Archiv der Kategorie 'Taktik'

Malen nach Zahlen.

Sommer, Sonne, Sommerpause. Kein Fußball nirgends. Außer irgendwo in Skandinavien. Aber wenn interessiert schon Deutschland? Stattdessen haben wir die Zeit sinnvoll genutzt. Mittels Bierhähnchen, Pinsel und Alkohol verwandelten wir innerhalb von zwei Tagen einige Stofffetzen in vorzeigbare Zaunfahnen. Und das dreckige Dutzend fühlte sich wie anno dazumal.

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Im Geiste der dadaistischen Verulkung enstanden Kunstwerke die noch große Wellen schlagen werden. Wir versprechen Reminiszenzen an die gute alte Zeit um die uns Monty Python beneiden wird: If life seems jolly rotten – There’s something you‘ve forgotten – And that’s to laugh and smile and dance and sing – When you‘re feeling in the dumps – Don‘t be silly chumps – Just purse your lips and whistle, that’s the thing – And always look on the bright side of life – Come on!

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Die Vorfreude auf die neue Saison ist schon groß. Zahlreiche Gassenhauer werden noch wie das heiße Eisen geschmiedet, der transportable Grill sollte vielleicht noch einmal gesäubert und hier und da die Performance ein klein wenig verbessert werden. Ansonsten, der Lack passt, die Sinne sind geschärft, es bleibt nur noch der Anpfiff.

PS: Schöne Grüße nach Halle.

Deine Mutter zieht Traktoren…

Wowiwostock. Es war kalt. Es war früh. Es war einfach nicht der Tag des Roten Sterns. Aber lest selber:

Samstagmorgen, kalte Temperaturen um den Gefrierpunkt und die Roten Sterne hatte den Tabellenführer Traktor Boxhagen zu Gast. Die Sterne gingen mit einem 4-4-2 ins Spiel und zeigten von Beginn an, dass man nicht zum Punkte verschenken angetreten war.

So gingen die ersten 10 Minuten mit konzentriertem und genauem Spiel an die Roten Sterne. So gab es bereits nach wenigen Minuten Torschüsse durch die beiden Stürmer Jonas und Julian. Doch in der 11. Minute dann der Schock. Ein Stürmer der Traktoren ließ sich über den zwar grätschenden aber bereits am Boden liegenden Danny fallen und der Schiedsrichter ließ sich zu einer klaren Fehlentscheidung hinreißen und pfiff Elfmeter. Kurz darauf stand es 0-1 für Boxhagen. Wie so häufig war nun die Ordnung der Sterne über den Haufen geworfen. Nun kam Traktor besser ins Spiel und erarbeitete sich einige Chancen. So konnte Sieben nach einer halben Stunde noch gerade einen Schuss aus einem Meter halten. In der 36. Minute fiel dann jedoch das 0-2 aus einem Freistoß für Boxhagen. Kurz darauf dann gleich aus einer Ecke das 0-3. Die Taktik der Raumdeckung galt damit als gescheitert. Der Rote Stern gab sich jedoch nicht geschlagen und versuchte wie gewohnt meist über lange Bälle das Sturmduo in Szene zu setzen. In der 39. Minute dann ein schöner Angriff über die rechte Seite. Bev flankt in die Mitte wo Jonas den Ball mit dem Oberkörper abtropfen lässt und somit auf Julian vorlegt welcher mit viel Gefühl und Vollspann den Ball in die linke obere Ecke schoss. Nun lebte der Kampfgeist neu auf und die Sterne erhöhten nochmal das Tempo. Kurz vor dem Pausenpfiff dann das Foul an Jonas, der im Strafraum zu Boden gerissen wurde. Die Emotionen kochten bei den Traktoren hoch, was auch an den häufigen nicht nachvollziehbaren Schiedsrichterentscheidungen lag. Tobi blieb jedoch ganz cool, nahm sich das Leder und Schoss locker rechts unten ein. So ging es mit 2-3 und neuer Hoffnung in die Pause.

Nach der Pause waren alle Nerven beruhigt und der Rote Stern wollte es nochmal wissen. Jonathan kam für Patrick. So gab es gleich nach Wiederanpfiff eine gute Torchance nach einem tollen Fernschuss von Tobi, der allerdings sehr knapp links am Tor vorbei ging. In der 48. Minute viel allerdings das nächste Tor für die Traktoren als sich ein Fernschuss wie eine Bogenlampe noch ins Tor senkte. Danach war es wieder Tobi der erneut mit einem Fernschuss sein Glück versuchte. Aber der Ball ging knapp über das Tor. In der 52. Minute dann das 2-5 für Boxhagen. In der 60. Minute gab es nach einer guten Ecke von Daniel noch einmal eine Möglichkeit für Henning, der aber vom Ball etwas überrascht nichts Verwertbares draus machen konnte. Danach war es aber wieder Boxhagen die mit dem 2-6 das letzte Tor des Spiels schossen. Danach war die Luft raus und es die Partie verflachte. Arthur kam noch für Torsten und nach einer Ecke konnte Johannes noch einmal einen Torschuss verbuchen.

Am Ende kann man auf eine recht gute erste Halbzeit zurückblicken, in der die Roten Sterne dem Tabellenführer ordentlich Paroli boten. Die zweite Hälfte dagegen sollte lieber schnell vergessen werden.“ Quelle: Roter Stern Nordost

Stellungnahme der Ersten Mannschaft

Nach dem Verlauf der letzten Saison, einigen nicht ganz so schönen Szenen neben und auf dem Platz und v.a. dem Rücktritt unseres Trainers Falko sehen wir uns als Erste Mannschaft des Roten Sterns gezwungen, noch einmal Stellung zu den Geschehnissen zu beziehen.

Grundsätzlich wollen wir festhalten, dass wir uns über den Support von unseren Zuschauern freuen und auch hoffen, dass dieser in Zukunft nicht ausbleiben wird. Gleichzeitig scheint es aber über die Art und Weise, wie dieser Kund getan wird, unterschiedliche Vorstellungen zu geben.

