Archiv für November 2012

Stimmungsboykott in den Stadien

Zwölf Minuten und zwölf Sekunden Stille – tagelanges Thema. Der Stimmungsboykott der Fans am 14. Bundesliga-Spieltag hat eine gewaltige Wirkung entfaltet. Verantwortliche nannten die fehlende Atmosphäre „grausam“. Doch nicht alle wussten über die geplante Aktion Bescheid.

Quelle: SPON

Es ist eigentlich paradox: Da wird am 14. Spieltag der Fußball-Bundesliga für zwölf Minuten und zwölf Sekunden geschwiegen – und anschließend gibt es kaum ein größeres Gesprächsthema. Die bedrückende Stille, die in den Stadien beim Auftakt der Aktion „Ohne Stimme – keine Stimmung“ geherrscht hatte, hat Verantwortliche wie Aktive gleichermaßen beeindruckt. So sprach BVB-Kapitän Sebastian Kehl nach dem 1:1 (1:0) gegen Fortuna Düsseldorf von einem „komischen Gefühl“.

In allen Partien der ersten und zweiten Liga hatte das Gros der Fans aus Protest gegen das Sicherheitskonzept der DFL zunächst auf Gesänge und Choreografien verzichtet, erst nach Ablauf von zwölf Minuten und zwölf Sekunden wurde es laut in den Arenen. Besonders in Dortmund, wo sonst mehr als 80.000 Zuschauer das Stadion in einen Hexenkessel verwandeln, erzeugte die fehlende Stimmung eine beinahe beklemmende Atmosphäre.

Auch in anderen Stadien entfaltete die Aktion große Wirkung. Frankfurts Trainer Armin Veh sagte: „Ich fand die Atmosphäre grausam.“ Sein Mainzer Kollege Thomas Tuchel erklärte: „Das war einmalig. So macht es keinen Spaß.

Um Irritationen zu vermeiden, hatten die Fans einiger Clubs zuvor auf die Aktion hingewiesen. So wurden beispielsweise die Werder-Profis vor der Partie gegen Leverkusen darüber informiert, dass die Stille nicht ihren Leistungen gelte, sondern einzig dem Protest gegen das Sicherheitskonzept der DFL.

Ich dachte zuerst, sie protestieren, weil wir schlecht gespielt haben

In Hamburg war genau das offenbar ausgeblieben. „Ich habe mich erst gewundert, weil ich nicht wusste, worum es geht. Das musste ich mir erst mal auf der Bank erklären lassen. Ich dachte zuerst, sie protestieren, weil wir in Düsseldorf so schlecht gespielt haben“, sagte Hamburgs Trainer Thorsten Fink.

Nun weiß auch er, worum es geht. „Der Protest soll den Vereinen vor Augen führen, wie die Situation sein würde, wenn wir nicht da wären“, sagte Philipp Markhardt, Sprecher von ProFans.

Für Ben Praße von der Initiative „Unsere Kurve“ ist die Aktion ein Erfolg: „Auf jeden Fall haben DFL und DFB jetzt mitbekommen, dass selbst rivalisierende Fangruppen in dieser Sache an einem Strang ziehen. Das wird die Herren sicher beeindruckt haben.

Mit ihrem Schweigen haben sich die Fans Gehör verschafft. Ihrer Ansicht nach bedroht der Plan der DFL, über den am 12. Dezember in Frankfurt am Main die 36 Proficlubs in ihrer Mitgliederversammlung abstimmen werden, die Fankultur in Deutschland. Als Entgegenkommen der DFL soll das Konzept im Vorfeld allen Fans zugänglich gemacht werden.

Unabhängig davon soll aber auch an den kommenden zwei Spieltagen zu Spielbeginn geschwiegen werden. Und für den Fall, dass auch das überarbeitete Sicherheitskonzept bei den Fanorganisatoren auf Ablehnung stößt, droht der Stimmungsboykott zum Dauerthema zu werden. „Sollten wir unsere Ziele bis zum 12. Dezember nicht erreichen, könnte es weitergehen“, kündigte Markhardt an.

Zwölf Minuten und zwölf Sekunden

Bundesliga-Fans in ganz Deutschland haben geschlossen gegen das Sicherheitskonzept der DFL protestiert. Für zwölf Minuten und zwölf Sekunden herrschte Stille. SPIEGEL ONLINE-Reporter Rafael Buschmann berichtet von seinen Eindrücken aus Dortmund, Robert Berg hat den Boykott in Hamburg erlebt.

Quelle: SPON

Ungeduld macht sich allmählich breit. Nach sieben Minuten vereinzelt verzweifelte Anfeuerungsrufe aus der Heimkurve des Hamburger SV. Dort oben von den Sitzplätzen im B-Rang. Doch diese werden nicht erwidert. Die Masse schweigt.

Auch die Südtribüne in Dortmund, laut Ex-BVB-Trainer Ottmar Hitzfeld das „Herzstück des Vereins“, regt sich nicht. Stille, unterlegt lediglich von einem tausendfachen Gemurmel.

Das Gleiche Bild in den Fanblöcken von Fortuna Düsseldorf, dem Gegner des BVB, und des FC Schalke, der gegen den HSV antrat: Überall bleiben die Anfeuerungsrufe aus. Denn die deutsche Fan- und Ultrabasis verbündete sich am Dienstag geschlossen zum Stimmungsboykott gegen die angedachten Sicherheitsbestimmungen der Deutschen Fußball Liga (DFL).

