermutlich auch von Uli Hoeneß und Angela Merkel gewünschte Normalität entsteht ja erst dann, wenn Schwulsein so interessant ist wie eine Brille zu tragen, mit der linken Hand zu schreiben oder grüne Augen zu haben. Brillenträger und Linkshänder gibt es, wie es auch schwule Bundesminister gibt – einer spricht darüber, ein anderer nicht. Wie in beinahe jeder anderen gesellschaftlichen Gruppe auch gibt es in der Bundesliga etwa zehn Prozent Homosexuelle. Das ist bekannt, und dass niemand weiß, wer sie sind, ist auch gelogen.

So wie – zumindest früher – Profiteams geschlossen von Boulevardzeitungsreportern in den Puff geführt wurden, um sie danach mit der Drohung der Veröffentlichung zu erpressen, so werden schwule Profis jetzt schon mit Andeutungen über ein mögliches Outing erpresst. Die zu erbringenden Gegenleistungen sind Details aus der Kabine, aus dem Mannschaftsleben, die den Diskurs über den Fußball so interessant machen und von denen die Boulevardpresse – hierzulande wie in England – lebt. Und die Anstrengungen, die es kostest, die schwule Identität zu verbergen, sind teils enorm. Marcus Urban, ein schwuler Kicker, der auf eine Profikarriere aus Angst verzichtete, erzählte einmal, dass er bewusst zum beinharten, ja brutalen Defensivspieler avancierte – nur um nicht dem Bild des sensiblen, weichlichen Schwulen zu entsprechen, das ihn hätte verraten können.

Es ist das Wissen oder zumindest die gut begründete Ahnung, dass ein Outing nicht eine dem Ansehen des Linkshänders vergleichbare Normalität herstellt, sondern wochen- und monatelanges, vielleicht nicht aushaltbares Spießrutenlaufen, das dazu führt, dass schwule Profis sich erpressen lassen. Sie kennen den Betrieb, in dem sie arbeiten, zu dem die Boulevardpresse zählt, besser als die netten Menschen (plus Angela Merkel und Uli Hoeneß), die ihnen mit Verweis auf Hape Kerkeling und Alfred Biolek zurufen, das sei ja alles nicht so schlimm.

Wer für sich entschieden hat, dass seine schwule Orientierung privat bleibt, mag dafür schlechte oder gute Gründe haben, aber es ist seine Entscheidung, und die ist zu respektieren. Wenn nicht mehr so viel gesprochen und dauernd das Outing gefordert wird, dann wird’s hoffentlich normal.

Der Fall Gilad Shalit

Der FC Barcelona ist eine Weltmarke. Doch der Clasico-Besuch eines ehemaligen Gefangenen der Hamas sorgt derzeit in der arabischen Welt für Aufruhr.

Quelle: 11.Freunde

Heute ist es wieder soweit: der FC Barcelona empfängt Real Madrid im Camp Nou. Ein neues Kapitel der unendlichen Geschichte Namens Clasico. Aber dieses Aufeinandertreffen wird anders sein als die Spiele zuvor. Ein einziger Zuschauer auf der VIP-Bühne sorgt schon im Vorfeld für viel Wirbel: Gilad Shalit.

Shalit ist 26. Er ist Israeli. Fünf Jahre war er Gefangener der Hamas, wurde während seines Wehrdienstes entführt. Erst im vergangenen Jahr hat die Hamas Gilad Shalit freigelassen. Seitdem versucht er sich als Sportkolumnist, Sport sei seine große Leidenschaft, der FC Barcelona sein Lieblingsverein. Mit seiner Leidenschaft für den Verein ist er in der Region nicht alleine, der Clasico ist ein Großereignis, ob in Israel, in Palästina oder den arabischen Nachbarländern. Das könnte sich nun ändern.

Ein israelischer Soldat als Ehrengast? Die Palästinenser sind verärgert

In den vergangenen Tagen machten sich Gerüchte breit, der FC Barcelona habe Gilad Shalit zum Spiel gegen Real Madrid offiziell eingeladen. Das löste Ärger aus, vor allem unter Palästinensern in Gaza. Mahmoud Sarsak verurteilte die Einladung. Sarsak ist Fußballspieler, war drei Jahre lang Gefangener Israels, ohne Verhandlung eingesperrt. Nach einem dreimonatigen Hungerstreik Anfang des Jahres, ließ Israel den fast verhungerten Spieler frei. FIFA-Boss Sepp Blatter übte Druck auf die israelische Regierung aus, erwirkte die Freilassung. Sarsak hat nun gesagt: »Als ein palästinensischer Gefangener, Fußballspieler der palästinensischen Nationalmannschaft und großer Fan des FC Barcelonas, verurteile ich die Einladung des Soldaten Gilad Shalit und fordere den Verein auf, die Einladung zurückzuziehen.« Ein offener Brief fordert den FC Barcelona auf, Shalit auszuladen. Der Brief endet mit dem Satz: »Gilad Shalit willkommen zu heißen, ist wie einen SADF Soldaten (Soldaten des südafrikanischen Apartheitregimes. Anm. Der Red.) in den 1980ern während eines europäischen Fußballspiels eingeladen zu haben. Hättest du das getan, FC Barcelona?« Über 50 Fußballvereine, Fanclubs des FC Barcelonas, Spieler und Trainer in Gaza haben die Forderung bereits unterschrieben. Eine weitere Petition läuft in Spanien, schon 1000 Unterschriften liegen vor. Aktivisten in Spanien kündigen schon jetzt heftige Proteste an.

