Archiv für Februar 2013

Stellungnahme der Ersten Mannschaft

Nach dem Verlauf der letzten Saison, einigen nicht ganz so schönen Szenen neben und auf dem Platz und v.a. dem Rücktritt unseres Trainers Falko sehen wir uns als Erste Mannschaft des Roten Sterns gezwungen, noch einmal Stellung zu den Geschehnissen zu beziehen.

Grundsätzlich wollen wir festhalten, dass wir uns über den Support von unseren Zuschauern freuen und auch hoffen, dass dieser in Zukunft nicht ausbleiben wird. Gleichzeitig scheint es aber über die Art und Weise, wie dieser Kund getan wird, unterschiedliche Vorstellungen zu geben.

Zunächst gilt für uns: wir sind Teil des Roten Sterns, teilen dessen Grundsätze und Anschauungen, auch wenn über diese – glücklicherweise – kontroverse Ansichten existieren und auch innerhalb des Vereins ausgetauscht werden. In diesem Sinne stehen wir auch voll und ganz hinter den Beschlüssen unseres Vorstands, der nicht getrennt vom Rest des Vereins, sondern als dessen zentrales Organ zu sehen ist. Seine Entscheidungen sind auch unsere; wir wollen keine Fans von uns oder einzelnen Spielern, sondern des Roten Sterns als Verein.

Zudem kam es in der Hinrunde während der Spiele, aber auch außerhalb, zu Beleidigungen unseres Trainers. Diesbezüglich leider zu spät, aber auf jeden Fall für die Zukunft: Der Trainer wird von uns als Team jede Saison demokratisch neu gewählt und erhält von uns somit die volle Legitimität auf und neben dem Platz. Dementsprechend stehen und standen wir nicht nur voll und ganz hinter ihm und verurteilen Beleidigungen ihm gegenüber in jeder Hinsicht, vielmehr ist der Trainer Teil unserer Mannschaft und gelten Verunglimpfungen ihm gegenüber auch uns. Wir dulden ein solches Verhalten in keinster Weise, egal ob auf, neben oder abseits des Platzes!

Hier scheint auch mangelnder Respekt gegenüber der ehrenamtlichen Tätigkeit in unserem Verein vorzuherrschen: als selbstorganisierter Verein ohne bezahlte Stellen sind wir auf ehrenamtliches Engagement angewiesen. Auch wenn es inhaltlich unterschiedliche Meinungen und auch mal Fehltritte geben kann – die Arbeit unserer jetzigen und ehemaligen Freiwilligen, die ihre Freizeit für uns und den Verein aufbringen, und insbesondere unseres Vorstandes wissen wir zu schätzen, denn ohne die ginge beim Roten Stern nichts. Deshalb fordern wir: mehr Respekt dem Ehrenamt!

Außerdem haben auch wir Vorstellungen davon, welches Verhalten neben dem Platz angebracht ist – und sexistische Sprüche wie „Schwuchtel“ oder „Fotze“ gehören da ganz sicher nicht hin. Auch wir wünschen uns mit dem Roten Stern einen Sportverein, in dem man diskriminierungsfrei Sport treiben kann – unabhängig von sozialer, kultureller oder geographischer Herkunft, von Geschlecht oder sexueller Orientierung. Und an einer völlig sinnlos aufgeheizten Atmosphäre sind wir auch nicht interessiert.

In diesem Sinne: wir freuen uns natürlich über Support und waren für den bisherigen dankbar – unter obigen Einschränkungen; eben nur, wenn ein gewisses Maß an Verantwortungsbewusstsein an den Tag gelegt wird. In diesem Sinne: macht Euch nochmal klar, liebe Zuschauer, weshalb ihr ausgerechnet den Roten Stern supported. Gerne auf eine gelungene Rückrunde mit uns: dem gesamten Roten Stern und seinen Inhalten – oder eben gar nicht.

Eure Erste Mannschaft

Quelle.

Berlin: ‚Hatun-Sürücü-Tage’

Vom 26. Januar bis zum 07. Februar veranstaltet Türkiyemspor Berlin die ‚Hatun-Sürücü-Tage’. Im Rahmen der Tage werden ein Fußballturnier aller Kreuzberger Frauenteams und eine Podiumsdiskussion zu Frauenrollen durchgeführt.

Quelle: Türkiyemspor

Geschlechterverhältnisse beschäftigten Türkiyemspor seit langem. So unterstützte der Verein in der Vergangenheit Aktionen, die gegen Gewalt in der Familie Stellung bezogen. Durch die Installation von Frauen- und Mädchenfußballteams im Verein ergaben sich zudem in der alltäglichen Arbeit aktive Erfahrungen und Einblicke in die Lebenswelten von Berliner Frauen und Mädchen. Diese flossen in die Arbeit und vereinsinterne Diskussionen ein. Giovanna Krüger, Koordinatorin des Mädchen- und Frauenfußballs bei Türkiyemspor hebt hervor: „Dem Thema Frauenrollen in der Gesellschaft wenden sich Medien, Politik und Gesellschaft entweder ethnisch, religiös oder klassenspezifisch zu. Alle drei Zugänge sind in der täglichen Arbeit im Verein erfahrbar. Wir wollen mit der Veranstaltungsreihe ein Stück unserer Sensibilisierung in die Öffentlichkeit tragen.

