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»Das sind keine Einzeltäter!«

Zuletzt kam es in italienischen Fußballstadien wiederholt zu rassistischen Schmähungen gegen dunkelhäutige Spieler. Carlo Balestri, Gründer von »Progetto Ultra« und Organisator des Festivals »Mondiali antirazzisti«, kennt das Problem. Ein Gespräch über rechte Splittergruppen, Propaganda vor dem Stadion und die Ohnmacht der Vereine.

Quelle: 11.Freunde

Carlo Balestri, vergangene Woche verließ die Mannschaft des AC Mailand bei einem Freundschaftsspiel gegen Pro Patria geschlossen das Feld, nachdem Kevin-Prince Boateng und andere dunkelhäutige Spieler rassistisch beschimpft wurden. Am Samstag gab es beim Spiel zwischen Cagliari Calcio und Lazio Rom Schmährufe gegen den Kolumbianer Victor Ibarbo. Hat der italienische Fußball ein Rassismus-Problem?
Es gab in den vergangenen Jahren zahlreiche Zwischenfälle, die in der europäischen Öffentlichkeit bekannt wurden. Etwa Paolo di Canios Gruß 2005, die Schmähungen gegen Mario Balotelli im Pokal-Halbfinale bei Juventus Turin 2009 oder die Rufe gegen dunkelhäutige Spieler von Tottenham Hotspur im Sommer 2012. Doch es gibt da noch etliche Fälle, die Italien medial nie verlassen haben. Daher muss ich leider sagen: Ja, der italienische Fußball hat ein Rassismus-Problem. Und zwar nicht nur bei Lazio Rom, auf die gerne verwiesen wird. Die rechten Szenen bei anderen Klubs – etwa bei Juventus Turin – sind ebenfalls erschreckend groß.

Wie sichtbar sind diese Szenen in den Stadien?
Sie sind da, doch es ist nicht so, dass man diese Leute wie in den neunziger oder frühen nuller Jahren sofort erkennt. Dunkle Zeiten! Ich erinnere an ein Spiel bei Hellas Verona, bei dem Fans mit Ku-Klux-Klan-Kostümen beim Spiel auftauchten und eine schwarze Puppe an einen Strick aufhängten, weil der Verein erwogen hatte, einen afrikanischen Spieler zu verpflichten.

Was tun die Verbände, Vereine und Politiker gegen den Rassismus in den Stadien?
Die Vereine und der Verband haben sich viele Jahre kaum positioniert – und wenn, dann zeigten ihre Reaktionen eine gewisse Ohnmacht. Ich hoffe gerade bei den Vereinen auf Besserung, immerhin hat es kürzlich eine vereinsübergreifende Rassismus-Schulung gegeben, bei der alle Profivereine und etliche Experten geladen waren. Die Politik reagiert seit jeher mit Repressionen und hat das Problem nicht gelöst. Im Gegenteil. Die aggressive Grundstimmung ist mitunter stärker geworden. Schaut man heute auf die Tribünen, sieht man dort eine sterbende und wütende Fankultur. Es gibt in jedem Stadion zahlreiche kleine Splittergruppen, doch keine konstruktive, bunte und lebhafte Kurve.

Kann es daher keine Selbstregulierung in der Kurve geben?
Ich bin Fan von Bologna, und dort ist es häufig so, dass die Mehrheit der Fans rassistische Gesänge übertönt. Das funktioniert allerdings nicht überall – auch weil so etwas in handgreiflichen Konflikten münden kann. Ein weiteres Problem ist auch das grundlegende Verständnis von Rassismus. Viele Leute behaupten, dass die Beschimpfung von einem Spieler wie – sagen wir – Mario Balotelli nicht rassistisch motiviert sei. Die Affengeräusche, so die These, sind schlichtweg ein Mittel, um den Spieler zu verunsichern. Was natürlich totaler Quatsch ist.

Gibt es keine Stadionordnungen?
Es gibt welche, die ist aber nicht vergleichbar mit denen in Deutschland. In unseren Stadionordnungen ist etwa festgelegt, dass keine Waffen oder Flaschen mitgebracht werden dürfen. Dass Fans vor dem Stadion in Wahlkampfzeiten Werbematerial für rechtsextreme Bewegungen verteilen, wird da ignoriert.

Wie sieht es mit Fanprojekten aus?
Ich war viele Jahre Mitglied von »Progetto Ultra« (gegründet 1995 in Bologna, d. Red.). Ein Ziel dieser Organisation war es, gemeinsam mit den Fans die Gewalt zu reduzieren und gegen Rassismus zu kämpfen. Wir haben uns über ein Jahrzehnt für die Einführung von Fanprojekten eingesetzt und eine nachhaltige Sozialarbeit mit Fußballfans gefordert – bis zuletzt erfolglos.

Nach Vorfällen wie bei Pro Patria oder Lazio Rom ist häufig zu hören, dass es sich um Einzeltäter oder Mitläufer handelt. Lazio-Präsident Claudio Lotito hielt sich jedenfalls mit Kritik an den eigenen Anhängern zurück. Von Pro Patria hieß es, die beschuldigten Zuschauer seien keine Fans. Wie bewerten Sie solche Aussagen?
Ich denke, es ist gefährlich die Probleme über die Mitläufer- oder Einzeltäter-These wegzuwischen, denn häufig greift diese zu kurz. Bei Pro Patria und auch andernorts sprechen wir jedenfalls nicht von Einzeltätern. In vielen Kurven stehen Leute gibt, die seit 20 oder 30 Jahren stramm rechts sind – und die auch seit 20 oder 30 Jahren schon ins Stadion marschieren.