In der HSV-Kurve sind die Anhänger über die Leistungssteigerung zum Auswärtsspiel in Düsseldorf von Thorsten Finks Truppe erstaunt. Lebhafte Diskussionen entstehen. Unterbrochen von „Oooh“, „Aaah“ oder Szenenapplaus von den Rängen. Ich, Robert Berg, stehe dazwischen, es ist mein Verein. Eine solche Stille habe ich hier noch nie erlebt. Mein Nachbar kommentiert jede Form von aufkommender Atmosphäre auf seine eigene Art: „Pssst! Ruhe! Hallo?! Stimmungsboykott!“ – die umgebenden Leute lachen. Andere sehnen sich nach ihrer Couch und dem Fernseher. Einer sagt: „Dort seh ich mehr und stimmungsmäßig verpass‘ ich ja eh nix…

Als Sportreporter habe ich, Rafael Buschmann, schon unzählige Spiele des BVB im ehemaligen Westfalenstadion gesehen. Ich schaute in den vergangenen Jahren von etlichen Plätzen auf die Mannschaften der Borussia, konnte mich von beiden Haupttribünen, dem Gegnerblock und der Südtribüne von der Stimmung beim BVB überzeugen. Die Lautstärke, die Gesänge, auch die Pöbeleien der beiden Fanlager haben einen Charme, den es in nur wenigen Stadien auf der Welt gibt. Das Boykott-Schweigen der „Süd“ hat jetzt für mich etwas Steriles, Unnatürliches. Als ob man sich auf ein Bier freut, aber aus der Flasche nur Wasser bekommt. Purer Etikettenschwindel.

Schalke-Fans singen gegen die DFL

In Hamburg nähern sich auf der Stadionuhr die anvisierten zwölf Minuten und zwölf Sekunden. Meine Mitmenschen sind gespannt auf das, „was da gleich so kommen mag“. In mir kommt langsam dieses alte Kribbeln zurück, das ich seit dem Anpfiff verloren hatte. Sekunde um Sekunde verrinnt. Und dann – in einer nicht zu beschreibenden Lautstärke – wird den Emotionen freier Lauf gelassen. „Steht auf für den HSV!“ Angespornt durch einen simplen Fangesang, steht nun nahezu das ganze Stadion. Die Schalke-Anhänger stimmen ein Lied an, das explizit gegen die DFL gerichtet ist. Deren Arme zeigen erwartungsvoll auf die HSV-Kurve. Und die stimmt sofort geschlossen in den Wechselgesang ein.

Nur wenige Sekunden zuvor dröhnt es aus Tausenden Kehlen in Dortmund: „Vier, drei, zwei…“. Als die „gelbe Wand“ die letzten sechs Sekunden des Boykotts gemeinsam laut herunterzählt, stimmt das gesamte Stadion in den Countdown ein. Bei genau zwölf Minuten und zwölf Sekunden bricht eine tosende Emotionswelle über alle Tribünen herein. Die „Süd“ eskaliert förmlich, hüpfende und singende BVB-Fans erzeugen eine selten zuvor erlebte Lautstärke. Selbst hartgesottene Reporter sagen hinterher, dass sie in diesem Moment eine Gänsehaut erlebten. Ich selbst erwische mich dabei, wie ich minutenlang auf die Südtribüne starre, statt mir das fade Fußballspiel anzusehen.

Ob Jung, ob Alt, ob BVB-, Düsseldorf-, Schalke- oder HSV-Fan: Durch die Reihen zeichnen sich freundliche, sichtbar gelöste Gesichter ab. Und viele sind sich schnell einig, dass dem Fußball ohne die Fangesänge, ohne die Emotionen von den Rängen, etwas Entscheidendes fehlt.

Nach diesem eindrucksvollen Erlebnis und als Liebhaber und Begleiter dieses Sports, erwarten wir nun, dass alle Beteiligten rund um den 12. Dezember eine Lösung in der Sicherheitsthematik finden. Etwaige Eitelkeiten dabei außen vorgelassen werden und Lösungen im Sinne des Sports entstehen. Und dass uns im Stadion dieses spezielle Kribbeln nie wieder verlassen wird. Auch nicht für zwölf Minuten und zwölf Sekunden.

Mehr zur Aktion findet Ihr hier: www.12doppelpunkt12.de

Antisemitische Vorfälle bei West Ham United

Er hat den Hitlergruß gezeigt, jetzt bleibt er draußen: West Ham United hat gegen einen seiner Dauerkarteninhaber wegen antisemitischen Verhaltens ein lebenslanges Stadionverbot ausgesprochen und ihn aus dem Verein verbannt.

Quelle: SPON

West Ham United hat auf die antisemitischen Vorfälle vom Wochenende beim Auswärtspiel gegen Tottenham Hotspur reagiert. Der englische Premier-League-Club verhängte gegen einen seiner Anhänger ein lebenslanges Stadionverbot und schloss ihn aus dem Verein aus.

In der Partie war es laut Medienberichten zu judenfeindlichen Sprechchören der United-Anhänger gekommen. Zudem waren während des Spiels zwei Personen festgenommen worden, die den Hitlergruß gezeigt hatten. Außerhalb des Stadions kam es zu fünf weiteren Festnahmen.

