Archiv der Kategorie 'Brandis'

Borna bleibt unterirdisch.

Wenn mensch von den Erfahrungen von Spielen des Roten Stern Leipzig ausgeht, gibt es nirgendwo ein so gutes U-Bahnnetz wie in Sachsen. Hier kann ganz bequem von Connewitz/Leipzig bis nach Auschwitz gefahren werden. Von so vielen fleißigen Menschen wie sie im Leipziger Umland zu finden sind, kann in Leipzig nur geträumt werden, die eine “U-Bahnlinie” an der hier seit Jahren gebaut wird, sie wäre mit diesen Engagierten längst fertig und hätte mehr Stationen.

Beim Bezirksligaspiel des Bornaer SV 91 am vergangenen Sonnabend gegen Roter Stern waren sie wieder zu hören, die Rufe der U-Bahnbauer, garniert mit “Roter Stern, Jude, Jude Jude”, “Ob Ost ob West, nieder mit der Roten Pest” und das übliche was den Trägern von T-Shirts mit Aufschriften wie frei, sozial, national, “1.FC Hooligan vs. Sachsenstube 2:0″, “Eine (nationale) Jugend rebelliert” usw., alles einfällt. Aber die wieder mal mit einem Großaufgebot vertretende Polizei wusste wie so oft, wer das eigentlich Problem ist und die Politik ins Stadion bringt. So wurden alle Fans des Sterns streng kontrolliert und mussten zum Teil sogar ihre Schuhe ausziehen. Einige Banner durften auch nichts ins Stadion, weil sie angeblich (zu) politisch seien und der nette Beamte, der dort das sagen hatte, sich sicher ist: “Fußball ist unpolitisch!”. Wie oft dieser Blödsinn noch argumentativ widerlegt werden muss, bleibt ein ewiges Rätsel, aber auch die Polizei wird in seinen Augen keine politische Institution sein und ist natürlich auch gänzlich unpolitisch. Auch eine Israel-Fahne musste draußen bleiben, “sind wir hier doch nicht bei einem Länderspiel”. Komisch nur, dass die Fahne bei dem was sich der Rote Stern immer anhören muss eigentlich nur folgerichtig ist, sind die Sterne doch angeblich alles Juden.

Auch das Banner Love Football – Hate Facism musterte der Beamte der Spezialabteilung Politische-Haltung-Am-Einlass-abgeben mit Sorge und beschied “zu politisch”. Antifaschismus, im Grundgesetz verankert, von DFB Präsident Theo Zwanziger klar unterstützt – ein Mindestmaß für menschliches Zusammenleben. Der Chemnitzer Bereitschaftspolizei geht das am Arsch vorbei.

Das die antirassistischen Bemühungen des DFB im Sächsischen Landesverband ignoriert werden und allzu oft mit Argwohn bedacht werden, ist nicht nur hier unzählige mal dokumentiert worden. Und die sächsische Polizei reiht sich hier mühelos ein. Aber damit stehen sie nicht alleine.

Wie auch beim Hallenturnier in Beilrode wurde das Banner mit dem Elefanten der sich über ein Hakenkreuz erbricht, wegen eben diesem zuerst verboten. Das das BGH derlei Praxis eine klare Absage [BGH Urteil] erteilt hat, interessiert keine_n der Beamt_innen. Sie handeln nach ihren persönlichen Ansichten und scheißen selbst auf’s Gesetz. Wenn ein Polizeibeamter ein Banner ablehnt, weil er Antifaschismus für “zu politisch” hält, dann fragen wir uns welcher politischen Ansichten dieser Mensch hat. Antifaschismus scheint nicht dazu zu gehören.

Nachdem also fast alle Nazis ohne entkleiden (politische T-Shirts dürfen dann nämlich doch ins Stadion) rein durften, gebührte es auch ihnen einen Böller zu zünden, Richtung Spielfeld zu werfen und ihr Liedgut zu verbreiten. Als die Nazi-Gruppe (übrigens wie so oft natürlich das 1. mal bei einem Spiel in Borna laut Aussage anderer Bornaer) dann das Stadion vor Ende verlassen wollte, kam der Polizei in den Sinn, die Gruppe kontrollieren zu wollen, da sie überraschenderweise die Lieder sogar mal registriert hatte, ein sehr seltener Fall. Den Nazis gefiel das scheinbar nicht und so kam es zu einem kurzen Handgemenge an deren Ende sich die Kameraden am Boden wieder fanden. Laut Presse wird wegen:

des Verstoßes gegen das Sprengstoff- und gegen das Betäubungsmittelgesetz, Widerstand gegen die Polizei, Volksverhetzung und Beleidigung” ermittelt.

Für keine Überraschung sorgt auch bei diesem Spiel, das niemand die Lieder der Nazis gehört hat bis auf die Spieler und Fans des Roten Sterns und diesmal wohl auch einigen Beamten. Die Schiedsrichterin hatte wie so oft taube Ohren und vermerkte es im Spielbogen nicht. Sie steht damit in guter sächsischer Verbands-Tradition, erst vor kurzem wurde das Verfahren gegen die SG Leipzig Leutzsch eingestellt, da das Sportgericht noch “Restzweifel” hatte und alle Verbandsbeteiligten auf blind und taub gestellt haben.