Hat Kevin-Prince Boateng richtig gehandelt?
Man mag sagen, dass es nur ein Freundschaftsspiel war und deswegen das ganze Gewese darum ein bisschen zu groß war. Doch ich finde, es war ein wichtiges Zeichen – auch für diejenigen, die sich bislang nicht getraut haben, den Platz in solchen Fällen zu verlassen. Man wird hoffentlich auch erkennen, dass das kein Problem von einzelnen Spielern ist, sondern den gesamten Fußball betreffen. Absolut falsch ist es daher, als Fußballfunktionär, dessen Worte Gewicht hat, aus der Ferne die Lage zu beurteilen – so wie es Sepp Blatter mal wieder getan hat (Blatter sagte: »Es ist keine Lösung, wenn ein Spieler einfach vom Platz geht.«, d. Red.).

Liegt es nicht auch an den Schiedsrichtern härter durchzugreifen?
Absolut. Ich kann mich nur an wenige Fälle erinnern, in denen Spiele unterbrochen wurden. In seiner letzten Saison, unterbrach Pierluigi Collina mal eine Partie, weil Fans einen Spieler rassistisch beschimpften. Das müsste viel häufiger passieren.

»Wir sind hier nicht in fucking Germany!«

Ein etwas älteres Interview mit Karl-Heinz Riedle, der als Profi bei Liverpool ein pralles Leben zwischen Pferderennen und schlüpfrigen Weihnachtsfeiern führte.

Quelle: 11.Freunde

Karl-Heinz Riedle, was klingt Ihnen in den Ohren, wenn Sie sich an die Anfield Road erinnern?
»You’ll Never Walk Alone« natürlich.

Das die Liverpool-Fans seit Jahrzehnten vor jedem Heimspiel singen.
Besonders emotional war es, wenn ich an die traditionelle Gedenkveranstaltung für die Opfer der Hillsborough-­Katastrophe im April 1989 denke. Wir Spieler kamen aus den Katakomben, die Stehtribüne »The Kop« war mit 8000 Zuschauern voll, und das ganze Stadion sang. Da kamen einem unweigerlich die Tränen, selbst wenn man, wie ich, nicht direkt mit der Geschichte in Sheffield zu tun hatte.

Mit welchen Empfindungen wechselten Sie 1997 von Borussia Dortmund zum FC Liverpool?
Für mich ging ein Kindheitstraum in Erfüllung. Kenny Dalglish, Graeme Souness, Kevin Keegan, Ian Rush – das waren Helden meiner Jugend. Das Rot des Klubs hatte für mich seit jeher eine magische Anziehungskraft.

Hatten Sie keine Sorgen, dass es für einen Deutschen schwer werden könnte?
Die Sorge wurde beim ersten Pub-Besuch ausgeräumt. Ich wollte mit einem Freund in den Tagen der Vertragsunterzeichnung was trinken gehen. Wir standen an einem Tisch, da kam ein Engländer daher, stellte uns zwei Bier hin und wir waren im Gespräch: »Wo kommt ihr her? Was macht ihr hier?« Der kannte mich überhaupt nicht. Da wusste ich: »Hier bist du richtig!« (mehr…)

Ultras im Visier

Das Buch zum Feuer im Stadion: Politologen und Pädagogen erobern sich eine neue Subkultur

Quelle: Junge Welt

Die Ultras sind in aller Munde. Es vergeht kaum ein Tag, an dem das Jugendphänomen mit Gewaltproblem nicht prominent in den Medien auftaucht. Schon der Bilder wegen: Brennende Pyrotechnik im Stadion ist immer ein attraktives Motiv für die Titelseite. Daß dann in schöner Regelmäßigkeit von Gewalt gesprochen wird statt nur über das verbotene Abbrennen von Feuerwerkskörpern ist eine jener verkaufsfördernden, aber der Wahrheit abträglichen Maschen der deutschen Journalistenzunft.

Auf diesen propagandistischen Zug wollen nun auch Politologen und Pädagogen aufspringen. Denn mit renitenten Jugendsubkulturen läßt sich in einer immer älter werdenden Gesellschaft immer noch gutes Geld verdienen. Was auch für Kriminologen gilt.

Martin Thein und Jannis Linkelmann, der eine Politologe, der andere Kriminologe, legen mit ihrem Buch »Ultras im Abseits. Porträt einer verwegenen Fankultur« einen Sammelband vor, den man getrost als eine Anleitung für Sozialpädagogen und andere Sachverwalter des Elends sofort wieder ins Bücherregal zurückstellen kann. Organisierte Ultras kommen in dem Buch zumeist nur in domestizierter Form vor. Hauptsächlich sind es Politologen, Soziologen und Polizisten, die über die nonkonforme Jugendsubkultur herfallen, deren Anspruch, sich dem erwachsenen Gestus des Nicht-mehr-verändern-wollens zu entziehen sie ja gerade erst so sympathisch macht. Durch die ablehnende Haltung gegenüber Autoritäten und mit dem Versuch, sich gegen die Eventkultur beim Fußball zu stemmen, geraten die Ultras selbstverständlich ins Schußfeld aller Konformisten.

