Archiv für Januar 2013

Revolutian Black Bloc

Egypt Black Bloc on Facebook.

Keine Fußball-WM ohne Arbeitnehmerrechte

Die International Trade Union Confederation (ITUC) ruft dazu auf, sich für die Rechte der Arbeiter in Katar stark zu machen. Dort wird 2012 die Fußball-WM stattfinden und dafür werden eine Menge neuer Stadien und andere Infrastruktur gebaut. Von Wanderarbeitern die wenig Geld verdienen und das unter äußerst schlechten Bedingungen…

1,2 Millionen Beschäftigte in Katar dürfen keiner Gewerkschaft beitreten – ein Verstoß gegen das international anerkannte Recht auf Vereinigungsfreiheit und Tarifverhandlungen.

94% der Beschäftigten in Katar sind Wanderarbeitskräfte ohne jegliche Rechte bei der Arbeit.

Die Wahl Katars als Austragungsort der FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2022 war kontrovers, und das Land plant, mehr als 100 Milliarden Dollar für den Bau von Stadien und anderen WM-Projekten auszugeben.

In den nächsten zehn Jahren werden Tausende zusätzliche Arbeitskräfte für diese riesigen Bauvorhaben benötigt werden.

Wir wollen, dass sich die Welt der Probleme der Beschäftigten in Katar bewusst wird: Es werden dort mehr Menschen beim Bau der WM-Infrastruktur ums Leben kommen als bei der WM Fußball spielen.

Jedes Jahr kommen in Katar nahezu 200 nepalesische Arbeitskräfte ums Leben. Katar weigert sich jedoch, die Zahl der Beschäftigten, die bei der Arbeit sterben oder verletzt werden, zu veröffentlichen.

Jedes Jahr kommen zudem Hunderte weitere Arbeitsmigranten aus Indien, Sri Lanka, Pakistan und Bangladesch in Katar ums Leben oder werden verletzt.

Die Gesetze des Landes untersagen es Wanderarbeitskräften, in Katar eine Gewerkschaft zu gründen und Tarifverhandlungen zu führen, um bessere Löhne sowie gesunde und sichere Arbeitsbedingungen auszuhandeln.

Lasst nicht zu, dass Eure WM-Mannschaft in einem Stadion der Schande spielt.

Helft uns, das Stadion jetzt zu füllen und lasst Katar wissen, dass es 2022 keine Fußball-WM ohne Arbeitnehmerrechte geben wird.

Quelle.

Video über die Arbeitsbedingungen in Katar.

Der Nürnberger Fußballclub und seine nationalsozialistische Vergangenheit

Der FCN setzt sich mit seiner Geschichte während der Nazi-Zeit auseinander. Ehrengast Evelyn Konrad begeistert die Gäste mit ihrem Charme.

Quelle: Münchner Abendzeitung

Nürnberg – Tolle Veranstaltung am Dienstagabend beim 1. FC Nürnberg. Der Club gedenkt am Valznerweiher seinem dunkelsten Kapitel der Vereinsgeschichte – dem unrühmlichen Verhalten des sonst so Ruhmreichen gegnüber jüdischer Vereinsmitglieder während der NS-Zeit. „Der 1. FC Nürnberg ist ein Verein mit großer Tradition, der sich mit seiner Geschichte auseinandersetzt“ eröffnete Sportvorstand Martin Bader den Abend. „Dazu gehören aber nicht nur die vielen Erfolge und Titel, sondern auch die dunklen Seiten der Vereinshistorie.“ Als einer der ersten Fußballvereine Deutschlands beschloss der FCN im Jahre 1933 einstimmig den Ausschluss aller Anhänger jüdischen Glaubens aus dem Verein. Zuvor war bereits Trainer Jenö Konrad, von 1930 bis 1932 Trainer beim Club, nach einem Hetzbericht im Nazi-Blatt „Der Stürmer“ über Nacht mit seiner Frau und Tochter Evelyn aus der Noris geflüchtet.

Eben diese Evelyn, heute 84 Jahre allt, ließ es sich nicht nehmen, als Ehrengast der Veranstaltung eigens nach Nürnberg zu reisen. Aus New York, wohin ihre Eltern 1940 nach einer Odysee durch Europa übersiedelten. Und die redegewandte Dame, immerhin seit 81 Jahren zum ersten Mal wieder in Nürnberg, verzauberte mit ihren Anekdoten aus dem Leben ihres „Vatis“ die anwesenden 250 Gäste. „Er war in seiner Lebensanschauung ein äußerst eleganter Mensch, sehr belesen. Ich habe viel von ihm gelernt.

Bei seiner Flucht aus Nürnberg im August 1932 hinterließ Jenö Konrad dem FCN noch eine Autogrammkarte, auf der er den legendären Spruch „Der Club war der erste. Und muss der erste werden“ niederschrieb. Grund für die Nürnberger Ultras, daraus für das Derby gegen den FC Bayern eine beeindruckende Choreografie zu erstellen, die auch den Grundstein der gestrigen Veranstaltung legte. „Ich wusste nichts von der Choreografie der Club-Fans. Ich kann nicht einmal sagen, wie sehr dankbar ich dafür bin. Das ist unglaublich“, so Evelyn Konrad gerührt, nachdem sie Videoaufnahmen von der aufwendigen Erstellung der Choreografie durch die Ultras gesehen hatte. Nicht die einzige Impression, die die 84-Jährige mit in ihre Heimat USA nehmen wird. „Ich habe mir die Stadt angesehen, unter anderem auch den Gerichtssaal der Nürnberger Prozesse. Es hat mich sehr beeindruckt, wie wunderbar sich Nürnberg inzwischen als Stadt der Menschenrechte präsentiert.

Zum Schluss der Veranstaltung sorgte sie dann noch einmal für ein erfreutes Raunen in der Runde. Nachdem ihr Martin Bader die Ehrenurkunde für ihren 1978 verstorbenen Vater Jenö überreichte, verabschiedete sich Evelyn Konrad auf ihre charmant-witzige Art vom 1. FC Nürnberg: „Der Vati war bescheiden, ich bin es nicht. Dürfte ich auch Mitglied beim Club werden?