Wir sind uns ziemlich sicher, dass es trotz Polizeibericht und Angriffe auf diese, keine Konsequenzen für den Verein haben wird. Denn der Verband will so was lieber totschweigen, der Umgang mit den Ereignissen beim Spiel gegen die SG Leipzig Leutzsch belegen das ziemlich deutlich. Vielleicht sollten ja auch die Fans der SG LL beim Bau der U-Bahn in Leipzig helfen, sie wird dann bestimmt noch dieses Jahr fertig.

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SFV-Sportgericht bestätigt rechten Konsens.

Noch am Tag des Pokalspiels (04.09.2011) SG Leipzig Leutzsch gegen Roter Stern Leipzig wurde ein Verfahren am Sportgericht gegen die SG LL eingeleitet. Dieses wurde heute mit u.a. folgender Begründung eingestellt.

Quelle: Sportgerichtsverfahren gegen die SG Leipzig Leutzsch eingestellt

Soweit dem Verein weiter diverse Gesänge seiner Anhänger vorgeworfen wurden, ist das Sportgericht hiervon nicht ohne Restzweifel überzeugt. Nachdem der Verein in seiner Einlassung diese bestritt und sowohl der Schiedsrichterbericht als auch der Bericht des Sicherheitsbeauftragten unergiebig waren, wurden der dem Spiel beiwohnende Sicherheitsbeauftragte Mende sowie SR Rohland nochmals angehört. Sie haben indes die vorgeworfenen Gesänge (bis auf den insoweit nicht relevanten Gesang: „Nur ein Leutzscher ist ein Deutscher“) nicht wahrgenommen. Soweit ein Internetvideo, was im Übrigen die Beteiligten nicht ins Verfahren eingeführt haben, mit vermeintlichen Auszügen des Spiels im Umlauf ist, konnte das Sportgericht dieses als Beweismittel nicht verwerten, da bereits unbekannt ist, ob es sich hierbei um eine echte (teilweise) Spielaufzeichnung handelt und Im Übrigen Zweifel an der Wertneutralität bestehen.

Das der Gesang „Nur ein Leutzscher ist ein Deutscher“ für das Sportgericht “nicht weiter relevant” ist, überrascht kaum. Alle weitere Gesänge (z.B.: “Juden, Juden, Juden” oder das ‚Führerlied‘ oder “…wir Leutzscher wir sind arisch”) wurden vom “Sicherheitsbeauftragte[n] Mende sowie SR Rohland” nicht wahrgenommen und außerdem auch im Spielbericht nicht erwähnt. Obwohl das bekannte Video, in dem diverse weitere “Gesänge” zu hören sind keine Verwendung im Verfahren fand, zweifelt das Sportgericht an dessen “Wertneutralität”.

Vermutlich wäre es “wertneutral”, wenn darin auch die Verlautbarungen aus dem Gästebereich dokumentiert gewesen wären. So wurde z.B “ihr habt den Krieg verloren” aus dem Gästeblock gerufen. Da fühlen sich Menschen, die die militärische Niederschlagung Nazideutschlands 1945 nicht so gut finden, natürlich provoziert.

Das Urteil ist eine Farce. Unseren bisherigen Erfahrungen mit dem Sportgericht des sächsischen Landesverbands aber entsprechend. Der Radiomitschnitt von Radio Blau, sowie die Tonspur der Aufzeichnung von Leipzig Fernsehen machen deutlich (hörbar), das besagte – jene von Restzweifeln behaftete – “Gesänge” andauernd zu hören waren. Aber so was interessiert das Sportgericht gar nicht.

Und wenn der Schiri (nach dem Spiel) nichts gehört haben will, und die SG LL die Vorwürfe in einer Einlassung bestreitet, dann ist das Urteil nur folgerichtig.

Wer dabei war, weiß was da für Rufe von Seiten der SG LL ‚Fans‘ kamen. Von “Unergiebigkeit” kann nur die Rede sein, wen mensch die Problematik (SG LL und seine Fans) nicht angehen will und stattdessen dann lieber die RSL Fans beschuldigt.

Ohne weitere sehr kostenintensive Maßnahmen war eine Aufklärung nicht zu erzielen. Von daher war das Verfahren insoweit einzustellen.

Was das für Maßnahmen sind, hätte uns auch interessiert. Aber wenn das Geld nicht da ist, dann bleiben die Dinge halt wie sie sind. Dann bleibt Fußball, eben Fußball.

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Only a Leutzscher is a German?

Nur ein Leutzscher ist ein Deutscher“ bleibt bei der SG Leipzig-Leutzsch ein wichtiger Teil des eigenen Selbstverständnisses. Daran haben die Vorfälle im Spiel gegen den Roten Stern Leipzig und die Reaktionen von engagierten Fans, Medien und Politik nichts geändert.

