Archiv für September 2013

Ein Kater gegen drei Punkte.

Steen & Urs am Morgen!

Frühmorgens im roten Wedding. Fußball. Freizeitliga. Fieser Abstiegskampf. Das Katerfrühstück riecht nach Fisch. Es streunert im Magen herum. Das Klo ist nicht weit. Am Vorabend war es hell, als die letzte Flasche zu Bett ging. Zum Glück ist es ein Heimspiel. Auswärts. Im roten Wedding. Urs Störenfried torkelt das erste Mal zu Fuß zum Spiel. Gesagt, gelaufen. Im Gänsemarsch geht es zur die Zonengrenze. Ohne Ausweiskontrolle! Hell Yeah!

Komische Gestalten überall im Latte Machiatto-Kiez. Kein schöner Land. Nur schnell rüber zu den Arbeitern. Optisch auch kein großer Zugewinn. Aber ästhetisch. Brause-Cola-Mix macht wach. Anwesenheit ist Pflicht. Scheiß Ultras! Die ersten Mitstreiter trinken hart weiter. Der Haufen ist motiviert. Motto: Fußball, piep, Alkohol. Frühmorgens im roten Wedding. 13 Spieler stehen bereit um die rote Laterne an den Meistbietenden abzugeben. Trotzdem fehlt etwas. Die Stimmung ist noch mässig.

Urs ist hellwach. Das erste Tor verpennt er, ebenso wie roter Steen. Der kam etwas später. Polizeikontrolle? Alkoholiker! Egal, unsere Goldfüße liegen in Führung. Erstmalig in dieser Saison. Spitze. Im Tor steht unser Titan. Das erste Mal in dieser Saison. Auch das ist Spitze. Hoffnung macht sich langsam breit. Die Fahnen werden ausgepackt. Roter Steen hat die dringend benötigten Utensilien dabei. Eine rote Fahne weht im Wind. Frühmorgens im roten Wedding. Das Spiel läuft gut an. Der Support lässt immer noch zu wünschen übrig. Rotfront!


Ian Stenhouse / No Dice Magazine

Zerknischte Gesichter im herbstlichen Sonnenschein. Steen hat seine Sonnenbrille vergessen. Urs ooch! Konnte ja keiner ahnen. Sonnencreme ist etwas für Wikinger. Fußball für die erste Bundesliga. Auf dem Platz ein munterer Kick. Am Rand fehlt Koffein. Kollektives Wachwerden. Erste Gerüchte machen die Runde. Steen soll die SPD am letzten Sonntag gewählt haben. Eine große Koalition. Laut Gerücht war es nicht nur Steen. Unverständnis. Ganz Deutschland einig Muttiland! Ganz Deutschland? Nein, ein kleines Häuflein unverbesserlicher Weltverbesserer hat den Mann mit dem ausdruckstarken Stinkefinger gewählt. Warum? Wegen der Haltung. Was nützt einem die Taube auf dem Dach?

So spielt auch die Mannschaft. Aus einer stabilen Abwehr heraus gelingen mit dem nötigen Glück einige gute Kombinationen. Vor dem 16er ist aber meistens Schluß. Der gegnerische Schlußmann ist nicht aus Pappe. Unsere Goldfüße beißen sich die Zähne aus. Die gegnerische Mannschaft dagegen ist zum Ende der ersten Halbzeit pappsatt. Elf Freunde werden die nicht mehr. Sie liegen weit unter den Erwartungen. Vorallem für ihre Fans. Die loten ein Faß ohne Boden aus. Der Spaß am Spiel geht Ihnen ab. Wedding White Trash. Frühmorgens im roten Wedding!

Die zweite Halbzeit wird für pöbelden Frührenter zur verbalen Dritten. Die Müdigkeit weicht langsam dem Entsetzen. Verbale Entgleisungen von gegnerischer Mannschaft und Fans sind Legion. Unsere Goldfüße lassen nur konditionell nach. Starke Nerven hammse ja. Der Gegner drückt, ist im Abschluß aber viel zu nervös. Warum wohl? Verdammt! Aus dem Nichts: unsere Sturmabteilung dezimiert sich von selbst. Rote Karte! Auslegungssache. An der Seitenkinie gegenüber drehen jetzt einige der häßlichen Rumpelstiltzchen frei. Der Schiedsrichter reagiert routiniert. Unsere Antwort ist einfach, aber laut. „Roter Stern! Roter Stern!