Zunächst gilt für uns: wir sind Teil des Roten Sterns, teilen dessen Grundsätze und Anschauungen, auch wenn über diese – glücklicherweise – kontroverse Ansichten existieren und auch innerhalb des Vereins ausgetauscht werden. In diesem Sinne stehen wir auch voll und ganz hinter den Beschlüssen unseres Vorstands, der nicht getrennt vom Rest des Vereins, sondern als dessen zentrales Organ zu sehen ist. Seine Entscheidungen sind auch unsere; wir wollen keine Fans von uns oder einzelnen Spielern, sondern des Roten Sterns als Verein.

Zudem kam es in der Hinrunde während der Spiele, aber auch außerhalb, zu Beleidigungen unseres Trainers. Diesbezüglich leider zu spät, aber auf jeden Fall für die Zukunft: Der Trainer wird von uns als Team jede Saison demokratisch neu gewählt und erhält von uns somit die volle Legitimität auf und neben dem Platz. Dementsprechend stehen und standen wir nicht nur voll und ganz hinter ihm und verurteilen Beleidigungen ihm gegenüber in jeder Hinsicht, vielmehr ist der Trainer Teil unserer Mannschaft und gelten Verunglimpfungen ihm gegenüber auch uns. Wir dulden ein solches Verhalten in keinster Weise, egal ob auf, neben oder abseits des Platzes!

Hier scheint auch mangelnder Respekt gegenüber der ehrenamtlichen Tätigkeit in unserem Verein vorzuherrschen: als selbstorganisierter Verein ohne bezahlte Stellen sind wir auf ehrenamtliches Engagement angewiesen. Auch wenn es inhaltlich unterschiedliche Meinungen und auch mal Fehltritte geben kann – die Arbeit unserer jetzigen und ehemaligen Freiwilligen, die ihre Freizeit für uns und den Verein aufbringen, und insbesondere unseres Vorstandes wissen wir zu schätzen, denn ohne die ginge beim Roten Stern nichts. Deshalb fordern wir: mehr Respekt dem Ehrenamt!

Außerdem haben auch wir Vorstellungen davon, welches Verhalten neben dem Platz angebracht ist – und sexistische Sprüche wie „Schwuchtel“ oder „Fotze“ gehören da ganz sicher nicht hin. Auch wir wünschen uns mit dem Roten Stern einen Sportverein, in dem man diskriminierungsfrei Sport treiben kann – unabhängig von sozialer, kultureller oder geographischer Herkunft, von Geschlecht oder sexueller Orientierung. Und an einer völlig sinnlos aufgeheizten Atmosphäre sind wir auch nicht interessiert.

In diesem Sinne: wir freuen uns natürlich über Support und waren für den bisherigen dankbar – unter obigen Einschränkungen; eben nur, wenn ein gewisses Maß an Verantwortungsbewusstsein an den Tag gelegt wird. In diesem Sinne: macht Euch nochmal klar, liebe Zuschauer, weshalb ihr ausgerechnet den Roten Stern supported. Gerne auf eine gelungene Rückrunde mit uns: dem gesamten Roten Stern und seinen Inhalten – oder eben gar nicht.

Eure Erste Mannschaft

Quelle.

Berlin: ‚Hatun-Sürücü-Tage’

Vom 26. Januar bis zum 07. Februar veranstaltet Türkiyemspor Berlin die ‚Hatun-Sürücü-Tage’. Im Rahmen der Tage werden ein Fußballturnier aller Kreuzberger Frauenteams und eine Podiumsdiskussion zu Frauenrollen durchgeführt.

Quelle: Türkiyemspor

Geschlechterverhältnisse beschäftigten Türkiyemspor seit langem. So unterstützte der Verein in der Vergangenheit Aktionen, die gegen Gewalt in der Familie Stellung bezogen. Durch die Installation von Frauen- und Mädchenfußballteams im Verein ergaben sich zudem in der alltäglichen Arbeit aktive Erfahrungen und Einblicke in die Lebenswelten von Berliner Frauen und Mädchen. Diese flossen in die Arbeit und vereinsinterne Diskussionen ein. Giovanna Krüger, Koordinatorin des Mädchen- und Frauenfußballs bei Türkiyemspor hebt hervor: „Dem Thema Frauenrollen in der Gesellschaft wenden sich Medien, Politik und Gesellschaft entweder ethnisch, religiös oder klassenspezifisch zu. Alle drei Zugänge sind in der täglichen Arbeit im Verein erfahrbar. Wir wollen mit der Veranstaltungsreihe ein Stück unserer Sensibilisierung in die Öffentlichkeit tragen.

Beachtlich ist die Resonanz zur Teilnahme an der Veranstaltungsreihe im Vorfeld. So spielen am 26. Januar alle in Kreuzberg beheimateten Frauenteams im Hatun-Sürücü-Cup um die vom Berliner Fußballverband gestellten Pokale. Ebenso ist die Podiumsdiskussion am 4. Februar unter dem Titel „Ich darf nicht …“ qualitativ stark besetzt. Moderiert von Breschkai Ferhad (BFV) diskutieren Fachleute aus Kultur, Politik, Religion und Sozialarbeit die Situation von Frauen im gesellschaftlichen und familiären Raum.

Zum Abschluss der Tage nimmt Türkiyemspor an Gedenkveranstaltungen für Hatun Sürücü teil, die an eine mutige Frau erinnern, die ihren eigenen Weg ging. Unterstützung erhält die Veranstaltungsreihe auch von der Berliner Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat: „Ich freue mich, dass die Mädchen- und Frauenabteilung von Türkiyemspor das Gedenken an Hatun Sürücü aufrecht erhält und junge Frauen darin bestärkt, mutig und selbstbestimmt zu sein und ihren eigenen Weg zu gehen. In unserer Stadt ist kein Platz für Gewalt gegen Frauen, unabhängig von ihren Überzeugungen, ihrer Religion oder ihrem Lebensstil. Leider gehört das nicht immer zur Realität in Berlin, und das ganz unabhängig von den kulturellen Gewohnheiten oder der Herkunft der Familie.