Die SG Leipzig-Leutzsch hat ein Nazi-Problem
, das die Vereinsführung nicht für ein solches hält. Nach dem Skandalspiel gegen den Roten Stern Leipzig (RSL) wollte Vorstand Jamal Engel statt rassistischer Fanchöre eine gute Stimmung vernommen haben. Als die gut dokumentierten Vorfälle schrittweise öffentlich wurden, sollen es laut Engel dann plötzlich die Gästefans gewesen sein, die das Fehlverhalten der eigenen Anhänger provoziert hätten. Engel drohte dem RSL sogar mit rechtlichen Schritten. Als sich dann jedoch das Rathaus und sogar der Sächsische Fußball-Verband einschalteten, wurde die SGLL-Führung kleinlauter.

Soweit, so bekannt. Doch wer nun denkt, dass in dem einen oder anderen Leutzscher Holzkopf ein Umdenken stattfindet, täuscht sich offenbar. Zum letzten Heimspiel gegen Oberlausitz Neugersdorf ging die SGLL-Führung – wenn auch vorerst in kleiner Öffentlichkeit – erneut in die Offensive. Im Vorwort des aktuellen Programmhefts hat der Vorstand einen weiteren Versuch unternommen, die Vorwürfe zu bagatellisieren. Im Folgenden dokumentiere ich den Beitrag Satz für Satz und von Anfang bis Ende – nicht ohne mir den Kommentar zu sparen.

Der Fußball zeigt der Gesellschaft wieder einmal sein hässliches Gesicht.

Ein vielversprechender Einstieg, der aber …

In Wirklichkeit drückt aber die Gesellschaft dem Fußball ihr hässliches Gesicht auf. Dass der Fußball nur noch wenig mit Fußball zu tun hat, liegt insofern am Fußball, als dass er meint, mehr sein zu müssen als „nur Fußball“.

… bereits mit dem zweiten und dritten Satz Verwirrung stiftet. Eine eigenwillige Dialektik, die statt Antworten zu geben Fragen aufwirft. Ist das eine Coverversion von „Die Anderen sind Schuld“? Die LP mit diesem Song ist populär, wird von den Plattenlegern in den Verbänden hoch und runter gespielt. Die Botschaft oszilliert zwischen dem naiven ‚Politik‘ hat im Stadion nichts zu suchen und dem fatalistischen Das ist halt Fußball.

Auch in Absatz zwei wird rege philosophiert.

Fußball ist und war noch nie die Ursache sozialer Gewaltausbrüche. Weder macht die Abseitsregel Fußballfans zu Rechtsradikalen, noch führen politisch unkorrekte Fangesänge dazu, dass ein aufrechter Bürger nach dem Abpfiff zur Eisenstange greift.

Steilpass! Ich weiß nicht, was die Abseitsregel und der aufrechte Bürger in dieser Diskussion zu suchen haben. Beides scheint es bei der SGLL nicht zu geben – denn Nazis stehen dort nicht im Abseits, sondern augenscheinlich mittendrin.

Wut, Frustration und daraus entstehende blinde Gewaltbereitschaft sind gesellschaftiche Probleme, und sie nehmen unterschiedliche Formen an – eine davon findet im Fußballkontext statt. Der Fußball kann aber Probleme nicht lösen, die er nicht verursacht hat.

Da sind sie wieder, die Anderen. Der Brennglaseffekt in der anonymen Kurve – noch nie gehört. Das Fußballstadion als Rekrutierungsfeld für Neonazis – nicht zu glauben. Soziale Verantwortung von Fußballvereinen – Fehlanzeige. Bemerkenswert, dass es angesichts dieser Erkenntnisse Vereine gibt, wo Nazi-Folklore nicht zum Alltag gehört.

Als würde das nicht alles schon reichen – es bleibt noch ein Schlusswort, das es in sich hat.

Thank you, merci, tak, köszönöm! Jetzt haben es wirklich alle mitbekommen. Die Strategie ist nicht neu, aber weiterentwickelt: Bloßes, pervertiertes Wiederholen ein und derselben Parole allein reicht noch nicht. Denn Rassismus und Nationalismus funktioniert auch auf ausländisch.

In diesem Sinne: With angels one plays not.

Mit herzlichem Dank an den Hinweisgeber und Quellenlieferant.

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Sternstunden der Erkenntnis.

Nach dem Kreuzzug ist bekanntlich vor dem Kreuzug. Die Waffen der Kritik müssen geputzt werden, während der Feind sich zum nächsten Angriff sammelt. Dabei geht es unter anderem um die Deutungshoheit des Spruches „Nur ein Letzscher ist ein Deutscher“. Die Freunde der einfachen Wahrheiten haben sich schon mal so gut es geht munitioniert:

„Ich bin als Chemiker mit dem Spruch „NUR EIN LEUTZSCHER IST EIN DEUTSCHER“ aufgewachsen und bin heute weder rechts noch links orientiert.Das hat einfach auch was mit Tradition zu tun.Und wenn das gewissen Leuten heute rechts vorkommt ihre Sache,dann können die aber früher nie bei Chemie gewesen sein.“ Quelle.