Gilad Shalit war gerade einmal 19 als er von der Hamas entführt wurde. Er leistete seinen Wehrdienst, war ein schmächtiger, schüchterner Junge, er ist es bis heute geblieben. Seine Geiselnahme nahm die israelische Regierung zum Anlass, den gesamten Gazastreifen abzuriegeln, von der Öffentlichkeit zu isolieren. Die Entführung diente zur Rechtfertigung des Gazakrieges 2008, in dem 1400 Palästinenser getötet und 500 schwer verletzt worden. Die Gefechte zerstörten nahezu die gesamte Infrastruktur des Gazastreifens. Der schmächtige Junge wurde für die Palästinenser in Gaza zur Symbolfigur von Isolation, Krieg und Tod. In seiner Gefangenschaft erfuhr er ähnliches: fünf Jahre war er isoliert, gefangen in einem Kellerloch ohne Tageslicht.

FC Barcelona, für Frieden und Harmonie

Der FC Barcelona reagierte sofort, veröffentlichte am Donnerstag eine Pressemitteilung auf seiner Internetseite. Die Mitteilung hat die heroische Überschrift: »FC Barcelona, für Frieden und Harmonie im Nahen und Mittleren Osten«. Die Sprecher dementierten den Israeli eingeladen zu haben. »Der Verein hat Gilad Shalit nicht eingeladen, hat aber der Anfrage zugestimmt, ob Gilad Shalit sich das Spiel während seines Barcelona-Besuchs angucken dürfe.« Der Verein gab weiter bekannt, dass er außerdem die Anfragen der palästinensischen Botschaft positiv beantwortete habe. Demnach werden sich auch Musa Amer Odeh, Botschafter der palästinensischen Autonomiebehörde sowie Jibril Rajoub, Präsident des palästinensischen Fußballverbandes das Spiel live verfolgen. Fußballspieler Mahmoud Sarsak lehnte die Einladung ab.

Barcas Handeln wirft viele Fragen auf. Wäre es ein Skandal, wenn Barcelona Shalit Gilad wirklich eingeladen hätte? Wäre es gar ein politisches Signal gewesen? Wurde die Pressemitteilung auf Drängen des Sponsors der Qatar Foundation veröffentlicht? Qatar hielt in der Vergangenheit immer wieder gute wirtschaftliche Beziehungen zu Israel. Diese wurden jedoch 2000 wie 2008 auf Grund der eskalierenden politischen Situation gegen die Palästinenser auf Eis gelegt. Letztendlich war es aber Israels Premier Benjamin Netanyahu, der die Beziehungen zum Emirat nicht weiterführen wollte. Die Qatar Foundation antwortet auf solche Fragen bislang nicht. Auf ihrer Facebookseite rufen die Fans der Seite die Qatar Foundation auf, den Werbevertrag umgehend aufzulösen. FC Barcelona indes rechtfertigt sich: Man würde keine Stellung in dem Konflikt beziehen. Schließlich habe man 2011 Präsident Mahmoud Abbas herzlich empfangen. Abbas bedankte sich damals mit den Worten: »Barça ist ein Verein, der eine Gesellschaft repräsentiert und Menschen mit besonderen Werten.«

Die Hamas boykottiert den Clasico

Das Spiel am heutigen Abend wird zeigen, ob der FC Barcelona mit Konsequenzen rechnen muss, oder nicht. Vor allem der FC Barcelona und Real Madrid genießen einen ausgezeichneten in der arabischen Welt. Fußballfans sind verrückt nach den Spielen und den Mannschaften. Fast jeder Fan besitzt ein Trikot von Messi, oder eben Ronaldo. Die Hamas in Gaza hat allerdings schon angekündigt, das Spiel zu boykottieren. Fernsehsender werden den Clasico nicht wie sonst übertragen. Auch Zeitungen berichten nicht wie üblich über das Spiel. Inwieweit der Boykott weitergehen wird, sich noch auf andere Länder ausbreitet, lässt sich noch nicht sagen. »Ich rufe alle muslimischen, arabischen und palästinensischen Medien auf, das Spiel nicht zu zeigen«, so Sami Abu Zuhri, Sprecher der Hamas. In den vergangenen Wochen brannten während der Proteste wegen des islamkritischen Films in der arabischen Welt Flaggen, man kann nur hoffen, dass nicht bald Trikots des FC Barcelonas in Flammen aufgehen. Die Marke Barcelona ist zumindest in diesem Teil der Erde in Gefahr.

Ein Blick nach rechts bei Eintracht Braunschweig

Seit einigen Tagen ist eine 80-seitige Informationsbroschüre mit dem Namen „kurvenlage“ auf nonazisbs.blogsport.de verfügbar. Inhaltlich beschäftigt sich die Broschüre mit rechten Aktivitäten innerhalb der Fanszene von Eintracht Braunschweig. „Diese Broschüre richtet sich dabei nicht pauschal gegen alle Anhänger*innen des BTSV. Viel mehr sollen mit Hilfe eines historischen Abrisses über rechte Tendenzen innerhalb der Fanszene, einem Überblick der dahinter stehenden Strukturen und einer Chronologie rechter Übergriffe aus den letzten Jahren alle Eintrachtfans für dieses Thema sensibilisiert werden.

Des Weiteren findet man in der Broschüre Beiträge zu den Themen „Fußball und Politik“, „Rassismus in deutschen Stadien“, der rechten Kleidungsmarke Thor Steinar, der Rechtsrockband Kategorie C sowie ein Interview mit dem Fanprojekt Bremen.

Wir empfehlen den Download hier.