Das Uefa-Glücksrad

Die Uefa belegte Ajax Amsterdam mit einer Geldstrafe von 10.000 Euro. Der Grund: Fans hatten beim Champions-League-Spiel gegen Manchester City ein »provokantes« Banner gezeigt. Ein Kommentar über die Absurdität von Strafen.

Quelle: 11.Freunde

Manchmal ist die Uefa gnadenlos. Als Nicklas Bendtner im EM-Spiel gegen Portugal seine Unterhose entblößte, müssen einige Funktionäre regelrecht Schnappatmung bekommen haben. Denn auf dem Bund der Hose stand der Name einer Wettfirma. Tags darauf verhängte der Verband gegen den Spieler eine Strafe von 100.000 Euro. Rio Ferdinand twitterte danach: »Uefa, meinst du das ernst? Alle Rassismus-Strafen zusammen ergeben nicht diese Summe.«

Das stimmt so natürlich nicht. Trotzdem wirkte diese Summe astronomisch im Vergleich zu Strafen, die die Uefa in den Tagen und Monaten zuvor wegen rassistischen Verhaltens aussprach. Dabei ist die Uefa stets vorne mit dabei, wenn es um Initiativen und Slogans gegen Rassismus geht.

»Nicht verantwortlich für gesellschaftliche Entwicklungen«

Wenn es allerdings konkret wird, ist das Problem keines, das die Uefa lösen kann oder will. Vor der EM 2012 tobte etwa Michel Platini, weil Mario Balotelli ankündigt hatte bei rassistischen Schmähungen den Platz zu verlassen. »Denken Sie, ich bin verantwortlich für die Rassisten in Europa, in England oder Frankreich?«, sagte er in einem Interview mit dem »Guardian«. Und dann: »Wir sind nicht verantwortlich für gesellschaftliche Entwicklungen.«

Als die holländische Mannschaft ihr erstes Training in Krakau abhielt, wurden ihre dunkelhäutigen Spieler von polnischen Fußballanhängern mit rassistischen Schmähungen bedacht. Die Uefa dementierte die Berichte zunächst und behauptete, die Rufe hätten keine politische Motivation gehabt.

Strafen – wie mit dem Glückrad erdreht

Erst als sich Mark van Bommel im »De Telegraaf« zu Wort meldete (»Wir haben die Affenlaute gehört und wir können das nicht akzeptieren«), kündigte der Verband eine Untersuchung des Falles an. Später im Turnier verhängte man noch eine Strafe gegen die kroatischen Fans wegen rassistischer Gesänge im Spiel gegen Italien mit einer Geldstrafe von 80.000 Euro. Eine Summe, die erscheint wie mit dem Glückrad erdreht. Dennoch möchte man meinen: Mehr als nichts. Allerdings betrug die Strafe immer noch 20.000 Euro weniger als die, die Bendtner für seine Unterhosen-Lappalie berappen musste.

Immerhin hat Michel Platini seine Meinung bezüglich Spielern, die nach rassistischen Vorfällen den Platz verlassen, überdacht. Gestern, zwei Wochen nachdem Kevin-Prince Boateng im Testspiel gegen Pro Patria wegen rassistischen Schmähungen den Platz verlassen hatte, sagte er: »Das ist wunderbar, das hat mir wirklich sehr gut gefallen.« Michel Platini widersprach damit Sepp Blatter, der die Aktion von Boateng missbilligte.

Und doch: So ganz beisammen scheint die Uefa immer noch nicht. Momentan geistert ein Foto durchs Internet, auf dem ein Banner zu sehen ist, dass Ajax-Fans während der Champions-League-Partie gegen Manchester City am 24 Oktober 2012 hochhielten. Darauf ist ein zur Comicfigur stilisierter Scheich zu sehen. Dieser hält einen Geldbeutel in der Hand, er ist durchgestrichen. Darunter halten andere Fans ein Banner mit der altbekannten Aufschrift »Against modern football« hoch.

So weit, so harmlos. Eigentlich.

Denn die Uefa hat Ende letzter Woche eine Strafe von 10.000 Euro gegen den Verein verhängt. Der Banner, auf dem weder der Verband noch eine Person namentlich angegangen wurde, sei »unangemessen« und »provokativ« gewesen, außerdem könne er »Unruhen« im Stadion auslösen. Unruhen? Provokation? Diesem Denkmuster zufolge dürfte man kein einziges Fußballspiel in der Premier League mehr anpfeifen, ohne dass man Minderjährigen in der ersten Reihe die Ohren zuhält.

10.000 Euro wegen weiterer Banner?

Im Internet wird nun spekuliert, dass nicht diese zwei Banner zur Strafe führten, sondern andere Transparente, die ebenfalls während des besagten Spiels hochgehalten wurden. Darauf stand etwa: »80 Euro für ein Auswärtsticket sind lächerlich!« Auf anderen Transparten konnte man die Namen von Klubs lesen, die wie Manchester City von externen Geldgebern gebuttert werden – etwa Red Bull Salzburg oder FC Chelsea. Darunter sah man ein kleineres Transparent mit der Aufschrift: »Fuck you!« War es also das, was den Verband so erzürnte, dass er diese irrwitzige Geldstrafe aussprach?

Heute nahm der Verband auf Anfrage von 11FREUNDE Stellung. »Die Strafe wurde wegen dem Cartoon und dem Slogan ›Against modern football‹ verhängt. Das ist alles«, sagte ein Verbandssprecher. Was daran »provokativ« sei und warum das Banner nicht unter die Meinungsfreiheit fällt, wird nicht beantwortet. Wurde also wieder das Strafen-Glücksrad gedreht? Oder fällt es nicht unter die Redefreiheit, weil die »Grenzen des Jugendschutzes erreicht« sind? Gibt es gar als »geheim klassifizierte Informationen« weiter? Übt es »übermäßige Kritik an eigenen (…) Staatsvertretern wie Staatsoberhaupt«? Ja, durchaus.