Terminüberblick:

Samstag, 26. Januar 2013, 14 Uhr: Kreuzberger Frauen-Hallenfußballturnier in der Blücherstraße 46-47, 10961 Berlin. Es nehmen Teams von Türkiyemspor Berlin, dem DFC Kreuzberg, dem SV Seitenwechsel, den Berliner Amateuren, den Kickerinhas, Hansa 07 sowie dem BSV Al-Dersimspor teil.

Montag, 4. Februar 2013: Filmvorführung und Podiumsdiskussion „Ich darf nicht…“ – Berliner Mädchen auf der Suche nach der eigenen Identität.
Ort: Südblock, Admiralsstraße 1-2, 10999 Berlin.

18 Uhr Filmvorführung „Verlorene Ehre – Der Irrweg der Familie Sürücü“
19 Uhr PodiumsdiskussionIch darf nicht…“ – Mädchen im Spannungsfeld von gesellschaftlicher Ausgrenzung, familiären Erwartungen und kulturellen Schablonen.

Moderation: Breschkai Ferhad (Berliner Fußballverband).
Gäste: Idil Baydar aka Jilet Ayse – Schauspielerin, Matthias Deiß – Regisseur “Verlorene Ehre – Der Irrweg der Familie Sürücü”, Rabeya Müller – Liberal-Islamischer Bund e.V. , Mitglied von „HEROES Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre“, Kazim Erdogan – Aufbruch Neukölln, Mitglied von Berliner Initiative gegen Gewalt gegen Frauen (BIG), Mitglied von Türkisch-Deutscher Frauenverein.

Donnerstag, 07. Februar: Gedenkveranstaltung am Gedenkstein für Hatun Sürüçü
11 Uhr: Oberlandstraße/Ecke Oberlandgarten, 12099 Berlin-Tempelhof
Veranstalter: Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, u.a. mit Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler und Bezirksverordnetenvorsteherin Petra Dittmeyer

Betreten verboten

Wenn antirassistische Ultragruppen aufgeben, kehren die Hooligans in die Fußballstadien zurück

Quelle: junge Welt

Braunschweig, Rostock, Dresden, Aachen und Düsseldorf. Fünf traditionsreiche Fußballklubs und das gleiche Problem. Die ortsansässigen, antirassistischen Ultragruppen haben sich im Laufe der letzten zwei Jahre aufgelöst oder aus den Stadien komplett zurückgezogen. Auslöser waren gewalttätige Auseinandersetzungen innerhalb der Fanszene, initiiert zumeist von rechtsextremen Fangruppierungen.

Beim Zweitrundenspiel ihrer Alemannia im Mittelrheinpokal gegen Viktoria Köln Anfang Januar sangen die Aachen Ultras (ACU) ihrer Mannschaft das letzte Ständlein. Es war das unschöne Ende einer zweijährigen Auseinandersetzung zwischen antirassistischen Ultras und rechten Hooligans innerhalb der Aachener Fankurve. Drei Tage später verkündeten die Ultras aus Düsseldorf ihren vorläufigen Rückzug aus dem Stadion. In ihrer Erklärung beteuert die linke Gruppe, ihre »Auszeit« habe »interne und strukturellen Gründe«. Trotzdem ist der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, daß der Druck von rechten Hooligans auch sie zur Aufgabe zwang.

Ihren Anfang nahm diese Entwicklung im Januar 2011 mit der Auflösung der Unique Rebels (UR) aus Rostock. Ein halbes jahr lang hatten die Antirassisten versucht, sich als Teil der Fankurve von Hansa Rostock zu etablieren. Schließlich wurde den UR-Mitgliedern das Betreten der Südkurve verboten. Auch in Dresden endete der Versuch, eine explizit antirassistische Ultragruppe zu gründen, mit einem internen Blockverbot. Nach dem Zweitligaheimspiel gegen Union Berlin im August 2011 griffen organisierte, rechte Dynamofans die Solo Ultras (SU) mit Flaschen und Steinen an. Seitdem gehen die Solo Ultras ihren eigenen Weg und besuchen nur noch die Fußballspiele der Juniorenmannschaften von Dynamo Dresden.

Oder Braunschweig. Nach fast vier Jahren bei Handball, Jugend-Fußball und Wasserball kehrten Anfang Oktober 2012 die antifaschistischen Ultras aus Braunschweig auf die Ränge des Eintracht-Stadions zurück. Keine vier Wochen später mußten sie sich wieder zurückziehen. Wiederholte Angriffe durch rechte Hooligans in und außerhalb der Stadien zwangen sie dazu. Die Vereinsführung von Eintracht Braunschweig hat das nicht interessiert.

Nicht nur in Braunschweig drücken die Vereinsverantwortlichen bei rechten Straftaten gerne einmal ein Auge zu. Der Fanbeauftragte von Alemannia, Lutz van Hasselt, sieht die Lage in der eigenen Fanszene ebenfalls nicht so dramatisch: »Alemannia Aachen hat sich sowohl in der Vergangenheit als auch aktuell immer wieder klar gegen Rechtsextremismus und Rassismus positioniert, außerdem wurden Vorfälle mit rechtsextremem Hintergrund konsequent unter anderem mit Stadionverboten bestraft.« Die Realität sieht anders aus.

Seit 1999 begleiten die Aachen Ultras ihre Mannschaft durch die unterschiedlichsten Ligen. Der Konflikt mit den organisierten Neonazis und den mit ihnen sympathisierenden Personen aus den Gruppierungen Karlsbande Ultras, Alemannia Supporters und Westwall Aachen schwelt nun beinahe drei Jahre. Auf Druck der Öffentlichkeit zogen die Verantwortlichen einige halbherzige Konsequenzen. Doch selbst diese angekündigten Sanktionen gegen die rechten Schläger erwiesen sich als abgedroschene Worthülsen. Das Zaunfahnenverbot wurde für die Karlsbande Ultras zu keiner Zeit konsequent durchgesetzt. Schon zwei Monate nach Aussprache des Verbotes hing die Fahne wieder am Zaun. Statt dessen wurden die Aachen Ultras als »Nestbeschmutzer« hingestellt und als »Linksextremisten« denunziert.