Grundlage für den hier argumentierenden Chemiker um überhaupt mit sich diskutieren zu lassen, ist die Tatsache, dass das Gegenüber selber traditioneller Chemiker ist. Ansonsten ist Schicht im Schacht. Dieses äußerst komplizierte Gedankenkonstrukt schützt ihn vor unangenehmen Wahrheiten. Andere versuchen das selbe Ergebnis durch Sarkasmus bzw. das was sie dafür halten zu erreichen:

„Zum Bild. Ich kenne den Typen auf dem Bild noch von früher. Der hatte nichts mit Kreuzzügen oder so zu tun. Der war nur gegen Schwule und Lesben und bewarf Selbige vom Pferd aus mit Wattebällchen und Tampons“ Quelle.

Auch einige andere Schlauberger wollten die Frage, ob dieser Ritter überhaupt ein Kreuzritter ist, unbedingt als historischen Diskurs erörtern. Dummerweise ist dies überhaupt nicht wichtig. Als die SS versuchte durch einen Mischmasch aus okkulten Riten und in der Anlehnung an Vorstellungen mittelalterlicher Rittergemeinschaften, ihre Ziele eine quasireligiöse Dimension zu geben, fragte auch niemand nach, was diese braunen Kameraden historisch mit den Rittern gemeinsam haben. Es geht um Bilder, die Wirkung auf den Betrachter, gemeinsam erlebte Riten und somit immer auch um die damit verbundenen historischen Anknüpfungspunkte. Diese werden – ob bewusst oder unterbewusst – immer wieder dazu benutzt um die eigenen Sache als in der Geschichte tiefverwurzelt darzustellen. Wieso sonst werden die Spieler vom Roten Stern Leipzig als Juden bezeichnet? Es geht dabei nur um die historische Analogie, nicht um die reine Abstammungslehre.

Einer der Kicker, der seinen Namen aufgrund negativer Erfahrungen nach dem Neonazi-Angriff auf Spieler und Fans vor zwei Jahren in Brandis nicht veröffentlichen möchte, beschreibt die Lage als unerträglich: „Als wir in der zweiten Hälfte vor dem SGLL-Fanblock spielen mussten, wurden wir mit ‚Roter Stern, Juden, Juden, Juden‘ belegt. Und das nicht nur einmal“, sagte er gegenüber LVZ-Online und fügte an: „Ich habe den Schiedsrichter dann drauf hingewiesen, dass er bitte dem Stadionsprecher Bescheid geben soll, um dies zu unterbinden. Doch der wollte davon nichts wissen.Quelle.

Wenn drei sich streiten…

Bei dem Konflikt geht es nicht nur um Politik, es geht natürlich auch ums Revier. Mehrere unterschiedliche Fraktionen der ehemaligen BSG Chemie Leipzig streiten sich darum, wer das Original und wer die Kopie darstellt. Und während die einen vor über zehn Jahren den Roten Stern Leipzig gegründet haben, die anderen die BSG Chemie, blieb der braune Bodensatz nur noch für die SG Leipzig-Leutzsch übrig:

„Es war im Herbst 1998, als sich das Umfeld des legendären Chemie-Fanclubs „Männermilch“ und der Groundhopping-Fanzeitung „Melk die fette Katze“ sowie einige motivierte Aktivisten des Conne Island zusammen taten und den Roten Stern Leipzig zunächst als Idee, im Februar 1999 dann auch mit der Vereinsgründung formell aus der Taufe hoben. Neben einer gesunden antirassistischen und antifaschistischen Einstellung verband die damaligen Vereinsgründer vor allem eins: eine megaemotionale Verbundenheit (Fanzeitungen, Auswärtsfahrten, Abgekulte!) zur BSG Chemie Leipzig bzw. dessen Nachfolgeverein FC Sachsen Leipzig 1990 e.V.!“ Quelle.

Drei große Fraktionen die um das Erbe eines ruhmreichen Fußballklubs streiten. Dazu ist die ganze Mischpoke auch noch in der ostdeutschen Stadt der polarisierenden Gegensätze beheimatet. Als einfach ist diese Situation nicht zu bezeichnen. Weshalb auch viel persönliches Herzblut vergoßen wird, vor allem in den Internetforen dieser Welt…

„So, ich hab mich extra angemeldet um meine Eindrücke von gestern zu schildern. Zu mir : Ich habe mich nach dem FCS aus für die SGLL und für die BSG entschieden. Also hab ich mich gestern Morgen die gut 200 km auf den Weg gemacht bis nach LE-Leutzsch. Das 10:0 war gut und hochverdient, ohne Frage. Aber was auf den Rängen abging war unter aller sau. Gefühlte 50 mal „Nur ein Leutzscher ist ein Deutscher“ , das U-Bahnlied und das Führerlied. Dann noch das Sterne in den Zug jeder weiß wohl was damit gemeint war.Und als Höhepunkt vrüllten noch gut 10 Mann „LOK“ vom Norddamm. Und das hat alles stattgefunden ich war LIVE dabei. Für mich, und nicht nur mich als SGL Fan mehr als enttäuschend schon armselig. Dann noch von den SGL Ultras die Plakate „Politik aus dem Stadion“ und singen so eine scheisse…dumm ? Ich bin politisch in der Mitte angesiedelt, und habe auch gegen den Roten Stern eine Abneigung. Aber faschistische Gesänge das geht garnicht, man meint die SGLL ist der BFC, das man das nochmal über Chemie sagen muss…traurig.“ Quelle.