Dementsprechend schlägt das Imperium nun an allen Fronten zurück. Mit allem, was es hat. In diesem konkreten Fall einem alternativen Fußballfanschutzbericht: Auf den ersten Seiten des Buches zerpflücken mehrere Soziologen die Subkultur der Ultras in ihre einzelnen Bestandteile, einige Seiten später beschäftigen sich die Politologen mit den Auswirkungen auf die Gesellschaft, und am Ende werden die alternativen Kettenhunde des Kapitals, also die Sozialpädagogen, auf die ahnungslose Meute losgelassen. Es gilt wie immer folgende Faustregel: Umso komplexer dem geneigten Zuschauer das »soziale Gebilde« erscheint, umso länger können die Politologen und Soziologen den Gegenstand ihres Interesses erforschen, während gleichzeitig die Pädagogen die daraus gewonnenen Erkenntnisse am lebendigen Objekt durchexerzieren dürfen. Und am Ende räumt die Polizei dann die besonders renitenten Teile der Subkultur ab.

Die Autoren geben vor, die Subkultur der Ultras in Deutschland näher zu beleuchten, statt dessen bieten aber Soziologen, Journalisten und Politologen auf über 200 Seiten nur ihre Meinung feil. Bis auf die dreißig Seiten, auf denen leider ziemlich langweilige Interviews mit einzelnen Ultras dokumentiert sind, handelt es sich um eine paternalistische Veranstaltung, wie sie jeder junge Fan längst zu hassen gelernt hat. Eine der Hauptforderungen der Autoren ist folglich nicht die Legalisierung von Pyrotechnik und der Rückzug der Bereitschaftspolizei aus dem Umfeld der Fußballpartien, sondern die Einrichtungen von Fanprojekten, die – siehe da – von kompetenten Pädagogen mit Kompetenz im Bereich Fußball betreut werden sollen.

Ganz allein zu diesem Zweck wurde das Buch veröffentlicht: Es ist eine Stellenbeschreibung. Und eine Aufforderung nach Stellenausschreibung durch DFB, DFL oder die Vereine. Die einzelnen Beiträge sind Bewerbungen. Nur wer dabei ganz genau die derzeitigen Richtlinien beim Ausverkauf der Fußballkultur einhält, hat eine Chance, in Zukunft einen Job als Fanbeauftragter oder beim neuen Institut für Fankultur zu ergattern. Mit dem Ultragedanken hat das alles nichts zu tun.

Martin Thein/Jannis Linkelmann (Hg.): Ultras im Abseits – Porträt einer verwegenen Fankultur. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2012, 272 Seiten, 14,90 Euro

Die spinnen, die Sachsen!

Das sächsische Demokratieverständnis scheint bekanntermaßen nicht immer das, was es anderen Ortes ist. Weil er das Foto eines Fußballers mit einem Hakenkreuz-Tattoo ins Netz gestellt hatte, soll ein Teambetreuer des Roten Sterns Leipzig vor Gericht gestellt werden. Wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Quelle: Leipziger Internet Zeitung

Carsten G. ist verärgert. Der Betreuer machte am 20. August 2011 nach dem Altherrenkick des Roten Sterns bei Lipsia Eutritzsch eine sonderbare Entdeckung. „Ein Spieler von Lipsia zog sich draußen sein Trikot aus und setzte sich zu Bekannten am Spielfeldrand“, berichtet der Endvierziger. „Auf seinem Oberarm prangte ein tätowiertes Hakenkreuz.

Foto: privat

G. zückte seinen Fotoapparat. Die Aufnahme stellte er im Rahmen einer Fotostrecke auf die Mannschaftshomepage. Für die Leipziger Staatsanwaltschaft ein klarer Fall: Die Ermittlungen gegen den Lipsia-Kicker Mike L. werden ergebnislos eingestellt. Begründung: Ein Nachweis dahingehend, dass der Beschuldigte die Tätowierung eines dem Hakenkreuz zum Verwechseln ähnlichen Symbols öffentlich verwendet und damit einer unbestimmten Vielzahl von Personen die Möglichkeit eröffnet hat, sie wahrzunehmen, könne nicht geführt werden. „Das Bild zeigt den Betroffenen offensichtlich nach dem Spiel auf einer Bank sitzend neben drei Freunden“, erläutert Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz. „Eine Öffentlichkeit im Sinne des Gesetzes ist nicht ersichtlich, so dass der Tatbestand des § 86a StGB bereits objektiv nicht erfüllt war.

Immerhin hatten sich die Ermittler mehrfach die Mühe gemacht, den Fotografen vorzuladen. Der verweigerte ihnen die Aussage, um sich nicht selbst zu belasten. Denn: G. drohte gleichzeitig eine Anklage wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Außerdem soll er L.’s Recht am eigenen Bild verletzt haben. Um die Identifizierung des mutmaßlichen Neonazis zu ermöglichen, hatte er dessen Gesicht nicht verpixelt. „Der Vorwurf ist absurd“, findet Rechtsanwalt Jürgen Kasek, der den RSL-Unterstützer juristisch vertritt. „Mein Mandant hat das Foto in Ausdruck seiner Gegnerschaft zum Nationalsozialismus veröffentlicht.“ Der Anwalt hat daher die Einstellung des Verfahrens beantragt.