Das Zusammenwirken von untätigen Vereinsführungen und wachsender Repression gegen die Ultragruppen, u.a. wegen dem Abrennen von Pyrotechnik, läßt in den Stadien eine Subkultur wieder aufleben, die man schon längst für tot erklärt hatte: die Hooligans. Im Gegensatz zu den Ultras wollen die Hooligans nicht mittels akustischem und optischem Support die eigenen Spieler anfeuern und müssen sich deshalb auch nicht konstruktiv mit der Vereinsführung auseinandersetzen. Hooligans sind Gewalt und Repression nicht fremd, sie machen einen gewichtigen Teil ihrer rebellischen Identität aus. Die Bühne, die sie für ihre Kämpfe suchen, ist nicht öffentlich, statt dessen verabreden sie sich für ihre Kämpfe an abgeschiedenen Orten.

Zwar läßt sich eine pauschale Einteilung in linke Ultras und rechte Hooligans nicht immer aufrechterhalten, aber in der Tendenz ist sie richtig. Das zeigt auch, bei aller Rivalität, die Solidarität der Ultras untereinander. Bei ihrem letzten Ausflug begleiteten rund 300 Mitglieder anderer Ultragruppen aus ganz Deutschland die Aachen Ultras, um ihre Unterstützung für deren antirassistisches Engagement zu demonstrieren. Auf ihren Transparenten waren Sprüche wie »Lieber Parasit als Antisemit« oder »Nazis Am Tivoli? Nie gesehen.« zu lesen. Nur solche gemeinsamen Aktionen der Ultras, verbunden mit der Unterstützung durch die Vereine und den DFB können den erneuten Aufmarsch der Hooligans in den Kurven verhindern.

Revolutian Black Bloc

Egypt Black Bloc on Facebook.

Der Nürnberger Fußballclub und seine nationalsozialistische Vergangenheit

Der FCN setzt sich mit seiner Geschichte während der Nazi-Zeit auseinander. Ehrengast Evelyn Konrad begeistert die Gäste mit ihrem Charme.

Quelle: Münchner Abendzeitung

Nürnberg – Tolle Veranstaltung am Dienstagabend beim 1. FC Nürnberg. Der Club gedenkt am Valznerweiher seinem dunkelsten Kapitel der Vereinsgeschichte – dem unrühmlichen Verhalten des sonst so Ruhmreichen gegnüber jüdischer Vereinsmitglieder während der NS-Zeit. „Der 1. FC Nürnberg ist ein Verein mit großer Tradition, der sich mit seiner Geschichte auseinandersetzt“ eröffnete Sportvorstand Martin Bader den Abend. „Dazu gehören aber nicht nur die vielen Erfolge und Titel, sondern auch die dunklen Seiten der Vereinshistorie.“ Als einer der ersten Fußballvereine Deutschlands beschloss der FCN im Jahre 1933 einstimmig den Ausschluss aller Anhänger jüdischen Glaubens aus dem Verein. Zuvor war bereits Trainer Jenö Konrad, von 1930 bis 1932 Trainer beim Club, nach einem Hetzbericht im Nazi-Blatt „Der Stürmer“ über Nacht mit seiner Frau und Tochter Evelyn aus der Noris geflüchtet.

Eben diese Evelyn, heute 84 Jahre allt, ließ es sich nicht nehmen, als Ehrengast der Veranstaltung eigens nach Nürnberg zu reisen. Aus New York, wohin ihre Eltern 1940 nach einer Odysee durch Europa übersiedelten. Und die redegewandte Dame, immerhin seit 81 Jahren zum ersten Mal wieder in Nürnberg, verzauberte mit ihren Anekdoten aus dem Leben ihres „Vatis“ die anwesenden 250 Gäste. „Er war in seiner Lebensanschauung ein äußerst eleganter Mensch, sehr belesen. Ich habe viel von ihm gelernt.

Bei seiner Flucht aus Nürnberg im August 1932 hinterließ Jenö Konrad dem FCN noch eine Autogrammkarte, auf der er den legendären Spruch „Der Club war der erste. Und muss der erste werden“ niederschrieb. Grund für die Nürnberger Ultras, daraus für das Derby gegen den FC Bayern eine beeindruckende Choreografie zu erstellen, die auch den Grundstein der gestrigen Veranstaltung legte. „Ich wusste nichts von der Choreografie der Club-Fans. Ich kann nicht einmal sagen, wie sehr dankbar ich dafür bin. Das ist unglaublich“, so Evelyn Konrad gerührt, nachdem sie Videoaufnahmen von der aufwendigen Erstellung der Choreografie durch die Ultras gesehen hatte. Nicht die einzige Impression, die die 84-Jährige mit in ihre Heimat USA nehmen wird. „Ich habe mir die Stadt angesehen, unter anderem auch den Gerichtssaal der Nürnberger Prozesse. Es hat mich sehr beeindruckt, wie wunderbar sich Nürnberg inzwischen als Stadt der Menschenrechte präsentiert.

Zum Schluss der Veranstaltung sorgte sie dann noch einmal für ein erfreutes Raunen in der Runde. Nachdem ihr Martin Bader die Ehrenurkunde für ihren 1978 verstorbenen Vater Jenö überreichte, verabschiedete sich Evelyn Konrad auf ihre charmant-witzige Art vom 1. FC Nürnberg: „Der Vati war bescheiden, ich bin es nicht. Dürfte ich auch Mitglied beim Club werden?

Ultras Düsseldorf ziehen sich zurück

Die Ultras Düsseldorf nehmen sich eine Auszeit. Hintergrund des Rückziehers ist ein Machtkampf mit Hooligangruppen, die von einem Dutzend Neonazis umworben werden. Der Vorsänger der Ultras wurde von einem Hooligan niedergeschlagen, etliche rechte Straftaten sind dokumentiert.

Quelle: 11.Freunde

Diese Stellungnahme ließ Ultra-Gruppen von Hamburg bis Freiburg aufhorchen: Nur drei Tage nachdem die »Aachen Ultras« ihre Kapitulation im Kampf gegen rechte Ultras und Nazis bekannt gaben, vermeldeten auch die »Ultras Düsseldorf« (UD) eine Auszeit. Nach zwölf Jahren wollen sie »organisierte Gruppenaktivitäten im Stadion einstellen«. Offiziell erklärt »UD« den Schritt mit dem durch den raschen Aufstieg von Fortuna Düsseldorf gewachsenen Druck auf die Gruppe und mit dem Vorhaben, »interne Unstimmigkeiten zu regeln«.