Eine der beiden Personen, die innerhalb des Stadion den Hitlerguß gezeigt hatten, wurde nach Angaben von West Ham als United-Dauerkarteninhaber identifiziert, mit einem lebenslangen Stadionverbot belegt und aus dem Verein ausgeschlossen. Sollte sich herausstellen, dass weitere Club-Mitglieder beteiligt waren, können sie „mit der gleichen Strafe“ rechnen. Das teilte West Ham auf seiner offiziellen Internetseite mit.

Uniteds israelischer Nationalspieler Yossi Benayoun sprach unterdessen von einer großen Enttäuschung. „Es war sehr beschämend, solche Gesänge während des Spiels zu hören“, schrieb er bei Twitter.

Der Vorfall ereignete sich nur wenige Tage nach dem Europa-League-Spiel Tottenhams bei Lazio Rom, in dessen Umfeld es ebenfalls zu antisemitischen Anfeindungen gekommen war. Unter den Tottenham-Fans befinden sich zahlreiche Fans jüdischen Glaubens.

Nürnberg: Deutliches Zeichen gegen Antisemitismus

Während über die Pyro-Einlage des Münchner Anhangs schon kurz nach dem Spiel geschrieben wurde, rückte die Kurvenchoreo der Nürnberger Nordkurve zunächst in den Hintergrund. Dabei sind die geschichtlichen Hintergründe und der Anlass sogar mehr als eine kurze Schlagzeile wert. Der 1. FC Nürnberg würdigt auf seiner Seite nun nicht nur die aufwendige Arbeit sondern auch das deutliche Zeichen der Choreo, die durch die Ultras Nürnberg organsisiert wurde.

Die Choreo erinnerte an den 1932 aus Nürnberg geflüchteten jüdischen Trainer Jenö Konrad. Das Konterfei des Trainers wurde dabei umrahmt von einer rot-schwarzen Nordkurve und dem Spruch „Der Club war der erste. Und muss der erste werden“.

Konrad kam 1930 aus Wien nach Nürnberg. Nach einer Niederlage gegen Bayern München 1932 sorgte „Der Stürmer“ als nationalsozialistisches Hetzblatt mit der Kampagne „Der 1. FCN geht am Juden zugrunde“ dafür, das der Trainer zum Bedauern der Vereinsführung den Glubb verließ und darauf hin in Ungarn mit Ripensia Timișoara 1932/33 den Meistertitel gewann. Konrad musste in den darauf folgenden Jahren immer wieder aufgrund der politischen Entwicklung in Europa den Verein wechseln und emigrierte 1940 in die USA. In der Vereinschronik des 1. FC Nürnberg erinnert ein Foto mit Autogramm mit eben jenem Spruch „Der Club war erster. Und muss erster werden“ an Jenö Konrad.

Für den Verein ist diese Choreo ein klares Zeichen gegen Rassismus und Antisemitismus. Martin Bader sagt dazu auf der Vereinswebseite: „Mit dieser beeindruckenden Aktion haben unsere Fans gezeigt, dass Fußball und der 1. FC Nürnberg kein Nährboden für rechtsextreme Strömungen sind. Gleichzeitig zeigt die Choreografie, wie stark sich der Verein und seine Fans mit der Vereinsgeschichte identifizieren und auseinandersetzen“.

Für die Anhänger aus Nürnberg ist das Thema damit aber noch nicht abgeschlossen. Am kommenden Donnerstag laden die Ultras Nürnberg zu einer Informationsveranstaltung in ihr Lokal ein. Thema des Abends „Der Club und sein Umgang mit jüdischen Mitgliedern in der Zeit des Nationalsozialismus“ Mehr Informationen zur Veranstaltung auf der Webseite www.faszination-nordkurve.de

Flutlicht, Nebel und vier Tore.

Fußball am Donnerstag bedeutet eigentlich immer internationaler Wettbewerb. Europapokal! Unsere Goldfüße von der zweiten Mannschaft sind im letzten Jahr bekanntlich nur knapp an der Qualifikation gescheitert, haben es aber trotzdem geschafft in diesem Jahr ihren Fans ein Flutlichtspiel an einem Donnerstag zu bieten. Dieses Geschenk nahmen wir gerne an.

Es hies also mal wieder die üblichen Verdächtigen zusammentrommeln, Biervorräte anlegen und die Schmuggelroute in den Westen Berlins ausspionieren. Keine leichte Aufgabe, die Bierpreise in Richtung Messe Süd steigen pro Kilometer um geschätzte 10 Cent und schmuggeln ist auch schon lange nicht mehr das, was es einmal war. Dementsprechend gut ausgerüstet ging es zum Spiel. Vor Ort angekommen erwartet uns erstmal eine Nebelwand. Gezündet von Mutter Natur. Nicht von uns. Wir schwören!

sterne2012

Das Spiel plätscherte anfangs so vor sich hin, da lagen unsere Goldfüße schon mit zwei Toren zurück. Klassischer Fehler, die Abwehr machte sie individuell und gleich doppelt, da war der Torhüter bewzungen. Apropo Torhüter die Gegner vom BSC Comet hatten einen verdammt Guten im Tor zu stehen. Mindestens zweimal rettete er grandios seinem Team den Vorsprung. Aber kurz vor der Pause schafften es die Sterne dann doch noch den Anschlußtreffer ins Tor zu bugsieren. Halbzeit, Bockwurst, gefühlte drei Grad unter Null, trotzdem: die Hoffnung stirbt zuletzt.