Beachtlich ist die Resonanz zur Teilnahme an der Veranstaltungsreihe im Vorfeld. So spielen am 26. Januar alle in Kreuzberg beheimateten Frauenteams im Hatun-Sürücü-Cup um die vom Berliner Fußballverband gestellten Pokale. Ebenso ist die Podiumsdiskussion am 4. Februar unter dem Titel „Ich darf nicht …“ qualitativ stark besetzt. Moderiert von Breschkai Ferhad (BFV) diskutieren Fachleute aus Kultur, Politik, Religion und Sozialarbeit die Situation von Frauen im gesellschaftlichen und familiären Raum.

Zum Abschluss der Tage nimmt Türkiyemspor an Gedenkveranstaltungen für Hatun Sürücü teil, die an eine mutige Frau erinnern, die ihren eigenen Weg ging. Unterstützung erhält die Veranstaltungsreihe auch von der Berliner Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat: „Ich freue mich, dass die Mädchen- und Frauenabteilung von Türkiyemspor das Gedenken an Hatun Sürücü aufrecht erhält und junge Frauen darin bestärkt, mutig und selbstbestimmt zu sein und ihren eigenen Weg zu gehen. In unserer Stadt ist kein Platz für Gewalt gegen Frauen, unabhängig von ihren Überzeugungen, ihrer Religion oder ihrem Lebensstil. Leider gehört das nicht immer zur Realität in Berlin, und das ganz unabhängig von den kulturellen Gewohnheiten oder der Herkunft der Familie.

Terminüberblick:

Samstag, 26. Januar 2013, 14 Uhr: Kreuzberger Frauen-Hallenfußballturnier in der Blücherstraße 46-47, 10961 Berlin. Es nehmen Teams von Türkiyemspor Berlin, dem DFC Kreuzberg, dem SV Seitenwechsel, den Berliner Amateuren, den Kickerinhas, Hansa 07 sowie dem BSV Al-Dersimspor teil.

Montag, 4. Februar 2013: Filmvorführung und Podiumsdiskussion „Ich darf nicht…“ – Berliner Mädchen auf der Suche nach der eigenen Identität.
Ort: Südblock, Admiralsstraße 1-2, 10999 Berlin.

18 Uhr Filmvorführung „Verlorene Ehre – Der Irrweg der Familie Sürücü“
19 Uhr PodiumsdiskussionIch darf nicht…“ – Mädchen im Spannungsfeld von gesellschaftlicher Ausgrenzung, familiären Erwartungen und kulturellen Schablonen.

Moderation: Breschkai Ferhad (Berliner Fußballverband).
Gäste: Idil Baydar aka Jilet Ayse – Schauspielerin, Matthias Deiß – Regisseur “Verlorene Ehre – Der Irrweg der Familie Sürücü”, Rabeya Müller – Liberal-Islamischer Bund e.V. , Mitglied von „HEROES Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre“, Kazim Erdogan – Aufbruch Neukölln, Mitglied von Berliner Initiative gegen Gewalt gegen Frauen (BIG), Mitglied von Türkisch-Deutscher Frauenverein.

Donnerstag, 07. Februar: Gedenkveranstaltung am Gedenkstein für Hatun Sürüçü
11 Uhr: Oberlandstraße/Ecke Oberlandgarten, 12099 Berlin-Tempelhof
Veranstalter: Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, u.a. mit Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler und Bezirksverordnetenvorsteherin Petra Dittmeyer

Betreten verboten

Wenn antirassistische Ultragruppen aufgeben, kehren die Hooligans in die Fußballstadien zurück

Quelle: junge Welt

Braunschweig, Rostock, Dresden, Aachen und Düsseldorf. Fünf traditionsreiche Fußballklubs und das gleiche Problem. Die ortsansässigen, antirassistischen Ultragruppen haben sich im Laufe der letzten zwei Jahre aufgelöst oder aus den Stadien komplett zurückgezogen. Auslöser waren gewalttätige Auseinandersetzungen innerhalb der Fanszene, initiiert zumeist von rechtsextremen Fangruppierungen.

Beim Zweitrundenspiel ihrer Alemannia im Mittelrheinpokal gegen Viktoria Köln Anfang Januar sangen die Aachen Ultras (ACU) ihrer Mannschaft das letzte Ständlein. Es war das unschöne Ende einer zweijährigen Auseinandersetzung zwischen antirassistischen Ultras und rechten Hooligans innerhalb der Aachener Fankurve. Drei Tage später verkündeten die Ultras aus Düsseldorf ihren vorläufigen Rückzug aus dem Stadion. In ihrer Erklärung beteuert die linke Gruppe, ihre »Auszeit« habe »interne und strukturellen Gründe«. Trotzdem ist der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, daß der Druck von rechten Hooligans auch sie zur Aufgabe zwang.