Gewalt gegen den Capo und DJ »Opa«

Tatsächlich setzt ihnen auch ein Rechtsruck im heterogenen Düsseldorfer Hooliganmilieu zu. Die Schläger sind laut Zentraler Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) Anlaufpunkt für ein Dutzend Neonazis. Für die in Teilen linksalternativ geprägte Fanszene hat die kleine Offensive von Rechtsaußen weitreichende Folgen: Antirassistisch Engagierte werden unterdrückt, im veränderten Klima der Kurve kam es zu jüngst zu etlichen rechten Straftaten. Der ehemalige »Capo« der Fortuna-Ultras, Niko Offert, wurde öffentlich bedroht und von einem Hooligan niedergeschlagen. Kurz vor Weihnachten attackierten Rechtsradikale auch noch den beliebten Stadion-DJ »Opa«.

Die seit etwa drei Jahren schwelenden Konflikte unter den Fortuna-Fans mögen mit denen in Dortmund, Aachen oder Braunschweig zwar nicht vergleichbar sein. In den drei Nazi-Hochburgen sind die organisierte Rechte, Nazi-Hools und -Ultras eng verflochten; etliche Gewalttaten gegen Linke und anders denkende Fans sind dokumentiert. In Düsseldorf dagegen gibt es laut Staatsschutz und Antifa keine etablierten Neonazi-Strukturen. Und die Anhängerschaft der 1895er war durch die Rückkehr nach Flingern geprägt von der urbanen Subkultur des Viertels.

In der Vergangenheit waren sogar Hooligans der »Bushwhackers Düsseldorf« an der Vertreibung brauner Eindringlinge im Paul-Janes-Stadion beteiligt. Die Bande, die sich in den Achtzigern stark an den berüchtigten Schlägern des FC Millwall orientierte, gilt der Antifa bis heute als »multikulturelle Truppe«. Und in ihrem bunten Block bezogen Ultra-Gruppierungen seit ihren Anfangstagen offensiv Stellung gegen Rassismus, Homophobie und alle Formen der Diskriminierung. Solche öffentlichen Meinungsäußerungen waren zuletzt allerdings nicht ohne Risiko. Der Grund: der Einsatz mehrerer Gewaltbereiter für eine von braunen Eindringlingen angestiftete, vorgeschobene Entpolitisierung vermeintlich linker Fans.

»Maximal zwölf Personen mit rechter Gesinnung«

Die Empörung unter den Anhängern des Vereins war entsprechend groß, als das WDR-Fernsehmagazin »Westpol« Ende September einen internen Bericht der ZIS über personelle Überschneidungen zwischen gewaltbereiten Fans und der rechtsextremen Szene veröffentlichte: Darin wurde Düsseldorf in einem Atemzug mit Aachen, Dortmund, Mönchengladbach, Duisburg, Paderborn, Bielefeld und Oberhausen genannt. Ein Sprecher der Polizei Düsseldorf berichtete später auf Anfrage von »maximal zwölf Personen mit rechter Gesinnung«. Sie seien nicht vernetzt und stünden unter Beobachtung.

Im vergangenen Halbjahr zeigen etliche Straftaten die Stadionbesuche Rechtsradikaler und ein neues Klima in der Fortuna-Szene auf.

Nach dem 2:2 gegen Schalke am 6. Spieltag beschwerten sich Zuschauer über eine Gruppe von etwa 25 Männern, die im Oberrang aggressiv aufgetreten waren und gemeinschaftlich den Hitler-Gruß gezeigt haben sollen. Ordner meldeten den Vorfall im Block 159. Das bestätigte der Verein ebenso wie »unterschiedliche Beschwerden« über aggressive Zuschauer in den Blöcken 160 und 161. Die eingegangenen Klagen, so Fortuna unter Berufung auf Gespräche mit den Organisatoren der selbst verwalteten Blöcke, richteten sich »nach jetzigem Stand wohl auf Gruppen außerhalb der organisierten Fußballfanszene«.

Eine Woche nach den »Führer«-Grüßen auf der Südtribüne erstattete ein Polizist Anzeige gegen einen Fortuna-Fan, der auf der Anreise zum Auswärtsspiel in Mainz den »Kühnen«-Gruß zeigte. Beim Pokalaus in Offenbach setzte der Ordnungsdienst einen Düsseldorfer fest, der ebenfalls durch das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen aufgefallen war. Zu solchen Vorfällen war es bei Fortuna jahrelang seltener als bei den meisten anderen großen Clubs gekommen. 1895 galt vielen als »zweites St. Pauli«. Dieser Ruf gefällt den im internen ZIS-Bericht erwähnten Rechtsradikalen ebenso wenig wie einigen mit ihnen paktierenden, rechtsoffenen Hooligans.

»Fußball bleibt Fußball, Politik bleibt Politik«?

Die rechten Anstifter gehen gezielt vor. Die bewährte Masche ist die angebliche Entpolitisierung des Stadions, wie sie die vom Bremer Verfassungsschutz als »gewaltbereite Rechtsextremisten« eingestufte Hooliganband »Kategorie C – Hungrige Wölfe« besingt: »Fußball bleibt Fußball, Politik bleibt Politik«. Unter Berufung auf die Parole wollen die Rechtsextremen, zu denen führende Aktivisten der ehemaligen Kameradschaft »Nationale Front Düsseldorf LDU« (die Anfangsbuchstaben der Stadtteile Lichtenbroich, Düsseltal, Unterrath) zählen, antirassistische und antifaschistische Botschaften unterbinden.