Es knackt hier und da im Leutzscher Holz. Die Erkenntnis, dass angeblich DDR-kritische aber de facto deutschnationale Sprechchöre u.a. dazu führen, dass eine Fanszene die sich Stolz auf seine oppositionelle Tradition in der DDR bezieht, dem ehemaligen ‚DDR-Rekordmeister‘ BFC Dynamo immer ähnlicher wird, bahnt sich ihren Weg. Aber Licht am Ende des Tunnels ist trotzdem noch lange nicht in Sicht…

/// Update ///

Der Chemieblogger berichtet über organisierte Neonazis beim Spiel. LINK
Einen Bericht gibt es auch auf französisch. LINK
Der Erlebnisbericht von Forsythia: LINK
TB reicht Audioaufnahmen der rechtsextremen Sprechchöre nach. LINK

SG Leipzig Leutzsch vs. Roter Stern Leipzig „Engels“-Chöre from Go Jamal on Vimeo.

Kreuzzug gegen den Roten Stern

Als vor über 800 Jahren nicht nur Ritter auf den Kreuzug gen Jerusalem geschickt wurden, kam es während dieser endlosen Märsche häufig zu antisemitischen Pogromen. Schon damals wurden Verschwörungstheorien verbreitet, die, von religiösem Hass sowie dem allgemeinen Neid auf die Juden genährt, eine komplette politische Ideologie gebaren. Bei den späteren Kreuzzügen, wie der Reconquista, war die Judenfeindlichkeit sogar schon biologistisch determiniert:

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, gegen Ende der Reconquista, wurde in der spanischen Inquisition der Begriff der limpieza de sangre (spanisch für „Reinheit des Blutes“) eingeführt. Nur Christen, die nicht von zwangsgetauften Juden (Marranen) oder Muslimen (Morisken) abstammten, galten der Inquisition unter Torquemada und seinen Nachfolgern als unverdächtig. 1492, mit dem Abschluss der Reconquista, erfolgte unter den Katholischen Königen die Vertreibung der spanischen Juden.Quelle.

Aktuell wollen selbsternannte deutsche Kreuzritter aus Leipzig dem in nichts nachstehen. Sie haben den ewigen Feind in Form des Roten Stern Leipzig wiedererkannt und dementsprechend ihre Mobilisierung gestaltet. Der Anlaß ist das Landespokal-Heimspiel am kommenden Sonntag gegen den Roten Stern…

Der (Kultur-)Marxismus gilt in solchen Kreisen als eine Ausgeburt der Juden. Diese hätten den Marxismus einstmals nur erfunden um die gottgegebene Ordnung sowie die nationalen Heimstätten der Völker dieser Erde im Zusammenspiel mit dem Liberalismus dem Erdboden gleich zu machen. Dagegen gilt es die volkstreuen Genossen zu mobilisieren. In Leipzig-Leutzsch übernimmt das neben der NPD auch die Fanszene der neugegründete SG Leipzig-Leutzsch…

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Krieg der Sterne

So weit war es also gekommen! Thomas Knopf stand morgens in der Haustür und überlegte, welches Paar Schuhe sich am besten zur Flucht eignen würde. Seine Füße steckten noch in Badelatschen. Aber die waren weder zum Kämpfen noch zum Rumstehen in feindlichem Territorium geeignet. Wie war es nur so weit gekommen, dass er sich über so etwas Gedanken machen musste – und das an seinem Geburtstag? Auf dem Tisch stand der Rest vom Kuchen, die bunten Kerzen waren noch nicht heruntergebrannt, seine Tochter tobte durch den Garten. Heile Welt. Und er, der Trainer von Roter Stern Leipzig (RSL), musste nun wieder raus auf irgendeinen gottverdammten Fußballplatz in der sächsischen Provinz. Knopf stellte die Badelatschen neben die Tür und zog sich Laufschuhe an. Keine Kampfmontur, doch wenigstens die ideale Ausrüstung, um im richtigen Moment so schnell es geht um sein Leben zu rennen.