Die Strafe für den FC Malaga

Doch einigen wir uns darauf: Das Banner ist hochgradig skandalös, weil es verleumdend ist. Schließlich wird der Uefa mit dem Banner auch eine Handlungsunfähigkeit in Sachen »Financial Fairplay« unterstellt. Dabei hat sie erst vor Weihnachten mit großem Tamtam den FC Malaga wegen Verstößen für ein Jahr vom Europapokal ausgeschlossen und mit einer Geldstrafe von 300.000 belegt. Der FC Malaga! Fünfter in der spanischen Liga, größter Erfolg der Vereinsgeschichte: UI-Cup-Sieger 2002. Der spanische Klub musste als Exempel dafür herhalten, dass die Uefa es ernst meint. Oder auch nicht.

Man darf sich also weiter wundern. Und festhalten: Die Uefa ist zumindest für fußballgesellschaftliche Entwicklungen selbst verantwortlich.

Ultras Düsseldorf ziehen sich zurück

Die Ultras Düsseldorf nehmen sich eine Auszeit. Hintergrund des Rückziehers ist ein Machtkampf mit Hooligangruppen, die von einem Dutzend Neonazis umworben werden. Der Vorsänger der Ultras wurde von einem Hooligan niedergeschlagen, etliche rechte Straftaten sind dokumentiert.

Quelle: 11.Freunde

Diese Stellungnahme ließ Ultra-Gruppen von Hamburg bis Freiburg aufhorchen: Nur drei Tage nachdem die »Aachen Ultras« ihre Kapitulation im Kampf gegen rechte Ultras und Nazis bekannt gaben, vermeldeten auch die »Ultras Düsseldorf« (UD) eine Auszeit. Nach zwölf Jahren wollen sie »organisierte Gruppenaktivitäten im Stadion einstellen«. Offiziell erklärt »UD« den Schritt mit dem durch den raschen Aufstieg von Fortuna Düsseldorf gewachsenen Druck auf die Gruppe und mit dem Vorhaben, »interne Unstimmigkeiten zu regeln«.

Gewalt gegen den Capo und DJ »Opa«

Tatsächlich setzt ihnen auch ein Rechtsruck im heterogenen Düsseldorfer Hooliganmilieu zu. Die Schläger sind laut Zentraler Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) Anlaufpunkt für ein Dutzend Neonazis. Für die in Teilen linksalternativ geprägte Fanszene hat die kleine Offensive von Rechtsaußen weitreichende Folgen: Antirassistisch Engagierte werden unterdrückt, im veränderten Klima der Kurve kam es zu jüngst zu etlichen rechten Straftaten. Der ehemalige »Capo« der Fortuna-Ultras, Niko Offert, wurde öffentlich bedroht und von einem Hooligan niedergeschlagen. Kurz vor Weihnachten attackierten Rechtsradikale auch noch den beliebten Stadion-DJ »Opa«.

Die seit etwa drei Jahren schwelenden Konflikte unter den Fortuna-Fans mögen mit denen in Dortmund, Aachen oder Braunschweig zwar nicht vergleichbar sein. In den drei Nazi-Hochburgen sind die organisierte Rechte, Nazi-Hools und -Ultras eng verflochten; etliche Gewalttaten gegen Linke und anders denkende Fans sind dokumentiert. In Düsseldorf dagegen gibt es laut Staatsschutz und Antifa keine etablierten Neonazi-Strukturen. Und die Anhängerschaft der 1895er war durch die Rückkehr nach Flingern geprägt von der urbanen Subkultur des Viertels.

In der Vergangenheit waren sogar Hooligans der »Bushwhackers Düsseldorf« an der Vertreibung brauner Eindringlinge im Paul-Janes-Stadion beteiligt. Die Bande, die sich in den Achtzigern stark an den berüchtigten Schlägern des FC Millwall orientierte, gilt der Antifa bis heute als »multikulturelle Truppe«. Und in ihrem bunten Block bezogen Ultra-Gruppierungen seit ihren Anfangstagen offensiv Stellung gegen Rassismus, Homophobie und alle Formen der Diskriminierung. Solche öffentlichen Meinungsäußerungen waren zuletzt allerdings nicht ohne Risiko. Der Grund: der Einsatz mehrerer Gewaltbereiter für eine von braunen Eindringlingen angestiftete, vorgeschobene Entpolitisierung vermeintlich linker Fans.

»Maximal zwölf Personen mit rechter Gesinnung«

Die Empörung unter den Anhängern des Vereins war entsprechend groß, als das WDR-Fernsehmagazin »Westpol« Ende September einen internen Bericht der ZIS über personelle Überschneidungen zwischen gewaltbereiten Fans und der rechtsextremen Szene veröffentlichte: Darin wurde Düsseldorf in einem Atemzug mit Aachen, Dortmund, Mönchengladbach, Duisburg, Paderborn, Bielefeld und Oberhausen genannt. Ein Sprecher der Polizei Düsseldorf berichtete später auf Anfrage von »maximal zwölf Personen mit rechter Gesinnung«. Sie seien nicht vernetzt und stünden unter Beobachtung.

Im vergangenen Halbjahr zeigen etliche Straftaten die Stadionbesuche Rechtsradikaler und ein neues Klima in der Fortuna-Szene auf.

Nach dem 2:2 gegen Schalke am 6. Spieltag beschwerten sich Zuschauer über eine Gruppe von etwa 25 Männern, die im Oberrang aggressiv aufgetreten waren und gemeinschaftlich den Hitler-Gruß gezeigt haben sollen. Ordner meldeten den Vorfall im Block 159. Das bestätigte der Verein ebenso wie »unterschiedliche Beschwerden« über aggressive Zuschauer in den Blöcken 160 und 161. Die eingegangenen Klagen, so Fortuna unter Berufung auf Gespräche mit den Organisatoren der selbst verwalteten Blöcke, richteten sich »nach jetzigem Stand wohl auf Gruppen außerhalb der organisierten Fußballfanszene«.