Die Staatsanwaltschaft erkennt das vermeintliche Vergehen immerhin als nicht besonders schwerwiegend an. Ihr Angebot, den Vorwurf gegen Zahlung von 250 Euro fallen zu lassen, möchte G. freilich nicht annehmen. Seine Meinung zu dem absurden Vorgang: „Offenbar leben wir im falschen Bundesland.“ Kleines Trostpflaster für das Opfer der Justizposse: Nachdem nun die Leipziger Presse auf den Fall aufmerksam geworden ist, hat die Staatsanwaltschaft offenbar die Ermittlungen gegen Mike L. wieder aufgenommen.

We do not forget!

Rassismus und Homophobie bei Zenit Petersburg

Rassismus im russischen Fußball: Fans von Zenit St. Petersburg haben sich gegen dunkelhäutige und homosexuelle Spieler ausgesprochen. Andernfalls verliere der Club seine Identität, glauben die Anhänger. Der Verein reagierte umgehend mit einer Ablehnung des Manifests.

Quelle: SPON

Fans des russischen Top-Clubs St. Petersburg haben für einen großen Skandal und heftige Empörung gesorgt. Sie veröffentlichten ein „Manifest für einen traditionellen Fußball“, in dem sie sich gegen dunkelhäutige und homosexuelle Spieler ausgesprochen haben.

Der Club verliere seine Identität, wenn Fußballer aus anderen Regionen der Welt dort spielten, hieß es in dem Text, den der Fanclub Landskrona veröffentlichte. Ihre Forderung: Zuerst sollte Zenit slawische Spieler verpflichten, zur Not Europäer. Nur wenn man intensiv gesucht und nichts passendes gefunden habe, könnten die Scouts „nach Südamerika fliegen“, wie es in der Schrift heißt. Eine weitere Forderung ist, dass Zenit-Profis weder rauchen noch trinken dürfen.

Der Verein, bei dem der frühere HSV-Manager Dietmar Beiersdorfer Sportdirektor ist, lehnte das Manifest umgehend ab. Zenit habe sich immer durch seine Toleranz ausgezeichnet und vereinige in seien Reihen Fans unterschiedlichster Nationalitäten und unterschiedlicher Religionen, teilte der Club mit.

Auslöser des Manifests war offenbar ein teaminterner Streit, auf den sich die Fans beziehen. Demnach hätte sich Nationalspieler Igor Denisow beschwert, dass Hulk sehr viel mehr verdiene als die russischen Profis im Kader. Der Brasilianer war im vergangenen Sommer für geschätzte 40 Millionen Euro vom FC Porto zu Zenit gewechselt. In der aktuellen Champions-League-Saison wurde Zenit in seiner Gruppe Dritter hinter dem FC Malaga und dem AC Mailand. Der Club tritt damit im kommenden Jahr in der Europa League an.

In Russland, Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft 2018, gibt es im Fußball immer wieder rassistische Vorfälle. Unter anderem werden dunkelhäutige Spieler regelmäßig mit Bananen beworfen.

Roter-Stern-Exkursion nach Ahrensburg

Am Sonntag, 02.12.2012 fand der Anneliese-Oelte-Pokal der Roten Stern Kickers statt. Unsere Sterne nutzten diese Gelegenheit neue Kontakte zu knüpfen, aber auch sportlich aktiv zu sein.

Samstag

Schon am Samstag machte sich die Delegation auf nach Hamburg. Unser Gruppenleiter Buratino erwies sich als fähiger Organisator und Fahrer für die Mannschaft plus Fan auf nach Hamburg. Nach einer lustigen Fahrt und sicheren Landung in Hamburg mußte sich unsere Reisegruppe erstmal stärken, bevor unser Cityguide von den Roten Stern Kickers uns zum gemeinsamen Genuß des Bundesliga Topspiels am Abend führte, nämlich Dortmund gegen Bayern. Nach dem ersten Kennenlernen und einem spannenden Bundesligaspiel entwickelte sich ein feucht-fröhlicher Abend für alle Beteiligten (welches man am nächsten morgen mehr oder weniger bereute).

Sonntag

Morgens um 10 Uhr hieß es für unsere Sterne (einige mehr geledert als die anderen, aber trotzdem hochmotiviert) auf nach Ahrensburg, den neben all dem Spass wurde ja auch noch Fußball gespielt und fleißig gesammelt, den alle Startgelder und Einnahmen aus Merch,- und Verpflegungsverkauf kamen der Initiative “Rassismus tötet” zugute.

8 Mannschaften besetzten das Teilnehmerfeld: Roter Stern Flensburg, Sporting Ratzeburg, Unbequem 1910, der TSV Trittau III, der FC St. Pauli VI, der SSV Pölitz III, die Gastgeber Roter Stern Kickers und unsere Reisegruppe lustig. Unsere Sterne bekamen es in der Gruppe A mit dem TSV Trittau III, Sporting Ratzeburg und dem FC Sankt Pauli VI zu tun. Gespielt wurden 10 min mit einseitiger Bande.

Dann ging es auch direkt los. Unserer Mannschaft kam die Ehre des Eröffnungsspiels zugute. Gegen den TSV Trittau III legten unsere Sterne eine starke Anfangsphase aufs Parkett und wurden vermeintlich durch die Führung des wuseligen Eric belohnt, doch nix da, der Schiri wollte ein Handspiel bei der Ballannahme gesehen haben und pfiff ihn zurück. So kam es wie es kommen mußte und der erste Treffer des Turniers fiel, 1:0 aber für den TSV! Aber unsere Mannschaft erwies sich wie immer kämpferisch und konnte Ausgleichen, ein schöner Pass von Daniel auf Erik und diesmal durfte er Jubeln 1:1!! Unsere Mannschaft wollte dann in den letzten 2 Minuten mehr als dieses 1:1, den sie witterte Siegchancen, aber ein starker Schlußmann der Trittauer hatte etwas dagegen, so blieb es auch bis zum Ende bei einem guten Eröffnungsspiel und einem fairen 1:1.