Quelle: 11.Freunde

Aber wie war es denn nun so weit gekommen? Seit der RSL vor zwei Jahren aus der Stadtliga Leipzig in die Bezirksklasse II aufstieg und nun regelmäßig ins Umland reisen muss, ist fast jede Auswärtspartie ein Risikospiel. In Oschatz wurde das Team von ansässigen Zuschauern mit Hitlergrüßen empfangen, in Dahlen fand sich Thomas Knopf auf einer Trainerbank wieder, um die ein Bauzaun gezogen war – er sollte ihn vor Übergriffen schützen. Und dann natürlich Brandis, der Anfang und das Ende von allem. Im Oktober 2009 hatten hier 50 Neonazis, bewaffnet mit Eisenstangen und Holzlatten, Mannschaft und Anhänger von Roter Stern Leipzig überfallen. Das war sogar bundesweit eine Nachricht. (mehr…)

Grimma: Der nächste Brandis-Prozess steht an.

Am Donnerstag, den 23. Juni 2011, ab 9 Uhr gibt es in Grimma die erste Verhandlung außerhalb Leipzigs, wegen dem Übergriff auf den Roten Stern Leipzig am 24.10.2009 in Brandis. Der Rote Stern bietet eine Busfahrt an…

Die Verhandlung geht vermutlich ganztägig. Für Verpflegung wird gesorgt. Sicherheitskontrollen sind zu erwarten, daher Personalausweis nicht vergessen! Wenn ihr Zeit habt, kommt einfach mit. Die Leute sollte dort nicht alleine Aussagen müssen, zumal mit Neonazis vor Ort zu rechnen ist.

Angeklagt sind Michael W., dürfte vielen nicht nur aus Brandis bekannt sein, so war er doch auch beim Spiel in Schildau (Schildbürgerstreiche: Der RSL kommt zu Besuch; MDR 06.09.2010 – Roter Stern Leipzig “Under Attack”) und auch schon bei einigen Prozessen in Leipzig, dort hat er versucht Besucher zu provozieren und einzuschüchtern. Der Zweite angeklagte ist Stefan R. und der letzte ist Ronny R..

Achtung! Es wird davon ausgegangen, dass die Täter ihr Umfeld zum Prozess mobilisert haben.

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Nachrichten aus der braunen Provinz.

Das Deutschlandradio hat ein Interview mit dem Roten Stern Leipzig geführt. Es geht dabei um Mügeln, Brandis, zurückgezogene Interviews mit der Polizei, die sächsische Provinz, die Diskrepanz zwischen dem DFB und dem sächsischen Fußballverband… [via]

RSL: »Der rechte Mob ist immer da!«

Wieder einmal wurde ein Fußballturnier in Sachsen wegen rassistischer Sprechchöre unterbrochen. Wir sprachen mit Ulrike Fabich vom Klub Roter Stern Leipzig über den Vorfall und einen Kampf ohne Unterstützung.

Quelle: 11. Freunde

Ulrike Fabich, vergangene Woche ist ein Hallenfußballturnier in Beilrode bei Torgau abgebrochen worden. Roter Stern Leipzig war einer der Teilnehmer. Was ist passiert?

Ulrike Fabich (Roter Stern Leipzig): Das, was bei unseren Auswärtsspielen in der sächsischen Provinz häufig passiert: Es tauchen Leute auf, die rassistische oder antisemitische Lieder anstimmen. Sie singen »Ein Baum, ein Strick, ein Judengenick« oder das bekannte U-Bahn-Lied. In Beilrode waren es 30 bis 40 Jugendliche. Zahlenmäßig sind sie zwar in der Unterzahl, doch in der Wahrnehmung sehr dominant.

Du sprichst von Jugendlichen. Sind das für dich schlichtweg dumpfe Parolen von Halbstarken?

Ulrike Fabich: Nein, es sind de facto Neonazis. Allerdings sind sie optisch nicht als solche sofort erkennbar. Ein Typ in Beilrode trug ein Palästinenser-Tuch, einige andere hatten schwarz-weiß-rote Buttons dabei, als sie an der Halle ankamen. Der Veranstalter hat sie allerdings darauf hingewiesen, dass diese in der Halle nicht erlaubt seien.

Unterstützen die Neonazis eine bestimmte Mannschaft?

Ulrike Fabich: Nein, die wollen einfach Rabbatz machen. Sie informieren sich vorher, wo und wann Roter Stern Leipzig antritt und fahren gezielt zu den Spielen. Es sind immer dieselben Leute dabei. Auch bekannte Neonazis, die schon bei dem Überfall auf uns in Brandis dabei waren (am 24. Oktober 2009 kam es während des Spiels beim FSV Brandis zu einem Angriff von circa 50 Personen gegenüber den Spielern, Verantwortlichen und Fans des RSL, d. Red.).

Was nicht immer üblich ist: Der Veranstalter brach das Turnier in Beilrode ab. Wie reagierten denn die Verantwortlichen zuvor? Die Trainer der anderen Mannschaften oder Verbandsmitarbeiter?

Ulrike Fabich: In Beilrode baute sich ein Verbandsmitarbeiter vor den Neonazis auf und sagte: »Nun hört doch auf! Hier ist doch gar kein Judenland!« Uns fiel die Kinnlade runter. Doch damit nicht genug. Wenig später stellte er sich zwischen unsere Gruppe und die Nazis und sagte: »Wenn jetzt nicht Ruhe ist, dann lass ich alle entfernen.«

Ist die Gleichmacherei von Links und Rechts eine bekannte Reaktion?