Eine Woche nach den »Führer«-Grüßen auf der Südtribüne erstattete ein Polizist Anzeige gegen einen Fortuna-Fan, der auf der Anreise zum Auswärtsspiel in Mainz den »Kühnen«-Gruß zeigte. Beim Pokalaus in Offenbach setzte der Ordnungsdienst einen Düsseldorfer fest, der ebenfalls durch das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen aufgefallen war. Zu solchen Vorfällen war es bei Fortuna jahrelang seltener als bei den meisten anderen großen Clubs gekommen. 1895 galt vielen als »zweites St. Pauli«. Dieser Ruf gefällt den im internen ZIS-Bericht erwähnten Rechtsradikalen ebenso wenig wie einigen mit ihnen paktierenden, rechtsoffenen Hooligans.

»Fußball bleibt Fußball, Politik bleibt Politik«?

Die rechten Anstifter gehen gezielt vor. Die bewährte Masche ist die angebliche Entpolitisierung des Stadions, wie sie die vom Bremer Verfassungsschutz als »gewaltbereite Rechtsextremisten« eingestufte Hooliganband »Kategorie C – Hungrige Wölfe« besingt: »Fußball bleibt Fußball, Politik bleibt Politik«. Unter Berufung auf die Parole wollen die Rechtsextremen, zu denen führende Aktivisten der ehemaligen Kameradschaft »Nationale Front Düsseldorf LDU« (die Anfangsbuchstaben der Stadtteile Lichtenbroich, Düsseltal, Unterrath) zählen, antirassistische und antifaschistische Botschaften unterbinden.

Durchsetzungsvermögen verleiht ihnen dabei das Gewaltmonopol der organisierten Hooligans. Diese haben zwar größtenteils politisch gleichgültige Boxsportler in ihren Reihen, darunter bei Fortuna-Fans anerkannte »Sympathieträger«. Ideologien sind diesen egal, ihr Weltbild gründet auf dem Recht des Stärkeren. Nach Rangkämpfen in ihren Reihen aber sind die Gewaltsuchenden nun offenbar anfälliger für das Gedankengut rechter Einflüsterer. Ausdruck dessen ist auch eine Freundschaft mit den Ultras von Atlético Madrid: Die Gruppe »Frente« gilt als ähnlich offen faschistisch und rassistisch wie die Ultras von Lazio Rom.

Ein T-Shirt mit dem Aufdruck »Ultras gegen rechts«? Im Düsseldorfer Block verboten

Zwei Beispiele für die rechte Zensur gegen linke Düsseldorfer Fans: Nach übereinstimmenden Zeugenberichten verbot eine Gruppe am ersten Spieltag in Augsburg einem Fan, ein T-Shirt mit dem Aufdruck »Ultras gegen rechts« im Stadion zu tragen. Bei mehreren Heimspielen sollen Hooligans den Verkaufsstand der Ultras hinter Block 42 kontrolliert haben. Beschwerden über solch eine Einschränkung freier Meinungsäußerung unter Androhung von Gewalt verteidigt im offiziellen Vereinsforum »95er-Forum« der Nutzer »Schwelmer2« öffentlich: Er gibt sich dort mehrfach als Mitglied der Hooligan-Gruppe »Bushwhackers« zu erkennen und pocht auf die »Vereinbarung mit den Ultras (…) sämtliche Politik aus dem Stadion rauszuhalten«.

Das unübersichtliche, aber allgemein zugängliche Forum vermittelt einen Eindruck von der Präsenz der rechten Eindringlinge.

»In Stuttgart waren locker 15 Personen eindeutig rechtsextrem, wobei diese in verschiedenen Gruppen unterwegs waren«, wirft Fortunas Fanbeauftragter, Dominik Hoffmeyer, in die Diskussion zum Thema »Fortuna gegen Nazis« ein. An anderer Stelle bestätigt er Nutzern rechte Parolen und »Nazi-Sichtungen« bei fast jedem Hinrundenspiel.

An die Öffentlichkeit gelangt waren Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Hooligans sowie Rechtsradikalen einer- und Ultra-Mitgliedern andererseits erstmals 2010: Beim Heimspiel gegen Hertha wollten Provokateure das Banner der »Ultras Düsseldorf« während des Spiels entfernen. Im Stadion konnte die Polizei eine Auseinandersetzung verhindern, dafür flogen nach dem Spiel an der Kneipe »Kastanie« die Fäuste zwischen einzelnen Hooligans und Ultras. »Bushwhackers«-Mitglieder beklagten später, sie würden zu Unrecht als Neonazis dargestellt.

Bei einem Düsseldorfer Fan-Turnier läuft ein Spieler mit einem »Thor Steinar«-Shirt auf

Dass der Versuch eines friedlichen Nebeneinanders gescheitert war, zeigte sich Altweiber 2011: Bei einem Angriff junger Hooligans in der Altstadt wurden zwei Ultra-Mitglieder schwer verletzt und wohl auch ein Mitarbeiter des Fanprojektes attackiert. Der Verein, die Dachverbände Supporters-Club Düsseldorf (SCD) und Arbeitskreis Fortuna gründeten mit Fortuna-Fans danach die »Arbeitsgemeinschaft Anti-Diskriminierung«.

Eine erneute Verschärfung des Konflikts deutete sich Anfang 2012 an, als der Fanclub »Metzkausen Hypers« aus dem Supporters Club Düsseldorf (SCD) austrat. Der Dachverband hatte für den Geschmack der Hypers falsch auf einen Vorfall bei einem SCD-Fußballturnier reagiert: Ein Spieler der «Bushwhackers Düsseldorf« war laut Hypers-Mitteilung in einem T-Shirt der Marke »Thor Steinar« angetreten.

Diese dient Neonazis als Erkennungszeichen. Im Stadion ist sie darum seit Jahren ebenso verboten wie im Bundestag. »Wir spielen nicht mit Nazis«, reklamierten nach dem Turnier auch die »Fortuna Metalheads« öffentlich.