In der zweiten Halbzeit wurde dem Publikum einiges geboten. Spannung, war dabei noch das geringste. Der Anschlußtreffer zum 2:2 war mehr als sehenswert, doch leider nicht von langer Dauer. Ein schneller Konter, zwei Querpässe später lagen unsere Goldfüße schon wieder im Rückstand. Durchschnaufen, Bier trinken, Hoffnung tanken. Und es kam, wie man es zuletzt an einem Wochenende im August erleben durfte (legendär!). Eine Aufholjagd mit Happy End. Aber ganz soweit war es noch nicht.

Ein Abschlag des Sternehüters erkämpfte sich ein Außensternestürmer dem sich aber keine Anspielstation anbot, weshalb er den Ball schön in Richtung Tor bugsierte, wo dann ein Abwehrfehler nach dem anderen dafür sorgte, dass die Pille doch noch zufällig dem Sternestürmer vor die Füße fiel und er sie letztendlich formidabel ins Tor hievte. Ausgleich. Befreiender Jubel. Viel Trubel. Heiterkeit an allen Orten!

Was dann geschah, war das zweite Wunder der zweiten Mannschaft in ihrer zweiten Saison (noBern!). Der Siegtreffer lag nicht nur in der Luft, er lag bereits im gegnerischen Tor. Ausschweifende Freude. Auf dem Feld und daneben. Der Schlußpfiff lies zum Glück auch nicht lange auf sich warten, der Biervorrat neigte sich nämlich langsam dem Ende zu. Feierabend. Auswärtsgewonnen! Die Aufstiegsränge noch in Sichtweite. Goldfüße! Danke für diesen schönen Donnerstagabend. Zweimalig!

Die Fotos sind von Ian Stenhouse, No Dice Magazin

Mordversuch aus Judenhass

Mehr als zwei Dutzend Maskierte fielen über die Fußball-Fans her, mitten in Rom, es gab mehrere Verletzte: Nach der Attacke auf Anhänger des Clubs Tottenham Hotspur durch Ultras von Lazio und AS Rom ermitteln die Behörden wegen versuchten Mordes. Der Überfall war offenbar antisemitisch motiviert.

Quelle: SPON

Der brutale Überfall auf Fans des englischen Fußball-Clubs Tottenham Hotspur in Rom am Mittwochabend hatte offenbar einen antisemitischen Hintergrund. Die Polizei nahm zwei Ultras des AS Rom fest. Sie sollen den blutigen Überfall zusammen mit Ultras von Lazio Rom geplant haben. Wie die „Gazzetta dello Sport“ berichtet, wird ihnen versuchter Mord vorgeworfen. Insgesamt werde gegen 15 Personen ermittelt.

Laut den italienischen Behörden war die Attacke vor der Europa-League-Partie zwischen Lazio Rom und Tottenham (0:0) in einem Lokal am Campo de Fiori kein üblicher Zwischenfall mit radikalen Lazio-Fans. Vielmehr habe es sich um einen gezielten antisemitischen Angriff verschiedener römischer Gruppen auf die Tottenham-Anhänger gehandelt, unter denen sich auch zahlreiche Fans jüdischen Glaubens befinden.

Lazio-Präsident Claudio Lotito sagte, dass der Club und seine „echten Fans“ nichts mit dem Übergriff zu tun hatten. Er verurteilte die Attacke ebenso aufs Schärfste wie Italiens Fußballverbands-Präsident Giancarlo Abete und Roms Bürgermeister Gianni Alemanno. „Das war ein schrecklicher Überfall einer Bande von Verrückten und Kriminellen“, sagte Alemanno. Er kündigte an, dass die Stadt in einem Prozess gegen die Angreifer als Nebenkläger auftreten werde.

In der Nacht vor dem Spiel hatte eine Gruppe von rund 30 maskierten Gewalttätern die Tottenham-Anhänger im Lokal The Drunken Ship in der Innenstadt von Rom überfallen. Die Angreifer verletzten zehn Fans, ein Engländer musste wegen mehrerer Stichwunden behandelt werden. Er schwebt nach Angaben der Ärzte aber nicht in Lebensgefahr. Insgesamt wurden sieben Verletzte in Krankenhäuser eingeliefert, das Lokal wurde verwüstet.

Bereits im Hinspiel rassistischer Eklat

Lazio Rom muss mit einer Strafe der Europäischen Fußball-Union (Uefa) rechnen, weil es auch während des Spiels im Olympiastadion zu antisemitischen Vorfällen gekommen ist. Lazio-Anhänger skandierten „Juden Tottenham, Juden Tottenham“. Zudem wurde ein Banner enthüllt mit der Aufforderung: „Befreit Palästina“.

Bereits beim Hinspiel zwischen Tottenham und Lazio war es zu einem Eklat gekommen. Mitgereiste Lazio-Anhänger hatten während der Partie in London die dunkelhäutigen Tottenham-Profis Jermain Defoe, Aaron Lennon und Andros Townsend rassistisch beleidigt. Laut Berichten englischer Medien waren mehrfach „Affenlaute“ zu hören.