Ulrike Fabich: Absolut. Der sächsische Fußballverband wird nicht müde zu behaupten, dass Roter Stern Leipzig die Probleme provoziert. Durch Transparente mit Slogans wie »Love Football, Hate Fascism« würden wir die Nazis anlocken. Andere behaupten, wir würden bewusst und gerne die Opferrolle einnehmen.

Gab es denn mal Gespräche mit dem sächsischen Fußballverband?

Ulrike Fabich: Nein. Denn auch für den Präsidenten des Verbandes, Klaus Reichenbach, gibt es nur die rechten Chaoten und die linken Chaoten. Er macht da keinen Unterschied. Und auch er fragt: Warum müsst ihr denn die Politik in den Fußball tragen, warum müsst ihr denn immer wieder gegen Nazis sein, warum müsst ihr die Judenflagge hissen? (Bei Spielen hängt gelegentlich eine Israel-Flagge im Block von Roter Stern Leipzig, d. Red.). Es wird alles als Provokation aufgefasst. Die rechte Gewalt ist nach dieser Logik nur die Reaktion.

Ihr habt für euer Engagement gegen Rechts 2010 den Julius-Hirsch-Preis verliehen bekommen. Wie reagierte der sächsische Verband?

Ulrike Fabich: Klaus Reichenbach wurde natürlich zu Verleihung eingeladen, er blieb dieser aber fern. Das sagt im Grunde schon alles. Irgendwann bekamen wir immerhin ein Glückwunschschreiben. Ein anderes Beispiel: Wir haben in der vergangenen Saison eine einwöchige Ausstellung mit Podiumsdiskussionen organisiert (Strafraum Sachsen, d. Red.). Auch hier kam niemand vom sächsischen Fußballverband – trotz Einladung. Es ist fast ein bisschen paradox: Im DFB spricht man von gesellschaftlicher Verantwortung und lobt unser Engagement, im Landesverband werden wir als Nestbeschmutzer gesehen, wenn wir dieses wahrnehmen.

Wie sieht der Dialog mit den anderen Mannschaften aus?

Ulrike Fabich: Es gibt gute Verbindungen zur BSG Chemie Leizpig, mit denen uns mehr als nur der Fußball verbindet. Generell gibt es auf Stadtebene einige Teams, die sich solidarisch mit uns zeigen, die unser Anliegen verstehen. Auch auf Landesebene haben wir einige Gespräche geführt. Das war ernüchternd. Nicht nur, weil die politischen Strukturen im Umland anders sind, und sich viele Klubs politisch rechts oder gar nicht positionieren.

Sondern weil sie Angst haben?

Ulrike Fabich: Genau. Der Wille für ein Umdenken ist manchmal da, allein, der Mut fehlt vielen Verantwortlichen der Klubs. Es kommt zum Beispiel immer wieder mal vor, dass man hinter vorgehaltener Hand unsere Idee gut heißt, es aber nicht wagt, dies auf Vereinsebene zu kommunizieren. Die Leute sagen, sie hätten Angst, schlafende Hunde zu wecken. Oder die Sorge, dass sie durch ein Bekenntnis gegen Rechts Mitglieder verlieren. Oder sie scheuen eine Positionierung, weil sie Gegenwehr in Form von Gewalt befürchten. Diese Ängste sind flächendeckend in Sachsen vorhanden.

Wie verlaufen eure Auswärtsspiele in der Provinz?

Ulrike Fabich: Alle Auswärtsspiele von Roter Stern Leipzig im Umland sind Spiele mit erhöhtem Sicherheitsrisiko. Das ist seit den Vorfällen von Brandis so. Die Polizei ist also stets präsent. Genauso wie jedes Mal ein rechter Mob zu den Spielen kommt – mal ist er größer, mal kleiner.

Werden die Spiele denn bei rassistischen Rufen unterbrochen?

Ulrike Fabich: Selten. Wir haben uns schon häufiger mit Schiedsrichtern über diese Rufe unterhalten, und merkten: Viele sind einfach überfordert. Sie hören diese Gesänge nicht, weil sie so auf das Spiel und den Ball fixiert sind. Wenn Spiele abgebrochen werden, wie etwa im April 2010 in Mügeln, müssen wir die Schiedsrichter dazu auffordern.

Was passierte in Mügeln?

Damals erklang wieder das U-Bahn-Lied und etliche Male wurden »Juden raus« und andere Nazi-Schlachtrufe skandiert. Wir mussten von der Seitenlinie den Schiedsrichter anschreien: »Hör doch mal hin, was hier abgeht!« Er hörte tatsächlich hin, und bat das Heimteam, seine Fans zur Räson zu rufen. Doch die machten weiter – schließlich brach er die Partie ab. (Mügelns Bürgermeister Gotthard Deuse hatte für den Spielabbruch übrigens kein Verständnis: »So lange ich beim Spiel war, habe ich keine Nazi-Sprüche gehört.«, d. Red.)