Die rechte Parole »Politik aus dem Stadion« kennt der vielfach ausgezeichnete Sportjournalist Ronny Blaschke aus vielen großen Fanszenen. »Die Gleichsetzung von Rechten und Linken nach dieser Devise ist eine kolossale Verharmlosung Rechtsextremer«, sagt er. »Es ist eben ein Unterschied, ob Fans im Stadion menschenverachtendes Gedankengut verbreiten oder sich für Menschenrechte einsetzen.«

»Selbstreinigungskräfte in den Fanszenen wird überschätzt«

Blaschke besucht mit seinem Buch »Angriff von Rechtsaußen« Fanprojekte und -initiativen in ganz Deutschland. Was er bei fast allen Clubs erlebte, bestärkt ihn in der Überzeugung, dass die immer wieder bemühten »Selbstreinigungskräfte in den Fanszenen« überschätzt werden: »Nach fast jeder Diskussion kommen Zuhörer, die berichten, dass auch ihr Stadion entgegen der Mehrheitsmeinung nicht frei von Diskriminierungen durch Rechtsextreme ist.« Vor diesem Hintergrund appelliert er: »Es ist sehr wichtig, die ahnungslose oder schweigende Mehrheit über solche Versuche aufzuklären.«

An die Öffentlichkeit gelangten bislang auch die Schlägereien nicht, zu denen sich die von den Rechtsextremisten umworbenen »Bushwhackers« mit anderen Hooligans verabredeten. Auch das war in der Bundesliga-Hinrunde anders, weil sie in der Altstadt randalierten.

Nach dem Spiel gegen den HSV attackierten sie gewaltbereite Hamburger vor der Andreaskirche. Eine Woche später, nach dem Kantersieg über Eintracht Frankfurt, suchten gewaltbereite Fortuna-Fans in der Altstadt die Konfrontation mit der Polizei. 33 kamen in Gewahrsam. Beim Gastspiel der Eintracht im Februar 2012 wäre eine Auseinandersetzung beinahe sogar im Stadion eskaliert: Minutenlang versuchte eine große Gruppe Düsseldorfer Schläger vor den Augen überforderter Ordner ungehindert, den Gästeblock zu stürmen.

Auf der Online-Plattform »Gewalttäter Sport« der international vernetzten Hooligan-Szene dokumentieren die Düsseldorfer mit einem »Mannschaftsfoto« ihres Großaufgebots neue Stärke. Auf etwa 200 Mann schätzen Beobachter die Gruppe und ihr Umfeld mittlerweile. Alt-Hooligans ziehen jüngere Gewaltbereite an und schüchtern Andersdenkende allein durch ihre Präsenz ein. Die »Bushwhackers« rekrutieren für ihre verabredeten Kämpfe mit Schlägertruppen anderer Städte sogar gezielt (ehemalige) Ultras.

Nach außen demonstrieren die Hooligans allen aufmerksamen Zuschauern zuletzt Einigkeit mit gehorsam »unpolitischen« beziehungsweise eingeschüchterten Ultras: Vor dem Angriff auf HSV-Fans scharrten sie nach Informationen der Rheinischen Post in der Düsseldorfer Altstadt Fortuna-Ultras um sich. Im »95erforum« gibt das bekennende »Bushwhackers«-Mitglied »Schwelmer2« die Devise »united« aus: »Düsseldorf United: BWD, Block 160 und UD!«. Ein öffentliches Zeichen für die feindliche Übernahme: Beim letzten Hinrunden-Heimspiel gegen Frankfurt präsentierten die Hooligans ihr großes rot-weißes Banner im Oberrang – das zweite Mal 2012 und direkt neben dem der »Ultras Düsseldorf«.

Die Hooligan-Gruppen wachsen, den Ultras rennen die Mitglieder weg


Die Zahl der UD-Mitglieder soll sich zeitgleich zum Aufschwung der »Bushwhackers« auf etwa 70 halbiert haben. Der Schwund und die Abspaltungen mehrerer Gruppen haben zuweilen persönliche, meist aber politische Gründe. Die deutliche Abgrenzung nach rechts, die UD-Mitglieder noch 2011 im Magazin »Blickfang Ultra« bestätigten, fällt auf Druck der körperlich überlegenen Hooligans zunehmend unter den Tisch. Die Folgen bekamen auch alle anderen Zuschauer im Stadion zu hören: Schlachtrufe wie »Dietmar Hopp, Du Sohn einer Hure« (gegen Hoffenheim) und »Veh, Du Fotze« (gegen Frankfurt) waren früher wegen des antisexistischen Engagements der Düsseldorfer Ultra-Gruppen tabu (Motto: »Hate sexism, love Fortuna«).

Einer, der solche Gesänge während seiner langjährigen Funktion als Capo – als Vorsänger der Ultras – nie angestimmt hatte, gab zuletzt gegen den FC Bayern den Ton im Block 42 an.

Niko Offert. Der Abgang des »Capos« war wochenlang Gesprächsthema Nummer eins unter Fortuna-Fans. Offerts jüngere Nachfolger am Megaphon sind mit Leidenschaft bei der Sache, oft erreichten die von ihnen initiierten Gesänge aus der Support-Area aber nicht mehr die Geraden der Arena. So lag über der Südtribüne häufiger ein Gesangswirrwarr.

Bis heute beschäftigt Offerts plötzlicher Rückzug die Fans, zumal er eine Erklärung schuldig blieb und schweigt. Trotz hundertfacher Sympathiebekundungen allein im Netz äußerte er sich nur nichtssagend auf Facebook. Er könne sich »nichts Schöneres vorstellen« als »weiterhin Gänsehaut zu bekommen, wenn wir gemeinsam mit tausenden von Leuten den Gegner aus der Kurve brüllen«. Trotzdem wolle er »kürzer treten«, weil seine »Person zu stark polarisiert«. Wenn ein Vorsänger so defensiv auftritt, der dem ZDF einmal erklärte, eine Profilneurose habe ihn ans Capo-Mikro geführt, verwundert das Außenstehende. Zumal sich sein früheres Sendungsbewusstsein und das neue Klima im Fortuna-Block beißen: So sagte er gegenüber stadionwelt.de vor Jahren einmal, dass »Antirassismus und Antifaschismus einfach zu einem gesunden Menschenverstand gehören«. Das vertrat er – offensiv.