Ihren Anfang nahm diese Entwicklung im Januar 2011 mit der Auflösung der Unique Rebels (UR) aus Rostock. Ein halbes jahr lang hatten die Antirassisten versucht, sich als Teil der Fankurve von Hansa Rostock zu etablieren. Schließlich wurde den UR-Mitgliedern das Betreten der Südkurve verboten. Auch in Dresden endete der Versuch, eine explizit antirassistische Ultragruppe zu gründen, mit einem internen Blockverbot. Nach dem Zweitligaheimspiel gegen Union Berlin im August 2011 griffen organisierte, rechte Dynamofans die Solo Ultras (SU) mit Flaschen und Steinen an. Seitdem gehen die Solo Ultras ihren eigenen Weg und besuchen nur noch die Fußballspiele der Juniorenmannschaften von Dynamo Dresden.

Oder Braunschweig. Nach fast vier Jahren bei Handball, Jugend-Fußball und Wasserball kehrten Anfang Oktober 2012 die antifaschistischen Ultras aus Braunschweig auf die Ränge des Eintracht-Stadions zurück. Keine vier Wochen später mußten sie sich wieder zurückziehen. Wiederholte Angriffe durch rechte Hooligans in und außerhalb der Stadien zwangen sie dazu. Die Vereinsführung von Eintracht Braunschweig hat das nicht interessiert.

Nicht nur in Braunschweig drücken die Vereinsverantwortlichen bei rechten Straftaten gerne einmal ein Auge zu. Der Fanbeauftragte von Alemannia, Lutz van Hasselt, sieht die Lage in der eigenen Fanszene ebenfalls nicht so dramatisch: »Alemannia Aachen hat sich sowohl in der Vergangenheit als auch aktuell immer wieder klar gegen Rechtsextremismus und Rassismus positioniert, außerdem wurden Vorfälle mit rechtsextremem Hintergrund konsequent unter anderem mit Stadionverboten bestraft.« Die Realität sieht anders aus.

Seit 1999 begleiten die Aachen Ultras ihre Mannschaft durch die unterschiedlichsten Ligen. Der Konflikt mit den organisierten Neonazis und den mit ihnen sympathisierenden Personen aus den Gruppierungen Karlsbande Ultras, Alemannia Supporters und Westwall Aachen schwelt nun beinahe drei Jahre. Auf Druck der Öffentlichkeit zogen die Verantwortlichen einige halbherzige Konsequenzen. Doch selbst diese angekündigten Sanktionen gegen die rechten Schläger erwiesen sich als abgedroschene Worthülsen. Das Zaunfahnenverbot wurde für die Karlsbande Ultras zu keiner Zeit konsequent durchgesetzt. Schon zwei Monate nach Aussprache des Verbotes hing die Fahne wieder am Zaun. Statt dessen wurden die Aachen Ultras als »Nestbeschmutzer« hingestellt und als »Linksextremisten« denunziert.

Das Zusammenwirken von untätigen Vereinsführungen und wachsender Repression gegen die Ultragruppen, u.a. wegen dem Abrennen von Pyrotechnik, läßt in den Stadien eine Subkultur wieder aufleben, die man schon längst für tot erklärt hatte: die Hooligans. Im Gegensatz zu den Ultras wollen die Hooligans nicht mittels akustischem und optischem Support die eigenen Spieler anfeuern und müssen sich deshalb auch nicht konstruktiv mit der Vereinsführung auseinandersetzen. Hooligans sind Gewalt und Repression nicht fremd, sie machen einen gewichtigen Teil ihrer rebellischen Identität aus. Die Bühne, die sie für ihre Kämpfe suchen, ist nicht öffentlich, statt dessen verabreden sie sich für ihre Kämpfe an abgeschiedenen Orten.

Zwar läßt sich eine pauschale Einteilung in linke Ultras und rechte Hooligans nicht immer aufrechterhalten, aber in der Tendenz ist sie richtig. Das zeigt auch, bei aller Rivalität, die Solidarität der Ultras untereinander. Bei ihrem letzten Ausflug begleiteten rund 300 Mitglieder anderer Ultragruppen aus ganz Deutschland die Aachen Ultras, um ihre Unterstützung für deren antirassistisches Engagement zu demonstrieren. Auf ihren Transparenten waren Sprüche wie »Lieber Parasit als Antisemit« oder »Nazis Am Tivoli? Nie gesehen.« zu lesen. Nur solche gemeinsamen Aktionen der Ultras, verbunden mit der Unterstützung durch die Vereine und den DFB können den erneuten Aufmarsch der Hooligans in den Kurven verhindern.