Zufrieden mit dem Ergebnis aber mit der Einsicht, das es ein langer, steiniger Weg wird ging man in die erste Pause.

Der zweite Gegner des Tages hieß Sporting Ratzeburg. Auch dieses Spiel ging man engagiert an. Aus einer guten Defensive konnten immer wieder schöne Angriffe gefahren werden, aber auch unser gut aufgelegter Tormann Sieben durfte sein Können zeigen. Pech hatte Patrick als er nach guter Einzelleistung leider nur den Innenpfosten traf und der Ball in die Arme des Torwarts kullerte. So blieb es beim 0:0.

Das zweite Spiel, der zweite Punkt, es lief. Dennoch bemerkten unsere Spieler, die im Gegensatz zu anderen Mannschaften keine Wechselmöglichkeit hatten, das es noch ein schwieriger Weg durch das Turnier werden kann, da die Kräfte schwanden (man könnte auch behaupten durch die Ereignisse des Vorabends).

Im letzten Gruppenspiel ging es dann gegen St. Paulis 6te. Da unsere Köpfe noch besser funktionierten als der Körper, war uns klar das eine Niederlage mit weniger als 2 Toren Unterschied für ein Weiterkommen in das Halbfinale reichen würde, da St. Pauli die ersten Gruppenspiele mit jeweils 3:0 für sich entschied und auch unsere direkten Konkurrenten sich nur Unentschieden trennten. So gab es eine kurze, aber entschlossene Taktikbesprechung, in der beschlossen wurde die Berliner Mauer wieder aufzurichten und Beton anzurühren.

Das Spiel begann und es wurde wie erwartet Intensiv. St. Pauli drückte und wollte sich die “weiße Weste” nicht nehmen lassen. Unsere Sterne jedoch verteidigten mit Mann und Maus. Sicherlich nicht das attraktivste Spiel für die Zuschauer, wie sich aber zeigen sollte sehr effektiv. Für das einzige Highlight vor dem Paulitor konnte Johannes sorgen, als der gegnerische Schlußmann ihm jedoch keine Zeit ließ den schön lang geschlagenen Ball von Daniel zu verwerten. Es wäre ja auch zu schön gewesen.

Aber unsere Mauer hielt und unsere Sterne bekamen das 0:0 über die Zeit, und damit auch den 3 Punkt im 3ten Spiel und somit das Halbfinalticket . Zitat eines Pauli Spielers: “Das war verdammt dreckig von euch, aber auch sehr stark gemacht!

Fazit der Gruppenphase: Mit 0 Siegen, 3 Unentschieden und 1:1 Toren erreichten unsere Goldfüße das Halbfinale. Nunmehr gab es eine Pause in der unsere Kicker, die nun vielmehr am Ende ihrer Kräfte standen Zeit zum Wundenlecken hatte und der Gegner ermittelt wurde.

Nach Ansprache der Organisatoren stand fest, der Gegner heißt SSV Pölitz III. Nachdem St. Pauli die gastgebende Mannschaft Roter Stern Kickers im ersten Halbfinale mit 1:0 geschlagen hatte und wir uns mit der Situation abgefunden hatten eventuell wieder auf sie zu treffen, ging es auch schon los ins Halbfinale. Zwar Körperlich schon ziemlich verbraucht, aber mit unserem gewohnten Engagement und Spaß am Spiel.

Die Partie verlief Anfangs auch ziemlich Ausgeglichen, aber dann nutzte Pölitz die erste Unaufmerksamkeit unserer Mannschaft und netzte zum 1:0 ein. Mit dem wissen, das die Uhr gegen uns läuft und wir nun treffen mußten, wurden nochmals alle Kräfte mobilisiert, der Ball jedoch wollte nicht in den gegnerischen Kasten. Stattdessen fiel das 0:2 aus unserer Sicht, nach einem guten Konter. Das war es dann auch mit dem Finaltraum, denn kurz darauf war auch schon Schluss. Vielleicht kurzzeitig enttäuscht, freute man sich dennoch über die eigene Leistung und über die Möglichkeit sich im kleinen Finale mit den Gastgebern messen zu dürfen.

Das letzte Spiel für unsere Sterne also um Platz 3 gegen die Roten Stern Kickers 05. Mit der Gewissheit die letzten 10 Spielminuten des Tages zu haben und sich würdevoll aus dem Turnier zu verabschieden krochen unsere Goldfüße auf das Spielfeld und bissen nocheinmal auf die Zähne, lagen aber schnell 0:2 hinten. Dennoch mit dem Gedanken an ein Würdevolles Ende konnten unsere Sterne in Person von Daniel verkürzen. 1:2! Vielleicht geht ja doch noch was? Nein die Antwort der Kickers 05 kam wiederum kurz vor Schluß mit dem 3:1. Nun körperlich am Ende der Kräfte, aber Stolz über die Leistung endete der Anneließe-Oelte-Pokal mit einem respektablem 4 Platz.