Die Anhänger von Lazio Rom waren in der Vergangenheit schon öfter mit rassistischen oder fremdenfeindlichen Beleidigungen aufgefallen. Tore des Vereins werden schon mal mit „Duce, Duce„-Rufen gefeiert, mit dem sie den faschistischen Diktator Benito Mussolini hochleben lassen. Auch Hakenkreuzflaggen hissten sie schon.

Deutsch-Türkische Lesung zur Neonazi-Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund

Neonazi Terör hücresi Nasyonel Sosyalist Yeraltı (NSU) hakkında Almanca-Türkçe Okuma Günü:

Maik Baumgärtner* (Journalist und Autor) und Canan Bayram* (Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen) werden am 26. November 2012 auf Einladung von Türkiyemspor Berlin auf deutsch und türkisch aus dem Buch „Das Zwickauer Terror-Trio“ lesen. Es ist die erste zweisprachige Lesung zum Thema in Deutschland. Im Anschluss stehen die beiden für Diskussionen und Fragen zur Verfügung.

In seinem Buch zeichnet Maik Baumgärtner die Taten des Nationalsozialistischen Untergrunds und die Biografien ihrer Opfer nach. Sein Fazit: „Es fehlt eine Debatte darüber, wie dieser menschenverachtende Terror entstand, wo seine Wurzeln liegen. Eine Auseinandersetzung mit Diskriminierung und Rassismus in der Gesellschaft, also innerhalb der Bevölkerung, den Behörden und Institutionen ist unumgänglich. Noch immer sind körperliche und verbale Attacken gegen Migrantinnen und Migranten in Deutschland Alltag. Noch immer ziehen Neonazis durch das Land, verbreiten ihre Hetze auf Demonstrationen, Konzerten sowie im Internet, verüben Gewalttaten und töten Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen.

*Maik Baumgärtner, geboren 1982, lebt und arbeitet als freier Journalist und Autor in Berlin.

*Canan Bayram, geboren 1966 in Malatya (Türkei), ist Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus für Bündnis 90/Die Grünen. Sie ist Sprecherin für Integration, Migration und Flüchtlinge.

Türkiyemspor Berlin e.V. ist der erfolgreichste von Migranten gegründet und geführte Sportverein in der Bundesrepublik. Neben der Erwachsenenabteilung mit einem Herren- und Frauenteam ist der Verein besonders in der Jugendarbeit aktiv. In 17 Jugendteams trainieren dort regelmäßig rund 400 Jugendliche unterschiedlichster ethnischer Herkunft. Der Verein gilt als Aushängeschild der türkischen Gemeinschaft Berlins und des multikulturellen Bezirks Kreuzberg. Über die sportliche Arbeit hinaus engagiert sich Türkiyemspor gegen Rassismus, Homophobie und für interkulturellen Austausch und wurde dafür bereits mehrfach ausgezeichnet.

Die deutsch-türkische Lesung beginnt am Montag, den 26. November um 19 Uhr, im Fanclub Türkiyemspor, Admiralsstraße 37, 10997 Berlin.

»Ich fühl‘ mich sicher« – Eine Initiative wird zum Erfolg

Vor gut zwei Wochen riefen die Macher des BVB-Fanzines schwatzgelb.de online die Initiative »Ich fühl‘ mich sicher« aus der Taufe. Mittlerweile haben fast 45.000 Fußballfans unterzeichnet. Initiatorin Ramona Steding sprach mit uns über die Ziele, Wünsche und Aussagekraft der Aktion.

Quelle: 11.Freunde

Ramona, vor kurzem habt ihr von »Schwatzgelb« die Aktion »Ich fühl mich sicher« gestartet. Ein deutliches Zeichen gegen die Panikmache von Politikern und Polizeigewerkschaftlern. Wieviele Menschen haben bisher unterschrieben?
Der Stand jetzt, also gut 14 Tage nach Start der Aktion, haben wir etwa 43.000 Unterzeichner gefunden. Das entspricht ungefähr der Zuschauerzahl eines durchschnittlichen Erstligaspiels und ist für uns schon mal ein schönes Zwischenergebnis. Aber da ist zweifelsohne auch noch Luft nach oben.

Manche Fans dürften noch gar nichts von der Aktion mitbekommen haben. Wie wollt ihr die erreichen?
Auf eigentlich allen Wegen. Unsere Kollegen von »Der Betze brennt« haben zuletzt richtig die Werbetrommel für uns im Kaiserslauterer Lager gerührt und wir haben naturgemäß das Dortmunder Umfeld schon gut mobilisieren können. Das erhoffen wir uns noch viel mehr quer durch die Republik, daher intensivieren wir gerade unseren Kontakt in Richtung anderer Vereine und Fanorganisationen. Grundsätzlich kann man sagen, dass Mund-zu-Mund- bzw. Facebook-to-Facebook-Propaganda da für uns enorme Bedeutung hat.