Die »Halsabschneider«-Geste für den Vorsänger

Kritiker sahen in ihm zwar einen sturen Alleinherrscher. Trotzdem nähren zwei Vorfälle den Verdacht, dass er nicht nur wegen Ultra-interner Meinungsverschiedenheiten verstummte. Es ist ein offenes Geheimnis auf der Südtribüne, dass Offert während des zweiten Bundesliga-Heimspiels von Männern im Oberrang mit der »Halsabschneider«-Geste bedroht wurde und vor dem Auswärtsspiel in Mainz von einem »Bushwhackers«-Mitglied zu Boden geschlagen wurde. Eine auf Offert geworfene Flasche verfehlte ihn in Mainz nur knapp und traf einen Unbeteiligten. Der musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Strafanzeigen liegen der Polizei zu den Attacken aber nicht vor. Das Wir-Gefühl ist eben eine der größten Stärken der Fankultur – und ihre größte Schwäche. Fortunen schwärzen keine Fortunen an.

So wurde ein weiterer Angriff auf einen prominenten Fan nur im »95erforum« bekannt. Dort postete der offizielle Musikbeauftragte der Fortuna, Stadion DJ Marcus »Opa« Haefs vor Weihnachten unter seinem Nickname »Cøshbarcløb« am 22. Dezember: »danke an die fans, die eben eingesprungen sind. am hbf [Hauptbahnhof, d. Red.] mit der rolltreppe nach oben gefahren, pafff, opa, du linke zecke, gab es links und rechts. gott sei dank haben sich ein paar leute eingemischt. danke dafür.«

Der Punk spielt im Stadion auch mal »Schrei nach Liebe«, den Anti-Nazi-Song der Ärzte. An die Adresse der Schläger schrieb er im Forum: »ne dicke nase ändert nichts an meiner musik, an meiner einstellung oder wie auch immer. ich gebe euch keinen zentimeter breit!!!!!« Dieser Ansage stimmten »90 registrierte Benutzer zu 1895% zu«.

Die überwältigende Mehrheit der Fortuna-Fans wird das genauso sehen.

Fußballfans sind (keine) Antisemiten?

Schon komisch. Eigentlich kam es einem beinahe ja so vor, als wäre nur Herr Augstein in der Top Ten des Simon Wiesenthal Centers gelandet. Doch neben dem Irren aus Teheran und anderen bekannten antisemitischen Vollpfosten haben es die europäischen Fußballfans ebenfalls in die Top Ten geschafft. Darüber konnte man bisher eher weniger lesen. Und warum die Einschätzung völlig gerechtfertigt ist, beweisen gleich einige Fans in der Kommentarspalte bei den 11. Freunden:

„Hast du dir mal überlegt, warum Kassam-Raketen fliegen? Vlt. hängt es damit zusammen, dass die Israelis, also gleich Juden (->Antisemit?) die Agressoren sind, welche permanent weiter Siedlungsbau betreiben und somit Land okkupieren? Die vertriebenen Palästinenser vegetieren dann in Zeltlagern vor sich bin. Die Palästinenser werden im Gazastreifen isoliert, verelenden und verhungern.“ Quelle.

„Wer sich mal ein bisschen länger mit dem Thema beschäftigt und mal etwas tiefer geht, wird rausfinden, das der Antisemitismus größtenteils durch die Juden selber geschürt wird. Es ist beispielsweise vorgekommen, dass israelische Amtsträger sogar Juden als Antisemiten bezeichnet haben, weil diese den israelischen Staat kritisiert haben. Antisemitismus wäre in unserer heutigen Welt kein Thema mehr (zumindest in Europa und den USA) wenn die Juden nicht selbst alles israelkritische als Antisemitismus bezeichnen würden.“ Quelle

„Endlich mal jemand dem dieses Weichspülgelaber nicht den Blick auf die Fakten verdreht hat. Egal welches Land dieser Welt das solche Schweinereien begehen würde wäre wohl schon dem Erdboden gleich gemacht worden, aber die USA-Lobbyisten aus Israel dürfen sich alles erlauben und gegen wirklich jedes Menschenrecht verstoßen das existiert. Und auch wenn man selber den Holocaust ( auch wenn die Schweinerien da erwiesenermaßen extrem, unmenschlich und nichts zu rechtfertigen waren) erlebt hat macht es das nicht besser wenn man selber dann „menschenverachtende Politik“ betreibt und traurigerweise auch noch von den „Großmächten“ dabei unterstützt wird.“ Quelle

„Sollen die Feinen Israelis doch im Fußball in Asien mitspielen. Ma sehen ob die in den Länder- und Vereinsspielen gegen Irak, Iran, Syrien, Afghanistan oder im Besonderen gegen Ägypten mehr Spaß haben als mit uns „Antisemitischen“ Europäern“ Quelle

Der Anlaß für diesen antisemitischen Shitstorm ist ein lesenswertes Interview mit Dr. Shimon Samuels vom Simon Wiesenthal Center über die Einschätzung der europäischen Fußballfans…

Zwickau: Mit solidarischen Grüßen!

Am 11. Dezember wurde in der Zwickauer Lokalausgabe der »Freien Presse« von rassistischen Vorfällen in den unteren Spielklassen berichtet. Im Vorfeld hatte sich die SG Schönfels dazu entschlossen in die Öffentlichkeit zu gehen, da der Schönfelser Spieler Isaquito Giehler „inzwischen bei fast jedem Spiel“ rassistisch beleidigt wird.

Die Mitglieder von Marienthal United 08 wollten diesen Hilferuf nicht ungehört lassen und schrieben Isaquito und seinem Verein einen Brief, welchen wir an dieser Stelle veröffentlichen:

Hallo Isaquito,

als erstes wünschen wir Dir und Deinem Team noch alles Gute für das neue Jahr.