Auf der Fahrt zurück ins heimlige Berlin wurde aber einstimmig beschlossen, das der größte Erfolg für uns darin lag, als einzigste Mannschaft dem späteren Turniersieger St Pauli VI (4 Siege, 10:0 Tore) als einzigste Mannschaft Punkte abgenommen zu haben! Wir möchten uns bei den Gastgebern Roter Stern Kickers und den Organisatoren bedanken und würden uns freuen wenn der Pokal ein weiteres mal ausgespielt und wir daran teilhaben dürfen.

Die Hose voll

Ja, Schiedsrichter Wolfgang Stark hat mit seinen Fehlentscheidungen dafür gesorgt, dass Borussia Dortmund gegen den VfL Wolfsburg auf die Verliererstraße geriet. Aber dass sich der Unparteiische nach kurzer Bedenkzeit anschließend der empörten Öffentlichkeit stellte und seine Fehler ohne Wenn und Aber zugab und bedauerte, verdient Respekt.

Quelle: 11.Freunde

Es wird sicherlich kein schönes Gefühl sein, von 80.000 Menschen aufs Übelste beschimpft zu werden. Und es braucht eine ganze LKW-Ladung voller Selbstbeherrschung, um sich von diesem Gefühl nicht negativ beeinflussen zu lassen. Der Autor dieser Zeilen hat noch nie ein Bundesligaspiel gepfiffen, er hat folgerichtig auch noch nie einen Fehler gemacht, der das vielleicht emotionalste Stadion Europas beinahe zum Überkochen gebracht hätte. Aber er schwört hier Stein und Bein, dass er, wenn jede der Beschimpfungen, die am Samstagnachmittag der Schiedsrichter Wolfgang Stark über sich ergehen lassen musste, ihm gegolten hätte, nach der Partie mindestens 80.000 Ohrfeigen verteilt hätte.

Wolfgang Stark alleine hat das Spiel nicht für den BVB verloren

Deshalb ist der Autor dieser Zeilen auch der Autor dieser Zeilen und Wolfgang Stark Bundesliga-Schiedsrichter. Stark ist ein Meister der Selbstbeherrschung, deshalb macht er diesen Job. Aber er ist auch immer noch ein Mensch und deshalb fehlbar. Im Spiel Borussia Dortmund gegen den VfL Wolfsburg übersah Stark nach gut einer halben Stunde zunächst eine Abseitsstellung des Wolfsburgers Vierinha, dann wertete er die Rettungsaktion des Dortmunders Marcel Schmelzer gegen den Schuss von Bas Dost als Handspiel. Die Folge: Rote Karte für Schmelzer, Elfmeter für den VfL Wolfsburg, der 1:1-Ausgleich für die Gäste aus der Autostadt. Das Spiel, zuvor ganz klar vom Deutschen Meister dominiert, kippte, am Ende verlor der BVB mit 2:3 und hat nun 14 Punkte Rückstand auf den FC Bayern.

Wolfgang Stark alleine hat dieses Spiel nicht für den BVB verloren. Die Dortmunder verloren auch, weil der Brasilianer Diego ein fantastisches Spiel machte, weil die Borussen gute Chancen nicht nutzten und weil Wolfsburgs Bas Dost allen Unkenrufen zum Trotz offenbar doch ein ziemlich anständiger Vollstrecker ist. Aber der Schiedsrichter mit dem stets grimmigen Gesichtsausdruck – angeblich lautet Starks Spitzname unter den Bundesligaprofis »Imperator« – hatte mit seinen Entscheidungen einen erheblichen Anteil an der für Dortmund so schmerzhaften Niederlage. Natürlich richtete sich Wut und das Entsetzen der Dortmunder Zuschauer, Spieler, Trainer und Funktionäre nicht gegen die verpassten Chancen, die Brillanz Diegos oder den Niederländer Bas Dost, sondern gegen Wolfgang Stark. So läuft das nun mal beim Fußball.

Die Reaktionen der 80.000 und der Dortmunder Mannschaft waren zum Teil sehr heftig. Die Gesänge übel, das Zähnefletschen von Jürgen Klopp gewohnt bedrohlich und die Aussagen der BVB-Boss Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke harsch. Die Dortmunder fühlten sich im Recht, schließlich war in den Fernseh-Zeitlupen eindeutig zu erkennen, dass Schmelzer den Ball mit der Innenseite seines Oberschenkels abgewehrt hatte und nicht mit der Hand.

»Ein Wahrnehmungsfehler, es tut mir leid«

Wolfgang Stark blieb nach dem Schlusspfiff gut eine Stunde in seiner Kabine und beriet sich mit DFL-Schiedsrichterbeobachter Hellmut Krug und seinen Assistenten. Dann trat er vor die Kameras und sagte: »Wir haben die Bilder nach dem Spiel analysiert mit dem Beobachter. Für mich war das auf dem Spielfeld klar: Handspiel auf der Torlinie – und das führt eben zu einem Strafstoß und einer Roten Karte. Anhand der Fernsehbilder hat man natürlich gesehen, dass kein Handspiel vorlag – somit ein Wahrnehmungsfehler. Ein klarer Fehler von mir. Das tut mir natürlich leid.«