Die Unterstützung zur Kampagne also nur einen Mausklick entfernt.
Wer die Aktion kennt, soll sie bitte einfach weitertragen, denn das Thema geht letztlich jeden Fußballfan an und es wäre wichtig, wenn wir die öffentliche Diskussion so wieder ein bisschen zur Sachlichkeit zurückführen könnten. Aktuell wird ja oft auf Basis der Annahme diskutiert, dass es in Deutschlands Stadien unsicher sei und der Stadionbesuch einem gefährlichen Abenteuer gleichkomme. Dagegen wollen wir ein Zeichen setzen und mal einen Schritt zurückgehen. Denn erstens geben die Statistiken diese Panikmache gar nicht her. Und das wollen wir jetzt zweitens auch dadurch belegen, dass wir den regelmäßigen, aber in der Diskussion praktisch nicht zu Wort kommenden, Stadionbesuchern eine Plattform bieten.

Gibt es interne Ziele?
100.000 Unterschriften wären ein Traum. Ob das erreichbar ist, vermag ich nicht einzuschätzen. Unser eigenes Ziel sind jetzt erstmal die 50.000. Denn auch wenn »Ich fühl’mich sicher!« keine offizielle Petition ist, ist das bei solchen Anliegen ja immer die magische Grenze, die es zu erreichen gilt. Wir sind jedenfalls froh um jeden Einzelnen, der sich mehr einträgt, weil das Zeichen, das von der Aktion ausgeht, so immer stärker wird. Man darf ja in der Diskussion und insbesondere in der Auseinandersetzung mit den beteiligten Innenpolitikern ja auch nicht unter den Tisch fallen lassen, dass Stadiongänger auch ein erhebliches Wählerpotential bedeuten.

Mittlerweile gibt es vorsichtige Signale von Verbandsseite, sich wieder mehr um einen vernünftigen Dialog zu bemühen. Wie schätzt ihr die Situation ein?
Zunächst einmal ist ein vernünftiger und offener Dialog auf Augenhöhe die einzige Möglichkeit, überhaupt zu einer tragfähigen Lösung zu kommen. Wie so etwas nicht aussehen sollte, haben ja sowohl die Verbände wie auch zuletzt der FC Bayern mit seiner Vollkontrollen-Offensive gezeigt. Ich glaube aber auch, dass das schwache Konzept »Sicheres Stadionerlebnis« letztlich doch einen guten Impuls gegeben hat, weil sich plötzlich auch renommierte Vereine dagegen ausgesprochen haben und irgendwann klar wurde, dass man so etwas nicht von oben herab verordnen kann, sondern dass man darüber sprechen muss. Dafür kann man den entsprechenden Vereinen und ihren Verantwortlichen eigentlich gar nicht genug danken. Und wie man jetzt vernehmen kann, wurde bzw. wird das Konzept von Seiten der DFL ja auch noch einmal überarbeitet.

Wenn ihr die Unterschriftensammlung beendet habt, wird es eine feierliche Übergabe in der Otto-Fleck-Schneise geben?

Das wird sich zeigen. Wichtiger als solch ein symbolischer Akt ist uns die grundsätzliche Aussage, die von der Masse der Unterzeichner ausgeht: »Wir fühlen uns sicher!« Ich denke, dass man das in Frankfurt zur Not auch ohne feierliche Übergabe zur Kenntnis nehmen wird.

11FREUNDE und die Ultras Roter Stern (B) empfehlen: Mach mit bei der Initiative »Ich fühl‘ mich sicher«. Wie das geht? Einfach online eintragen unter www.ich-fuehl-mich-sicher.de

Fans drohen mit Boykott

Das ursprüngliche Sicherheitskonzept der Deutschen Fußball-Liga wollten Vereine und Fans nicht mittragen. Der Verband hat das Papier jetzt in einzelnen Punkten überarbeitet, die Zeit bis zur geplanten Verabschiedung im Dezember wird aber langsam knapp. Zudem planen Ultras einen Stimmungsboykott.

Quelle: SPON

Der erste Entwurf war ein Schnellschuss, der scharf kritisiert wurde: Etliche Vereine und Fußball-Fans lehnten das von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) im September vorgestellte Sicherheitskonzept als nicht tragbar ab. Doch dem Liga-Verband geht die Zeit aus: Wird das Papier nicht vor Jahresende verabschiedet, nimmt sich die Bundesregierung der Thematik „Stadionsicherheit“ an – und dann drohen wesentlich drastischere Maßnahmen wie die Abschaffung der Stehplätze, personalisierte Tickets oder reduzierte Kartenkontingente. Unter diesem Druck hat die DFL ihr Konzept nun in einzelnen Punkten noch einmal überarbeitet – und hofft, die Clubs so auf ihre Seite zu bekommen.

Die wohl markanteste Änderung: „Vollkontrollen“ von Fans vor den Stadien sollen nicht in den Statuten des Papiers verankert werden, sondern im Ermessensspielraum der Vereine liegen. Jüngst hatten beim Spiel Bayern München gegen Eintracht Frankfurt erstmalige Ganzkörperuntersuchungen in eigens dafür aufgestellten Zelten für Kritik gesorgt. Die Arbeitsgemeinschaft Fananwälte hatte die Durchsuchungen als „rechtswidrig“ und „intensiven Eingriff in Grundrechte“ bezeichnet. Der FC Bayern hatte die Zelte unter Berufung auf das Konzeptpapier errichtet – und im Nachhinein verteidigt. Doch die Aktion rief unter den Fans zahlreiche Gegner auf den Plan, sie fühlten sich diskriminiert, übergangen und gemaßregelt.

