EM 2020: Fick Dich UEFA!

Wie ein Damoklesschwert schwebte in den letzten Wochen die Idee der UEFA, die Ausrichtung der EM nicht mehr einem oder zwei Ländern zu überlassen, sondern über ganz Europa zu verstreuen, über den Köpfen der Fußballfans. Nun ist die Rübe ab, der Plan durch, Platini darf seinen Traum verwirklichen. Dem Rest bleibt nur ungläubiges Staunen. Selbst die größten Feinde der nonkonformen Fußballkultur erkennen die daraus resultierende Problematik:

Okay, es ist mal einen Versuch wert, aber die Fußball-Euphorie, die sonst das ganze Austragungsland erfasst, wird sicher fehlen

diktierte der für den Sport zuständige Bundesinnenminister, Hans-Peter Friedrich (CSU), den Reportern der Saarbrücker Zeitung ins Mikrofon. Wer mag sich nicht daran erinnern, in diesem Sommer waren die irren Iren in Posen eines der Highlight der Europameisterschaft. Drei Vorrundenspiele lang feierten sie ihre Manschaft, die polnischen Gastgeber und sogar Angela Mööörkel. Im schlimmsten Fall wird es ab 2020 nicht mehr möglich sein alle drei Vorrundenspiele seiner Mannschaft in einer Stadt zu erleben. Und somit wird es auch unmöglich sein ein wenig mehr vom Land zu Gesicht zu bekommen, als die genormten Stadien und die ewig gleich aussehenden Flughäfen.

Die Dreigroschenjungs der Journaille buhlen dagegen schon um die Gunst des großen Zampano Platini. Es werden ja bald wieder die Akkreditierungen fällig und da kann man sich ruhig schon mal ein Stein im Brett sichern:

Andere Argumente, wonach der Euro 2020 Flair abhanden käme, sind ebenfalls zu vernachlässigen. Die Frage ist doch: ein bisschen Flair oder Milliardenschulden? Zudem: Ein solches Turnier ist in erster Linie ein TV-Event. Das Fernsehen produziert die Bilder, die dann von Hunderttausenden beim Public Viewing und von Millionen an den TV-Bildschirmen im heimischen Wohnzimmer konsumiert werden. Woher diese Bilder kommen, ist nebensächlich.Quelle.

Während selbst dem Bundesinnenminister der Umstand missfällt die EM derart aufzusplittern, versucht sich Jens Weinreich, seines Zeichen wackerer Kämpfer gegen Doping, im vorrauseilendem Pragmatismus. Sein Argument man könnte sich teure Investitionen sparen geht dabei völlig am kapitalistischen System vorbei. Kein Geld der Welt wird dadurch gespart, es wird nur anders ausgegeben. Soviel ist mal sicher. Und statt die Kohle in den Ausbau der erneuerbaren Energien, die Rettung von maroden Autobauern oder dem Ankauf von teurem Kriegsgerät zu verschwenden, könnte man doch wenigstens einmal aller vier Jahre so tun als wäre Europa halbwegs in Ordnung und Fußball die schönste Nebenbeschäftigung des Lebens.

Während an allen Ecken und Enden gejammert wird, das Europa miteinander fremdelt, kaum jemand mehr der Meinung ist ein geeintes Europas sei eine gute Idee und alle irgendwie das Gefühl haben finanziell ein Fass ohne Boden zu stopfen, ist eine EM in einem europäischen Land das Beste was einem passieren kann. Die Iren haben in Polen soviel gute Laune hinterlassen, viele Europäer waren das erste Mal in Polen und der Ukraine und besuchten dabei nicht nur die Hochburgen des Tourismus, alles in allem war die EM 2012 eine europäische Entdeckungsreise für ein Großteil der Fußballfans.

Soetwas soll es nicht mehr geben. Es kostet zuviel Geld, sagt der Herr Journalist. Ein ziemlich doofes Argument. Herr Weinreich alles Gute im Leben hat seinen Preis. Wenn man ihren Ansatz der Geldverschwendung ernst nehmen würde, kann man gleich jedes größere Sportevent wegen dem Zwang zu sparen abschaffen. Dann gibt es nur noch gepflegte Arbeitslosigkeit, die nervige Familiebande und ab und zu ein Einsatz beim Arbeitsdienst. Es wäre am Ende eine wohl noch düstere Variante des derzeitigen Lebens hierzulande… wer will das schon?