Jemand hat einen Fehler gemacht, gibt das zu und entschuldigt sich dafür. Ganz einfach, oder? Nicht so ganz. Schließlich ist Wolfgang Stark kein Postbote, der einen Brief an den falschen Adressaten überbracht hat. Stark ist Bundesliga-Schiedsrichter, jene Spezies Mensch, die eigentlich keine Fehler machen soll und darf und schon gar nicht anschließend öffentlich um Verzeihung bittet. Stark hatte zuvor den Hass eines ganzen Stadions gespürt und sich denVorwurf gefallen lassen müssen, dass er offensichtlich nicht fähig sei, seinen Job anständig auszuführen. Er hatte nur eine Stunde Zeit, um sein Gefühlschaos zu ordnen und sich eine Strategie zu überlegen. Er wählte den einfachsten Weg, der aber gar nicht so einfach ist, wenn man bedenkt, dass ein anerkannter Fußball-Schiedsrichter vor der Öffentlichkeit die Buchse runterlassen und sein Fehlverhalten eingestehen muss.

Respekt. Denn damit hat Wolfgang Stark, ob man ihn nun mag oder nicht, zumindest bewiesen, dass er einen Allerwertesten in der Hose hat.

»Eine neue Stunde Null wäre gut!«

Am kommenden Wochenende werden in Dortmund und Köln wieder Fans auf die Straße gehen. Sie demonstrieren unter dem Motto »Zum Erhalt der Fankultur«. Wir sprachen mit dem Kölner Organisator Stephan Schell über die Entwicklung des Fanprotestes, das DFL-Konzept und die richtige Wortwahl im Dialog.

Quelle: 11.Freunde

Stephan Schell, vergangenes Wochenende fand in Leverkusen eine Fandemo von Bayer-Fans statt, am kommenden Samstag demonstrieren FC-Fans in Köln und BVB-Anhänger in Dortmund. Wieso zieht man sich nach der überregionalen Fandemo 2010 und dem Fankongress Anfang 2012 zurück ins Lokale?
Als sich kürzlich aktive Fans verschiedener Szenen zusammensetzten, war man sich einig, dass eine erneute Fandemo wichtig sei. Allerdings sollte diese nicht nach demselben Muster wie im Herbst 2010 verlaufen. Wir wollten eine Fandemo organisieren, die möglichst viele verschiedene Fantypen erreicht: Kutten, Trikotträger, Fanklubs, Familien, Ultras. Und das schien uns vor allem dann möglich, wenn man sie in einem überschaubareren Rahmen aufzieht.

Warum demonstrieren Sie?
Die Demo findet unter dem Motto »Zum Erhalt der Fankultur« statt. Zuletzt haben die aktiven Fans ihre Anliegen auf Kongressen oder im Stadion, wie jüngst mit »12:12«, artikuliert. Uns war es wichtig zu zeigen, dass wir für unsere Sache auch wieder auf die Straße gehen. Diese Demo findet allerdings unabhängig von »Pro Fans« (Ultra-nahe Fanorganisation, d. Red.) oder »12:12« statt, und sie richtet sich nicht nur gegen das DFL-Papier »Sicheres Stadionerlebnis«, über das am 12. Dezember entschieden wird. Es geht um den Erhalt der Fankultur im Ganzen. Themen sind zum Beispiel auch Ticketpreise oder der Erhalt von Stehplätzen.

Wen erwarten Sie?
Wir rechnen mit einer vierstelligen Teilnehmerzahl. Ob Vereinsvertreter kommen, werden wir sehen. Ich bin mir aber sicher, dass der Klub die Demo positiv wertet, da sie sich von vornherein als offen für alle FC-Fans gezeigt hat.

FC-Präsident Werner Spinner gilt als jemand, der sich mit aktiven Fans auseinandersetzt. Zu einer Ablehnung des DFL-Papiers haben die Fans ihn dennoch nicht bewegen können. Warum nicht?
Zunächst sollte man positiv festhalten, dass auch der Verein den ersten Entwurf des Papieres nicht zielführend fand. Er hat um eine Überarbeitung gebeten. Zudem hat sich in den vergangenen Monaten eine Menge in Köln getan. Wir haben die »AG Fankultur« ins Leben gerufen, in der Fan- und Vereinsvertreter sitzen und in der man auf Augenhöhe konstruktiv diskutieren kann. Es gab genug Vorfälle, über die man sprechen musste.

Welche meinen Sie?
Die Teilnehmer der »AG Fankultur« sind sich darüber einig, die besprochenen Inhalte nicht ohne Absprache öffentlich zu kommunizieren – daran halte ich mich natürlich auch. Eins kann ich ihnen aber versichern: Die Teilnehmer sagen sich Meinungen offen ins Gesicht und halten mit Kritik nicht hinterm Zaun. Sowieso: Ein Dialog mit Vereinsvertretern ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Die Verbände, DFB und DFL, stellen hingegen immer wieder an exponierter Stelle dar, dass es ausgesprochen gütig sei, dass sie uns diesen gewähren.

Von Seiten der Verbände heißt es oft, dass der Dialog dauerhaft und auch konstruktiv stattfinde. Zudem müsse den Funktionären auch zugebilligt werden, gewisse Entscheidungen und Themen intern, also ohne Fans, diskutieren zu dürfen.
Ich finde es prekär, über Fußballfans zu entscheiden und diese dann nicht an den Tisch zu holen. So entfernt man sich immer mehr von den Fans.