Ian Stenhouse / No Dice Magazine

Die letzten Minuten werden zur Zitterpartie. High Noon im roten Wedding. Die Arbeiter erwachen. Erste Lieder werden angestimmt. „Roter Wedding.“ Was sonst? Urs legt seinen Arm über die Schulter von Steen. Bange Minuten. Die gegnerische Mannschaft kommt noch mal. Unser Titan steht sicher. Langsam, aber sicher. Jeder Abschlag dauert eine halbe Ewigkeit. Zeitspiel? Auf jeden! Vom Feinsten. Steen zittert wie Espenlaub. Urs zieht hektisch an seiner Zigarette. Geht das hier heute gut? Unsere Goldfüße pfeifen auf dem letzten Loch. Zu zehnt. Bläser ertönen im Hintergrund.

90 Minuten. Eine Ewigkeit? Zwei, drei, vier, viele! 100% Action. 100% Adrenalin. Viel zu früh für Streß. Aufregung vor dem Tor. Schon wieder? Alles safe. Der Titan lässt sich Zeit. Der Rote braucht Alkohol. Der Urs braucht den Roten! „Lasst zusammen Fußball schaun, Fußball schaun“. Es bleibt spannend. Sekunden verstreichen, gefühlte Minuten. „Pfeif ab!“ Die Sonne strahlt um die Wette. Das dreckige Dutzend ist beinahe komplett. Wer nicht dabei ist, muß sich den Spaß gefälligst woanders besorgen. Shit! Sonnenbrand. Und wieder eine Gurke vom Gegner. Der Titan lässt sich noch mehr Zeit. Abfiff. No App fiff, stupid.

Endlich! Die ersten drei Punkte. Licht am roten Wedding. Rotsport! Steen ist aus dem Häuschen. Störenfried ist immer noch nicht wach. Trance? Kater! Abklatschen mit der Mannschaft. Ein schönes Gefühl! Männerschweiß. Glückshormone. Freude. Hunger! Durst! Alles durcheinander. Die absolute Mehrheit! Drei Punkte. Dem Aufstieg entgegen. Vielleicht. Langes Palaver. Wie Meinungen: Die Cowboys gehen auseinander. „See you next week?!“ Pferde werden gesattelt. Das Ziel fest im Blick. Die Einen bevorzugen köstliche Rinder, die Anderen ein Fränkisches gegen den Kater.

13:00 Uhr in Deutschland. Mutti? Feierabend!

Nur der Rote Stern!
Nordost Asozial?
Bis zum nächsten Mal…

Drei Spiele ohne Dreier

Letzter Platz, nur ein Tor geschossen, dafür 8 Gegentore kassiert. Der Saisonstart ist eine einzige Katastrophe, auf dem Platz steht kein Team und die Perspektive wird nicht besser. Zu selten wird eine Spielstruktur erkennbar, zu oft müssen Spieler aufs Feld die eigentlich noch ihre Verletzungen auskurieren müssten oder in der ersten Mannschaft nichts zu suchen hätten. Auswechselspieler sind Mangelware, auch das kennen wir aus den letzten Jahren. Der Unterschied ums Ganze: in diesem Jahr gibt es nur eine Mannschaft und trotzdem ändert sich kaum etwas an der schlechten Ausgangsituation.

Äußerst misslich ist die Tatsache, dass der Stammtorhüter nicht seinen Stammplatz einnimmt. Die Trainer scheinen mehr auf die Befindlichkeiten einzelner Spieler Rücksicht zu nehmen, anstatt ein Team zu formen aus jenen Spielern die bereit sind sich für das Team dort aufstellen zu lassen, wo sie am besten spielen. Es ist bekannt, dass jeder gerne Tore schießt, leider ist dies in einem Mannschaftssport nicht möglich. Des weiteren verstört die Kommunikation untereinander. Entweder wird kaum bis garnicht miteinander geredet oder man meckert sich gegenseitig voll. Das dabei wertvolle Sekunde und auch Nerven verloren gehen, sollte jedem einleuchten. Warum es dann nicht auf dem Feld funktioniert hat etwas mit fehlenden Respekt untereinander und fehlendem Anspruch an sich selbst zu tun.

Es steht in den Sternen ob das Trainerteam diese unzähligen Probleme schnellst möglich abstellen kann. Es wäre ihm auf jeden Fall zu wünschen. Wir werden draußen weiterhin unsere Goldfüße supporten und hoffen es werden uns viele gleich tun. Auf gehts Sterne schiesst ein Tor! Oder zwei! Am besten drei!