Durchsetzungsvermögen verleiht ihnen dabei das Gewaltmonopol der organisierten Hooligans. Diese haben zwar größtenteils politisch gleichgültige Boxsportler in ihren Reihen, darunter bei Fortuna-Fans anerkannte »Sympathieträger«. Ideologien sind diesen egal, ihr Weltbild gründet auf dem Recht des Stärkeren. Nach Rangkämpfen in ihren Reihen aber sind die Gewaltsuchenden nun offenbar anfälliger für das Gedankengut rechter Einflüsterer. Ausdruck dessen ist auch eine Freundschaft mit den Ultras von Atlético Madrid: Die Gruppe »Frente« gilt als ähnlich offen faschistisch und rassistisch wie die Ultras von Lazio Rom.

Ein T-Shirt mit dem Aufdruck »Ultras gegen rechts«? Im Düsseldorfer Block verboten

Zwei Beispiele für die rechte Zensur gegen linke Düsseldorfer Fans: Nach übereinstimmenden Zeugenberichten verbot eine Gruppe am ersten Spieltag in Augsburg einem Fan, ein T-Shirt mit dem Aufdruck »Ultras gegen rechts« im Stadion zu tragen. Bei mehreren Heimspielen sollen Hooligans den Verkaufsstand der Ultras hinter Block 42 kontrolliert haben. Beschwerden über solch eine Einschränkung freier Meinungsäußerung unter Androhung von Gewalt verteidigt im offiziellen Vereinsforum »95er-Forum« der Nutzer »Schwelmer2« öffentlich: Er gibt sich dort mehrfach als Mitglied der Hooligan-Gruppe »Bushwhackers« zu erkennen und pocht auf die »Vereinbarung mit den Ultras (…) sämtliche Politik aus dem Stadion rauszuhalten«.

Das unübersichtliche, aber allgemein zugängliche Forum vermittelt einen Eindruck von der Präsenz der rechten Eindringlinge.

»In Stuttgart waren locker 15 Personen eindeutig rechtsextrem, wobei diese in verschiedenen Gruppen unterwegs waren«, wirft Fortunas Fanbeauftragter, Dominik Hoffmeyer, in die Diskussion zum Thema »Fortuna gegen Nazis« ein. An anderer Stelle bestätigt er Nutzern rechte Parolen und »Nazi-Sichtungen« bei fast jedem Hinrundenspiel.

An die Öffentlichkeit gelangt waren Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Hooligans sowie Rechtsradikalen einer- und Ultra-Mitgliedern andererseits erstmals 2010: Beim Heimspiel gegen Hertha wollten Provokateure das Banner der »Ultras Düsseldorf« während des Spiels entfernen. Im Stadion konnte die Polizei eine Auseinandersetzung verhindern, dafür flogen nach dem Spiel an der Kneipe »Kastanie« die Fäuste zwischen einzelnen Hooligans und Ultras. »Bushwhackers«-Mitglieder beklagten später, sie würden zu Unrecht als Neonazis dargestellt.

Bei einem Düsseldorfer Fan-Turnier läuft ein Spieler mit einem »Thor Steinar«-Shirt auf

Dass der Versuch eines friedlichen Nebeneinanders gescheitert war, zeigte sich Altweiber 2011: Bei einem Angriff junger Hooligans in der Altstadt wurden zwei Ultra-Mitglieder schwer verletzt und wohl auch ein Mitarbeiter des Fanprojektes attackiert. Der Verein, die Dachverbände Supporters-Club Düsseldorf (SCD) und Arbeitskreis Fortuna gründeten mit Fortuna-Fans danach die »Arbeitsgemeinschaft Anti-Diskriminierung«.

Eine erneute Verschärfung des Konflikts deutete sich Anfang 2012 an, als der Fanclub »Metzkausen Hypers« aus dem Supporters Club Düsseldorf (SCD) austrat. Der Dachverband hatte für den Geschmack der Hypers falsch auf einen Vorfall bei einem SCD-Fußballturnier reagiert: Ein Spieler der «Bushwhackers Düsseldorf« war laut Hypers-Mitteilung in einem T-Shirt der Marke »Thor Steinar« angetreten.

Diese dient Neonazis als Erkennungszeichen. Im Stadion ist sie darum seit Jahren ebenso verboten wie im Bundestag. »Wir spielen nicht mit Nazis«, reklamierten nach dem Turnier auch die »Fortuna Metalheads« öffentlich.

Die rechte Parole »Politik aus dem Stadion« kennt der vielfach ausgezeichnete Sportjournalist Ronny Blaschke aus vielen großen Fanszenen. »Die Gleichsetzung von Rechten und Linken nach dieser Devise ist eine kolossale Verharmlosung Rechtsextremer«, sagt er. »Es ist eben ein Unterschied, ob Fans im Stadion menschenverachtendes Gedankengut verbreiten oder sich für Menschenrechte einsetzen.«

»Selbstreinigungskräfte in den Fanszenen wird überschätzt«

Blaschke besucht mit seinem Buch »Angriff von Rechtsaußen« Fanprojekte und -initiativen in ganz Deutschland. Was er bei fast allen Clubs erlebte, bestärkt ihn in der Überzeugung, dass die immer wieder bemühten »Selbstreinigungskräfte in den Fanszenen« überschätzt werden: »Nach fast jeder Diskussion kommen Zuhörer, die berichten, dass auch ihr Stadion entgegen der Mehrheitsmeinung nicht frei von Diskriminierungen durch Rechtsextreme ist.« Vor diesem Hintergrund appelliert er: »Es ist sehr wichtig, die ahnungslose oder schweigende Mehrheit über solche Versuche aufzuklären.«

An die Öffentlichkeit gelangten bislang auch die Schlägereien nicht, zu denen sich die von den Rechtsextremisten umworbenen »Bushwhackers« mit anderen Hooligans verabredeten. Auch das war in der Bundesliga-Hinrunde anders, weil sie in der Altstadt randalierten.

Nach dem Spiel gegen den HSV attackierten sie gewaltbereite Hamburger vor der Andreaskirche. Eine Woche später, nach dem Kantersieg über Eintracht Frankfurt, suchten gewaltbereite Fortuna-Fans in der Altstadt die Konfrontation mit der Polizei. 33 kamen in Gewahrsam. Beim Gastspiel der Eintracht im Februar 2012 wäre eine Auseinandersetzung beinahe sogar im Stadion eskaliert: Minutenlang versuchte eine große Gruppe Düsseldorfer Schläger vor den Augen überforderter Ordner ungehindert, den Gästeblock zu stürmen.