Diesem Eindruck möchte die DFL vorbeugen, indem sie immer wieder betont, mit den Anhängern in einen Dialog über die geplanten Maßnahmen treten zu wollen. Eine späte Schadensbegrenzung, hatte der Liga-Verband doch sein Konzeptpapier zunächst ohne Beteiligung der Fans entwickelt. Auch aus diesem Grund soll der in der Ursprungsversion des DFL-Papiers vorgesehene Verhaltenskodex für Stadion-Besucher nun nicht mehr vorgeschrieben, sondern zusammen mit den Fans erarbeitet werden. Allerdings erst, nachdem das Konzept verabschiedet wurde.

Unklare Zuständigkeiten erschweren Dialog

Der Dialog soll darauf gerichtet sein, Grundregeln für die Ausübung der positiven Fankultur im Stadion gemeinsam zu entwickeln und einvernehmlich zu vereinbaren“, heißt es in der Stellungnahme der DFL. Und: „Der wechselseitige Dialog zwischen Clubs und Fangruppen soll künftig auch statuarisch verankert werden.

Doch allein dieser Satz zeigt, wo das eigentliche Problem liegt. Wenn der Umgang miteinander schriftlich festgehalten werden muss, ist er zu verfahren, um von alleine zu funktionieren. Dann ist der rationale und objektive Austausch bereits auf ein Minimum reduziert. Genau das machte kürzlich der Fan-Gipfel bei Union Berlin deutlich, zu dem auch Vertreter der Liga gekommen waren: Die Verantwortlichen sind mittlerweile fast panisch um Dialog bemüht, weil sie wissen, dass die Umsetzung ihrer Pläne sonst scheitern wird. Auch viele Fan-Vertreter wollen das offene Gespräch. Und doch weiß kaum einer, mit wem er eigentlich reden soll, zu unklar sind die Zuständigkeiten.

Zudem sehen etliche Fans mit dem von der DFL im Alleingang entwickelten Sicherheitskonzept ihre demokratischen Grundsätze verletzt. Rund 160 Vertreter von deutschlandweiten Ultra-Gruppierungen zogen daraus ihre Konsequenzen und trafen sich parallel zum Fangipfel im Berlin. Das Ergebnis: Vom 14. bis 16. Bundesliga-Spieltag planen sie einen Stimmungsboykott. Unter dem Titel „12:12 – Der zwölfte Mann wehrt sich“ wollen sie zu Beginn jeder Partie mit Schweigen demonstrieren, wie „Fußball ohne Fankultur“ aussähe.

Fanvertreter begrüßen die Änderungen

Nach wie vor soll am 12. Dezember über die einzelnen Punkte des nun veränderten Konzeptpapiers – und nicht über das Gesamtpaket – abgestimmt werden. Die Clubs haben bis zum 22. November Zeit, zu den Neuerungen Stellung zu beziehen und der DFL Änderungsvorschläge zukommen zu lassen. Bei den Fanvertretern ist das neue Papier zumindest schon einmal etwas auf mehr Gegenliebe gestoßen: „Wir freuen uns, dass die DFL endlich erkannt hat, dass sie einen Dialog mit den Fans führen muss. Die Änderung des Sicherheitspapieres begrüßen wir. Allerdings sind aus unserer Sicht fast die gesamten im ursprünglichen Sicherheitspapier genannten Maßnahmen nicht zielführend und somit auch nicht verhandlungsfähig“, sagte Philipp Markhardt, Sprecher des Bündnisses „ProFans“, SPIEGEL ONLINE.

Sollte das Konzept tatsächlich verabschiedet werden, plant die DFL, die Maßnahmen nach drei Jahren zu evaluieren, um sie verbessern oder absetzen zu können. Auch das ist ein neuer Punkt im überarbeiteten Konzept – und auch er zeigt, wie enorm die DFL unter Druck steht. Zu derartigen Kompromissen wäre sie sonst wohl nicht bereit.

»Die Polizeigewerkschaften schwingen die Peitsche«

Waltraut Verleih ist Anwältin aus Frankfurt und Mitglied der »Arbeitsgemeinschaft Fananwälte«. Im Interview spricht die Juristin über Recht und Unrecht der umstrittenen Ganzkörperkontrollen, die am Samstag Fans von Eintracht Frankfurt in München über sich ergehen lassen mussten.

Quelle: 11.Freunde

Waltraut Verleih, im Zuge des Bundesligaspiels Bayern München gegen Eintracht Frankfurt, hat die zuständige bayrische Polizei gemeinsam mit dem FC Bayern erstmals die im DFL-Papier »Sicheres Stadionerlebnis« eingeforderten Ganzkörperkontrollen durchgeführt. Ist diese Form der Kontrolle überhaupt legal?
Nach unserer Auffassung, also der der »AG Fananwälte«, nicht. Insbesondere deshalb nicht, weil die Art und Weise der Durchführung, sowie die Auswahl der Personen, die einer Ganzkörperkontrolle unterzogen wurden, sich als beliebig, willkürlich und unverhältnismäßig gezeigt hat. Und damit rechtswidrig ist. Sie müssen bedenken, dass Ganzkörperkontrollen intensivste Eingriffe in Grundrechte, also: allgemeines Persönlichkeitsrecht, Recht auf informationelle Selbstbestimmung, Recht der allgemeinen Handlungsfreiheit, sind. Bei grundrechtsverletzenden Maßnahmen verlangt das Bundesverfassungsgericht aber immer und in ständiger Rechtsprechung ein restriktives Vorgehen. Insbesondere eine genaueste individuelle Prüfung und Begründung grundrechtsbeeinträchtigender Maßnahmen. Genau eine solche Prüfung war in München weder vorgesehen, noch wurde eine solche Prüfung durchgeführt. Abgesehen davon, muss bei grundrechtsintensiven Eingriffen immer auch geprüft werden, ob nicht mildere Maßnahmen, als die beabsichtigte, ausreichen, um dem Zweck zu genügen. Auch diese Abwägung ist in München nicht erfolgt.