Was würde denn eine Absegnung des DFL-Konzeptes am 12. Dezember bedeuten? Ein Ende der Fankultur? So haben es jedenfalls einige FC-Fans kurz nach Veröffentlichung des Papieres formuliert.
Dass Fans nun auch konkreter in ihren Aussagen werden, ist kein Wunder: Nach den ganzen Medienlawinen haben viele Fans den Eindruck, dass sie zurückschießen müssen. Daher skizzieren sie ein Szenario, das selbst bei einer Verabschiedung des Konzeptes nicht unbedingt Realität werden muss. Hierbei muss auch erwähnt werden, dass viele Fußballfans das Vertrauen in die Verbände mit den Jahren verloren haben. Dennoch: Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Fans, die durch das Konzept betroffen sind, irgendwann keine Lust mehr haben, ins Stadion zu gehen. Wenn man ständig wie ein Krimineller behandelt wird, sich vor dem Stadion ausziehen muss, dauerhaft unter Beobachtung steht, und dadurch sowohl das Privat- als auch Berufsleben eine unwahrscheinliche Belastung erfährt, sagen sicher viele: Das tue ich mir nicht mehr an.

Das Konzept wurde unlängst überarbeitet. Warum ist für Sie auch das vorliegende Konzept nicht akzeptabel?
Die Stadien sind sicher, und wenn es Vorgänge gibt, gibt es auch Reaktionen. Daher ist dieses Konzept nicht notwendig. Wenn man davon absieht, ist es inhaltlich immer noch massiv überarbeitungswürdig. Alleine die schwammigen Formulierungen zu den »Kontrolleinrichtungen« oder Stehplätzen missfallen vielen Fußballfans. Die Stehplätze sollten ohnehin nicht zur Disposition stehen. Sie waren und sind Bestandteil – und zwar nicht nur von Fankultur, sondern vor allem vom Fußball. Hinsichtlich der Demo sei allerdings gesagt, dass dort auch FC-Fans mit einer differenzierten Meinung zum Papier hinkommen werden. Daher geht es am 08. Dezember vordergründig um den gesamten Komplex einer erhaltenswürdigen Fankultur.

Sie wäre also auch auf die Straße gegangen, wenn es das Papier nie gegeben hätte?
Absolut. Ein Beispiel: Mitte November mussten sich Fans von Eintracht Frankfurt beim Auswärtsspiel in München ausziehen. Sie wurden dafür in weiße Zelte geführt. Dieses Szenario ist also jetzt schon Realität – ohne Papier. Und alleine das ist Anlass zu massiver Kritik.

Wie sieht in Ihrer Idealvorstellung ein Sicherheitskonzept aus?
Am besten wäre es, das Bisherige zu löschen. In einer neuen Stunde Null sitzen wir alle – also auch Vertreter von »BAFF«, »Unsere Kurve«, »Pro Fans« et cetera – an einem Tisch und vor einem leeren Blatt. Dann erarbeiten wir ein für alle Seiten zufriedenstellendes Konzept. Wichtig ist auch, dass dies ganz ohne Zeitdruck entsteht – wenn es Monate dauert, dann dauert es eben Monate. Aber am Ende kann niemand enttäuscht sein.

Auch nicht die Hardliner, die Kontrollen wie am Flughafen fordern?
Man muss natürlich eines begreifen: Fußball ist ein Sport, der verschiedene Schichten, Altersstufen und Bildungsgrade anspricht. Es ist ein Massensport, bei dem jedes Wochenende abertausende Menschen auf verschiedene emotionale Weise zusammenkommen. Ob mit oder ohne Papier, ob mit oder ohne Nacktscanner: eine vollständige Sicherheit ist nicht möglich. Die bekommt man nur, wenn man den Laden komplett dichtmacht. Dann müsste man allerdings auch andere Massenveranstaltungen abschaffen.

Union Berlins Präsident Dirk Zingler sagte vor einiger Zeit: »Es muss von beiden Seiten verbal abgerüstet werden.« Inwiefern sehen Sie sich als Mitglied einer Ultragruppe auch in der Pflicht? Helfen Banner mit Aufschriften wie »Fick dich DFB« weiter?

Wenn ich dieses Thema betrachte, geht es doch nicht um eine Sache, die nur Ultras betrifft. Es geht um Fans, vornehmlich um aktive Fans. Und genau so gehe ich am 8. Dezember auf die Straße: als aktiver Fan. Ich hoffe, dass einige Leute es mir gleich tun. Zu den Bannern: Über den Wortlaut kann man sicherlich streiten, wenngleich ich der Meinung bin, dass es in der Kurve auch mal ruppiger zugehen kann. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass keine Folgespruchbänder hochgehalten worden wären, wenn der DFB nicht so dünnhäutig reagiert hätte.

Ahrensburg: Anneliese-Oelte-Pokal 2012

Die sechste Mannschaft des FC Sankt Pauli gewinnt das Finale des Annelies-Oelte-Pokal in Ahrensburg gegen die dritte Mannschaft SSV Pölitz III. Den dritten Platz belegen die Roter Stern Kickers aus Ahrensburg, sie setzen sich gegen die zweite Mannschaft des Roten Stern Nordost Berlin durch. Die Roten Sterne aus Flensburg belegten am Ende den siebten Platz.

Die Veranstalter vom Roten Stern Kickers Ahrensburg ziehen ein äußerst positives Fazit: „Am Ende sind über 300€ an Spenden für die Initiative “Rassismus tötet“ zusammen gekommen. Danke an alle. Es war ein schöner Tag.Quelle.