Auf der Online-Plattform »Gewalttäter Sport« der international vernetzten Hooligan-Szene dokumentieren die Düsseldorfer mit einem »Mannschaftsfoto« ihres Großaufgebots neue Stärke. Auf etwa 200 Mann schätzen Beobachter die Gruppe und ihr Umfeld mittlerweile. Alt-Hooligans ziehen jüngere Gewaltbereite an und schüchtern Andersdenkende allein durch ihre Präsenz ein. Die »Bushwhackers« rekrutieren für ihre verabredeten Kämpfe mit Schlägertruppen anderer Städte sogar gezielt (ehemalige) Ultras.

Nach außen demonstrieren die Hooligans allen aufmerksamen Zuschauern zuletzt Einigkeit mit gehorsam »unpolitischen« beziehungsweise eingeschüchterten Ultras: Vor dem Angriff auf HSV-Fans scharrten sie nach Informationen der Rheinischen Post in der Düsseldorfer Altstadt Fortuna-Ultras um sich. Im »95erforum« gibt das bekennende »Bushwhackers«-Mitglied »Schwelmer2« die Devise »united« aus: »Düsseldorf United: BWD, Block 160 und UD!«. Ein öffentliches Zeichen für die feindliche Übernahme: Beim letzten Hinrunden-Heimspiel gegen Frankfurt präsentierten die Hooligans ihr großes rot-weißes Banner im Oberrang – das zweite Mal 2012 und direkt neben dem der »Ultras Düsseldorf«.

Die Hooligan-Gruppen wachsen, den Ultras rennen die Mitglieder weg


Die Zahl der UD-Mitglieder soll sich zeitgleich zum Aufschwung der »Bushwhackers« auf etwa 70 halbiert haben. Der Schwund und die Abspaltungen mehrerer Gruppen haben zuweilen persönliche, meist aber politische Gründe. Die deutliche Abgrenzung nach rechts, die UD-Mitglieder noch 2011 im Magazin »Blickfang Ultra« bestätigten, fällt auf Druck der körperlich überlegenen Hooligans zunehmend unter den Tisch. Die Folgen bekamen auch alle anderen Zuschauer im Stadion zu hören: Schlachtrufe wie »Dietmar Hopp, Du Sohn einer Hure« (gegen Hoffenheim) und »Veh, Du Fotze« (gegen Frankfurt) waren früher wegen des antisexistischen Engagements der Düsseldorfer Ultra-Gruppen tabu (Motto: »Hate sexism, love Fortuna«).

Einer, der solche Gesänge während seiner langjährigen Funktion als Capo – als Vorsänger der Ultras – nie angestimmt hatte, gab zuletzt gegen den FC Bayern den Ton im Block 42 an.

Niko Offert. Der Abgang des »Capos« war wochenlang Gesprächsthema Nummer eins unter Fortuna-Fans. Offerts jüngere Nachfolger am Megaphon sind mit Leidenschaft bei der Sache, oft erreichten die von ihnen initiierten Gesänge aus der Support-Area aber nicht mehr die Geraden der Arena. So lag über der Südtribüne häufiger ein Gesangswirrwarr.

Bis heute beschäftigt Offerts plötzlicher Rückzug die Fans, zumal er eine Erklärung schuldig blieb und schweigt. Trotz hundertfacher Sympathiebekundungen allein im Netz äußerte er sich nur nichtssagend auf Facebook. Er könne sich »nichts Schöneres vorstellen« als »weiterhin Gänsehaut zu bekommen, wenn wir gemeinsam mit tausenden von Leuten den Gegner aus der Kurve brüllen«. Trotzdem wolle er »kürzer treten«, weil seine »Person zu stark polarisiert«. Wenn ein Vorsänger so defensiv auftritt, der dem ZDF einmal erklärte, eine Profilneurose habe ihn ans Capo-Mikro geführt, verwundert das Außenstehende. Zumal sich sein früheres Sendungsbewusstsein und das neue Klima im Fortuna-Block beißen: So sagte er gegenüber stadionwelt.de vor Jahren einmal, dass »Antirassismus und Antifaschismus einfach zu einem gesunden Menschenverstand gehören«. Das vertrat er – offensiv.

Die »Halsabschneider«-Geste für den Vorsänger

Kritiker sahen in ihm zwar einen sturen Alleinherrscher. Trotzdem nähren zwei Vorfälle den Verdacht, dass er nicht nur wegen Ultra-interner Meinungsverschiedenheiten verstummte. Es ist ein offenes Geheimnis auf der Südtribüne, dass Offert während des zweiten Bundesliga-Heimspiels von Männern im Oberrang mit der »Halsabschneider«-Geste bedroht wurde und vor dem Auswärtsspiel in Mainz von einem »Bushwhackers«-Mitglied zu Boden geschlagen wurde. Eine auf Offert geworfene Flasche verfehlte ihn in Mainz nur knapp und traf einen Unbeteiligten. Der musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Strafanzeigen liegen der Polizei zu den Attacken aber nicht vor. Das Wir-Gefühl ist eben eine der größten Stärken der Fankultur – und ihre größte Schwäche. Fortunen schwärzen keine Fortunen an.

So wurde ein weiterer Angriff auf einen prominenten Fan nur im »95erforum« bekannt. Dort postete der offizielle Musikbeauftragte der Fortuna, Stadion DJ Marcus »Opa« Haefs vor Weihnachten unter seinem Nickname »Cøshbarcløb« am 22. Dezember: »danke an die fans, die eben eingesprungen sind. am hbf [Hauptbahnhof, d. Red.] mit der rolltreppe nach oben gefahren, pafff, opa, du linke zecke, gab es links und rechts. gott sei dank haben sich ein paar leute eingemischt. danke dafür.«

Der Punk spielt im Stadion auch mal »Schrei nach Liebe«, den Anti-Nazi-Song der Ärzte. An die Adresse der Schläger schrieb er im Forum: »ne dicke nase ändert nichts an meiner musik, an meiner einstellung oder wie auch immer. ich gebe euch keinen zentimeter breit!!!!!« Dieser Ansage stimmten »90 registrierte Benutzer zu 1895% zu«.