Mit Wut und Betroffenheit reagierten wir auf den »Freie Presse«-Artikel, in dem über Deine Situation bei Fußballspielen berichtet wurde. Wut verspürten wir, weil es uns ankotzt wenn ein junger Mensch beim Fußball oder anderswo, nur wegen seiner Hautfarbe dumm angemacht wird. Betroffen reagierten wir, weil wir solche Erlebnisse auch aus eigenem Erleben kennen.

Wir gründeten unser Fußballteam vor vier Jahren mit der Motivation ohne Nazis, und damit frei von jeglicher Diskriminierung, kicken zu wollen. Allein dieses offene Bekenntnis reicht manchem Gegner aus, um uns zu beleidigen oder regelrecht die Pest an den Hals zu wünschen.

Deshalb möchten wir Dir Mut machen am Ball zu bleiben und Dir den Spaß am Fußball nicht nehmen zu lassen. Gerade auch der Schritt mit den angesprochenen Problemen an die Öffentlichkeit zu treten, erfordert aus unserer Sicht viel Courage.

Um zu zeigen, dass hinter unseren Worten auch ernst gemeinte Taten stecken, möchten wir Dich und die SG Schönfels zu einem Freundschaftsspiel einladen. Bei diesem könnten wir, wenn beide Teams damit einverstanden sind, eine Spendenkasse herumgehen lassen und die Einnahmen an eine Initiative für Opfer rassistischer Übergriffe spenden.

Außerdem werden wir im April zu den »Tagen für Demokratie und Toleranz« ein Streetsoccerturnier auf dem Zwickauer Hauptmarkt organisieren. Bei diesem reichen 4-8 Spieler für ein Team. Da könntest Du also einfach mit ein paar Freunden mitkicken.

Bei beiden Veranstaltungen müsstest Du keine rassistischen Beleidigungen oder Attacken fürchten und falls sich doch Idioten verirren, schreiten wir gemeinsam ein. Wir hoffen Du freust Dich über unseren Brief und wünschen Dir für die Zukunft alles Gute beim kicken und allem anderen was Du sonst noch anpackst.

Mit solidarischen Grüßen
Marienthal United 08 & ‚Roter Baum‘ Zwickau

Deutschland halts Maul!

Jakob Augstein ist weder harmlos, noch geht es ihm um Kritik an der israelischen Politik. Er erfüllt alle geläufigen Kriterien des Antisemitismus. Man stößt auf das Vorurteilssyndrom bis zu wahnhaften Projektionen, die modernen Synonyme für Judenheit: Israel oder Jerusalem, den Griff nach der Weltherrschaft, die Störung eines vermeintlichen Weltfriedens, die jüdische Verantwortung für den nächsten Weltkrieg, die Täter-Opfer-Umkehr bis zum unterstellten Völkermord, auf jüdische Blutbäder und Kindsmorde. Die Fragen, ob Augstein auf die Liste gehört oder der richtige Zeuge gefunden wurde, lenken nur ab. Man sollte den Initiatoren der Liste danken, dass sie die Weltöffentlichkeit auf den smarten Dauerhetzer aus Deutschlands Top-Medien aufmerksam gemacht haben.

Rainer Trampert, Die große Heimsuchung, Jungle World Nr. 2, 10 Januar 2013

Brandenburg: Rechtes Engagement in Sportvereinen registriert

Die Chefin des Verfassungsschutzes in Brandenburg hat Sportvereine aufgefordert, sich stärker mit dem Thema Rechtsextremismus auseinanderzusetzen. Neonazis versuchten, das Vereinsleben zu beeinflussen. „Der Sport hat sich lange Zeit sehr schwergetan, weil man sich für unpolitisch gehalten hat“, sagte Winfriede Schreiber in einem Interview. „Mehr und mehr erkennen die Vereine, dass sie sich zur Demokratie bekennen müssen.“ Viele hätten inzwischen in der Satzung ein klares Bekenntnis verankert. Dies werde jedoch nicht immer konsequent in der Praxis umgesetzt – oft aus wirtschaftlichen Gründen.

Quelle: MOZ

Uns macht seit Jahren eine Fangruppe des Fußballclubs Energie Cottbus wegen ihrer rechtsextremistischen Bezüge erhebliche Sorge“, erläuterte Schreiber. „Doch der Verein hat sich noch nicht durchringen können, deutlich dagegen vorzugehen. Da spielen sicherlich Dinge wie Jahreskarten oder Sponsorengelder eine Rolle.“ (1) Jüngst ist insbesondere die Kickboxszene in der Lausitz wegen rechtsextremistischer Mitglieder in Verruf geraten. (1,2) Laut Schreiber seien Mitglieder der mobilen Beratungsdienste derzeit in Cottbus im Kickboxverein im Einsatz, „um zu erreichen, dass man dort mit der notwendigen Sensibilität und Konsequenz an das Thema herangeht“.

Während die NPD in Brandenburg kaum Fuß fassen kann, wächst die Neonazi-Szene laut Verfassungsschutz weiter. Im Jahr 2011 hatten die „Freien Kräfte“ – parteiunabhängige, gewaltbereite Neonazis – etwa 410 Mitglieder. Diese Anzahl sei weiter gestiegen, sagte Schreiber.

»Das sind keine Einzeltäter!«

Zuletzt kam es in italienischen Fußballstadien wiederholt zu rassistischen Schmähungen gegen dunkelhäutige Spieler. Carlo Balestri, Gründer von »Progetto Ultra« und Organisator des Festivals »Mondiali antirazzisti«, kennt das Problem. Ein Gespräch über rechte Splittergruppen, Propaganda vor dem Stadion und die Ohnmacht der Vereine.