Können sich von der Kontrolle betroffene Fans im Nachhinein juristisch gegen den Vorgang wehren?
Natürlich.

Welche Chancen hätte eine solche Klage?
Welcher der möglichen Rechtswege, vor welchem sachlich und örtlich zuständigen Gericht sich als der effektivste zeigt, können wir dann genauer sagen, wenn wir die Verfügungen im Einzelnen kennen. Nach den Informationen, die wir bisher haben, sind die Chancen für eine Klage gut. Es gab bereits in der Vergangenheit eine obergerichtliche Entscheidung durch das Oberverwaltungsgericht des Saarlands, in der Ganzkörperkontrollen bei »normalen« Fußballfans für rechtswidrig erklärt wurden. Auch deshalb halten wir die in München durchgeführte Maßnahme für angreifbar.

Ganzkörperkontrollen wurden bereits beim Thema Flughafen-Sicherheit heftig diskutiert. Dort argumentiert man damit, durch intensive Kontrollen Menschenleben zu retten. Welche Argumente können die DFL und die mit ihr kooperierenden Vereine dazu vorbringen?
Ich glaube, dass die »AF Fananwälte« nicht der richtige Adressat für diese Frage sind. Die sollten sie eher der DFL stellen – wenn von dort eine sinnvolle Antwort kommt, können wir gerne noch einmal über dieses Thema sprechen.

Die »AG Fananwälte« hat das besagte DFL-Papier bereits kritisiert. Inwieweit muss man den DFL-Verantwortlichen juristisches Fehlverhalten vorwerfen?
Wir denken, dass sich die DFL als Ross vor einen Wagen hat spannen lassen, auf dem die Polizeigewerkschaften sitzen und die Peitsche schwingen. Einer Interessengemeinschaft, die von ihren Feindbildern lebt und diese durchaus auch mitkreiert. Ganz offensichtlich wurde das DFL-Papier »Sicheres Stadionerlebnis« in der DFL bislang nicht ernsthaft juristisch geprüft. Ansonsten hätte die DFL bereits selbst zu dem Ergebnis kommen müssen, dass ein Großteil der angedachten Maßnahmen rechtlich nicht haltbar ist.

Wie schon beim Thema Stadionverbot, steht auch die Ganzkörperkontrolle auf juristisch sehr wackligen Beinen. Widersetzen sich DFL und DFB beim Thema Fans den geltenden rechtlichen Bestimmungen?
»Widersetzen« ist nicht unbedingt eine passende Formulierung. Rechtlich braucht man eine konkrete individuelle und positive Gefahrenprognose aufgrund konkreter Tatsachen gegen eine konkrete Person, um solche Maßnahme wie Ganzkörperkontrollen, also Kontrollen bis in alle Körperöffnungen, exerzieren zu können. Mutmaßungen, Spekulationen und Verdächtigungen reichen da nicht aus. Die in München vollzogenen Maßnahmen erfüllen diese Rechtmäßigkeitsvoraussetzungen nicht. Nach unserer Auffassung ging es auch um etwas Anderes. Nämlich darum »Fakten« zu schaffen und Fußballfans an Maßnahmen zu gewöhnen, deren rechtlichen Hürden hoch sind. Und an Maßnahmen zu gewöhnen, die die hohe Hürde von Rechtmäßigkeitserwägungen nicht nehmen können.

Der Austausch zwischen Fans und Funktionären findet auf noch auf sehr kleiner Sparflamme statt. Welche Rolle spielen in diesen Diskussionen die juristischen Details?
Das Papier der DFL vermittelt nicht den Eindruck, als ob rechtliche Gesichtspunkte – das heißt, die Überprüfung von Rechtmäßigkeit und Verhältnismäßigkeit der geplanten Maßnahmen – eine erheblich Rolle gespielt haben. Die Funktionäre der DFL werden sich juristischer Argumente aber nicht entziehen können. Sie sind gut beraten, darauf zu achten, sich nicht von den verschiedensten Interessengruppen, seien es Polizeigewerkschaften, Hardliner aus der Politik oder entsprechenden Stimmen in den Medien, instrumentalisieren zu lassen. Die DFL täte gut daran, den ernsthaften und konstruktiven Dialog mit Fanvertretern über das Massnahmepapier fortzusetzen.

---
Die »Arbeitsgemeinschaft Fananwälte« ist ein Zusammenschluss von Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten, die regelmäßig Fußballfans vertreten. Zur Homepage: www.fananwaelte.de