Den Klub Roter Stern Leipzig gibt es seit zwölf Jahren. Was erschwert ein Engagement gegen Rechts auf der Ebene Fußball?

Ulrike Fabich: Fußball nimmt eine Sonderfunktion ein, weil es, wie Gerd Dembowski (Sprecher vom BAFF, d. Red.) sagt, »Brennglas« ist. Weil viele althergebrachte Riten und verschiedene Traditionsaspekte zusammenkommen, weil die Strukturen mitunter verkrustet ist, weil schon die Spielfaktoren eher für ein diskriminierendes Umfeld sprechen als dagegen: Wir gegen euch, wir und die anderen. Das ist eine Abgrenzung, die ein Stück weit natürlich zum Fußball dazugehört, die aber ein Engagement gegen Rechts erschwert.

Wie steht es um die finanziellen Mittel? Könnt ihr mit Roter Stern Leipzig nachhaltig arbeiten?

Ulrike Fabich: Nein, wir haben keine langfristige Planungssicherheit. In den letzten Jahren wurden wir über einen lokalen Aktionsplan gefördert, dadurch war es uns möglich, Teilzeitstellen zu schaffen und eine Struktur aufrecht zu erhalten. Zudem bekamen wir Sachmittel von der DFB-Kulturstiftung.

In diesem Jahr hat Roter Stern Leipzig keine Unterstützung?

Ulrike Fabich: Nein. Aktuell können wir nur von Projekt zu Projekt schauen. Doch es fällt ja etliche andere Arbeit an – schon die Pressearbeit nimmt größeren Anteil ein als bei jedem anderen Klub in der Klasse. Ehrenamtlich ist diese Arbeit nur sehr schwer zu stemmen.

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Roter Stern Leipzig ’99 e. V. ist ein 1999 gegründeter Sportverein aus dem Leipziger Stadtteil Connewitz. Der Verein versteht sich als kultur-politisches Sportprojekt im Spannungsfeld zwischen Fußballverein und linker Politik. Im September 2010 wurde der Verein vom DFB mit dem Julius-Hirsch-Preis wegen seines Einsatzes gegen jede Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder sexueller Präferenz ausgezeichnet.

Scheiß Rassisten, Nazipack!

Am gestrigen Mittwoch traf der Bezirksligist VfB Einheit Pankow in einem Nachholspiel auf den Regionalligisten Türkiyemspor Berlin. Im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, auf dem kleinen Rasenplatz, spielten beide Mannschaften um den Einzug in die dritte Runde des Berliner Pilsner-Pokals. Doch das spielerische Ergebnis wurde im Verlauf des Spieles ziemlich zweitrangig…

Auf der Seite des VfB versammelten sich rund 30 Anhänger des Pankower Vorortvereins. Während der gesamten ersten Halbzeit riefen einige aus dieser Gruppe wiederholt die Songzeile „Wieder einmal kein Tor für Türkiyemspor“ von der rechtsterroristischen Band Landser. Ebenfalls wurden wiederholt „Scheiß Türkiemspor“-Sprechchöre angestimmt. Nur ein paar ältere Einheit-Fans intervenierten dagegen und versuchten die jüngeren Fans davon abzuhalten weiterhin diese menschenverachtenden Parolen.

Nachdem ein Fan von Türkiyemspor die Sprechchöre dokumentieren wollte, wurde er mit den Sprüchen „Hau ab du rotes Gesindel“, „geh lieber arbeiten“ und „du willst wohl später mal Che Guevara werden“ belegt. In den Gesprächen während der Halbzeitpause kamen als Reaktion nur die üblichen Beschwichtigungsfloskeln: von wegen „Fussball hat mit Politik nichts zu tun“ über „seht das alles mal nicht so eng“ bzw. „bei uns gibt es sogar Albaner und Türken in der Mannschaft“.

Zur Krönung sagte dann ein Jugendtrainer: „ich bin selbst Jugendtrainer einer C-Jugend-Mannschaft und war früher mal so drauf. Bis 14 hab ich solche Musik auch noch gehört, doch dann irgendwann hat es klickt gemacht.“ Was da genau in seinem Kopf klick gemacht hat, kann man schwer sagen…

Fakt ist, das es nach der Halbzeit – zwar etwas leiser und nicht mehr so inbrünstig – mit den „wieder mal kein Tor für Türkiyemspor“-Sprechchören weiterging. Glücklicherweise gab die Mannschaft ihre Antwort auf dem Platz. Am Ende fegte Türkiyemspor die Einheit mit 5:0 vom Platz…

Ultras Roter Stern (B) * Oktober 2010


PS:
Wir wissen nicht ob das Schiedsrichtergespann Philipp K., Roman R. und Stephan S. etwas über die Vorfälle im Spielbericht notiert haben. Weshalb eine genauer Nachforschung bestimmt äußerst interessant wäre.