Quelle: 11.Freunde

Carlo Balestri, vergangene Woche verließ die Mannschaft des AC Mailand bei einem Freundschaftsspiel gegen Pro Patria geschlossen das Feld, nachdem Kevin-Prince Boateng und andere dunkelhäutige Spieler rassistisch beschimpft wurden. Am Samstag gab es beim Spiel zwischen Cagliari Calcio und Lazio Rom Schmährufe gegen den Kolumbianer Victor Ibarbo. Hat der italienische Fußball ein Rassismus-Problem?
Es gab in den vergangenen Jahren zahlreiche Zwischenfälle, die in der europäischen Öffentlichkeit bekannt wurden. Etwa Paolo di Canios Gruß 2005, die Schmähungen gegen Mario Balotelli im Pokal-Halbfinale bei Juventus Turin 2009 oder die Rufe gegen dunkelhäutige Spieler von Tottenham Hotspur im Sommer 2012. Doch es gibt da noch etliche Fälle, die Italien medial nie verlassen haben. Daher muss ich leider sagen: Ja, der italienische Fußball hat ein Rassismus-Problem. Und zwar nicht nur bei Lazio Rom, auf die gerne verwiesen wird. Die rechten Szenen bei anderen Klubs – etwa bei Juventus Turin – sind ebenfalls erschreckend groß.

Wie sichtbar sind diese Szenen in den Stadien?
Sie sind da, doch es ist nicht so, dass man diese Leute wie in den neunziger oder frühen nuller Jahren sofort erkennt. Dunkle Zeiten! Ich erinnere an ein Spiel bei Hellas Verona, bei dem Fans mit Ku-Klux-Klan-Kostümen beim Spiel auftauchten und eine schwarze Puppe an einen Strick aufhängten, weil der Verein erwogen hatte, einen afrikanischen Spieler zu verpflichten.

Was tun die Verbände, Vereine und Politiker gegen den Rassismus in den Stadien?
Die Vereine und der Verband haben sich viele Jahre kaum positioniert – und wenn, dann zeigten ihre Reaktionen eine gewisse Ohnmacht. Ich hoffe gerade bei den Vereinen auf Besserung, immerhin hat es kürzlich eine vereinsübergreifende Rassismus-Schulung gegeben, bei der alle Profivereine und etliche Experten geladen waren. Die Politik reagiert seit jeher mit Repressionen und hat das Problem nicht gelöst. Im Gegenteil. Die aggressive Grundstimmung ist mitunter stärker geworden. Schaut man heute auf die Tribünen, sieht man dort eine sterbende und wütende Fankultur. Es gibt in jedem Stadion zahlreiche kleine Splittergruppen, doch keine konstruktive, bunte und lebhafte Kurve.

Kann es daher keine Selbstregulierung in der Kurve geben?
Ich bin Fan von Bologna, und dort ist es häufig so, dass die Mehrheit der Fans rassistische Gesänge übertönt. Das funktioniert allerdings nicht überall – auch weil so etwas in handgreiflichen Konflikten münden kann. Ein weiteres Problem ist auch das grundlegende Verständnis von Rassismus. Viele Leute behaupten, dass die Beschimpfung von einem Spieler wie – sagen wir – Mario Balotelli nicht rassistisch motiviert sei. Die Affengeräusche, so die These, sind schlichtweg ein Mittel, um den Spieler zu verunsichern. Was natürlich totaler Quatsch ist.

Gibt es keine Stadionordnungen?
Es gibt welche, die ist aber nicht vergleichbar mit denen in Deutschland. In unseren Stadionordnungen ist etwa festgelegt, dass keine Waffen oder Flaschen mitgebracht werden dürfen. Dass Fans vor dem Stadion in Wahlkampfzeiten Werbematerial für rechtsextreme Bewegungen verteilen, wird da ignoriert.

Wie sieht es mit Fanprojekten aus?
Ich war viele Jahre Mitglied von »Progetto Ultra« (gegründet 1995 in Bologna, d. Red.). Ein Ziel dieser Organisation war es, gemeinsam mit den Fans die Gewalt zu reduzieren und gegen Rassismus zu kämpfen. Wir haben uns über ein Jahrzehnt für die Einführung von Fanprojekten eingesetzt und eine nachhaltige Sozialarbeit mit Fußballfans gefordert – bis zuletzt erfolglos.

Nach Vorfällen wie bei Pro Patria oder Lazio Rom ist häufig zu hören, dass es sich um Einzeltäter oder Mitläufer handelt. Lazio-Präsident Claudio Lotito hielt sich jedenfalls mit Kritik an den eigenen Anhängern zurück. Von Pro Patria hieß es, die beschuldigten Zuschauer seien keine Fans. Wie bewerten Sie solche Aussagen?
Ich denke, es ist gefährlich die Probleme über die Mitläufer- oder Einzeltäter-These wegzuwischen, denn häufig greift diese zu kurz. Bei Pro Patria und auch andernorts sprechen wir jedenfalls nicht von Einzeltätern. In vielen Kurven stehen Leute gibt, die seit 20 oder 30 Jahren stramm rechts sind – und die auch seit 20 oder 30 Jahren schon ins Stadion marschieren.

Hat Kevin-Prince Boateng richtig gehandelt?
Man mag sagen, dass es nur ein Freundschaftsspiel war und deswegen das ganze Gewese darum ein bisschen zu groß war. Doch ich finde, es war ein wichtiges Zeichen – auch für diejenigen, die sich bislang nicht getraut haben, den Platz in solchen Fällen zu verlassen. Man wird hoffentlich auch erkennen, dass das kein Problem von einzelnen Spielern ist, sondern den gesamten Fußball betreffen. Absolut falsch ist es daher, als Fußballfunktionär, dessen Worte Gewicht hat, aus der Ferne die Lage zu beurteilen – so wie es Sepp Blatter mal wieder getan hat (Blatter sagte: »Es ist keine Lösung, wenn ein Spieler einfach vom Platz geht.«, d. Red.).

Liegt es nicht auch an den Schiedsrichtern härter durchzugreifen?
Absolut. Ich kann mich nur an wenige Fälle erinnern, in denen Spiele unterbrochen wurden. In seiner letzten Saison, unterbrach Pierluigi Collina mal eine Partie, weil Fans einen Spieler rassistisch beschimpften. Das müsste viel häufiger passieren.