Die überwältigende Mehrheit der Fortuna-Fans wird das genauso sehen.

Fußballfans sind (keine) Antisemiten?

Schon komisch. Eigentlich kam es einem beinahe ja so vor, als wäre nur Herr Augstein in der Top Ten des Simon Wiesenthal Centers gelandet. Doch neben dem Irren aus Teheran und anderen bekannten antisemitischen Vollpfosten haben es die europäischen Fußballfans ebenfalls in die Top Ten geschafft. Darüber konnte man bisher eher weniger lesen. Und warum die Einschätzung völlig gerechtfertigt ist, beweisen gleich einige Fans in der Kommentarspalte bei den 11. Freunden:

„Hast du dir mal überlegt, warum Kassam-Raketen fliegen? Vlt. hängt es damit zusammen, dass die Israelis, also gleich Juden (->Antisemit?) die Agressoren sind, welche permanent weiter Siedlungsbau betreiben und somit Land okkupieren? Die vertriebenen Palästinenser vegetieren dann in Zeltlagern vor sich bin. Die Palästinenser werden im Gazastreifen isoliert, verelenden und verhungern.“ Quelle.

„Wer sich mal ein bisschen länger mit dem Thema beschäftigt und mal etwas tiefer geht, wird rausfinden, das der Antisemitismus größtenteils durch die Juden selber geschürt wird. Es ist beispielsweise vorgekommen, dass israelische Amtsträger sogar Juden als Antisemiten bezeichnet haben, weil diese den israelischen Staat kritisiert haben. Antisemitismus wäre in unserer heutigen Welt kein Thema mehr (zumindest in Europa und den USA) wenn die Juden nicht selbst alles israelkritische als Antisemitismus bezeichnen würden.“ Quelle

„Endlich mal jemand dem dieses Weichspülgelaber nicht den Blick auf die Fakten verdreht hat. Egal welches Land dieser Welt das solche Schweinereien begehen würde wäre wohl schon dem Erdboden gleich gemacht worden, aber die USA-Lobbyisten aus Israel dürfen sich alles erlauben und gegen wirklich jedes Menschenrecht verstoßen das existiert. Und auch wenn man selber den Holocaust ( auch wenn die Schweinerien da erwiesenermaßen extrem, unmenschlich und nichts zu rechtfertigen waren) erlebt hat macht es das nicht besser wenn man selber dann „menschenverachtende Politik“ betreibt und traurigerweise auch noch von den „Großmächten“ dabei unterstützt wird.“ Quelle

„Sollen die Feinen Israelis doch im Fußball in Asien mitspielen. Ma sehen ob die in den Länder- und Vereinsspielen gegen Irak, Iran, Syrien, Afghanistan oder im Besonderen gegen Ägypten mehr Spaß haben als mit uns „Antisemitischen“ Europäern“ Quelle

Der Anlaß für diesen antisemitischen Shitstorm ist ein lesenswertes Interview mit Dr. Shimon Samuels vom Simon Wiesenthal Center über die Einschätzung der europäischen Fußballfans…

Zwickau: Mit solidarischen Grüßen!

Am 11. Dezember wurde in der Zwickauer Lokalausgabe der »Freien Presse« von rassistischen Vorfällen in den unteren Spielklassen berichtet. Im Vorfeld hatte sich die SG Schönfels dazu entschlossen in die Öffentlichkeit zu gehen, da der Schönfelser Spieler Isaquito Giehler „inzwischen bei fast jedem Spiel“ rassistisch beleidigt wird.

Die Mitglieder von Marienthal United 08 wollten diesen Hilferuf nicht ungehört lassen und schrieben Isaquito und seinem Verein einen Brief, welchen wir an dieser Stelle veröffentlichen:

Hallo Isaquito,

als erstes wünschen wir Dir und Deinem Team noch alles Gute für das neue Jahr.

Mit Wut und Betroffenheit reagierten wir auf den »Freie Presse«-Artikel, in dem über Deine Situation bei Fußballspielen berichtet wurde. Wut verspürten wir, weil es uns ankotzt wenn ein junger Mensch beim Fußball oder anderswo, nur wegen seiner Hautfarbe dumm angemacht wird. Betroffen reagierten wir, weil wir solche Erlebnisse auch aus eigenem Erleben kennen.

Wir gründeten unser Fußballteam vor vier Jahren mit der Motivation ohne Nazis, und damit frei von jeglicher Diskriminierung, kicken zu wollen. Allein dieses offene Bekenntnis reicht manchem Gegner aus, um uns zu beleidigen oder regelrecht die Pest an den Hals zu wünschen.

Deshalb möchten wir Dir Mut machen am Ball zu bleiben und Dir den Spaß am Fußball nicht nehmen zu lassen. Gerade auch der Schritt mit den angesprochenen Problemen an die Öffentlichkeit zu treten, erfordert aus unserer Sicht viel Courage.

Um zu zeigen, dass hinter unseren Worten auch ernst gemeinte Taten stecken, möchten wir Dich und die SG Schönfels zu einem Freundschaftsspiel einladen. Bei diesem könnten wir, wenn beide Teams damit einverstanden sind, eine Spendenkasse herumgehen lassen und die Einnahmen an eine Initiative für Opfer rassistischer Übergriffe spenden.

Außerdem werden wir im April zu den »Tagen für Demokratie und Toleranz« ein Streetsoccerturnier auf dem Zwickauer Hauptmarkt organisieren. Bei diesem reichen 4-8 Spieler für ein Team. Da könntest Du also einfach mit ein paar Freunden mitkicken.

Bei beiden Veranstaltungen müsstest Du keine rassistischen Beleidigungen oder Attacken fürchten und falls sich doch Idioten verirren, schreiten wir gemeinsam ein. Wir hoffen Du freust Dich über unseren Brief und wünschen Dir für die Zukunft alles Gute beim kicken und allem anderen was Du sonst noch anpackst.

Mit solidarischen Grüßen
Marienthal United 08 & ‚Roter Baum‘ Zwickau